Zum 8. März: Kinderfilme mit starken Mädchen

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Obwohl ich es natürlich besser weiß, war ich kürzlich wieder einmal überrascht, wie wenige Kinderfilme – auch der wirklich guten Filme – starke weibliche Figuren in ihr Zentrum stellen. “Stark” nicht unbedingt im Sinne von physischer oder psychischer Stärke, sondern allein daher, dass sie starke, wichtige Figuren in ihrer eigenen Geschichte sind – fehlerhaft, menschlich, mutig, zaudernd, all das.

Aufgefallen ist mir das erst wieder neulich, als ich nach eben solchen Filmen gefragt wurde und mir spontan nur wenige einfielen; der heutige Internationale Frauentag ist mir aber ein hinreichend guter Anlass dafür, einmal eine subjektive, unvollständige und sicher fehlerbehaftete Liste solcher Filme zusammenzustellen.

Ich habe nur Filme ausgewählt, die ich auch als wirklich gute Filme weiterempfehlen würde; sie sind grob in Alterstauglichkeiten zusammengefasst, die man aber nicht zu ernst nehmen sollte. Die schwierige Frage, welche Filme für welches Kindsalter passen, habe ich hier schon einmal zu beantworten versucht. Jeder Film hat eine kurze Anmerkung dabei; falls es hier im Blog eine ausführlichere Kritik gibt, habe ich sie im Filmtitel verlinkt. Ein Klick auf die werblichen amazon-Links spült ein wenig Geld in meine Kasse. ;-)

Und wenn Ihr noch Ergänzungen habt, bitte immer her damit in die Kommentare – ich freue mich über Eure Hinweise!

Ab 4 Jahren

  • Lotte und das Geheimnis der Mondsteine (amazon)
    Lotte weiß genau, dass sie diesem Geheimnis auf die Spur kommen will: mehr neugierig als abenteuerlustig.
  • Luzie der Schrecken der Straße (TV-Serie; amazon)
    Eigentlich ist es eine Mutprobe, weil Luzie in die Bande aufgenommen werden will; aber die geklaute Knetmasse entwickelt doch ein starkes Eigenleben… (Ein Klassiker.)
  • Pippi Langstrumpf (amazon)
    Die muss ich nicht näher vorstellen, oder?
  • Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (amazon)
    Der wahrscheinlich für kleine Kinder am besten geeignete Film von Hayao Miyazaki, dessen Filme allerdings fast alle mit wunderbaren, komplexen Mädchen- und Frauenfiguren aufwarten können.

Ab 6 Jahren

  • Die geheimnisvolle Minusch (amazon)
    Aus der Katze wird eine kätzische junge Dame, die zunächst etwas unterwürfig und zurückhaltend wirft, aber so ist es nicht, das Wesen der Katzen. Eine bezaubernde, phantastische Abenteuergeschichte aus den Niederlanden.
  • Lola auf der Erbse (amazon)
    Eine kindgerechte Geschichte über Illegalität und Flüchtlinge, mit nur minimal erhobenem Zeigefinger.

Ab 8 Jahren

  • Alles steht Kopf (amazon)
    Wie es zugeht im Kopf eines elfjährigen Mädchens, wunderbar von den Pixar-Studios zu visuellem Leben erweckt.
  • Ronja Räubertochter (amazon)
    Die Figur von Astrid Lindgren ist vielleicht das archetypische wilde, freie Mädchen der Kinderliteratur, und die Verfilmung wird dem mehr als gerecht.

Ab 10 Jahren

  • Chihiros Reise ins Zauberland (amazon)
    Miyazaki at his best; eine magische Reise durch eine Welt voll fremdartiger Kreaturen, in der niemand so ist, wie er oder vor allem sie zunächst erscheint.
  • Clara und das Geheimnis der Bären (amazon)
    Ein Abenteuer zwischen verschiedenen Zeiten.
  • Kletter-Ida (amazon)
    Ein Kinder-Heistmovie, extrem großartig, sehr spannend, und mit einer tollen Hauptdarstellerin.
  • Merida – Legende der Highlands (amazon)
    Merida, schottische Prinzessin, will jedenfalls nicht an irgend jemanden verheiratet werden, sondern will ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das geht allerdings zeitweise sehr, sehr schief.

Ab 12 Jahren

  • Coraline (amazon)
    Ein wunderbarer Stop-Motion-Anmiationsfilm nach einem Buch von Neil Gaiman. Sehr gruselig, sehr beeindruckend, nichts für zarte Gemüter.
  • Die Reise ins Labyrinth (amazon)
    Toller Jim-Hensen-Fantasyfilm mit einem grandios ambivalenten David Bowie als König der Goblins und Jennifer Connelly in der Hauptrolle.
  • Maleficent – Die dunkle Fee (amazon)
    Eine Umerzählung von Dornröschen aus Sicht der bösen Fee, der Angelina Jolie beeindruckende Präsenz verleiht. Liebevoll-ambivalent.
  • Prinzessin Mononoke (amazon)
    Ebenfalls ein Miyazaki-Film aus dem Studio Ghibli, aber diesmal eine Legende, in der es schon auch mal recht blutig zugeht.

So, welche habe ich vergessen?

(Foto: Disney)

Wie schaut Ihr zuhause Filme?

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Manche Leute, die zum ersten Mal in unsere Wohnung kommen, wundern sich darüber, dass in unserem Wohnzimmer kein Fernseher zu sehen ist, um nicht zu sagen: überhaupt kein Bildschirm. Eigentlich seltsam für jemanden, der sich so viel mit Film beschäftigt… Wir haben uns vor längerer Zeit dafür entschieden, keinen Fernseher im zentralen Wohnraum stehen zu haben, vielleicht als Versuch, gedankenlosen Fernsehkonsum zu reduzieren (und das funktioniert ganz gut).

Allerdings schauen wir dort natürlich trotzdem auch mit den Kindern Filme; auf dem Sofa lümmelnd bis kuschelnd, auf Bildschirmen unterschiedlicher Größe. Entweder trage ich den 24-Zoll-Fernseher-und-Monitor aus meinem Arbeitszimmer herüber, der dann entweder per Blu-ray-Player oder per Chromecast über einen Streaming-Service Filme zeigt; manchmal liegt aber auch der Laptop auf meinem Schoß oder ein kleiner portabler DVD-Player mit 7-Zoll-Bildschirm, der sich in der Tat nur für solche Sichtungen in kleinster Gruppe eignet.

Auf dem Sofa oder in der Kuschelecke, und nur in seltenen Ausnahmefällen nicht gemeinsam: So schauen wir mit den Kindern Filme. Und wie macht Ihr es? Wie unterschiedlich die Arten sein können, Filme anzusehen, ist mir gestern nochmal klar geworden, als ich dieses Posting im Kraftfuttermischwerk gesehen habe, in dem es darum geht, wie sich Leute aus ihren Smartphones und Tablets (sehr) kleine Heimkinos bauen. Das ist freilich nur zur sehr privaten Sichtung tauglich.

Macht Ihr aus den Filmen ein Ritual, habt Ihr dafür feste Zeitpunkte? Wie integriert Ihr Filme in Euren Familienalltag? Gibt es Serienfolgen als Betthupferl? Schaut Ihr im Wohnzimmer, im Kinderzimmer, oder gibt es zuhause gar keine Filme? Ich bin neugierig! Schreibt es mit in die Kommentare oder verlinkt einen eigenen Blogeintrag.

(Foto: Watching TV… von Michael Riedel, Lizenz: CC-BY)

Schenkt Filme, schenkt Freude!

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Jetzt wird es langsam eilig mit Geschenken, die noch unter den Baum gelegt werden sollen (oder wo auch immer ihr sie hinpackt, ich kenne auch Familien, da werden die Weihnachtspräsente versteckt), und falls Ihr gerne Filme verschenken möchtet, lasst es bitte gute Filme sein – ich habe da ein paar Vorschläge.

Ich halte mich hier kurz, zu den meisten Vorschlägen habe ich mich auf filmstarts.de und in den Herzdamengeschichten schon ausführlicher geäußert, ich ergänze das hier nur noch um ein paar einzelne Titel. Und natürlich haben meine Geschenkvorschläge aus dem vergangenen Jahr immer noch Gültigkeit, ebenso wie meine generelle Bestenliste. (Verlinkte Filmtitel verweisen auf die ausführliche Kritik hier im Blog.)

Ab fünf Jahren

Minuscule, die Serie

Hier sind kleine computeranimierte Insekten in größtenteils realen Umwelten unterwegs, minimalistische Abenteuer ohne (gesprochene) Dialoge, und trotzdem perfekt verständlich, immer nur wenige Minuten lang – perfekte Betthupferl in den meisten Fällen, gelegentlich zum Brüllen komisch, manchmal sehr, sehr melancholisch. Die erste Staffel gibt es hierzulande auf DVD, die zweite muss man aus Frankreich importieren (da aber keine gesprochenen Worte fallen, macht das gar nichts). Viele der früheren Clips gibt es aber auch kostenlos und ganz legal auf YouTube.

Pettersson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Ziemlich gelungene Verfilmung, die gleich mehrere der Kinderbücher inkorporiert. (amazon)

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Ab sechs Jahren

Die Legende vom Weihnachtsstern

Gelungene Fantasy-hafte Verfilmung eines norwegischen Märchens. (amazon)

Otto ist ein Nashorn

Computeranimation mal weder niedlich noch als größtmögliche Annäherung an die Realität. Etwas sperrige Kinderbuchverfilmung, sehr unterhaltsam. (amazon)

Ab sieben Jahren

Die geheimnisvolle Minusch

Krimi-Abenteuerfilm, dessen Protagonistin eine (ehemalige?) Katze ist. (DVD)

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Ab acht Jahren

Rico, Oskar und die Tieferschatten

Ohne Scheiß der beste deutsche Kinderfilm des ablaufenden Jahres. (amazon)

Mitten in der Winternacht

Wie Rico, Oskar und die Tieferschatten die Verfilmung eines Buches von Andreas Steinhöfel (Es ist ein Elch entsprungen): Weihnachtskomödie mit Familien-Trennungsdrama im Hintergrund. Ein ziemlich frecher, sprechender Elch bruchlandet im Stall, was naturgemäß ziemlich viel Chaos hervorruft, zumal der Weihnachtsmann ohne ihn echt aufgeschmissen ist. (amazon)

Die Dinos

Kult-Fernsehserie aus den frühen 1990ern, der Form nach eine Familien-Sitcom, in der die aussterbende Spezies aber nebenher gesellschaftliche Themen der durchaus ernsteren Sorte abhakt. Jetzt erstmals als dicke Gesamt-DVD-Box erhältlich.

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Ab zehn Jahren

Antboy

Mein Superheldenfilm des Jahres (okay, nach Guardians of the Galaxy, aber der spielt in einer anderen Altersklasse). (amazon)

Clara und das Geheimnis der Bären

Mystisch-schöne Geschichte aus den Schweizer Bergen, aber beileibe kein Märchen und sehr von dieser Welt. (amazon)

Herrscher der Zeit

Großartiger Science-Fiction-Fantasyfilm von René Laloux und dem unnachahmlichen französischen Comiczeichner Moebius. Ein wilder Mix, wenig gradlinig, was schließlich auch für die Erzählung (Zeitreisen!) konstituierend wird. Eine meiner intensivsten filmischen Kindheitserinnerungen. (amazon)

Und sonst?

Wer noch nach weiteren Vorschlägen sucht, findet sie z.B. in der vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum herausgegebene Broschüre (PDF) zum Thema; ich finde zwar manche der Geschenktipps nicht so toll, aber ganz daneben liegen sie natürlich nicht, einen Blick ist das also allemal wert. Für erwachsene Cinephile hat außerdem Joachim Kurz drüben bei kino-zeit.de ein paar Geschenkvorschläge versammelt, die über das Gewohnte 08/15-Material hinausgehen.

Wer schließlich dem Kinderfilmblog etwas schenken will – hier gibt es eine Liste mit Kinderfilmen, über die ich mich, sollte davon eins unterm Baum landen, wohl aufgefordert, wenn nicht gar gezwungen fühlen würde auch zu schreiben; und diese zweite Liste deckt eher meine anderen, gelegentlich abseitigen Interessen ab. Es würde mich freuen.

(Fotos: Senator, polyband, KSM, farbfilm Verleih)

Ratgeber: Ist dieser Film schon was für mein Kind?

Das Filmplakat gefällt (wenn man Pech hat, hat das Kind es schon erspäht und für begehrenswert erkoren), auch der Trailer sieht einigermaßen brauchbar aus – aber wie soll ich jetzt bitte entscheiden, ob der Film auch wirklich was für mein Kind ist? Womöglich sogar, als Familie muss man ja praktisch denken, für mehrere Kinder gleichzeitig, die auch nicht gleichaltrig sind? Kann ich meine Achtjährige und den Fünfjährigen mit dem gleichen Kinobesuch zufriedenstellen? Schauen wir doch mal durch die Möglichkeiten hindurch, von der offensichtlichen FSK-Einstufung bis hin zu präziseren, pädagogischen Empfehlungen, die man im Netz zum Filmkonsum für Kinder leicht finden kann.

Jedes Kind ist anders

Das ist natürlich eine triviale Wahrheit, hat mich aber selbst im Lauf der Zeit immer wieder überrascht. So wollte das eine Kind mit vier Jahren unbedingt Die Piraten zu Ende schauen, von dem das andere mit sechs Jahren nicht einmal zehn Minuten aushielt. Kinder sind da unterschiedlich interessiert, emotional nicht alle gleich belastbar und auch von Filmen mehr oder weniger beeindruckt: Wer viel Fernsehen sieht, den wird ein Film im heimischen Wohnzimmer nicht aus der Bahn werfen, aber ein Kinobesuch kann, zumal in Multiplex-Kinos, auch für medienerfahrene Kinder eine ziemlich überwältigende Erfahrung sein.

Jede Empfehlung ist also immer mit einer Prise Salz zu nehmen, denn sie passt nicht unbedingt auf jedes Kind.

Der Goldstandard: Selber gucken

Und so ist es natürlich auch die sicherste Einschätzung, wenn man den Film vorher selbst anschauen kann und dann die eigene Wahrnehmung damit abgleicht, wie das Kind auf welche Erfahrungen reagiert. „Ratgeber: Ist dieser Film schon was für mein Kind?“ weiterlesen

Ratgeber: Wie passen Filme eigentlich in den Familienalltag?

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Ihr kennt das vielleicht: Es ist so etwa sechs, halb sieben, Ihr kramt gerade im Kühlschrank die Bestandteile des zukünftigen Abendessens zusammen, draußen scheint die Sonne, aber anstatt dass die Kinder im Hof den Sandkasten umgraben, kommt die junge Dame herein und erklärt: „Papa, ich will einen Film gucken!“

Film und Fernsehen als bewusste Entscheidung

Bei uns geht es insofern etwas anders zu als in vielen deutschen Familien, als bei uns kein Fernseher greif- und sichtbar herumsteht. Wir haben ihn nach Kind #2 abgeschafft, aber natürlich gibt es ein entsprechendes Gerät, das allerdings in meinem Arbeitszimmer als Zweitmonitor, Fernseher und vor allem Gerät zur Filmsichtung platziert ist.

Mit anderen Worten: Bei uns gibt es (für Kinder wie Eltern) kein Gelegenheitsgucken und keine Fernsehserien am Nachmittag, sondern bewusste Entscheidungen für einen bestimmten Film. Überhaupt kennen die Kinder das lineare Fernsehen nur noch von Ausnahmefällen her (Tierfilme und Sendung mit der Maus bei den Großeltern, neulich mal das erste gemeinsame Fußballspiel. Was waren wir alle aufgewühlt!).

Ist das besser so als die Möglichkeit, sich auch mal einfach vor den Fernseher zu schmeißen? Keine Ahnung. Bei gutem Wetter versuchen wir jedenfalls, mit den Kindern auch nochmal selbst vor die Tür zu kommen, und selbst bei schlechtem Wetter fragen sie jedenfalls nicht als erstes nach einem Film. Aber das Papa öfter ins Kino geht als sie, finden sie schon doof. Da kommt also noch was auf uns zu.

Neunzig Minuten sind zu viel

So oder so aber ist ein ganzer Spielfilm daheim für einen normalen Werktag nach Kita und Schule schlicht zu lang – da soll schließlich noch Zeit zum Toben sein, dann gibt es Essen, stets viel zu kalte Waschlappen und ein warmes Bett. Allenfalls am Wochenende ließe sich da auch mal ein ganzer Neunzigminüter unterbringen – aber auch der ist meiner Erfahrung nach für Kinder unter sechs Jahren einfach noch zu lang, vor allem wenn so viel passiert wie in den meisten neueren Kinderfilmen: Da reicht ihre Aufmerksamkeitsspanne noch nicht.

Wir haben nun verschiedene Strategien entwickelt, Filmgenuss in die wenigen freien Stunden des Tages zu bekommen, ohne dass alles andere darunter leiden muss – und ich bin gespannt, was Ihr davon haltet und wie Ihr es selbst macht. „Ratgeber: Wie passen Filme eigentlich in den Familienalltag?“ weiterlesen