Der Mondmann (2012)

Der Mondmann ist etwas einsam auf seinem Mond, und langweilig ist ihm womöglich auch. Er greift nach dem Schweif eines vorbeifliegenden Kometen und lässt sich zur Erde tragen, wo er Gerüche, Pflanzen und Tänze kennenlernt und schließlich den Erfinder Bunsen van der Dunkel. Allerdings erfährt auch der Präsident, der über die ganze Erde herrscht, von der Ankunft des Mondmannes, und eröffnet bald die Jagd auf ihn – denn da die Erde nun ganz erobert ist, bleibt als nächstes nur, wie eine Frau mit roten Haaren im einflüstert: “der Mond, der Mond”.

Es ist ein kleines Wunder und womöglich ein Wunder der Handlungsentwicklung, wie man aus einem schmalen, eher bescheidenen Bändchen wie Der Mondmann von Tomi Ungerer (amazon) einen Film von 95 Minuten machen kann; und weil die wenigen Seiten tatsächlich nicht genug Stoff hergeben, finden sich im Drehbuch von Stephan Schesch, der auch Regie führte, so allerhand andere Figuren, die zum Teil direkt (die Verführerin mit den roten Haaren), zum Teil weniger direkt aus anderen Werken des Ungerer-Kosmos entsprungen zu sein scheinen und sich hier mehr oder minder gut einfügen. (Dem Autor scheint’s gepaßt zu haben, Ungerer ist als Erzähler eingesprungen und immer wieder zu hören. Wie überhaupt illustre Namen zu den Sprecher_innen gehören: Katharina Thalbach (als Mondmann), Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch.) „Der Mondmann (2012)“ weiterlesen

Kurzfilm zum Wochenende: Monster and Dumpling (2011)

monsteranddumpling

Der Film sieht ganz anders aus, als es das obige, aus dem Abspann stammende Bild erahnen lässt, und die computergenerierten Bilder aus dem Kurzfilm des jungen amerikanischen Filmemachers Jihwan Jung scheinen auf den ersten Blick aus den Tiefen des Uncanny Valley zu stammen… aber dann sind die Augen vor allem deshalb so leblos, weil der eine Protagonist blind ist. Hier also: wie ein Monster und ein blindes Kind zueinander finden. Sicher nichts für die ganz Kleinen, und insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig, aber doch zurecht mehrfach preisgekrönt:

Schönes Wochenende!

Madagascar 3: Flucht durch Europa (2012)

Ich muss gestehen, dass ich nicht eben ein großer Fan der Madagascar-Filme bin; vor allem der erste Streifen war mir zu schlicht in seiner Grundanlage und dann zu chaotisch und zu laut, um sich, trotz einzelner wunderbarer Ideen (bezeichnenderweise vor allem in den Nebenfiguren sichtbar), wirklich in mein Herz zu zaubern. Hinzu kommt, dass ich Franchise-Unternehmungen vor allem im Kinderfilm immer sehr skeptisch gegenüberstehe – gerade im Trickfilm folgten oft auf mediokre, aber halbwegs erfolgreiche Erstlinge ein Schwung billiger Direct-to-Video-Produktionen, die man keinem Kind ernsthaft mehr zumuten möchte.

Madagascar 3 nun überraschte mich insofern, dass es auf der einen Seite gar nicht erst ernsthaft versuchte (was viele Franchises machen), mehr des Gleichen zu bieten, sondern sich an der konsequenten Austreibung von Handlungselementen versuchte. Auf der anderen Seite verlangt es (auch deshalb) aber genaues Wissen darüber, mit wem man es hier eigentlich zu tun hat und was diese Figuren antreibt. Mit anderen Worten: der Löwe Alex, das Zebra Marty, die Giraffe Melman und die Nilpferddame Gloria werden überhaupt nicht mehr vorgestellt (ebensowenig wie die Pinguine, die Affen und alle anderen Figuren, die aus den ersten beiden Filmen bekannt sind), und es wird auch nicht erklärt, nur ein wenig gezeigt, warum die Tiere unbedingt nach New York (zurück) wollen. „Madagascar 3: Flucht durch Europa (2012)“ weiterlesen

Traumatische Momente im Kinderfilm

Die wenigsten Kinderfilme sind ganz frei von erhöhten Spannungsmomenten – es macht ja oft den Genuß entscheidend aus, dass Konflikte aufgebaut und wieder gelöst werden (oder eben nicht). Aber manche Momente sind auch in Filmen für Kindern schon sehr hart am Existentiellen. Fünfzig solcher Augenblicke hat die amerikanische Seite collegehumor.com zusammengetragen und in einem kleinen Video hintereinandergeschnitten. Nicht alle Filme sind dezidierte Kinderfilme und würden hier herpassen, manche sind in Deutschland praktisch unbekannt – aber der eine oder andere Moment wird wahrscheinlich allen meinen Leser_innen bekannt vorkommen.

(Direktlink zu den Traumata; danke, Daniel!)

Kurzfilm zum Wochenende: Mein seltsamer Großvater (2011)

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Ein wunderschöner, bittersüßer Traum von Wind und Musik, in traditioneller Stop-Motion-Technik animiert. Von der jungen russischen Filmemacherin Dina Velikovskaya (hier ein Interview mit ihr) gibt es auf Vimeo auch noch eine Reihe anderer Filme zu sehen, dieser hier, der auch Mitte April auf den Flensburger Kurzfilmtagen laufen wird, ist ihr jüngster Streich.

Schönes Wochenende!

(via)

Kalif Storch (2012)

Pepperl muss als Strafarbeit den Dachboden seines Großvaters aufräumen, statt dieser Arbeit widmet er sich aber lieber dem Studium der geheimnisvollen Schätze, die da herumliegen. Gerade als sein Freund Kasperl ihn zum Fußballspielen abholen will, stößt er auf ein Buch, das anscheinend Zaubersprüche enthält; und ehe die beiden recht wissen, wie ihnen geschieht, reisen sie auf einem fliegenden Teppich gen Afrika.

Kalif Storch braucht eine ganze Weile und eine große geographische Ungenauigkeit (samt nicht unproblematischer kultureller Stereotype), um seine beiden Hauptfiguren an den Schauplatz der eigentlichen Handlung zu verfrachten, die sich an Wilhelm Hauffs gleichnamigem Märchen orientiert: Drei böse Zauberer wollen den Kalifen von Bagdad mit einem Trick dazu bringen, sich in ein Tier zu verwandeln, damit ihr Anführer seine Position einnehmen kann. Pepperl und Kasperl werden zufällig Zeuge davon, wie die drei ihre Pläne schmieden und wollen den Kalif warnen, werden aber selbst in Frosch und Storch verwandelt. „Kalif Storch (2012)“ weiterlesen