Weihnachtsfilme für Kinder: Nicht nur Santa Claus

Ich mag es ja, mich auch mit Filmen auf bestimmte Jahreszeiten und Festivitäten einzustimmen, das ist im Oktober zu Halloween so gewesen, das ist natürlich auch zu Weihnachten so; und dass ich damit nicht allein bin, zeigt sich ziemlich offensichtlich daran, mit welch milder Freudenhysterie alljährlich die Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel durch die sozialen Medien gehen. Und welche Weihnachtsfilme für Kinder gibt es da?

Grundsätzlich sind natürlich die meisten Weihnachtsfilme (eigentlich müssten sie Adventsfilme heißen, weil man sie – oder bin das nur ich? – ja eher vor dem Fest zur Einstimmung schaut) für Kinder geeignet, auch weil sie schon als Familienfilme konzipiert sind. Natürlich gibt es Filme, die wie Stirb Langsam (Die Hard) aus verschiedenen Gründen zu Weihnachtstraditionen geworden sind, aber nicht unbedingt Besinnlichkeit und Nächstenliebe transportieren, und natürlich jene Horrorstreifen, die das Fest in ganz andere Rottöne tauchen (Rare Exports oder Black Christmas seien beispielhaft genannt; eine Abwandlung von Knecht Ruprecht eignet sich auch immer sehr gut als finsteres Monstrum).

Aber das sind ja die Ausnahmen. Vermeiden sollte man allerdings vielleicht noch das Gros der schmalzigen, immergleiche heteronormativen Romantischen Komödien, dass sich in grün und rot auf den Streaming-Plattformen tummelt und gegen die Tatsächlich… Liebe (Love, actually, einer meiner guilty-pleasure-Filme) wirkt wie ein aufgeklärter Kommentar über den Status Quo der Liebe im Kapitalismus.

Szenenbild:

Kinderfilme zum Weihnachtsfest: Themen und Topoi

Auch ohne Romanzen haben die Weihnachtsfilme für Kinder, da verrate ich kein Geheimnis, gerne wiederkehrende Motive und Themen. Ein paar möchte ich kurz mal vorstellen:

Weihnachten ist in Gefahr!

Das ist, so mein Eindruck, das bei weitem Beliebteste Thema. Meistens ist konkret die Auslieferung der Geschenke bedroht, weil der Weihnachtsmann oder seine Gehilfen auf irgendwelche unerwarteten Probleme gestoßen sind.

  • In Arthur Weihnachtsmann zum Beispiel kann sich Arthur, der jüngste Sohn des Weihnachtsmanns, nicht damit abfinden, dass die Reorganisation der Geschenke-Verteilung ein Kind ohne Geschenk lassen würde. Da muss Abhilfe her, und das bringt natürlich erst recht Durcheinander. Ein Film, dessen stellenweise leicht militaristischer Tonfall mich allerdings ein wenig irritiert hat. (amazon.de)
  • Wenn die Elfen alle auf einmal krank werden, bringt natürlich alle Pläne durcheinander. Santa & Co. schickt deshalb den völlig welt-unerfahrenen Weihnachtsmann nach Paris, auf der Suche nach etwas Vitamin C. Ein großartiger, und sehr sympathisch-charmanter Film. (amazon.de; amazon Prime))
  • Kurt Russell flitzte im vergangenen Jahr für Netflix in The Christmas Chronicles durch die Lüfte, einer durch und durch amerikanischen Santa-Claus-Geschichte. (Hier aufrufbar.)
  • Eine sehr italienische Variation bietet dagegen Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe, der aktuell noch in den Kinos läuft, allerdings leider nicht besonders gelungen ist.

Szenenbild:

Das Weihnachtsfest als Weckruf

“Besinnlichkeit” kann zu Weihnachten auch die Form der Selbstbesinnung annehmen – eine geradezu klassische Blaupause ist dabei die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, die es in zahlreichen Verfilmungen gibt (auch in der nicht so kindertauglichen Die Geister, die ich rief mit Bill Murray).

  • Geister der Weihnacht heißt die Dickens-Verfilmung der Augsburger Puppenkiste – garantiert kindertauglich. (amazon.de)
  • Meine liebste Dickens-Verfilmung und darüber hinaus mein liebster Weihnachtsfilm überhaupt ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte mit Kermit als Bob Cratchit, Michael Caine als Ebeneezer Scrooge und vor allem Gonzo als Charles Dickens himself. Eine witzige, spannende, auch gruselige, praktisch perfekte Literaturverfilmung. (amazon.de)
  • In Plötzlich Santa! muss ein Vater mit Weihnachtsobsession mal die Familie des Weihnachtsmannes besuchen. (amazon.de; amazon Prime)
  • Der Grinch nach dem berühmten Buch von Dr. Seuss ist eigentlich eine sehr schöne Geschichte – nur sollte man dringend und mit großem Abstand die gräßliche Verfilmung mit Jim Carrey meiden und stattdessen auf den noch sehr frischen Animationsfilm zurückgreifen, der erstaunlich wenig krakeelig ist – Otto Waalkes gibt der grünen Titelfigur mehr Tiefe, als man anfänglich so denkt. (amazon.de)

Szenenbild: Der Grinch

Die Weihnachtsgeschichte

Es gibt gar nicht so viele Filme, die die eigentliche biblische Weihnachtsgeschichte (oder was daraus mit Folklore und Krippenspiel so geworden ist) thematisieren und wiedergeben.

  • Am sichersten ist man wahrscheinlich noch mit Die Weihnachtsgeschichte von der Augsburger Puppenkiste unterwegs. (amazon.de)
  • Für Bo und der Weihnachtsstern, das seine Geschichte am Schicksal des Esels Bo orientiert (der dann am Ende im Stall von Betlehem landet), habe ich nicht viel übrig; die Geschichte ist mir zu schmalzig, zu simpel, zu kitschig. (amazon.de)

Neues über den Weihnachtsmann

Warum nicht mal dem Weihnachtsmann eine neue Vorgeschichte geben?

  • Eigentlich ist es erstaunlich, dass es noch nicht viel mehr Filme gibt, die sich daran versuchen, aber wahrscheinlich habe ich die nur übersehen. Klaus jedenfalls macht das auf ziemlich sympathische Weise. (Hier aufrufbar.)

Xmas revisited: Weihnachten mit ganz anderem Kontext

Schon die meisten Geschichten von Santa Claus befreien sich von den christlichen Ursprüngen des Festes oder ignorieren diese jedenfalls geflissentlich (und logischerweise – der Weihnachtsmann in Rot passt ja eigentlich überhaupt nicht zur Geburt Christi). Manche Filme nehmen aber nur vage Motive und die Stimmung des Festes auf (plus Schnee, Kerzenlicht und derlei mehr) und drehen etwas ganz anderes daraus.

  • Die Legende vom Weihnachtsstern zum Beispiel ist letztlich eigentlich eher ein Märchen als ein Weihnachtsfilm – aber die Stimmung und der ganze Rahmen passt schon sehr zum Fest, auch wenn die magische Welt dahinter eher an Fantasyfilme erinnert. (amazon.de)
  • Noch konsequenter zieht das Der Weihnachtsdrache durch, der dann auch gleich eine richtige Fantasy-Abenteuergeschichte erzählt. Da ist für Besinnlichkeit nicht mehr so viel Platz. (amazon.de)

So viele, viele Weihnachtsfilme

Natürlich gibt es eine schier unüberschaubare Zahl von Weihnachtsfilmen; ich hatte im vergangenen Jahr Euch schon einmal gefragt, was Ihr zu Weihnachten gerne schaut, da kamen interessante Antworten.

In diesem Jahr werde ich ein paar Filme bis in den Advent hinein hier jeweils sonntags besprechen und habe schon damit angefangen:

Weihnachtsfilme 2019 hier im Blog

Szenenbild: Die Muppets Weihnachtsgeschichte

Aber natürlich gibt es auch darüber hinaus noch viele, viele Titel, die man sich anschauen kann, hier mal eine unvollständige Liste, grob alphabetisch sortiert.

Ansonsten hat auch die Wikipedia eine lange, lange, lange Liste von Weihnachtsfilmen – und hier gibt es auch noch einmal 110 Filme, viele davon schon etwas ältere Klassiker.

Fallen Euch noch weitere Filme ein, die Ihr unterm Weihnachtsbaum sitzend ansehen würdet? Die ich vergessen habe? Die in keiner Adventszeit fehlen dürfen? Lasst es mich wissen!

(Fotos: Universum Film, Splendid/24 Bilder, Little Dream Entertainment, Universal Pictures International, Disney)

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Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später.

11 Gedanken zu „Weihnachtsfilme für Kinder: Nicht nur Santa Claus“

  1. Für die Eltern: Single Bells. Erstaunlich gute österreichische Komödie über eine Familie mit all ihren Eigenarten. Martina Gedeck in der Hauptrolle trägt sehr viel. Aber bis in die Nebenrollen hinein toll besetzt, jeder Figur werden Eigenarten zugestanden. Zusammen lassen sie sich aber selbst unterm Weihnachtsbaum nicht bringen, dafür sind sie zu unterschiedlich.

    Auch Karpfen haben ein Recht auf Leben!

    Geräuschtasche

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