Kurzfilm zum Wochenende: Durcheinandergebracht (2017)

Esra hat den Zug verpasst, sie ist ziemlich genervt und spielt auf ihrem Telefon. Aber der Zauberwürfel, der wie achtlos in einer Ecke des Bahnsteigs liegt, würde doch auch gerne mal wieder gelöst werden… Scrambled von Bastiaan Schravendeel (Polder Animation) gibt nicht nur einem Spielzeug Leben zurück, er wirft auch am Rande die Frage auf, ob wir außerhalb unserer Bildschirme noch die Welt wahrnehmen – und sei es nur für einen kleinen Zeitvertreib.

Schönes Wochenende!

Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (2017)

Ich fand die letzten Schlümpfe-Filme eher so naja, aber zumindest war der Versuch, sie in die reale Welt zu schicken und dort Chaos anzurichten, für komödiantische Zwecke nicht unergiebig. Im dritten Film der letzten Jahre nun bleiben wir ganz in der durch den Computer animierten Welt der Schlümpfe, in der drei der blauen Gesellen nebst Schlumpfine im Streit mit Papa Schlumpf das gemütliche Schlumpfhausen verlassen und sich aufmachen in die weite Welt – und schließlich auf das “verlorene Dorf” aus dem Titel stoßen, um deren Einwohnerschaft der Trailer seinerzeit noch meinte einen großen Bogen machen zu müssen.

Man kann den Film aber nicht ernsthaft diskutieren, ohne das Geheimnis zu lüften, also: “Vorsicht, Spoiler!”, aber so interessant und unerwartet ist es dann eben doch eigentlich nicht, und im Bild oben ist es auch schon angedeutet: „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (2017)“ weiterlesen

Neuerscheinung: 33 beste Kinderfilme

Mein Buch ist erschienen! Wenn Ihr den Social Media-Accounts dieses Blogs folgt oder meinen Newsletter abonniert habt, ist das für Euch wahrscheinlich a) keine Neuigkeit mehr und kommt b) Euch eigentlich schon zu den Ohren oder Augen raus, so oft habt Ihr es lesen und hören müssen. Aber jetzt muss das noch einmal, ein für allemal, raus: Pünktlich zur Leipziger Buchmesse ist mein wunderschön geratener Band 33 beste Kinderfilme herausgekommen, mit feinsten Illustrationen von Dorothea Blankenhagen und zum wohlfeilen Preis von 16 Euro überall dort bestellbar, wo es gute Bücher gibt – also bei der Buchhändlerin Eures Vertrauens (ISBN 978-3-96242-110-6, falls sie fragt), aber genauso natürlich zum Beispiel bei amazon, bei thalia.de oder bei buecher.de.

Vor mittlerweile deutlich mehr als einem Jahr sprach mich der liebe Marcel Diel vom Verlag Dreiviertelhaus an, ob es nicht vielleicht eine gute Idee sein könnte, mithilfe der vielen Kinderfilm-Kritiken, die ich im Lauf der letzten sechs Jahre geschrieben habe, einen Schwung Empfehlungen in einem kleinen Büchlein zusammenzutragen. Wie sich das für solche Projekte gehört, gab es dann ein solches und ein jenes Konzept, bei dem mich vor allem die Frage umtrieb, nach welchen Kriterien ich denn hier Filme vorstellen wolle – denn jene Filme zu nennen heißt halt auch immer, andere nicht aufzunehmen, und die sind aber doch so toll… Glücklicherweise ist Marcel ein meisterlicher Ideendompteur, so dass ein Gerüst entstand, das nur ein wenig Korsett und vor allem Stütze ist – und ich konnte immer besser damit leben, dass ein Projekt wie dieses notwendigerweise unabgeschlossen bleibt, oder genauer: offen nach außen, in Bewegung und – zum Beispiel hier im Blog – im Stadium der dauernden Erweiterung.

Ich freue mich wie Bolle, dass das Buch nun fertig ist – ein Riesendankeschön an Marcel, Benedikt und Hraban vom Verlag sowie an Dorothea Blankenhagen, durch deren wunderbare Illustrationen die Filme schon auf dem Papier zu Leben erweckt werden.

Was dieses Buch nun also sein soll: “Ein Wegweiser in der unüberschaubaren Masse an Kinderfilmen”, so steht es auf der Verlagswebsite – 33 Vorschläge,

die alles Mögliche sein mögen, aber auf keinen Fall langweilig. Dabei reicht die Spannbreite vom Märchenfilm bis zur Sinfonie in Pups, vom Krimi aus der großen Stadt bis hin zum stillen Sommerfilm in Dorfkulisse. Glück und Aufregung, Angst (ein bisschen) und Trauer, Liebe und Lernen – Filme, in denen alles steckt, was Kino geben kann. Mit einer Ausnahme: Tumber Zeitvertreib ist in dieser Auswahl nicht dabei.

Die Texte im Buch basieren nur zu einem kleinen Teil auf Kritiken und Essays, die hier oder anderswo schon erschienen sind, und diese wurden noch einmal gründlich überarbeitet. Auf der Website zum Buch sind nicht nur weitere Links zu Informationsquellen und Büchern gesammelt, vor allem gibt es zu jedem Film den Trailer, ein paar weitere Basisinfos und natürlich Bezugsquellen – Streaming-Links sowohl für Video on Demand als auch in Flatrates, soweit auffindbar, und natürlich Bestellmöglichkeiten für DVDs und Blu-rays. Denn alle Filme, das war eines der wichtigsten Kriterien für die Vorauswahl, sind problemlos in Deutschland zu finden.

Ich bin gespannt, was Ihr zu dem Buch sagt, und freue mich auf Eure Meinungen, Anmerkungen, (freundliche) Beschimpfungen und sonstigen Kommentare – gerne gleich hier unter diesem Text oder persönlich bei den Buchvorstellungen in Leipzig (23. und 24. März 2019) sowie in Berlin (29. März). Alle Termine hier!

Unheimlich perfekte Freunde (2019)

„Fridolin muss lernen“, erklärt Frau Klawitter, die Grundschullehrerin, den Eltern, „die Zahlen IN die Kästchen zu schreiben.“ Fridolin, man ahnt es schon, ist kein ganz einfaches Kind, und das mit dem Übergang aufs Gymnasium sieht gerade nicht so gut aus, auch wenn sein bester Freund Emil, Klassenbester, sich nach Kräften bemüht und Fridolin auch schon mal seine Klassenarbeit unterjubelt, damit dieser bessere Noten bekommt.

Wo Frido immer nur Quatsch macht und in seiner Anwesenheit der Badezimmerspiegel schon einen Sprung bekommt, wenn er nur davorsteht (Man ahnt es: Foreshadowing!), ist Emil das genaue Gegenteil: gründlich, ordentlich, ängstlich, allergisch. Frido schwingt sich aufs Fahrrad und fährt in die Hochhaussiedlung, Emil wird von seiner Mutter abgeholt, zum Geigenunterricht, zur Ergotherapie, zum Chinesischkurs … und schnell heim ins großzügige Einfamilienhaus. Aber beide sollen natürlich aufs Gymnasium, der Zukunft wegen. Das ist deutsche Stadtkindheit im frühen 21. Jahrhundert, präzise abgebildet bis in die Namensgebung hinein.

Unheimlich beste Freundin ist der neueste Film aus der Initiative “Der besondere Kinderfilm” und ist in weiten Teilen sehr flott und unterhaltsam geworden – für mich geht er aber nicht ganz weit genug, und seine Grundidee ist mir ein wenig zu nah am DEFA-Film Das Schulgespenst von Rolf Losansky. Meine ausführliche Kritik gibt es bei kino-zeit.de.

UNHEIMLICH PERFEKTE FREUNDE Trailer Deutsch German (2019)

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Unheimlich perfekte Freunde. Deutschland 2018. Regie: Marcus H. Rosenmüller, 92 Minuten. FSK (noch nicht entschieden), empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 4. April 2019.

Foto: SquareOne Entertainment

Kurzfilm zum Wochenende: Cacapuu (2018)

Wenn schon Kacke, dann aber richtig. (Das passt ganz gut in diese Woche, aber das ist ein anderes Thema. Nächste Woche wird alles toll.) Und was soll so ein Mistkäfer tun, wenn ihm die Früchte seiner harten architektonischen Arbeit so einfach genommen werden? (Ein Kurzfilm von Marianne Riis Blaesbjerg und anderen Student_innen am The Animation Workshop zum Abschluss des ersten Studienjahres. via)

Schönes Wochenende!

Kurzfilm zum Wochenende: Purl (2019)

Kurz hatte ich mich geärgert, dass ich mit Ein kleiner Schritt den perfekten Kurzfilm zum Frauenkampftag schon vor ein paar Wochen rausgehauen hätte; aber, dachte ich mir, es kann ja nicht so schwer sein, in meiner kleinen Sammlung an Kurzfilmen, die ich hier freitags posten will, noch einen weiteren mit einer starken Protagonistin zu finden… oder?

Warum bin ich eigentlich noch so naiv? Weder in den Filmen, die ich in dieser Rubrik schon gepostet habe, noch in meinen verschiedenen Quellen, die ich regelmäßig durchsuche, tauchen Frauen und Mädchen besonders oft als Hauptfiguren in kindertauglichen Kurzfilmen auf. Um nicht zu sagen: Sie sind die bestürzend seltenen weißen Kiesel in der großen Felswüste. Oder irgendein anderes schiefes Sprachbild, pick your poison. Ausnahmen waren zum Beispiel noch Lotte, Monstersinfonie und Das Mädchen und der Fuchs.

Es gibt also, das ist aber nun im alljährlichen Nachdenken zum Internationalen Frauentag auch keine Überraschung mehr, noch viel zu tun; in den vergangenen Jahren habe ich immerhin und immer wieder Heldinnen des Kinderfilms gesucht und mir zu ihnen weiterführende Gedanken gemacht, starke Frauen- und Mädchenfiguren zusammengetragen.

Zeigt Euren Töchtern, Euren Söhnen, Euren Kindern tolle, komplexe Mädchen und Frauen – vom Abwarten wird es jedenfalls nicht besser.

Für heute gibt es jedenfalls Purl, einen Kurzfilm von Kristen Lester aus der Reihe “SparkShorts”, mit denen im Hause Pixar junge Filmemacher_innen die Möglichkeit bekommen, ihre ersten Schritte als Regisseur_innen zu machen. Die Situation im Film erscheint schnell vertraut: Purl tritt eine neue Stelle an – und ist die einzige Frau in einem sehr auf Männlichkeiten getrimmten Büro. Da muss sich was ändern.

Purl | Pixar SparkShorts

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Kämpferisches Wochenende!