Kurz vorm 4. Advent: Streams für’s Fest

Ich muss gestehen – und für einen Cinephilen ist diese Haltung aus verschiedenen Gründen sehr ambivalent -, dass die legalen Online-Streaming-Dienste ein Glücksfall waren. Stapel, Berge, Schlaraffenländer von Filmen “at my fingertips”, sofort verfügbar und – in vielen Fällen – dank Flatrate-Modellen auch extrem günstig. (Die Ambivalenz, für die, die fragen, kommt daher, dass zum einen sehr viele Filme – vor allem anspruchsvolle und vor allem etwas ältere bis alte – online nicht verfügbar sind, und zugleich Netflix und seine Nachahmer physische Videotheken, also gewissermaßen die Bibliotheken der Filmfreund_innen, jetzt schon praktisch ausgelöscht haben. Ein eigenes Thema für ein anderes Mal.)

In den zwei Jahren, seit Heiko Bielinski insgesamt acht verschiedene Flatrates verglichen und dabei den Fokus auf das Angebot an Kinder- und Familienfilmen gelegt hatte, haben sich zumindest die großen Plattformen auch deutlich um ihr Kinder- und Jugendangebot gekümmert und es beständig erweitert; allerdings sind natürlich auch die Preise gestiegen.

Für die Weihnachtsfeiertage habe ich eine kleine Auswahl schöner Kinderfilme aus dem Angebot der Streaming-Anbieter herausgesucht. Prinzipiell sind alle diese Filme digital verfügbar und damit insbesondere auf den großen Plattformen (iTunes, Google Play Store usw.) verfügbar. Meine Auswahl bezieht sich ausschließlich auf Filme, die aktuell in den Flatrate-Angeboten der jeweiligen Anbieter enthalten sind. (Diese können sich, das sollte man wissen, jederzeit ändern; drei Filme, die ich vor zwei Wochen bei meiner ersten Recherche hier eingetragen hatte, musste ich wieder streichen, weil sie inzwischen nicht mehr im Programm waren.)

Links zu amazon sind Affiliate-Links, d.h. bei Käufen über diese Links (oder z.B. Abschluss eines amazon Prime-Abos) werde ich mit einem kleinen Obulus entlohnt. Links auf den Filmtiteln führen zu meinen eigenen Besprechungen der jeweiligen Filme.

Die Großen: Amazon Prime und Netflix

Der Klassiker läuft zwar sowieso ungefähr achtmal über die Weihnachtszeit verteilt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, aber Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist online auch jederzeit verfügbar (amazon Prime, Netflix). Vorstellen muss ich den Film vermutlich nicht, oder?

Der vielleicht beste Kinderfilm des abgelaufenen Jahres, Mein Leben als Zucchini, ist seit wenigen Tagen auf amazon Prime zu finden – wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt unbedingt unbedingt ansehen. Ein pures Glück.

Schon für ganz kleine Kinder ab 5 Jahren geeignet ist Der kleine Rabe Socke (amazon Prime), von Jan Delay gesprochen, allzeit frech und immer ein bisschen zu selbstbewusst. Die eher traditionelle Trickfilmtechnik ist wunderbar, die Geschichte großartig, die Figuren auch für Erwachsene eine Freude.

Dass Netflix nun gerade zum Fest Paddington ins Programm genommen hat, hat sicherlich auch mit der viel gepriesenen Fortsetzung zu tun, die aktuell im Kino läuft. Aber der Film ist schlichtweg großartig und ein fast perfekter Weihnachtsfilm, den sollte man mit seinen Kindern gesehen haben (Netflix). Kleine Warnung: Es gibt ein paar Szenen, die auf sensible Seelen recht bedrohlich wirken. Am besten vorher mal anschauen und prüfen.

Disney-Filme gehören für viele fest zu den Ritualen rund ums Weihnachtsfest herum, und diese liegen wenn, dann (noch) immer bei Netflix. Die schönsten Filme, die dort aktuell zu finden sind:

Aber es gibt ja auch schöne Animationsfilme jenseits der Disney-Ästhetik; zwei sehr schöne für etwas ältere Kinder sind Der fantastische Mr Fox von Wes Anderson (amazon Prime; ab 10 Jahren) oder der großartige Coraline (amazon Prime), der allerdings ziemlich gruselig ist – nichts für Kinder unter 12 Jahren, eigentlich.

Außerdem großartig, animiert und ab 8 Jahren: The Lego Movie (amazon Prime, Netflix) und Drachenzähmen leicht gemacht (Netflix).

Darf es ein Superheldenabenteuer sein? Antboy (amazon Prime; ab 10) ist witzig, clever und gerade eben so den entscheidenden Schritt neben den Standardstories des Genres. Genauso wie der Gangsterfilm Little Gangster (Netflix; ab 9) eben nicht so ganz kriminell daherkommt.

(Das weitere Kinderfilm-Angebot: amazon Prime und Netflix.)

Zwei Kleine: Realeyz und Netzkino

Die kleine Plattform Realeyz hat ein wunderbares Angebot vor allem an unabhängigen Produktionen; leider sind bislang praktisch keine Kinderfilme dabei. Gloriose Ausnahme auf Realeyz ist der sehr seltsame, laute und eigensinnige Reuber (ab 8 Jahren).

Netzkino bietet ein werbefinanziertes Streamingangebot an; die Qualität der Filme dort ist generell, sagen wir: sehr durchwachsen, aber dafür gibt es einige der Filme nicht nur auf der Plattform selbst, sondern auch auf YouTube. Das betrifft auch die wirklich schönen Kinderfilme Der große Bär (Netzkino, YouTube) und vor allem Johan und der Federkönig (Netzkino, YouTube), eine subtile Meditation über Tod und Sterblichkeit.

Frohe Feiertage!

(Fotos: Polyband, MFA+, Universum Film)

3. Advent: Kinoempfehlungen zu Weihnachten

In einer Woche ist schon Heilig Abend – und vielleicht ist ja über die Feiertage mal Zeit, in Ruhe mit den Kindern ins Kino zu gehen. Wozu ich ja im Zweifelsfall raten würde: Ein Besuch in den weihnachtlichen Kindervorstellungen des örtlichen Programmkinos – wenn man denn eins hat. Die Leute dort wissen in den meisten Fällen sehr genau, was sie tun, es ist weder so teuer noch so stressig wie in den Großkinos, und gemütlicher, familiärer, weihnachtlicher ist es sowieso.

Leider habe ich die meisten der aktuellen Kinostarts noch nicht gesehen (außer Plötzlich Santa, von dem ich dringend abraten möchte), aber es gibt jedenfalls zwei klare Empfehlungen, bei denen man dem Vernehmen nach (und damit meine ich die Urteile der allermeisten Filmkritiker_innen) nicht viel falschmachen wird:

Paddington 2

Paddington ist wieder da: In der Fortsetzung des schon ziemlich großartigen Bärenfilms will der kleine Bär seiner Tante Lucy ein besonderes Geschenk machen – und landet darob, falsch des Diebstahls verdächtigt, im Knast. Die Kritiker_innen sind sich weitgehend einig: Nicht nur technisch perfekt gemacht und witzig erzählt, sondern auch eine berührende, aber nicht flache Geschichte. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Coco

Der sehr geschätzte Alexander Matzkeit hat sich hier im Blog sehr deutlich über das Familienbild des neuen Pixar-Films aufgeregt; wenn man das (und die narrativen Schwächen, auf denen es beruht) auszuhalten bereit ist, gibt es aber sonst – so ist zu hören – ein farbenfrohes, lebensbejahendes Abenteuer zu sehen. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Und sonst im Kino?

Leider habe ich bis auf Plötzlich Santa (Trailer) keinen der Filme gesehen – aber ein paar vage Einschätzungen kann ich doch abgeben, kondensiert aus den Reaktionen der Kolleg_innen:

  • Ferdinand – Geht STIERisch ab! ist wohl nett und nicht ganz dumm, aber auch nichts, was aus der Masse herausragt. (Ab 6 Jahren; Trailer)
  • Jumanji: Willkommen im Dschungel: Anscheinend solide erzähltes, sehr actionreiches und unterhaltsames Remake des Filmes von 1995 mit Robin Williams. Aber auch erst ab 12. (Trailer)
  • Bo und der Weihnachtsstern ist wahrscheinlich fürchterlich: Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht des apokryphen Esels, in kreischendem Slapstick erzählt. Meine Arbeitshypothese: Braucht kein Mensch. (Ab 5 Jahren; Trailer)
  • Hexe Lilli rettet Weihnachten ebenso. (Ab 6 Jahren; Trailer)
  • Burg Schreckenstein 2: Ich habe noch überhaupt keine Meinung zu diesem Film. Der erste Film war weniger schlecht als befürchtet, aber das muss auch nichts heißen. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Zu den zwei Filmen, die während der Ferien starten (Bamse – Der stärkste und liebste Bär der Welt und Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer) folgen hier in den nächsten Tagen noch Kritiken.

Viel Spaß im Kino!

2. Advent: Weitere Filmtipps

Vergangene Woche habe ich bereits jene Kinderfilme vorgestellt, die in diesem Jahr meine größten Geschenkempfehlungen je nach Altersgruppe sind – das waren mehr oder minder die besten aktuellen Filme, aber natürlich lange nicht alle. Den zweiten Adventssonntag will ich nutzen, um einige weitere Filme vorzustellen, die auch ganz wunderbare Geschenke sind – manche aus den letzten Monaten, einige schon deutlich älter.

Die drei Räuber (ab 5)

Die kleine Tiffany ist gerade zur Waise geworden und fährt nun mutterseelenallein in einer Kutsche ins Kinderheim. Plötzlich wird Tiffanys Kutsche überfallen – von drei grimmig dreinschauenden Räubern. Eine abenteuerliche Geschichte um eine sagenhafte Schatzkammer, Tortenschlachten und eine Kinderhausrevolte nimmt ihren Lauf.

Hayo Freitags Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Tomi Ungerer (mit dem Autor selbst als Erzählerstimme) bleibt erst nah am Text und nimmt sich dann einige Freiheiten; aber heraus kommt ein wirklich ganz und gar wunderbares Stück Kinderkino: frech, flott, bunt und ein bißchen böse, ganz Ungerer in seiner nur milde für Kinder gezähmten Form.

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Findet Dorie (ab 8)

Ein wenig leidet Findet Dorie natürlich darunter, dass es eine Fortsetzung ist und also hauptsächlich die aus Findet Nemo bekannten Figuren und Konstellationen wiederzukäuen droht. Der Film ist deshalb an einigen Stellen etwas zu viel: Zu viel Action, zu viel Schmalz, zu viel Gekreische. Ausgeglichen wird das allein schon durch die beste Disney-Figuren seit Jahren, den nöligen Septopus Hank. Der allein ist es schon wert, den Film anzusehen. (Meine ausführliche Kritik.)

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Störche – Abenteuer im Anflug (ab 8)

Störche bringen heute nicht mehr die Babys, sondern sind Paketzusteller eines weltweit operierenden Online-Versands. Storch Junior hofft bereits auf eine Beförderung, als er aus Versehen die Babymaschine in Gang setzt, was zur Produktion eines völlig unautorisierten, wenn auch entzückenden Mädchens führt. Und dann einiges Chaos in Gang setzt.

Man darf nicht zu detailliert in die Hintergründe von Störche – Abenteuer im Anflug einsteigen, sonst fragt man sich sehr schnell, warum und wie und wann das Kinderkriegen von den Störchen an die Menschen übergeben wurde und… äh. Und auch die moralischen Botschaften sind gelegentlich etwas rabiat in der Story verankert – aber insgesamt ist der Film nicht nur unterhaltsam und witzig, sondern auch gar nicht so dumm, wie man auf den ersten Blick glauben möchte.

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Sing (ab 9)

Buster Moon will vor allem sein Theater vor dem finanziellen Ruin retten; seine letzte Hoffnung: eine Casting-Show. Leider nimmt er es bei der Ausschreibung nicht so genau mit der Wahrheit, und so hat er bald viele hoffnungsfrohe Talente versammelt, aber eigentlich keinen Preis…

So sehr wie Casting-Shows eigentlich als Thema durch sind, so wenig würde man sich von dieser Story erwarten. Aber dann sind da nicht nur großartig geschmetterte Songs, sondern auch witzige Momente, berührende Figuren und ein Finale, das wirklich Gänsehaut macht. Hach!

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Der Geheimbund von Suppenstadt (ab 9)

Der Geheimbund von Suppenstadt ist eine Abenteurer-Gemeinschaft, die eigentlich nur als Spiel von vier Kindern existiert. Doch dann mischt ein Unbekannter während des jährlichen Sommerfests etwas in die Getränke mischt; plötzlich benehmen sich die Erwachsenen plötzlich wie verzogene Kinder. Es gibt zwar ein Gegenmittel – doch der einzige Hinweis darauf ist ein altes Notizbuch.

Ein Abenteuerfilm, der ganz und gar modern daherkommt, seine Schatzsuche (denn das ist es natürlich) aber eher traditionell inszeniert – spannend, aber kindertauglich und auf Blickhöhe seiner Protagonist_innen. Man ahnt sowas ja gar nicht, weil niemand das estnische Kinderkino kennt.

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Das Mädchen Wadjda (ab 10)

Die 11-jährige Wadjda lebt in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Sie träumt davon, das schöne grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag vor einem Laden auf ihrem Schulweg sieht. Ein Radrennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen, ist ihr größter Traum. Jedoch gilt es für Mädchen als unschicklich, Rad zu fahren, und Wadjdas Mutter verbietet es auch ihrer Tochter.

Es gibt viele gute Gründe, Das Mädchen Wadjda anzusehen – es ist eine spannende Geschichte, ein Blick in eine andere Kultur, ein Abenteuer. Vor allem ist es jedoch eine Geschichte, die Kinder selbst dann nachvollziehen und erleben können, wenn sie nichts über Saudi-Arabien wissen. (Und reichlich Hintergrund dazu habe ich von Miriam Seyffarth in unserem ausführlichen Podcast-Gespräch zum Film erfahren. Unbedingt anhören!)

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The Lego Batman Movie (ab 12, geht für viele Kinder aber auch schon ab 9)

Wieder einmal sieht sich Batman mit seinem Erzfeind Joker konfrontiert, der versucht, Gotham in seine Gewalt zu bringen – nicht ohne Batman darauf hinzuweisen, dass er ohne seinen Feind gar nicht leben könnte. Batman setzt alles daran, den Joker in die für große Bösewichte vorgesehene Phantomzone zu verbannen. Doch das ist komplizierter als gedacht…

Mit The Lego Batman Movie sollte das Erfolgsmodell von The Lego Movie wiederholt werden, was aus verschiedenen Gründen nicht ganz funktioniert; aber dieser Spin-Off ist dennoch (nicht nur, aber vor allem für Fans von Superheld_innen) ein Genuss. Eine so feine ironische Distanz zu den Topoi des Genres, eine so hohe Dichte an sprachlichen und visuellen Gags, eine so temporeiche Actiongeschichte – das findet man selten in einem Film versammelt. Fetzt einfach.

(Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer, Fünf Minuten Sneak-Peek)

(Fotos: Disney, Warner Bros., X-Verleih, Barnsteiner, Universal Pictures International Germany)

1. Advent: Geschenkempfehlungen für Weihnachten

Der Dezember hat begonnen, die erste Kerze brennt – wer sich noch keine Gedanken über Geschenke gemacht hat, fängt jetzt vermutlich an. Für alle, die gerne Kinderfilme verschenken wollen, habe ich für alle Altersstufen von fünf bis zwölf jeweils einen Film ausgewählt, der in den letzten zwölf Monaten auf DVD bzw. Blu-ray erschienen ist. Das sind nicht unbedingt die allerbesten Kinderfilme des Jahres (obwohl, meiner Meinung nach eigentlich schon), aber jedenfalls eine Auswahl verdammt guter Filme.

Zum 2. Advent kommen dann noch ein paar weitere Vorschläge nebst ein paar Klassikern. Wer mag, findet natürlich weitere Ideen in meiner “ewigen” Filmtipp-Liste mit wirklich hervorragenden Filmen oder in der Liste von Kinderfilmen mit starken Mädchenfiguren, die ich vergangenes Jahr zusammengestellt hatte.

Filme zum Fest, best of 2017:

Molly Monster (ab 5)

Molly lebt mit ihren Eltern im Monsterland. Als sich ein neues Geschwisterchen ankündigt, bricht in der Familie freudiger Trubel aus: Das Ei wird Vater Popocatepetel auf der weit entfernten Eier-Insel ausbrüten. Molly soll mit ihren Onkel Alfredo und Santiago zuhause zurückbleiben. Doch als die Onkel gerade mal nicht aufpassen, begibt sich die mutige Monsterin auf eigene Faust zusammen mit Edison auf die Reise.

Die kleine Monsterdame mit dem starken Willen schafft den Übergang von der sehr kleinen Form (Sandmännchen et al.) mit Bravour; Molly Monster – Der Kinofilm (meine ausführliche Kritik) ist ein wirklich zauberhafter, phantasievoller, auch widerspenstiger Kinderfilm für sehr junge Filmfans. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Trolls (ab 6)

Poppy ist die Tochter des Königs der Trolle. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als böse Nachbarn einige Trolle entführen. Mit anderen Trollen macht sie sich auf die gefährliche Reise; Poppys Lebensfreude wird auf die Probe gestellt, und ausgerechnet der pessimistische Branch muss das Glück zurückbringen.

Ich dachte echt, Trolls wird so ein fades Beispiel dafür, wie aus Geldgier und einem uralten Spielzeug ein schrecklich plastikhafter Film entsteht – und musste mich dann sehr überraschen lassen. Trolls ist nicht nur flott erzählt, sondern weder emotional flach noch in seiner Handlung glatt und ohne Widerstände (ich habe das hier schon einmal ausführlicher aufgeschrieben). Und die Lieder, die machen wirklich Spaß. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Vaiana (ab 7)

Vaiana, die von Geburt an eine besondere Verbindung zum Meer in sich trägt macht sich mit dem legendären Halbgott Maui auf die Suche nach einer sagenumwobenen Insel. Auf ihrer faszinierenden Entdeckungsreise erleben sie sagenhafte Abenteuer, ergründen traumhafte Unterwasserwelten und erwecken alte Traditionen zu unerwartet neuem Leben…

Vaiana muss man eigentlich gar nicht weiter vorstellen – es war der Disney-Film (und -Hit) des vergangenen Weihnachtsfests – wahnsinnig unterhaltsam, wirklich spannend und lustig. Aber eben auch gar nicht so wenig ambivalent in seinem politischen Subtext. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Auf Augenhöhe (ab 8)

Der zehnjährige Michi lebt in einem Kinderheim. Eines Tages entdeckt er zufällig einen Brief seiner verstorbenen Mutter an einen gewissen Tom. Michi ist sich sicher: Dieser Unbekannte muss sein Vater sein! Doch die Überraschung ist groß, als er feststellt: Tom ist kleinwüchsig! Tom ist genauso geschockt von seiner unverhofften Vaterschaft. Als sich die beiden schließlich doch auf Augenhöhe begegnen, bringt ein unerwartetes Ereignis noch einmal alles durcheinander…

Eine Seltenheit im deutschen Kinderfilm: Ein Drama, das es sich erlaubt, witzig und traurig zugleich zu sein, das mit den Themen Kleinwüchsigkeit, Ausgrenzung und Elternschaft hantiert, ohne in flache Stereotype abzurutschen. Auf Augenhöhe (hier meine ausführliche Besprechung) wurde von der Initiative “Der besondere Kinderfilm” gefördert und ist der mit Abstand beste der drei Filme, die aus diesem Projekt bisher entstanden sind. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Mein Leben als Zucchini (ab 9)

Zucchini – so lautet der Spitzname eines neunjährigen Jungen, der nach dem Tod seiner Mutter ins Kinderheim muss. Dort wächst er fortan mit anderen Kindern auf und sucht seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Das Zusammenleben ist nicht immer einfach, denn auch der freche Simon, die besorgte Béatrice, die schüchterne Alice, der etwas zerzauste Jujube und der verträumte Ahmed haben bereits viel erlebt.

Das ist vermutlich der schönste, berührendste, wunderbarste Animationsfilm des Jahres. Eine überschaubar große Geschichte, in der sich trotzdem Welten bewegen, in der der neunjährige Icare (genannt Zucchini) zuerst zur Vollwaise wird und dann ein neues Zuhause findet, vielleicht sogar ein wenig Glück… in traditioneller Animation wird das gezeigt, durch Figuren mit großen, ausdrucksstarken Augen. Selten waren Knetfiguren so lebendig. (Hier eine noch ausführlichere Lobpreisung.) Auch und gerade für Erwachsene ein Film, an dem man nicht vorbeigehen sollte. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Die rote Schildkröte (ab 10)

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch dann geschieht Eigenartiges…

Es fällt kein Wort: Die rote Schildkröte kommt praktisch ohne gesprochene Sprache aus. Die Geschichte von einem Schiffbrüchigen, der sich mit einer roten Schildkröte misst, und aus der Auseinandersetzung wird dann etwas ganz anderes – das ist wie eine große Parabel über das Leben und jedenfalls beglückend schön animiert. Für geduldigere Geister ab 10 Jahren eine Riesenbereicherung. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (ab 11)

Der Autor und Zauberzoologe Newt Scamander, dessen phantastische Abenteuer 70 Jahre vor Harry Potters erstem Hogwarts-Lehrjahr in New York beginnen, hat einen Koffer voller magischer Kreaturen dabei – darf sie aber eigentlich gar nicht mit sich herumtragen…

Harry Potter-Fans kennen den Film vermutlich eh schon; die Abenteuer von Newt Scamander in New York fungieren ja gewissermaßen als Vorgeschichte zu den Büchern (und Filmen) über den jungen Zauberlehrling. Der Film Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind mit seinem etwas ungelenken Titel funktioniert wunderbar als magischer Abenteuerfilm (siehe meine ausführliche Kritik), sondern zeichnet sich nicht zuletzt durch seinen Protagonisten aus, der – hurra! – so gar nicht dem Bild typischer Kinohelden entspricht. Und auch nicht den Bildern klassischer Männlichkeit. Er ist eher zart, sanftmütig, schüchtern und zurückhaltend. Eine große Freude! (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Kubo – Der tapfere Samurai (ab 12)

Im Japan vor unserer Zeit: Der junge Kubo lebt in einer Stadt am Meer und kümmert sich um seine Mutter, seit sein Vater verstorben ist. Er lebt ein bescheidenes Dasein als Geschichtenerzähler; doch als er versehentlich einen Geist aus seiner Vergangenheit beschwört, stürmt dieser voller Zorn auf die Erde hinab, um eine uralte Blutrache zu vollstrecken.

Kubo ist im Vergleich zu Newt Scamander schon geradezu robust; allerdings muss der Junge eben auch erst noch lernen, dass Kampf nicht immer die beste Lösung ist. Der Film (aus den Laika-Studios, die z.B. auch für die Boxtrolls verantwortlich waren) ist gruselig und aufregend und spannend und berührend und zart und gelegentlich beängstigend; aber immer lebendig. Ein tolles Abenteuer, dessen phantasievolle Animationen eine Welt voller Zauberei entstehen lassen. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

(Wer sich für meine Weihnachtsempfehlungen der vergangenen Jahre interessiert, findet sie hier im Blog für 2016, 2015, 2014 und 2013.)

(Fotos: Polyband, Filmfest München, Warner Bros., Disney, Wild Bunch/Central, UIP, 20th Century Fox)

Weihnachten 2016: Ein paar TV-Vorschläge

Es gibt ja so einige Film, die sich fest mit Weihnachten verbunden haben, und natürlich sind sie alle auch dieses Jahr dann und wann und manchmal mehrfach (und manche eigentlich andauernd) über die Feiertage zu sehen: Sissi, Der kleine Lord und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ebenso wie Die Weihnachtsgans Auguste und Ist das Leben nicht schön? Von den unendlich vielen, meist unerträglichen Märchenverfilmungen zu schweigen.

Ich habe mal ein wenig übers Fernsehprogramm der nächsten Tage geschaut und ein paar Vorschläge zusammengetragen – manche sind auch eher für den Videorecorder geeignet (halb fünf, seit Ihr noch ganz bei Sinnen, ZDF und SAT.1?). KIKA macht es zur schönen Weihnachtstradition, die drei großartigen Knerten-Filme zu zeigen, und auch sonst sind ein paar übliche Verdächtige dabei… besondere Empfehlungen habe ich mit einem Sternchen 1478400241_star_gold markiert.

Vielleicht habt Ihr noch andere Vorschläge?

23. Dezember
19.30 KIKA – Die Legende vom Weihnachtsstern

24. Dezember
09.20 ZDF – 1478400241_star_gold Der Grüffelo
13.15 ZDF – Michel in der Suppenschüssel
14.45 RTL II – Das letzte Einhorn
17.40 Disney Channel – Bernard & Bianca – Die Mäusepolizei

25. Dezember
08.10 RTL II – Das letzte Einhorn
17.45 RTL II – Die Goonies
18.45 Disney Channel – Aristocats

26. Dezember
04.30 SAT.1 – Mimzy – Meine Freundin aus der Zukunft
04.35 ZDF – Der Grinch
09.50 RTL II – Die Goonies
20.15 RTL 1478400241_star_gold Die Eiskönigin (unser Podcast dazu)

27. Dezember
09.50 RTL 1478400241_star_gold Die Eiskönigin (unser Podcast dazu)

28. Dezember
10.00 KIKA – Ritter Trenk
15.00 KIKA – 1478400241_star_gold Mein Freund Knerten

29. Dezember
13.00 WDR – Der wunderbare Wiplala
15.00 KIKA – Knerten in der Klemme

30. Dezember
08.20 WDR – 1478400241_star_gold Der wunderbare Wiplala
15.00 KIKA – Knerten traut sich

31. Dezember
13.50 KIKA – 1478400241_star_gold Antboy – Der Biss der Ameise

1. Januar
20.15 Disney Channel – 1478400241_star_gold Mary Poppins

6. Januar
20.15 SAT.1 – 1478400241_star_gold Rico, Oskar und die Tieferschatten

(Foto: polyband)

Kinderfilme als Geschenk: Weihnachten 2016

Ein Geständnis: Ich finde es etwas seltsam, meinen Kindern Filme unter den Christbaum zu legen. Es fällt mir schwer, das so richtig zu begründen, zumal ich mir mit Begeisterung Filme schenken lasse und sie auch Freund_innen in Geschenkpapier packe. Vielleicht liegt es daran, dass den Kindern die DVD oder Blu-ray wenig gibt, sie ist in der Tat eher Transportmedium; das eigentliche Geschenk, das eigentliche Ereignis ist die (meist gemeinsame) Sichtung, der Heimkinoabend oder, im Winter, -nachmittag.

Aber das muss natürlich niemanden davon abhalten, zu Weihnachten Filme zu verschenken oder zu beschaffen, um sie dann eben zwischen den Jahren anzuschauen. Als kleine Orientierungshilfe habe ich hier ein paar Filme versammelt, die im ablaufenden Jahr auf DVD (meistens neu) erschienen sind – meine Empfehlungen vom vergangenen Jahr oder aus dem Dezember 2014 sind aber natürlich immer noch genauso gültig. Alternative Listen habe ich außerdem hier (meine “ewige” Bestenliste) und hier (Filme nicht nur für starke Mädchen – unbedingt auch in die Kommentare schauen!). Auf beiden finden sich auch Empfehlungen für jüngere Kinder.

Hier nun also meine Weihnachtsempfehlungen 2016 aus dem bunten Strauß der Kinderfilme (der Kauf über amazon.de spült ein wenig Geld in meine Richtung):

Zoomania

Einer der besten Disney-Filme der vergangenen Jahre, ein kindertauglicher Krimi in einer von vermenschlichten Säugetieren belebten Welt – voller Subtext zu Diskriminierung, Rassismus und Gerechtigkeit. Außerdem ein Riesenspaß. Zur ausführlichen Kritik.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

Der kleine Lord

Nicht gerade ein neuer Film, aber seit diesem November erstmals auf DVD und Blu-ray zu haben: Wie der kleine Cedric seinen misanthropen Großvater verwandelt. Die BBC-Adaption von 1980 mit Sir Alec Guinness ist einer der klassischen Weihnachtsfilme.
(bei amazon.de; ab 6 Jahren)

Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Der dritte Film aus der Oskar-und-Rico-Trilogie nach den wunderbaren Romanen von Andreas Steinhöfel. Kinderkrimis, sehr ehrliche Dramen, beglückendes Kino: Diesmal verschlägt es die zwei Jungs an die Ostsee und bis an den FKK-Strand. Wer die drei Filme noch nicht kennt, sollte das dringend nachholen. Zur ausführlichen Kritik.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

Der Gigant aus dem All

Noch so ein Klassiker, nun neu aufgelegt – ein Animationsfilm von Brad Bird, dem Regisseur, der später wesentlich für die großen Pixar-Filme verantwortlich war. Eine berührende Geschichte über einen Jungen und seinen großen Roboter aus dem All. Zur ausführlichen Kritik.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

Captain Future – Die TV-Serie

Das war eine der Science-Fiction-Serien, die meine Kindheit wesentlich mit geprägt haben – ab morgen gibt es die Abenteuer um den Captain, Joan, Grag, Otto und Professor Simon Wright endlich wieder in einer vollständigen Ausgabe als Komplettbox aller in Deutschland gezeigten Folgen auf DVD und Blu-ray. (Die limitierte Sonderausgabe enthält auch noch japanische Folgen mit deutschen Untertiteln.)
(bei amazon.de)

captain_future

Die Melodie des Meeres

Tomm Moores sehr irischer Animationsfilm ist einer der schönsten Filme der vergangenen Jahre. Getragen von einer ganz eigenen Ästhetik, einer spannenden, mythisch aufgeladenen Geschichte und wunderbarer Musik erzählt der Film ganz nebenbei von großen Dingen: Liebe, Verlust und Loslassen, Trauer und Hoffnung. Zur ausführlichen Kritik.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

Alles steht Kopf

Pixars Reise durch den Kopf der 11-jährigen Riley, in dem die Emotionen plötzlich ohne “Freude” und “Traurigkeit” auskommen müssen – das ist pures, buntes, phantasievolles Kinoglück. Ein echtes “Must-See”. Zur ausführlichen Kritik.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

Hördur – Zwischen den Welten

Sozialdrama als Pferdefilm: Das ist ja an und für sich nicht so ungewöhnlich. Aber Ekrem Ergüns Film über die 17-jährige Deutschtürkin Aylin, das zu Sozialstunden auf einem Pferdehof verdonnert wird und dort für sich einen Ausweg findet, ist ungewöhnlich dicht und glaubwürdig.
(bei amazon.de; ab 12 Jahren)

Hayao Miyazaki Collection

Wenn’s mal ein größeres Geschenk sein darf: In dieser Blu-Ray-Kollektion finden sich sämtliche Spielfilme des japanischen Großmeisters Hayao Miyazaki fürs Studio Ghibli: vom eher für kleinere Kinder geeigneten Ponyo – Das große Abenteuer am Meer bis zum härteren Prinzessin Mononoke. Lauter Meisterwerke ohne Ausnahme.
(bei amazon.de)

Und hier noch zwei Empfehlungen von Dauerbrennern aus unserer heimischen Bibliothek – mal andere Medien.

Gunnel Linde: Mit Jasper im Gepäck (Hörbuch)

Dieses von Dieter Mann eingesprochene Hörbuch ist ein ungeahntes Goldschätzchen. Die wilde Geschichte davon, wie Annelie und Nicklas mit ihrer Tante Tinne Urlaub in Kopenhagen machen, dort bei der Tombola im Zoo das Zwergpony Jasper gewinnen und dies dann heimlich ins heimische Stockholm bringen wollen… Es ist ein brüllend komischer Irrsinn in sanften Tönen. Ein großes Glück.
(bei amazon.de; ab 5 Jahren)

Jo Nesbø: Doktor Proktors Pupspulver

Das Buch hatte ich schon einmal anläßlich des leider ziemlich missratenen Films angesprochen und gepriesen; es ist auch perfektes Vorlesematerial für Kinder ab 5, nur sollte man kleineren Kindern das Kapitel ersparen, das aus Sicht der entschlichenen Anakonda geschrieben ist – das ist nämlich etwas zu gruselig. Ansonsten eine wunderbare, phantasievolle Lektüre.
(bei amazon.de; ab 8 Jahren)

(Bilder: Disney, Universum)