24. Schlingel-Filmfestival 2019 (Chemnitz)

Mit der Eröffnungsveranstaltung am heutigen Abend hat nun das “24. Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum”, wie das Schlingel in Chemnitz offiziell heißt, begonnen. Wie schon in den letzten Jahren ist das Angebot an Filmen nicht nur enorm breit und umfassend, sondern auch ganz und gar herausragend; es gibt bis kommenden Sonntag (13. Oktober 2019) eine riesige Menge an Filmen zu sehen, die ich hier weder vollständig umreißen noch besprechen kann oder will. Die nach Alters- und Programmgruppen sortierte Übersicht der Festivalfilme gibt da einen hinreichenden Eindruck.

Logo des Schlingel-Filmfestivals Auf das Jugendprogramm will ich hier nicht näher eingehen, da es nicht mein Fokus ist; es läuft dort unter anderem Giant Little Ones (Trailer), der auf dem LUCAS-Filmfestival dieses Jahr den Preis für den besten Langfilm in der Sektion 13+ gewonnen hat.

Stattdessen will ich hier kurz die Kinderfilme (also Langfilme, die geeignet für Kinder bis einschließlich etwa 12 Jahren sind) in grob alphabetischer Reihenfolge auflisten und vorstellen; soweit ich sie schon gesehen habe, werde ich kurz etwas dazu schreiben oder meine ausführliche Kritik verlinken, ansonsten gibt es hier vor allem die kurze Inhaltsbeschreibung des Festivals zu lesen. Ebenso ein paar Trailer. Die genauen Vorstellungszeiten für die Filme entnehmt Ihr dann am besten der jeweils verlinkten Festivalseite.

Aktuelle deutsche Kinofilme wie Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück, Unheimlich perfekte Freunde, Rocca verändert die Welt, Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! oder den wunderbaren Fritzi – Eine Wendewundergeschichte habe ich in meine Übersicht nicht aufgenommen. Ältere Filme bzw. Klassiker aus dem Sonderprogramm sind mit dem Jahr ihrer Entstehung zusätzlich markiert, alle anderen Filme sind also neu und haben zum Teil schon einen deutschen Kinostart (hurra!). „24. Schlingel-Filmfestival 2019 (Chemnitz)“ weiterlesen

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte (2019)

Endlich Sommerferien! Fritzi wäre über die freie Zeit noch deutlich glücklicher, wenn ihre beste Freundin Sophie mit ihr zusammen in Leipzig bliebe. Aber Sophie und ihre Mutter fahren in den Urlaub nach Ungarn, dafür wird Fritzi auf Sputnik aufpassen, Sophies kleinen Hund.

Es ist, erfahren wir am Anfang des Films durch eine Einblendung, der Sommer des Jahres 1989, und mit dem Blick aus der Gegenwart ahnen wir natürlich schon, was die Reise nach Ungarn bedeutet: Sophie kommt aus dem Urlaub nicht mehr zurück, am Abend des ersten Schultags kann sie Fritzi noch ein letztes Mal aus einer Telefonzelle anrufen, irgendwo in der Nähe der bundesdeutschen Botschaft in Budapest.

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte ist in erster Linie ein Kinderfilm; seine Figuren sind, im Bild wie in den Charakteren, mit klaren Linien gezeichnet, im Bild auch etwas flächig, vor gemalten, fast getuschten Hintergründen, die von der Wandzeitung im Klassenraum über die Altbauten der Stadt bis zu den Postern im Kinderzimmer konzentriert das Leben in den letzten Monaten vor der Maueröffnung präsentieren. Es ist eine konsequente Perspektive aus der Innensicht dieser Welt, auf Augenhöhe mit Fritzi.

Und ein wunderbar unpädagogischer, genauer Blick auf das Leben in der DDR, kurz bevor die Mauer fiel. Ein Film, der in seiner Hauptfigur die emotionale Bedeutung dieses Mauerfalls in ganz einfacher Form kondensiert, ohne das Politische auszuschließen. Meine beglückte, begeisterte Kritk ist auf kino-zeit.de erschienen.

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Fritzi – Eine Wendewundergeschichte. Deutschland/Luxemburg/Belgien/Tschechien 2019. Regie: Ralf Kukula/Matthias Bruhn, 80 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 9. Oktober 2019.

(Foto: Weltkino)

Kurzfilm zum Wochenende: 14 (2015)

Im Juli 1914 war die Welt noch ein wenig mehr in Ordnung in den französischen Alpen. Der Champion der Tour de France kommt auf einer Bergabfahrt in etwas zu engen Kontakt mit einer Kirchenglocke und daraufhin ganz und gar vom Weg ab. Das Dorf ist, auf seine Weise, begeistert. Ein Kurzfilm von Juliette Coutellier, Charlotte Da-Ros, Cyril Flous, Amélie Graffet, David Jurine und Roxane Martinez, in ihrem letzten Hochschuljahr an der Supinfocom Arles entstanden – fast ohne Worte, aber begeistern kann der Film wahrscheinlich nur junge Freund_innen von eher seltsamem, nicht ganz offensichtlichem Humor.

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Schönes Wochenende!

#Horrorctober – Filmische Halloween-Zeit für Kinder

Dass sich der Oktober ein wenig zum Gruselmonat im Jahr entwickelt hat, ist vermutlich nicht von ungefähr dem Umstand zu verdanken, dass sich Halloween in seiner amerikanischen Form inzwischen in Deutschland und weltweit als wie auch immer geartetes und begangenes Fest ausgebreitet hat. Oder vielleicht ist es halt nur eine günstige Gelegenheit, eine Kostümparty mit klar umrissenen Thema zu feiern, selbst wenn man vom alljährlichen Karnevalstreiben vor der Fastenzeit eher abgestoßen ist.

13 Filme für mehr Gruseligkeit

Unabhängig von Halloween ist natürlich der Oktober, wenn es früher dunkel wird, sich Nebel zwischen Bäumen (oder Grabsteinen) verfängt und zumindest wir Erwachsenen uns durch fallende Blätter an unsere Sterblichkeit erinnert fühlen, der perfekte Moment für Grusel und Schrecken, auch im Kino.

Unter cinephilen und cinephagen Menschen der deutschen Online-Community hat sich jedenfalls vor einigen Jahren der sogenannte Horrorctober etabliert – wie auch in diesem Jahr versuchen die Connaisseuses und Connaisseurs gut (oder besonders schlecht) gemachter Horrorfilme, im Laufe des Oktobers ein jeweils selbstgewähltes Menü von 13 schröcklichen Streifen zu durchschreiten und idealerweise darüber auch noch zu bloggen oder zu twittern (der Hashtag dazu ist, das versteht sich von selbst, #horrorctober).

Wer sehen möchte, welche nicht jugendfreien Filme ich mir für diesen Oktober vorgenommen habe, kann das in dieser Liste nachvollziehen.

Kinder und Horrorfilme gehören nicht zusammen – oder?

Mich beschäftigt schon länger, ab wann und wie Horrorfilme wohl für Kinder, nicht nur meine, geeignet sein könnten. Und zwar keineswegs leichtfertig: Ich habe zwar als Filmkritiker viele Jahre vor allem über Splatter-, Slasher- und Zombiefilme geschrieben, aber mir ist bis heute nicht ganz klar, wie ich in diese spezifische Nische so tief hineinrutschen konnte; jedenfalls fehlte mir jene lebenslange glühende Begeisterung für das Genre und seine blutigen Subformen, die die meisten Fans in dieser Ecke mitbringen. Im Gegenteil, ich war als Kind schon beim Gedanken an Grusel in Schockstarre, was blutsaugende Monster, gäbe es sie, vermutlich sehr praktisch gefunden hätten. Aber ich schweife ab.

Was mir inzwischen jedoch klar geworden ist: Der Horrorfilm ist alles andere als uniform, und natürlich keineswegs per se verwerflich. Es gibt ihn, wie alle anderen Genres und Modi, in gräßlich-exploitativer Form, nachdenklich-verstörend, hochgradig amüsant oder oder oder. Vor allem gibt es ihn oft als sehr politischen Film (gerade im Zombiekino geschieht da zuweilen Erstaunliches).

Szenenbild ALFIE - Foto: Barnsteiner-Film/Schlingel Filmfestival

Die politischen, gesellschaftlich bedeutsamen Themen finden sich dann nicht selten auch in den Gruselfilmen, die gewissermaßen “Horror” tauglich für Kinder (und zarte Erwachsene) machen; vor einiger Zeit habe ich das so zusammengefasst:

Nicht nur im Kinderfilm, aber dort besonders ist das Monströse nicht immer automatisch auch das Böse. Es kann zu allererst das Andere sein, das Fremde vielleicht; und gerne zeigt sich dann, dass es vor allem die Erwachsenen sind, die diesem Fremden mit Argwohn und Angst gegenübertreten. Zu einer der Tropen des Monsterfilms gehört schließlich das unschuldige Kind, welches als einziges hinter die schröckliche Fassade blickt.

Angstfrei gruseln – Schrecken vorbereiten

Natürlich muss niemand mit seinen Kindern auch nur die harmlosesten Gruselfilme schauen; ich habe trotzdem eine Liste mit Kinderfilmen zusammengestellt, die die ganze Bandbreite abbilden: von freundlichsten Anspielungen auf Halloween über sehr kindertaugliche Monstren bis hin zu nicht blutigem, aber schon kribbeligem Horror für den anspruchsvollen Teenager. Sie ist (sehr!) grob nach möglicher Alterstauglichkeit sortiert.

Aber dennoch: Gruselkino für die Kinder will wohl überlegt und mit ihnen gemeinsam vorbereitet sein. Wissen sie, was sie erwartet? Fühlen Sie sich im Kontext (z.B. zuhause vor Fernseher oder Leinwand) sicher? Trauen Sie sich, im Zweifel Stop zu sagen? Sind sie überhaupt weit genug dafür? Nicht alle Elfjährigen sind bereit für Aliens, auch wenn der amerikanische Filmkritiker Matt Zoller Seitz damit einen tollen Abend organisiert hatte.

Kinderfilme für die kinematographische Geisterstunde

Viele Filme aus meiner Liste habe ich bereits hier im Blog oder anderswo ausführlich besprochen – die Links dazu folgen unten. Darüber hinaus werde ich hier im Blog bis Halloween jeden Mittwoch einen weiteren Horrorfilm der Liste besprechen.

Fällt Euch noch was ein?
Falls Euch noch kindertaugliche Horror- oder Gruselfilme einfallen sollten, die hier noch fehlen, lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Szenenbild MANOLO UND DAS BUCH DES LEBENS - Copyright:  20th Century Fox

(Fotos: Bee Felten-Leidel auf Unsplash; Barnsteiner-Film/Schlingel Filmfestival; 20th Century Fox)

Neu im Heimkino: September 2019

In meinem Newsletter schicke ich (fast) jede Woche jeweils einen Streaming-Tipp für Kinder und Eltern mit – Neuerscheinungen oder Fundstücke auf Netflix oder Amazon Prime, gelegentlich auch ganz Filme, die ohne Abo kostenfrei erreichbar sind. Auf diese Filme (aber nicht immer die gleichen) möchte ich auch hier im Blog hinweisen, im Wechsel mit (wie heute) Hinweisen auf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-ray. Links zu amazon sind Affiliate-Links; die Provision unterstützt die Arbeit am Blog hier ein wenig. Dankeschön!

Rocca verändert die Welt

Katja Benraths Film hat mir wahnsinnig gut gefallen – und ließ mich dennoch, deshalb lässt die ausführliche Kritik noch auf sich warten, ein wenig ratlos zurück. Ist das so vorbehaltlos leichtfüßig-positiv, wie es sich im ersten Moment anfühlt? Steckt da nicht doch eine große Portion Realitätsferne drin, die das überhaupt möglich macht? Oder ist das nicht gerade der beglückende Kern dieser Geschichte, dass sie hinter die grimmige Fassade der Welt ins Herz der Menschen schaut? Ich habe immer noch keine Antwort darauf. Aber: Rocca verändert die Welt ist auf alle Fälle ein berührender Film, voller cleverer Ideen und garantiert mitreißender als die meisten deutschen Kinderfilme.

(FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren; bestellen bei amazon)

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Hier auch die ersten sieben Minuten des Films als kleiner Einblick:

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Unheimlich perfekte Freunde

Hinter dem Jahrmarktspiegel taucht auf einmal Fridos Doppelgänger auf – genauer: sein Spiegelbild. Fleißig in der Schule, gehorsam und brav. Als Frido ihn in die Welt lässt – endlich hat er Zeit für die wichtigen Dinge -, stellt sich aber schnell raus, dass der andere Frido ihm möglicherweise nicht nur wohlgesonnen ist… ein spannender Film, der seine gruselige Grundidee viel überspielt und in einem etwas einfachen Finale auflöst. Meine ausführliche Kritik sagt mehr.

(FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren; bestellen bei amazon)

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Aladdin

Die “Realverfilmung” – mit reichlich, reichlich photorealistischen CGI-Effekten – der Disney-Geschichte um Aladdin und den Flaschengeist (nun von Will Smith verkörpert) habe ich selbst noch nicht gesehen, aber Disney-Fans werden ihn vermutlich toll finden; eine Auswahl aus den gemischten Kritiken hatte ich zum Kinostart schon kurz zusammengetragen.

(FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren; bestellen bei amazon)

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Die Sagenhaften Vier

Die Hauskatze Marnie ist mit ihrem faulen Leben nicht ausgelastet und phantasiert sich gerne in ein Leben als Geheimagentin hinein. Als dann auf einmal in der dörflichen Nachbarschaft ein Einbruch nach dem anderen verübt wird, will sie sich an die Aufklärung machen – und bekommt unerwartete Verbündete. Die Sagenhaften Vier ist eine sehr modernisierte Variante auf “Die Bremer Stadtmusikanten”, recht unterhaltsam, aber kein total großer Wurf, wie ich in meiner Kritik zu erklären versuchte.

(FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren; bestellen bei amazon)

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Alfons Zitterbacke (1966)

Bevor das flotte, sehr zeitgenössische, aber vielleicht etwas zu leichtfüßig dahinklimpernde Remake zu Weihnachten fürs Heimkino erworben werden kann, empfiehlt sich noch einmal der DEFA-Klassiker nach den Kinderbüchern von Gerhard Holtz-Baumert, schön in neuer Qualität aufbereitet.

(FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren; bestellen bei amazon)

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Foto: Warner Bros.

UglyDolls (2019)

Im bunten Uglyville, wo alles ein bisschen schräg, keine Wand gerade und alles bunt ist, leben die UglyDolls – sie scheinen jeden Tag zu feiern, gemeinsam und mit viel Spaß, aber für Moxy (Lina Larissa Strahl) ist das nicht genug. „Jedes Kind braucht eine Puppe, jede Puppe braucht ein Kind“, singt sie, und hofft darauf, dass heute, genau dieser Tag, nun der Tag werde, an dem sie von einem Kind ausgesucht wird.

Irgendwann schafft sie es wirklich, ihre Freund_innen Lucky Bat, Ox, Babo, Ugly Dog und Wage zu einer Expedition jenseits des Ausstoßschachtes zu bringen – da, wo die UglyDolls aussortiert werden, alle dreiäugig oder asymmetrisch oder unförmig oder halt ein fliegendes, einäugiges Einhorn. Die seltsame Truppe bewegt sich also in die Tiefen der Spielzeugfabrik hinein, der sie alle entstammen, und landen schließlich vor einem großen Tor zum „Institute of Perfection“. Hier sollen Puppen zu perfekten Spielzeugen geformt werden, erfahren sie, und gleich am Anfang werden all die anderen Puppen – vorher gesichtslose Prototypen – in Mädchen- und Jungenpuppen zurechtgestanzt und einsortiert . Nur die UglyDolls passen da nicht rein, ein Warnsignal hupt und eine Stimme sagt: „Ich habe leider kein Foto für dich“.

Die vollständige Kritik von UglyDolls gibt es drüben bei kino-zeit.de. Ich habe mich ziemlich aufgeregt.

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UglyDolls. USA 2019. Regie: Kelly Asbury, 88 Min. FSK 0, empfohlen ab … nee, lieber gar nicht empfohlen. Kinostart: 3. Oktober 2019.

(Fotos: Tobis Film)