Kurzfilm zum Wochenende: Verstecken (2018)

Verstecken (Hide and Seek oder, im Original, ハイドアンドシーク) von Mimi Shinko ist ultra-reduzierte Animation. Der Film sieht so aus, als könne man das einfach mal so daheim mit Karton, Farben, Knete und ein paar Stöckchen nachmachen. Kann man vielleicht auch, und dann aber eben auch nicht. Denn der Film hat, wenn man genau hinschaut, einen ganz speziellen Rhythmus, spielt mit Schärfe und Unschärfe, mit Formen und Verwandlungen sowieso. Das macht man nicht mit links – aber wenn es das eine oder andere Kind dazu anregt, mal mit Knete, Pappe und einem Tablet zu experimentieren, umso besser.

Hide and Seek läuft auf dem KUKI-Festival, dem Internationalen Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche Berlin, das noch bis Sonntag läuft. (Offenlegung: Ich bin in diesem Jahr auf dem KUKI Mitglied der FBW Jury.)

ハイドアンドシーク

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Schönes Wochenende!

Fridas Sommer (2017)

Kein Lächeln ist da auf Fridas Gesicht, während um sie herum das Feuerwerk abbrennt – ein Freudenfest in der Großstadt, der Sommer wird eingeläutet, aber Frida beobachtet und schaut und schweigt.

Die sechsjährige Frida zieht zu ihrer Tante und ihrem Onkel aufs Land, wird mit ihrer kleinen Cousine Anna spielen. Aus den Gesprächen um sie herum wird nach und nach klar: Fridas Mutter ist gestorben, der Vater schon länger tot. Die Geschwister der Mutter kümmern sich, Fridas Großmutter macht allen Vorwürfe, es seien falsche Entscheidungen getroffen worden, falsche Lebenswege beschritten.

Die Krankheit, an der die Mutter litt, wird nicht mit Namen genannt und ist doch präsent: Es ist, wie der Originaltitel von Fridas Sommer verrät, der Sommer des Jahres 1993. Als Frida sich ein Knie aufschlägt, gerät die Mutter eines anderen Mädchens in Aufregung: Sie habe Frida doch nicht angefasst? Weltweit war Anfang der 1990er Jahre die Angst vor AIDS, vor möglicher Ansteckung riesig. Aber man täusche sich nicht. Auch wenn Autorin und Regisseurin Carla Simón Pipó in ihrem Debütfilm einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte verarbeitet hat – den Tod ihrer HIV-kranken Mutter, der der Film auch gewidmet ist –, so ist der Film doch in diesen Ängsten hochaktuell und in seinem eigentlichen Sujet zeitlos.

Die vollständige Kritik steht drüben auf kino-zeit.de.

Fridas Sommer (Estiu 1993). Spanien 2017. Regie: Carla Simón, 97 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 26. Juli 2018.

(Foto: Grandfilm)

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

Ah, Paris! Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen fängt mich mit drei einfachen Zaubersprüchen ein: dem Blick auf die französische Hauptstadt à la 1927 (mehr oder minder präzise gezeichnet, aber mir reichen ja schon ein paar Boulevards, der Eiffelturm und andere bekannte Bauwerke für sehnsüchtiges Seufzen), die von Magie erfüllte Welt JK Rowlings und schließlich Newt Scamander, der so angenehm nicht den klassischen Normen von Männlichkeit und Heroismus entsprechende Held. (Dazu gibt es hier einen schönen Videoessay in englischer Sprache.)

Aber Grindelwalds Verbrechen setzt nicht einfach fort, was im ersten Film (auf amazon bestellbar, aktuell auf Netflix) begann; es verschieben sich die Schwerpunkte, und nicht immer zum Besten. Wer derlei Sachen verfolgt, weiß, dass da noch einige Filme folgen sollen; und dieser zweite Film wirkt leider viel zu sehr wie ein Dazwischenfilm, in dem Handlungsstücke und Figuren in Position gebracht werden – und dabei geht eben leider der Fokus auf die Figuren, ihre Motive und Gefühle etwas verloren, der Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind so stark machte.

So wirkt der Film gelegentlich überladen und unkonzentriert, manche Actionsequenzen sind zu hektisch und unübersichtlich geraten – das beginnt schon ganz am Anfang bei Grindelwalds Flucht und wiederholt sich bei Auseinandersetzungen mit manchen der eigentlich so phantastischen Tierwesen, die man auf diese Weise kaum richtig zu Gesicht bekommt. Das zeigt sich weiterhin darin, dass manche Schnitte und Überleitungen nicht richtig funktionieren, und auch die Tempiwechsel von Action zu Gespräch und zurück holpern gelegentlich recht arg. Man sieht nicht nur die vier Hauptfiguren aus dem ersten Film zu wenig in Interaktion (was schade ist, weil es Voraussetzung dafür wäre, dass die letzten, sehr dramatischen Szenen ihre Wucht wirklich entfalten könnten), auch die neuen, interessanten Figuren (wie Zoë Kravitz’ Leta Lestrange) lernt man nicht wirklich gut kennen.

Düster und bedrohlich geht es trotzdem zu – das ist kein Film für kleine Kinder. Johnny Depps Grindelwald (es wäre ein eigener, längerer Text, wollte man darüber sprechen, ob es klug war, ihn für diese Rolle zu wählen) ist ein skrupelloser Einflüsterer, der Frieden und Liebe predigt, aber Ausgrenzung und Vernichtung meint – eine Figur, deren Politik nicht nur in die Zeitgeschichte der Handlung verweist (sein Rückzugsschloss liegt, das ist fast schon too much, in den österreichischen Alpen), sondern zugleich sehr modern auf die Gegenwart verweist, auf (ja doch, ganz bestimmte) Einflüsterer und Rassisten. Das ist nicht besonders subtil, aber JK Rowling hält mit ihren politischen Überzeugungen ja auch nicht hinter dem Berg.

Ich kann das trotz aller Schwächen genießen, weil ich mich gerne in diese Welt hineinziehen lasse; man wünscht sich aber für den nächsten Film mehr Newt Scamander, mehr Porpentina Goldstein, mehr Phantastik und etwas weniger Hektik. Mehr Zauber und etwas weniger Intrige.

PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN – Final Trailer Deutsch HD German (2018)

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald). USA/Großbritannien 2018. Regie: David Yates, 135 Minuten. FSK 12, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 15. November 2018.

Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Kurzfilm zum Wochenende: Ameise (2017)

Von Julia Ocker habe ich hier schon einmal einen Animationsfilm vorgezeigt, einige weitere habe ich gesehen; Ameise ist ein Film, der ihr besonders gut gelungen ist. Ohne ein gesprochenes Wort, dicht und graphisch sehr vereinfacht, dabei immer klar in Design wie Aussage: Ein tolles Ministück Minikino auch für sehr Kleine.

Ameise ist einer der vielen kurzen Höhepunkt auf dem diesjährigen KUKI-Festival, dem Internationalen Kurzfilmfestival für Kinder
und Jugendliche Berlin, das am kommenden Sonntag, den 18. November 2018, um 14 Uhr mit einer großen Eröffnungsfeier im Filmtheater am Friedrichshain startet und dann bis 25. November ein volles und abwechslungsreiches, für unterschiedliche Altersgruppen gestaffeltes Programm an Kurzfilmpreziosen anbietet. Wenn Ihr in Berlin seid und ein bisschen Zeit habt, geht da unbedingt hin.

(Offenlegung: Ich bin in diesem Jahr auf dem KUKI Mitglied der FBW Jury, und Ameise ist einer der Filme, die wir bewerten dürfen.)

Animanimals: Ant

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Schönes Wochenende!

Der kleine Fuchs und seine Freunde – Das große Kinoabenteuer (2017)

Der Fuchs wäre so gern groß und böse; und eigentlich hat er auch wirklich Appetit auf Fleisch. Aber immer, wenn er auf den Bauernhof kommt, wird er von allen mehr oder minder freundlich gegrüßt – nur die Henne ist genervt: Jetzt kommt er schon zum dritten Mal diese Woche. Als er sie zu beißen versucht, hat sie die Nase voll und schmeißt ihn hochkant vom Hof – immerhin hat der Bauershund ihm schon ein paar Rüben zum Mitnehmen eingepackt.

Aber so kann’s nicht eingehen, findet der noch gefräßigere Wolf, und schlägt ihm einen Plan vor. Wenn niemand vor dem Fuchs Angst hat, dann muss er sich halt die Schwächsten vom Bauernhof mitnehmen und sie das Fürchten lehren: frisch gelegte Eier. Gesagt, getan: In der nächsten Nacht stiehlt der Fuchs die drei Eier unterm Hintern der Henne weg. Dummerweise identifizieren die drei Küken direkt nach dem Schlüpfen den Fuchs als ihre Mama – und lassen sich auch nicht mehr vom Gegenteil überzeugen. Als er ihnen eine wirklich furchtbare Geschichte vom großen, bösen Fuchs erzählt, kriechen sie nur noch dichter an ihre Mama heran.

Le Grand Méchant Renard heißt diese Geschichte im Original und der Titel ist natürlich ironisch gemeint: Ein weicheres Herz als dieser Fuchs kann man kaum haben, aber was will man auch machen, wenn man von drei niedlichen Küken adoptiert wird? Das Lehrstück über den freiwillig-unfreiwilligen Adoptivvater ist ein Teil von Der kleine Fuchs und seine Freunde, einem beglückend komischen Animationsfilm aus Frankreich, dessen drei Episoden jeweils als eigenständige Stücke in einer von Tieren präsentierten Theateraufführung gezeigt werden.

Die ausführliche Kritik gibt es drüben bei kino-zeit.de! (Den Film gibt es, obwohl ein deutscher Kinostart geplant war, nach wie vor leider nur auf französischsprachiger DVD.)

LE GRAND MECHANT RENARD ET AUTRES CONTES – Bande-annonce officielle (2017)

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