Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt (2017)

Ruslan träumt davon, endlich wie ein edler Ritter Abenteuer zu erleben und schöne Prinzessinnen zu retten – leider ist er aber nur ein armer Schauspieler in einem Straßentheater. Dann wird vor seinen Augen die schöne Mila von einem Zauberer entführt – nun scheint seine Stunde gekommen zu sein, nun kann er ein Held sein!

Dass Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt auf einem Gedicht von Alexander Puschkin basiert (‘Ruslan und Ljudmila’, das seinerseits vor allem als Basis für die gleichnamige Oper bekannt ist), das wiederum von russischen Volksmärchen inspiriert wurde, macht nicht unbedingt einen guten Film daraus – und in der Tat ist der Animationsfilm von Oleg Malamuzh vor allem überraschungsarm und etwas wenig feingliedrig in seinen emotionalen Wendungen. Für die Kinderfilmwelt habe ich den Film für die kindliche Zielgruppe etwas ausführlicher besprochen.

MILA UND RUSLAN Trailer German Deutsch (2019) Exklusiv

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Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt (The Stolen Princess). Ukraine 2017. Regie: Oleg Malamuzh, 91 Min. FSK 0, empfohlen ab 9 Jahren. Auf DVD erschienen.

(Foto: EuroVideo)

Das tapfere Schneiderlein (1956)

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„Genug geflennt!“ Da weist nicht etwa die böse Stiefmutter ein trauriges Kind zurecht, in diesem Märchen macht die aufbrausende Prinzessin ihrem Vater klar, dass ihr sein Gejammer zu viel wird. Und so ganz genau weiß man auch gar nicht, was es denn zu beklagen gibt – keine der Gefahren für‘s Königreich, denen er das tapfere Schneiderlein aussetzt, scheint wirklich soo akut gefährlich zu sein.

Aber der Reihe nach. Die wenig harmonische Königsfamilie ist ja nicht die einzige Besonderheit von Helmut Spieß‘ Märchenverfilmung aus dem Jahr 1956. Zunächst und vor allem ist Das tapfere Schneiderlein der erste große Märchenfilm der DEFA, der sich primär an Kinder richtete: Die Geschichte vom kleinen Muck (1953) und vor allem Paul Verhoevens Das kalte Herz (1950), die womöglich noch etwas erfolgreicher waren und bekannter sind, hatten noch keine so klare Zielgruppe, waren eher Märchen für Erwachsene, die sich auch für Kinder eigneten. „Das tapfere Schneiderlein (1956)“ weiterlesen

Willkommen im Wunder Park (2019)

Es gab in den letzten Jahren gefühlt vermehrt Filme, in denen die kindlichen bis jugendlichen Protagonist_innen eine persönliche Krise bewältigen und bearbeiten, indem sie sich mit einer imaginierten oder vom Film inszenierten phantastischen Figur oder Bedrohung auseinandersetzen. Herausragend ist dabei Sieben Minuten bis Mitternacht, im Grunde macht auch I Kill Giants ähnliches. Dass in beiden Fällen eine schwere Krankheit der Mutter (bei abwesendem Vater) Auslöser für die Krise ist, mag Zufall sein; zumindest bei Sieben Minuten bis Mitternacht weiß man durch das verfilmte Buch, dass jedenfalls die Drehbuch-Autor_innen nicht einfach die billigste, weil dramatischste Krise aus dem Repertoire gegriffen haben.

Und nun also Willkommen im Wunder Park, an dessen Titel mich das überflüssige und definitiv falsch gesetzte Leerzeichen wahnsinnig nervt; aber das sollte den Film nicht schlechter machen. Weitere Witze ließen sich machen darüber, dass im Abspann kein Regisseur genannt wird, als sei der Film quasi das mechanistische Produkt kapitalistischer Interessen (sprich: der Produktionsfirma), aber das ignoriert natürlich, dass der sehr wohl existierende Regisseur wegen übergriffigen Verhaltens gefeuert wurde und sein Name deshalb gestrichen wurde.

Das Grundgerüst jedenfalls ist bekannt: Die kleine June hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam eine Phantasiewelt immer weiter ausbaut. In ihrem Kopf entsteht ein Freizeitpark voller wahnwitziger Attraktionen und Abenteuer – im „Wunder Park“ zaubert Affe Peanuts mit einem Zauberstift riesige Karussells, Rutschen und Achterbahnen herbei. Der blaue Bär Boomer begrüßt die Gäste, Wildschwein Greta ist für die Sicherheit verantwortlich… es ist ein wildes, aber nicht uninteressantes Durcheinander.

Junes Mutter wird krank – man erfährt nie genau, was sie hat, es scheint auch kein Gespräch dazu zu geben, sie verschwindet einfach irgendwohin, vermutlich in ein Krankenhaus –, und ohne ihre Mutter fehlt June der Mut, am „Wunder Park“ weiterzuarbeiten. Irgendwann (wie viel Zeit im Film vergeht, wird nie wirklich klar) schickt ihr Vater June dann in ein Mathe-Camp, um sie ein wenig abzulenken. Noch im Bus dorthin hat sie allerdings Schreckensvisionen von ihrem allein völlig hilflosen Vater, verdrückt sich während einer Fahrtpause und wandert durch den Wald zurück in die Stadt.

Oder besser: Sie versucht es. Denn plötzlich findet sie sich in ihrem eigenen „Wunder Park“ wieder und kann ihn auch nicht verlassen. Dort ist alles in Unordnung geraten, weil sich niemand mehr um den Park kümmert, Peanuts und die anderen Tiere sind ständig auf der Hut oder Flucht vor einer Armee bösartig gewordener Spielzeugäffchen, und über allem dreht sich drohend-gefräßig die „Dunkelheit“, die sich als finsterer Wolkenwirbel am Himmel dreht und nach und nach den Park zu vernichten droht.

Die Assoziation zu Michael Endes „Nichts“ aus Die unendliche Geschichte liegt da sehr nahe, und im Grunde deutet das auf das schon angedeutete Grundproblem der ganzen Geschichte, die Willkommen im Wunder Park erzählen will: Da wurden lauter Versatzstücke aus anderen Geschichten zusammengeschraubt, geklebt und getackert, und das soll jetzt irgendwie mitreißen.

Visuell funktioniert das weitgehend: Der Park ist, vor allem in seiner verfallenden Form, ein bezaubernd vielfältiges Phantasiereich voll kleiner Details und toller Ideen, der ganze Film sieht insgesamt gut aus, auch wenn vor allem bei den Figuren wenig Originelles, wirklich Eigenes in Animation und Ästhetik zu sehen ist – aber das muss auch nicht immer sein. Dazwischen gibt es nette Ideen: Boomer hat immer wieder Schlafattacken, weil er offenbar nicht genug Winterschlaf bekommt (oder so), das Stachelschwein Steve ist heimlich in Greta verliebt und zu schüchtern, es ihr zu sagen. Und dass hier ein Mädchen nicht nur phantasievoll, sondern auch mathematisch begabt ist und eher an Klebeband und Schraubenschlüsseln interessiert ist als an Rüschen und Rosa, ist zumindest erfrischend, wenn auch nicht wahnsinnig originell.

Für eine wirklich auch psychologisch komplexe Geschichte ist dann aber nicht nur alles zu derivativ (einige Szenen wirken um zwei Ecken von Pixar abgekupfert), es geht auch zu wenig ins emotionale Detail. Stattdessen gibt es dann eine Actionsequenz nach der anderen, deren Abfolge sich zuweilen eher zufällig zu ergeben scheint; das ist nach einer Weile dann ein wenig hektisch und dadurch in 3D gelegentlich auch schwer nachvollziehbar oder erträglich.

Man kann sich das deshalb durchaus ansehen; aber mehr als ein deutlich überdrehter Kinobesuch wird daraus kaum. Was ich allerdings, auf Anregung von Boomer hin, gerne einmal ausprobieren möchte, ist sein Rezept für eine Marshmallow Calzone. Bon appetit !

Lena im Interview – WILLKOMMEN IM WUNDER PARK

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WILLKOMMEN IM WUNDER PARK | OFFIZIELLER TRAILER C | Paramount Pictures Germany

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Willkommen im Wunder Park (Wonder Park). USA/Spanien 2019. Regie: Dylan Brown, 85 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 11. April 2019.

(Foto: Paramount)

Mascha und der Bär (2017)

Ich hatte bisher keine wirkliche Meinung zu Mascha und der Bär; meine kurzen Blicke in die Sendung ließen den Eindruck zurück, es mit einer hyperaktiven, leicht kieksigen und unterambitioniert animierten Variation auf Shaun das Schaf zu tun zu haben: Lauter kurze Episoden, in denen die beiden Hauptfiguren kleine, manchmal ziemlich aus den Fugen geratende Abenteuer erleben, die nie wirklich ernsthafte Folgen haben – denn schließlich, und das ist im Grunde schon sehr in Ordnung so, spricht man hier ein sehr junges Publikum an.

Der „Film“ Mascha und der Bär, der jetzt in einigen Kinos zu sehen ist, ändert an meinem Urteil wenig – und hat auch wirklich überhaupt kein Interesse daran. Er ist auch weniger ein Film im klassischen Sinne als mehr eine Aneinanderreihung von wohl neu entstandenen Episoden („Brandneue Abenteuer“ kündigt das Plakat an, sie sind aber halt schon zwei Jahre alt), die sehr, sehr lose dadurch zusammengehalten werden, dass Mascha ihren Kuscheltieren – und in Verlängerung und schließlich in direkter Ansprache auch dem Publikum – ein paar Geschichten erzählen will.

Mascha lebt im Wald, da war wohl früher mal ein Bahnhof mit Gleisen, ein paar Waggons sind übrig (Moskau-Alaska zum Beispiel, eine geographisch gewagte Bahnverbindung), und besucht den Bären gerne, der aber keineswegs immer nur begeistert ist von ihren Ideen. Manche Episoden verschläft er fast ganz (er hält ja Winterschlaf, und es weckt ihn auch nicht auf, wenn das Haus wackelt), in anderen steht er im Mittelpunkt.

Das ist gelegentlich hübsch bizarr: Der Bär organisiert ein Billardturnier, aber Mascha tauscht die Kugeln mit nummerierten Würfeln aus, das passt besser zu dem Spiel, das sie mit dem Hasen spielt. Die Turnierteilnehmer schauen kurz irritiert, zucken mit den Schultern und spielen dann halt Würfelbillard – in dieser animierten Welt geht das auch. In einer Episode transportiert sich Masha in eine Phantasiewelt und holt die Ritter zweier verfeindeter Burgen heraus, damit endlich jemand mit ihr Eishockey spielt – auch wenn es etwas mühsam ist, den Rittern diesen Sport dann auch beizubringen.

Es gibt noch eine Reise zum Mond, ein Weihnachtsfest à la Charles Dickens und einige Episoden mehr – was sich halt in 68 Minuten so an Mehrminütern unterbringen lässt. Das ist stellenweise originell und witzig, stellenweise ein wenig egal; die Länge der Episoden richtet sich zwar weiterhin an der Aufmerksamkeitsspanne eines sehr jungen Publikums aus, aber ob dieses nicht nach drei oder vier Geschichten die Nase bzw. das Gehirn voll hat, sollte man sich schon fragen.

Zumal das durchaus recht hektische Gewerke auf der Leinwand auch nicht besonders elegant oder interessant animiert ist; das wirkt – wenn man es z.B. neben die neuen Filme der Gebrüder Lauenstein, Luis und die Aliens oder Die sagenhaften Vier mit ihrer durchweg gekonnten Animation hält – doch sehr hemdsärmelig, flächig und arm an Komplexität in Gestik und Mimik. Will sagen: Besonders interessantes Innenleben gibt es nicht zu beobachten, und säßen da nicht stellenweise schön absurde Ideen in den Geschichten, es wäre gar nicht auszuhalten.

Mascha und der Bär (Masha i Medved/Маша и Медведь). Russland 2017. Regie: Oleg Kozoyukoh/Kevin Hamon, 65 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Kinostart: 4. April 2019.

(Foto: AF Media)

Der schwarze Hengst (1979)

Am 12. April erscheint eine Neuausgabe von Carroll Ballards Der schwarze Hengst (The Black Stallion, 1979) zusammen mit seiner Fortsetzung, Der schwarze Hengst kehrt zurück, bei Capelight als DVD- bzw. Blu-ray-Softbox im Schuber. Anlässlich dieser Neuveröffentlichung habe ich mir ausführlichere Gedanken zu Ballards Film gemacht.

Eigentlich, hat der Kritiker Carson Lund vor einigen Jahren über Der schwarze Hengst (The Black Stallion, 1979) geschrieben, könnte der Film von Carroll Ballard genauso gut ein Stummfilm sein. Das bedeutet keineswegs, dass der Ton in diesem Film keine Rolle spiele – aber es betont eben doch die spürbarsten, deutlichsten Stärken: Die großartigen Aufnahmen von Mensch und Tier, die Naturbilder von Sardinien, die Unterwassersequenzen – und schließlich, in den letzten 15 Minuten des Films, die meisterhaft rhythmischen Filmsequenzen, ständig alternierend, die Perspektive wechselnd und so die Spannung nur antreibend, im großen Rennen zwischen dem Protagonisten und seinem Pferd und den zwei schnellsten Pferden Amerikas.

Doch der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 1946, das Dampfschiff „Drake“ schippert an der Küste Nordafrikas entlang. Der junge Alec Ramsey (Kelly Reno) ist mit seinem Vater (Hoyt Axton) unterwegs, der sich die Tage auf dem Schiff anscheinend mit Kartenspielen vertreibt. Alec schaut sich derweil auf der „Drake“ um und sieht, wie ein wildes, schwarzes Pferd mehr schlecht als recht in einer Kabine untergebracht wird; später legt er dem immer noch unruhigen Tier einige Zuckerwürfel ins offene Fenster, bis dessen Besitzer ihn verjagt und vor dem Pferd warnt: „Shaitan“, „Teufel“, flüstert er ihm zu.

Alecs Vater hatte Glück im Spiel und überlässt seinem Sohn von dem Gewinn – ein buntes Durcheinander von Münzen und anderen Wertgegenständen – ein Taschenmesser sowie eine kleine Pferdefigur aus Metall. Dabei handele es sich, erzählt er ihm, um Bucephalus, den schwarzen Hengst Alexanders des Großen – ein wildes Pferd, das niemand bändigen konnte, bis Alexander, damals noch ein Junge wie Alec, kam und es zähmte.

Der schwarze Hengst nimmt dann eine jähe Wendung; in der Nacht gerät die „Drake“ in Seenot; inmitten großer Panik kann sein Vater ihn noch nach draußen bringen, aber dann kommt eins zum anderen, und plötzlich findet Alec sich allein neben dem sinkenden Schiff wieder, von seinem Vater keine Spur. Der schwarze Hengst, der sich gerade rechtzeitig noch losreißen konnte, ist das einzig sichtbare Lebewesen in seiner Nähe; Alec greift sich eines der Seile, mit denen das Tier festgebunden war, und wird hinter ihm hergezogen. „Der schwarze Hengst (1979)“ weiterlesen

Die sagenhaften Vier (2018)

Das Örtchen Drabville in East Bumblesnore ist, die Namen machen es schon deutlich, jetzt nicht gerade der Hort großstädtischer Betriebsamkeit – und so ist die Aufregung groß, als die verstreut und entlegen rund um das Dorf liegenden Häuschen eins nach dem anderen von Dieben heimgesucht werden. Eigentlich ein Fall für Marnie, die Geheimagentin! Wäre sie nicht völlig ausgelastet mit „Schlafen, Essen, Fernsehen“.

Marnie ist eine Katze, in Farbe und Tagesablauf wäre sie Garfield nicht einmal unähnlich, aber sie hat nun einmal ein großes Faible für diese TV-Serie um eine Geheimagentin; ihren Traumberuf lebt sie mit allerlei Spielzeug-Agentenkram (lila Plastikperiskop, Sofortbildkamera und derlei mehr) auch im Häuschen ihrer Besitzerin Rosalinde aus. Rosalinde wiederum lässt sie gewähren, so lange die Katze das Haus nicht verlässt – und versorgt sie dafür regelmäßig mit Kuchen, den Marnie mit besten Tischmanieren verspeist.

Die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein haben für Die sagenhaften Vier eine eigentümliche Welt erschaffen, in der Tiere (nicht nur Marnie) zwar selbstverständlich auf zwei Beinen herumlaufen und mit Gegenständen (Kameras, Autos, Pistolen gar) hantieren, es aber so scheint, als erscheine das den Menschen nicht wirklich als außergewöhnlich; verbale Kommunikation zwischen Mensch und Tier findet jedenfalls nicht statt, zwischen den Tierarten hingegen wohl.

Ein visuell wie inhaltlich gelungener, aber leider nicht wirklich in irgendeiner Art und Weise herausragender Film ist daraus geworden – meine detaillierte Kritik findet Ihr bei kino-zeit.de.

Die sagenhaften Vier – Trailer (deutsch/ german; FSK 0)

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Die sagenhaften Vier (Marnie’s World). Deutschland/Belgien 2018. Regie: Christoph und Wolfgang Lauenstein, 92 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 18. April 2019.

(Foto: Universum Film)