Vier zauberhafte Schwestern (2019)

Vier zauberhafte Schwestern könnte im Grunde ein mit Hingabe sich auswalzender Ausstattungsfilm sein, alles ist bunt, alles ist kleinteilig zugestellt und dekoriert und hübsch gemacht. Die Haarpracht von Katja Riemanns Glenda knallt so richtig rein, die Hauptfiguren wechseln dauernd Klamöttchen und Sing/Tanz-Outfits, dass es nur eine Freude ist. Und gleichzeitig ist alles pittoresk, das Herrenhaus herrschaftlich, fast schloßartig, die Familie mit Geldproblemen wohnt dort nicht nur, sondern fährt auch Bayerische Wagen von nicht geringem Preis usw. usf.

Kurzum, es ist in vielem ein typisches Deutsches Kinderfilm-Idyll, kleinstädtisch und niedlich, “lieb, aber wenig hilfreich”, wie auch von den vier Mädchen ihre Eltern bezeichnet werden. Sie übrigens Cellistin, er “Kleinstadtdirigent”, und irgendwie ist mir das dafür alles zu unmusikalisch, auch wenn das Haus natürlich charmant-kreativ bemalt ist, von innen und so, die Kinder selbstorganisiert, die Eltern eben eher tüddelig und ahnungslos.

Es ist aber eben ein Film, der vier mit Magie hantierende Mädchen zeigt, dabei am femininen Weiblichkeitsbild aber auch gar keine Abstriche machen mag, auch wenn Flame und Sky (die Namen!) nicht immer im Kleid herumlaufen und Sky gerne Karate macht: Es wird getanzt und gesungen, Jungs werden angehimmelt, und deren irgendwie anschmachtenswert inszenierte Exemplare haben allesamt Fön- oder Gelfrisuren, dass man vor Langeweile dekompostieren könnte. „Vier zauberhafte Schwestern (2019)“ weiterlesen

Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen (2019)

„Wie war zu Köln es doch vordem / Mit Heinzelmännchen so bequem.“ Die Geschichte der Heinzelmännchen ist zwar eine überkulturelle, in ihrer spezifisch kölschen Ausprägung aber dann doch sehr lokal: Weil die Frau des Schneiders (na, freilich die Frau – das Gedicht stammt aus dem 19. Jahrhundert) sehr neugierig war, stellte sie den nachtaktiven Gesellen mit rohen Erbsen eine Stolperfalle, das Volk purzelte die Treppen herunter – und ward nie wieder gesehen: „O weh! nun sind sie alle fort / Und keines ist mehr hier am Ort!“.

Logo des Schlingel-Filmfestivals Mit dieser Legende, aus der Perspektive der anderen Seite erzählt, beginnt auch Ute von Münchow-Pohls Animationsfilm Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen: Immer zum Heinzelfest wird die Sage neu erzählt, stürzen am Ende die Heinzels (so nennen sie sich selbst) dramatisch auf der Bühne irgendwo im Untergrund unter der Stadt, und bestärken sich darin: Nach da oben zu den selbstsüchtigen Menschen gehen wir nie mehr hoch!

Das rebellische Heinzelmädchen (sic!) Helvi (gesprochen von Jella Haase) will sich dem nicht beugen. Weil sie kein Handwerk findet, das sie richtig gut kann, nimmt sie eh niemand richtig ernst, und nach einem weiteren missglückten Versuch – ihre Rübenerntemaschine erntet vor allem die Mützen der umstehenden Heinzels – macht sie sich allein auf den Weg. Eher versehentlich sind die beiden Heinzel Kipp und Butz mit von der Partie, zu dritt landen sie in der Backstube des Konditors Theo, dessen Laden schon seit langem keine Kunden mehr hat. Ob hilfreiche kleine Wesen da nicht vielleicht etwas dran ändern könnten?

Wie mir der Animationsfilm gefallen hat, habe ich ausführlich für kino-zeit.de beschrieben.

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Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen. Deutschland 2019. Regie: Ute von Münchow-Pohl, 76 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 30. Januar 2020.

Foto: Tobis

Thomas und seine Freunde – Grosse Welt! Grosse Abenteuer! (2018)

Wann sterben eigentlich Lokomotiven? Also nicht die unbelebten Zugmaschinen unseres Alltags draußen in der Welt, sondern jene beseelten Wesen mit eigenem Willen und kräftigen Kesseln, die in Fantasiewelten über Gleise preschen und sich mit ihren Nachbarzügen austauschen, über stinkende Fischwaggons oder rostige Weichen? Sterben sie, wenn das Feuer ausgeht, wenn der Kessel unwiederbringlich leckt, wenn die Achsen brechen, wenn der Rost sich ganz durchgefressen hat durch Lack, Kessel und Räder?

Das sind nur ein paar der Fragen, die sich mir während des Animationsfilms Thomas und seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! so gestellt haben, und ich bin sicher, keine einzige davon war von den Macher_innen so beabsichtigt. Aber es war nunmal nicht meine Idee, den Titelhelden Thomas kurz vor Ende des Films noch in einer unbarmherzigen nordamerikanischen Wüste entgleisen zu lassen; einsam liegt er da, halb eingerammt in den Sand, die Kamera zeigt die rostigen Überreste einer anderen, schon lange schweigenden Lokomotive…

Thomas und seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! hat mich nicht mit seiner Handlung gefesselt, sondern vor allem Fragen offen gelassen. Wie er mir sonst zugesagt hat, erfahrt Ihr in meiner ausführlichen Kritik auf kino-zeit.de.

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Thomas und seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! (Thomas & Friends: Big World! Big Adventures! The Movie). Großbritannien 2018. Regie: David Stoten, 85 Min. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 2. Januar 2020.

(Foto: justbridge entertainment)

Latte Igel und der magische Wasserstein (2019)

Es ist trocken im Wald, die Bäume rauschen nicht, das trockene Laub an den Zweigen knistert fast, die Farben gehen schon ins Herbstliche, dabei scheint doch die Sonne so heiß. “Geht in den Schatten,” rufen die Tiereltern ihren Jungen zu, man müsse das Wasser bewahren, das man noch im Körper trage.

Seit Wochen geht es schon so, und die Situation, mit der Latte Igel und der magische Wasserstein einsetzt, wirkt nach den Hitzerekorden in den Sommermonaten der Jahre 2018 und 2019 wirklich nicht weit hergeholt – auch wenn die Geschichte, auf der der Film beruht, inzwischen über 60 Jahre alt ist. Sebastian Lybeck hat das Buch in den späten 1950ern geschrieben, zuerst aus Geldnot, es wurde dann zum Klassiker. Der Film nimmt sich einige Freiheiten, was die Handlung des Buches angeht – die Stationen der Reise, die Igel Latte mit Eichhörnchen Tjun unternimmt, sind stark gerafft, die Auseinandersetzungen mit Wölfen und Luchsen deutlich gekürzt zugunsten einer weniger episodischen Struktur – Lybecks Erzählung erschien ursprünglich als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung.

Meine ausführliche Kritik zum Film ist auf kino-zeit.de erschienen.

Latte Igel und der magische Wasserstein (Latte and the Magic Waterstone). Deutschland/Belgien 2019. Regie: Regina Welker und Nina Wels, 81 Min. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 25. Dezember 2019.

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(Foto: Koch Films)

Der Grinch (2018)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor. Die Reihe beschließe ich mit diesem Beitrag für dieses Jahr in Grün.

In Whoville ist Weihnachten das größte Fest des Jahres, alle freuen sich darauf, wünschen schöne Wünsche und organisieren ein großes gemeinsames Fest. Was ihnen auch deshalb nicht so schwer fällt, weil die Whos von Whoville ja sowieso schon beständig guter Laune sind. Wem das nicht so gut gefällt: Dem Grinch, der auf einem Berg etwas außerhalb von Whoville lebt und Weihnachten – aus Gründen, die erst im Lauf der Zeit klar wird – überhaupt nichts abgewinnen kann. Schließlich geht es da ja allen immer nur um möglichst viele Geschenke!

Er lebt in dem Berg zusammen mit seinem ihm treu zugetanen Hund Max, der ihm brav jeden Morgen seinen Frühstückskaffee macht und überhaupt dafür sorgt, dass sein Herrchen einigermaßen klarkommt (Wallace & Gromit lassen schön grüßen). Dem Grinch geht es wirklich nicht gut zu Weihnachten – und vor lauter Frust über den bevorstehenden Termin hat er schon alle seine Vorräte aufgegessen. So muss er nun am 20. Dezember noch nach Whoville, um Einkäufe zu machen – und die direkte Konfrontation mit den Weihnachtsvorbereitungen dort machen ihn schließlich so wütend, dass er nur noch einen Plan hat: den Whos das Weihnachtsfest so richtig vermiesen!

Szenenbild: Der Grinch

Die Geschichte vom Grinch gehört zu den (zahlreichen) Kinderfilm-Klassikern von Dr. Seuss (Theodor Seuss Geisel) und ist schon mehrfach verfilmt worden – insbesondere in einem ziemlich missratenen Film aus dem Jahr 2000 mit Jim Carrey in der Titelrolle.

Auch wenn es eigentlich keinen besonderen Grund gäbe, warum die Verfilmung aus dem Illumination-Studios wesentlich besser sein sollte – es ist dann doch das Gegenteil der Fall. Was für ein kurzweiliger Genuß! Den beiden Regisseure Yarrow Cheney und Scott Mosier gelingt es erstaunlich gut, den Geist von Seuss‘ sehr knapper und eigentlich unübersetzbarer Vorlage (wenige Seiten, viele, schlichte Bilder, wenig, sehr konzentrierter, gereimter Text) einzufangen und dennoch auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten eines anderthalbstündigen Animationsfilms zu transponieren. Die Autoren Michael LeSieur und Tommy Swerdlow haben zwar einiges hinzuerfunden, all das passt aber von Ton und Erzählhaltung letztlich bestens zusammen. „Der Grinch (2018)“ weiterlesen

Buddy – Der Weihnachtself (2003)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Buddy ist wirklich eher aus Versehen am Nordpol gelandet: Als der Weihnachtsmann seine Runde machte, ist er im Waisenhaus in den Sack mit den Geschenken hineingekrabbelt. Da die Elfen ihn schlecht zurückschicken konnten, hat Papa Elf (Bob Newhart) ihn stattdessen adoptiert und großgezogen. 30 Jahre später bemüht sich Buddy redlich, so fleißig zu sein wie die anderen Elfen, aber es fehlt ihm doch an Geschicklichkeit, wenn auch wirklich nicht an Fröhlichkeit.

Obwohl er allerdings doppelt so groß ist wie alle Elfen um ihn herum, hat Buddy (Will Ferrell) noch nicht begriffen, dass er eigentlich ein Mensch ist – die Offenbarung kommt als Schock. Da seine Mutter kurz nach der Geburt gestorben ist, macht er sich dann auf nach New York, um seinen Vater zu suchen, der allerdings nichts von seiner Existenz weiß. Walter Hobbes (James Caan) ist in einem großen Verlag zuständig für Kinderbücher, er interessiert sich aber weder für seine Familie noch für Fröhlichkeit, sondern für Geld und Arbeit – Santa Claus führt ihn auf der „Schwarzen Liste“ für jene, die jedenfalls keine Geschenke bekommen. „Buddy – Der Weihnachtself (2003)“ weiterlesen