Kurzfilm zum Wochenende: Die verzauberte Zeichnung (1900)

Was passiert, wenn Zeichnungen, wenn Animationen zum Leben erwachen, beschäftigt das Kino schon lange – schon, wie dieser kleine Film beweist, seit seinen Anfängen. Denn natürlich waren mit Film auf einmal Zaubereien möglich, die auf der Bühne nur schwer umsetzbar waren… The Enchanted Drawing entstand wohl im Jahr 1900 (oder in den Jahren unmittelbar davor) im Studio von Thomas A. Edison, zu sehen ist der Cartoonist J. Stuart Blackton, der schnell mal ein Gesicht und ein paar Gegenstände zeichnet. Die Musikaufnahme ist natürlich moderner und stammt von Philip Carli. Das Video gehört zur Sammlung der Library of Congress.

The enchanted drawing

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Schönes Wochenende!

Ratgeber: Wie gehe ich mit Kindern preisgünstig ins Kino?

Ich gehe wahnsinnig gerne ins Kino. Mit Kindern ist es aber manchmal eine Qual – und dabei meine ich nicht einmal die Auswahl (die ist schwer genug, aber da hoffe ich, dass ich Euch einen Teil der Mühe abnehme) und die Einigung darüber, welcher Film wohl wirklich allen gefallen könnte. Nein, hat man erst einmal einen altersgerechten Film aus den aktuellen Kinostarts gefunden, dann droht der Gang zur Kasse. Mit Kindern ist man aber im Kino schnell fünfzig oder mehr Euro los. Das ist für viele Menschen schlicht zu teuer.

Ich habe ein paar Tipps zusammengetragen, wie man auch für weniger Geld Filme auf der großen Leinwand genießen kann. Richtig billig wird es dadurch auch noch nicht, aber günstiger kann es schon werden – und jedenfalls nicht mehr abschreckend teuer.

Die Vorschläge ergänzen oder überlappen sich zum Teil, ich habe sie trotzdem so grob strukturiert:

  • Möglichst nicht ins Multiplex-Kino. Als Faustregel kann gelten: Je mehr Leinwände das Kino hat, je größer die Kino-Kette, zu dem es gehört, desto höher sind meist auch die Preise. Auf dem Land oder in kleinen Städten hat man meist eh nicht die Wahl – wenn man sie hat, sollte man aber Eintrittspreise vergleichen.

  • Am günstigsten sind unter Umständen Filmvorführungen in Kinder- und Jugendzentren, es gibt auch andere Anbieter, die eigene (oft nicht-kommerzielle) Vorführungen anbieten – zuweilen auch als “Wanderzirkus” dort, wo es wenige oder keine Kinos gibt.

  • Club- oder Rabattkarten nutzen (dafür liefert man dem Kino bzw. dessen Betreiber_innen natürlich Daten – darauf muss man sich einlassen wollen). Bei manchen Kinos bzw. Kinoketten bekommt man jedes x-te Ticket gratis, zuweilen gibt es auch Extras oder Freikarten für Geburtstagskinder. – Vorschlag von @Hello_Silky.

  • Generell gilt: Auf eigene Kindertarife achten. Manchmal gelten diese nur für bestimmte Vorstellungen – oder es gibt eine “Kinderschiene” am Wochenende, in den Schulferien vormittags oder zu anderen Terminen, in der die Vorstellungen günstiger sind.

  • Wenn statt zweier Eltern nur ein_e Erwachsene_r mitgeht, wird es natürlich auch günstiger – dafür fehlt ein Teil des gemeinsamen Kinoerlebnisses. – Vorschlag von @geraeuschtasche.

  • Weniger Extraausgaben: Möglichst im Kino keine Getränke und Süßwaren kaufen (oder nur geringe Mengen) – auch wenn das für die Kinos selbst nicht schön ist, weil die einen Großteil ihres Umsatzes und Gewinns damit bestreiten. Aber keine Sorge, es finden sich genug andere, hungrige und durstige Menschen, die das ausgleichen.

  • Kein 3D: Es kostet meist nicht nur Extra-Aufschlag, wenn man die eigene Brille vergessen hat (oder nicht besitzt), muss man diese meist auch noch bezahlen. Und die Kinder haben gar nicht so viel davon – vor allem kleinere sind a) davon überfordert und b) sehen es gar nicht richtig (wenn ich mich recht erinnere, ist ihr Augenabstand noch nicht so, dass sie mit den meisten 3D-Filmen etwas anfangen könnten). – Vorschlag von @Hello_Silky.

  • Last but auf keinen Fall least: Wenn in Eurer Nähe ein Kinderfilmfestival stattfindet, geht da hin! Nicht nur gibt es dort meist großartige Filme zu sehen, die die meisten Kinos gar nicht erst in ihr Programm aufnehmen (bei großen Festivals gibt es auch Filme, die sonst nirgends ins Kino kommen). Die Preise der Festivals sind meist auch atemberaubend niedrig. Selbst bei der Berlinale, bei der Tickets gerne 15 Euro kosten, zahlt man für die Kinder- und Jugendsektion nur 4 Euro pro Ticket. – Vorschlag von @kinokolumna.

Fallen Euch noch weitere Tricks und Ideen ein, wie der Kinobesuch günstiger werden kann? Schreibt es mir hier in die Kommentare oder antwortet auf Twitter, ich freue mich!

Foto: Eric Prouzet on Unsplash

Streaming-Tipps (20. August 2019)

In meinem Newsletter schicke ich (fast) jede Woche jeweils einen Streaming-Tipp für Kinder und Eltern mit – Neuerscheinungen oder Fundstücke auf Netflix oder Amazon Prime, gelegentlich auch ganz Filme, die ohne Abo kostenfrei erreichbar sind. Auf diese Filme (aber nicht immer die gleichen) möchte ich auch hier im Blog hinweisen, im Wechsel mit Hinweisen auf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-ray.

Finn und die Magie der Musik

Die Dichotomie zwischen Fußball hier und Musik da ist womöglich ein wenig platt, aber Finn und die Magie der Musik garniert die Geschichte des Jungen, der sich weniger für Sport und mehr für die Geige interessiert und dabei auch noch mit familiärem Ballast kämpft, mit nicht allzu viel Schmalz.

(FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren – Finn und die Magie der Musik auf amazon Prime)

FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK Trailer German Deutsch (2014)

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Zurück in die Zukunft

Robert Zemeckis’ Zeitreiseabenteuer dürfte den meisten Eltern bekannt sein; Marty McFly gerät in eine Vergangenheit vor seiner eigenen Zeugung und muss dann plötzlich verhindern, dass er nie auf die Welt kommt. Der Film ist eigentlich erst ab 12 Jahren freigegeben, aber meiner Meinung und Erfahrung nach für aufgeweckte 10-jährige kein Problem. Da solltet Ihr selbst entscheiden, was Eure Kinder schon verkraften können.

(FSK 12 – Zurück in die Zukunft auf amazon Prime, Zurück in die Zukunft auf Netflix)

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT Trailer German Deutsch (2015)

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Empfehlung für die Eltern: Inglourious Basterds

Quentin Tarantino ist durchaus umstritten; seine Frauenbilder sind, sagen wir: ambivalent, seine Filme blutig. Aber neben Pulp Fiction und Kill Bill gehört seine Umerzählung des Zweiten Weltkriegs für mich zu seinen wirklich großartigen Filmen, mit einigen Momenten, die sich so großartig, so präzise gedacht und inszeniert in die Länge ziehen, bis die Spannung sich schließlich doch entlädt…

(Inglourious Basterds auf Netflix)

Inglourious Basterds Official Trailer #1 – Brad Pitt Movie (2009) HD

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Empfehlung für die Eltern: Vertigo – Aus dem Reich der Toten

Einer von Alfred Hitchcocks großartigsten Thrillern: James Stewart als ehemaliger Polizist, der wegen Höhenangst (“Vertigo”) aus dem Dienst ausscheidet und dann miterleben muss, wie eine Frau, die er für einen Freund beschattet, ums Leben kommt – oder doch nicht? Ein Spiel mit Identitäten und Verwechslungen, ein einzigartiges Stück Kino.

(Vertigo – Aus dem Reich der Toten auf Netflix)

Vertigo Official Trailer #1 – (1958) HD

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Empfehlung für die Eltern: Videodrome

David Cronenbergs Körperhorror ist wahrlich nicht jedermenschs Sache, aber Videodrome, in der seltsame Dinge mit Videokassetten passieren (old technology!) ist zurecht ein Klassiker. Und zurecht FSK 18. (Netflix)

(Videodrome auf Netflix)

Videodrome (1983) Original Theatrical Trailer

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(Foto: arsenal Filmverleih)

Ikingut – Die Kraft der Freundschaft (2000)

Bóas glaubt zuerst, er habe ein seltsames Tier in weißem Fell gesehen, ein seltsamer Eisbär, ein Monster vielleicht; aus der Erzählung des 11-jährigen Jungen wird im kleinen Dorf im abgelegenen Norden Islands allerdings schnell ein Monster, womöglich ein Dämon daraus. Der Winter ist außergewöhnlich hart und will nicht enden, die Fischer haben womöglich eh nichts besseres zu tun – das Wasser ist zugefroren – und machen sich auf die Suche nach dem Wesen. Als Bóas allerdings neben den plötzlich endenden Spuren die kleine Figur eines geschnitzten Eisbären findet, ahnt er schon, dass sich da womöglich falsche Vorstellungen in den Kopf gesetzt haben.

Ikingut – Die Kraft der Freundschaft beginnt geradezu altmodisch bedächtig, ein Film der noch keine zwanzig Jahre alt ist und doch aus der Zeit gefallen zu sein scheint, so wenig interessiert er sich für Hektik, Action und Effekte. Stattdessen erzählt er eine einfache Geschichte von Freundschaft und Aberglauben aus dem späten 17. Jahrhundert, reduziert auf wenige Figuren und einfache Themen, dadurch aber umso klarer herausgearbeitet.

Das seltsame Wesen, das Bóas (Hjalti Rúnar Jónsson) gesehen hat, entpuppt sich dann schnell als kleiner Inuit-Junge (Hans Tittus Nakinge), ganz in einen Anzug aus Eisbärfell gekleidet. Eines Nachts weckt er das halbe Dorf auf – die Männer ziehen los, nach ihm zu suchen, alle anderen sind wach und aufgebracht … und so gibt es bei der Lawine, die kurz darauf auf den Ort niedergeht, keine Toten. Nur Bóas ist verschwunden, verschüttet vom Schnee – und der Inuit-Junge, den sie fortan “Ikíngut” nennen, weil er das immer sagt (das Wort bedeutet eigentlich “Freund”), wird ihn ausgraben und nach Hause bringen.

Bóas’ Familie (der Vater ist Pfarrer) nimmt den Retter des Sohnes natürlich auf, aber verwundert sind sie doch – seine Haut ist dunkel und lässt sich auch nicht reinigen, seine Gesichtszüge sind fremdartig. Im Schnelldurchlauf werden so rassistische Stereotype abgehakt – es scheint etwas unrealistisch, dass man hier noch nie von Menschen mit anderer Hautfarbe gehört haben soll -, ohne dass diese allerdings im geistlichen Haushalt dazu führt, dass er nicht gut behandelt würde. Die Dorfbewohner allerdings sind skeptisch, und der Dorfvorsteher nutzt das Gerede und den Aberglauben um sich herum, um seine Animositäten mit dem Pfarrer an Ikingut auszuagieren.

An der Oberfläche ist Ikingut – Die Kraft der Freundschaft ein Abenteuerfilm auf kindlicher Augenhöhe und mit viel Schnee: Immer wieder fährt die Kamera über schneebedeckte Weiten in all ihrer Wandelbarkeit (die Unerbittlichkeit der Kälte wird etwas heruntergespielt), über Eisschollen und weiße Berge. Darunter liegt allerdings eine Geschichte von Kommunikation und Empathie. Denn Bóas und “Ikíngut” verstehen sich sehr schnell, auch ohne dass sie einen gemeinsamen Wortschatz haben; die Dorfbewohner_innen aber, die nicht bereit sind, sich auf den Fremden einzulassen, jene die trotz gemeinsamer Sprache nicht wirklich miteinander, sondern nur gegeneinander sprechen, verstehen sich nicht.

Am Ende sind es die Kinder, die mit so mutigem wie gefährlichem Handeln den Konflikt lösen und Bewegung in die Sache bringen – bis hin zum unvermeidlichen, so tröstlichen wie traurigen Ende.

Ikingut – Die Kraft der Freundschaft (Ikíngut). Island/Norwegen/Dänemark 2000. Regie: Gísli Snær Erlingsson, 87 Min. FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren. (amazon)

(Fotos: absolut Medien)

Kurzfilm zum Wochenende: Vogelleim (2016)

Ein Vogel sitzt in einem Vogelkäfig, ungewöhnlich begabt darin, die Geräusche um sich herum nachzuahmen. Und nach und nach kommt die Erinnerung wieder, wie er in diesen Käfig gelangt ist… bis zu einem Ende, das Freiheit verspricht und dann doch nicht so einfach ist. Regisseur Evan DeRushie hat einen Film gemacht, der es sich nicht leicht macht mit seinen Figuren und deren Motiven; einerseits fast ein Naturfilm in seiner Direktheit (bis zu einem echten Schreckensmoment – bitte nicht unvorbereitet mit kleineren Kindern sehen -, der sich im Lauf des Films auflöst, dann sogar Heilung verspricht), andererseits ganz in der modernen Gegenwart verankert.

Birdlime | Award-winning Stop-Motion Animation | Short of the Week

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Schönes Wochenende!

Weitere tolle Kurzfilme für Kinder gibt es hier.

Kurzfilm zum Wochenende: M52 (2018)

M52 ist ein kleines Enigma, ein Film ohne kohärente Handlung oder klare Aussage, und trotzdem eine Science-Fiction-Dystopie (oder Utopie?), ein seltsames Abenteuer…? Der kanadische Regisseur Yves Paradis hat M52 in 52 unabhängigen Sequenzen erstellt, ohne großen Plan oder Entwürfe vorab – nur mit dem Konzept: Es beginnt mit einer Figur, die einen großen Würfel durch die Wüste schiebt. Wohin es dann weitergeht, ist ganz und gar phantastisch – ein Film für Kinder, die sich in Bilder und Musik (von Alexander Hohaus) verlieren wollen, oder die schon ein paar Science-Fiction-Filme gesehen haben und sich gerne mitreißen lassen (via).

Schönes Wochenende!