Pachamama (2018)

Es gibt nicht besonders viele Filme – von Kinderfilmen zu schweigen –, die wir in Deutschland regulär zu sehen bekommen, die eine spezifisch südamerikanische Sicht auf die Welt bringen. Interessanterweise hat sich das mit dem Wachstum von Netflix ein wenig geändert, wo es nun immer wieder Produktionen aus unterschiedlichen Teilen der Welt zu sehen gibt, die es sonst nie zu einem größeren Publikum in Deutschland geschafft hätten. (Aktuell ist dem Vernehmen nach zum Beispiel auch eine afrikanische Animationsserie in Vorbereitung, auf die ich mich freue.)

Mit Pachamama zeigt der Streaming-Anbieter nun eine Französisch-Kanadisch-Luxemburgische Koproduktion, entstanden allerdings aus einer Idee des argentinischen Regisseurs Juan Antin, der darin im Kern die Frage stellt: Wie haben es die Menschen zur Zeit der Inkas eigentlich erlebt, als die spanischen Conquistadores auf einmal in ihre Welt einfielen? Dafür begibt sich Antin auf eine ganz grundlegende Blickhöhe: Die Perspektive eines Jungen, wohl kurz vor der Pubertät, der aber wegen seiner auf sich selbst bezogenen Lebensperspektive im Konflikt mit seiner Dorfgemeinschaft steht.

Als ein Abgesandter des Inkas sich über die Opfergaben des Dorfes an „Pachamama“, Mutter Erde, lustig macht, und dann nicht nur ihre restlichen Essensvorräte, sondern auch noch ein Dorfheiligtum mitnimmt, um sie dem Herrscher zu präsentieren, macht Tepulpai sich auf den Weg – und erlebt dann Dinge, mit denen er wirklich nicht gerechnet hatte.

Pachamama versucht die Kultur und die religiöse Welt seiner Protagonist_innen in den Fokus zu rücken und ernst zu nehmen; dass es dabei gelegentlich ins Phantastische geht, verstärkt diesen Eindruck noch. Die Animation, eine Mischung aus 2D- und 3D-Techniken, nimmt sich, wie der Regisseur beschrieben hat, präkolumbianische Kunst der Andenregion als ästhetisches Vorbild, was sich sowohl in der Darstellung der Welt als auch im Design der Figuren deutlich niederschlägt. Ergänzt wird das durch entsprechende Musik, die beim Erscheinen der spanischen Eroberer auf einmal Klänge aus der Europäischen Renaissance ertönen lässt.

Ein bisschen schade ist es gleichwohl, dass trotz aller ästhetischen wie inhaltlichen Bezüge zu südamerikanischer Kultur die Story dann doch eher sehr bekannten Grundstrukturen folgt und weitgehend überraschungsfrei bleibt; ob das am Europäischen Einfluss in der Produktion liegt, insbesondere von Seiten des französischen Produzenten Didier Brunner, lässt sich dabei nicht klar sagen, zumal Brunner durchaus mit großem Feingefühl für kulturelle Unterschiede zum Beispiel die Kiriku-Filme, Brendan und das Geheimnis von Kells oder Ernest & Célestine produziert hat.

Was trotzdem bleibt: ein wunderschöner, mit 72 Minuten angenehm straff-kleiner Film, der große Weltgeschichte auf konkretes Erleben eindampft, so dass auch jüngere Grundschulkinder damit gut klarkommen werden. Dass die Spanier bei dieser Angelegenheit nicht besonders gut wegkommen, ist aus Sicht der Andenbewohner_innen auch sicher die historisch zutreffende Beobachtung.

Pachamama Film Trailer | Netflix

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Pachamama. Frankreich/Kanada/Luxemburg 2018. Regie: Juan Antin, 72 Min. FSK 6, empfohlen ab 6 Jahren. (Jetzt bei Netflix.)

Spider-Man: A New Universe (2018)

Ich bespreche hier in der Regel ja die großen Superheld_innenfilme von Marvel und DC nicht. Die großen Blockbuster unter ihnen richten sich vor allem an ein Publikum von Jugendlichen bis Erwachsenen und tragen ihre FSK-Freigabe ab 12 Jahren völlig zu Recht, so deutlich (wenn auch meist blutarm) fallen Gewalt und Actionszenen darin meist aus. Damit fallen diese Filme für mich, wie ja auch die Star Wars-Filme, nicht in den Bereich „Kinderfilm“, auf den ich mich hier gerne beschränken will.

Für Spider-Man: A New Universe möchte ich eine kleine Ausnahme machen. Ein richtiger Kinderfilm ist das freilich nicht, aber doch ein Superheld_innen-Streifen, der schon für Zehnjährige zugänglich ist – allenfalls etwas überfordernd in seiner ästhetischen wie narrativen Informationsdichte, aber das ist in diesem Fall (ähnlich wie bei The Lego Movie) eher ein Grund, den Film noch öfter anzusehen, oder später einmal mit größerem Verständnis für viele Details, die man übersehen haben mag.

Ich habe diese Variation auf den Spider-Man-Filmkosmos erst jetzt sehen können, nachdem ich schon zahlreiche Besprechungen und Lobpreisungen vor allem in Bezug auf seine Animationstechnik gelesen hatte und er den Oscar als bester Animationsfilm längst (und ich möchte sagen: zurecht) gewonnen hatte; aber Spider-Man: A New Universe ist ein wirklich in jeder Hinsicht bemerkenswerter, hochkomplexer Film, der viele der großen Marvel-„Realfilme“ in ihre Schranken verweist, einfach deshalb, weil er sich enger an ihr Ursprungsmedium, den Comic anschmiegen kann und will.

Der Spider-Man von Regisseur Sam Raimi war 2002, noch drei Jahre vor Christopher Nolans Batman-Trilogie, im Grunde der Auftakt zur Wiedergeburt der Superheld_innen im Kino: Weg von den albernen Schlafanzug-Trägern à la Batman hält die Welt in Atem (ein allerdings in seiner Unernsthaftigkeit durchaus großartiger Film von 1966, der sich auch als großes Vergnügen mit Kindern sehen lässt) hin zu einer Geschichte, die so gut aussah, wie es der Zeit entsprach, und zugleich Spider-Man ernsthaft als Coming-of-Age-Geschichte mit Superkräften erzählte, mit einem zweifelnden, unsicheren Helden, der immer zuallererst mit sich selbst zu kämpfen hat – im Grunde die Blaupause für solche Figuren bis heute (und strukturell zum Beispiel für Kinder in Antboy nachgebildet).

Inzwischen gab es schon zwei Reboots dieser Reihe gab – auf Tobey Maguire folgte erst Andrew Garfield, bevor in Spider-Man: Homecoming der Held Peter Parker in Gestalt von Tom Holland seinen Weg ins „Marvel Cinematic Universe“ fand. (Dass es so lange dauerte, den Spinnenmann ins MCU zu integrieren, hat mit Lizenzfragen zu tun, die z.B. auch die Figuren der X-Men, Deadpool und die Fantastic Four betreffen; nachlesen kann man das z.B. hier oder hier.) Quasi parallel zu diesen Filmen – deren neuester, Spider-Man: Far From Home, seit dieser Woche im Kino läuft – erzählt Spider-Man: A New Universe eine Geschichte aus dem Multiverse, in dem die Comic-Geschichten von Spider-Man oft lokalisiert sind: Eine Welt von Paralleluniversen, in denen Spider-Man in unterschiedlichen Inkarnationen existiert, so dass sich strukturell ähnliche Geschichten in verschiedenen Kontexten erzählen lassen. (Oder so habe ich es zumindest verstanden.)

In der Ursprungswelt von Spider-Man: A New Universe wird der junge Miles Morales, Kind eines schwarzen Polizisten und einer puerto-ricanischen Krankenschwester, bei einem nächtlichen Sprayer-Ausflug von einer radioaktiven Spinne gebissen. Während er verwirrt feststellt, dass er die gleichen Fähigkeiten entwickelt wie Spider-Man, erlebt er, wie eben dieser – in Miles‘ Welt sowohl Held aus Comicheften wie auch real existierendes Alias von Peter Parker – vom Green Goblin ermordet wird. Zugleich hat Superbösewicht Wilson Fisk, für den der Goblin arbeitet, einen Teilchenbeschleuniger gebaut, der ein Tor zu Paralleldimensionen öffnet. Schon bald darauf begegnet Miles verschiedenen anderen Spider-Man-Inkarnationen: einem leicht untersetzen Peter Parker mitten in der Midlife Crisis, Spider-Woman Gwen Stacy, einem schwarz-weißen Spider-Man in Trenchcoat und Hardboiled-Detective-Habitus aus den 1930er Jahren, ein im Manga-Stil erscheinendes Mädchen aus dem New York der Zukunft und Spider-Ham, einem sarkastischen Cartoon-Schwein.

Ja, das ist ein bisschen bekloppt, aber auf die allerbeste Weise, und wird im Film so elegant erzählt, dass es keine Verwirrung gibt (zumal die Detailfragen, was da bitteschön warum und wie genau passiert ist, ebenso elegant überspielt werden). Entscheidend ist aber, in was für Bildern der Film erzählt. Denn Spider-Man: A New Universe ist ein Comic-Film, der auf der Leinwand nachahmt, was das Medium auf dem Papier kann – und es mit spezifisch Filmischem zum Laufen, zum Flirren bringt.

Da wird das Bild in mehrere Panels aufgeteilt, die unterschiedliche Perspektiven oder Orte zeigen – damit wird das Geschehen wahlweise dynamischer gemacht oder Getrenntes miteinander verbunden; die Wahl der Ästhetik greift immerzu auf unterschiedliche Comicstile zurück, insbesondere sind die Spider-Protagonist_innen in unterschiedlichen Stilen gezeichnet und so noch stärker differenziert. Für erwachsene Augen fühlt sich manche Szenenfolge womöglich überfordernd an, aber den Regisseuren Bob Persichetti, Peter Ramsey und Rodney Rothman gelingt es, das so zu gestalten, dass man auch folgen kann, wenn man nicht alles erfolgreich zuordnen kann – das ist bei zum Teil fünf bis sechs Bildern gleichzeitig auch zuviel verlangt.

Und dann bremst der Film aber eben auch ab, für wahrhaft kinematographische Momente, Breitwandformate von atemberaubender Größe und Schönheit.

Ob Kinder den Verwicklungen folgen wollen und können, hängt wahrscheinlich auch davon ab, ob und wie sehr sie mit den Spider-Man-Comics vertraut sind oder zumindest die Grundzüge des Genres verstehen; denn das Universum an sich, in dem sich Miles bewegt, wird hier weder erklärt noch besprochen, sondern nur gezeigt. Ob man diese vielen zusätzlichen, nicht weiter erklärten Ebenen als angedeutete Komplexität hinnehmen mag oder einfach nur genervt ist von den vielen Fragezeichen, die diese furiose, womöglich beste Spider-Man-Kino-Inkarnation aufwirft und stehen lässt, ist womöglich eine Charakter-, wenigstens eine Haltungsfrage. Ein aufregender, wunderschöner Riesenspaß, in dem auf einmal Große und Kleine, Mädchen und Schweine ebenso Superheld_innen werden können wie der All-American White Boy Peter Parker, ist Spider-Man: A New Universe auf alle Fälle.

SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE – Official Trailer (HD)

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Spider-Man: A New Universe (Spider-Man: Into the Spider-Verse). USA 2018. Regie: Bob Persichetti/Peter Ramsey, 117 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren. Kinostart: 13. Dezember 2018. (Bei amazon bestellen.)

(Fotos: Sony Pictures)

A Toy Story: Jeder hört auf kein Kommando (2019)

„You‘ve got a friend in me“ – mit dem Song von Randy Newman beginnt nun auch der vierte Toy Story-Film, und später heißt es: „You got troubles and I got ’em too / There isn’t anything I wouldn’t do for you / We stick together, we can see it through / ‘Cause you’ve got a friend in me“. Vierundzwanzig Jahre ist es her, dass diese Melodie, dieser Text das Thema von Toy Story mit setzte: Andy, das Kind, konnte sich ganz und gar und immer auf seinen besten Freund, sein Lieblingsspielzeug Woody verlassen.

Die Zeit ist erbarmungslos vergangen, Andy ist längst auf dem College (Toy Story 3 hat den Weg dorthin beschrieben) und hat seine alten Spielsachen an die kleine Bonnie weitergegeben. Buzz Lightyear und all die anderen Spielsachen haben bei ihr ein neues Zuhaue gefunden, und Sheriff Woody fühlt sich auch für dieses Kind sehr verantwortlich. Als Bonnie zu einem ersten Kennenlerntag in den Kindergarten geht, schlüpft er heimlich und verbotenerweise in ihren Rucksack, um den ganzen Tag bei ihr sein, ihr beistehen zu können. Woody, das Helikopterspielzeug.

Warum Toy Story 4 jedenfalls kein feministisches Meisterwerk geworden ist, aber trotzdem ein emotional ehrlicher, mitreißender Abschluss der Toy Story-Geschichte, habe ich meiner Kritik auf kino-zeit.de geschrieben.

Toy Story 4 Final Trailer " Bo & Woody , Forky in last scene "

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A Toy Story: Jeder hört auf kein Kommando (Toy Story 4). USA 2019. Regie: Josh Cooley, 96 Min. FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 15. August 2019.

(Foto: Disney/Pixar)

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (2019)

Es ist ein bisschen lustig, dass für den deutschen Verleih der Filmtitel Missing Link zu Mister Link umgewandelt wurde, in der deutschen Synchronisation der Begriff „Missing Link“ dann aber genau so auf Englisch verwendet wird, nur en passant erklärt… zumal bei allem auch die Frage durchaus offen bleibt, ob der titelgebende Sasquatch denn nun wirklich in irgendeiner sinnvollen evolutionären Ordnung das Bindeglied zwischen nicht-menschlichen Primaten und dem Mensch darstellen könnte.

Mister Link also, der sich, in einer der schönsten Sequenzen des Films, selbst den Vornamen Susan gibt, ist so ein Wesen, das anderswo vielleicht auch Bigfoot heißen würde, aber jedenfalls sehr einsam in den Wäldern im Nordwesten der USA. So einsam, dass er den berühmten, aber wenig anerkannten britischen Entdecker Sir Lionel Frost anschreibt, ob dieser ihn nicht „entdecken“ könne – eigentlich, aber das kann er in seinem Brief nicht schreiben, möchte er ihn aber bitten, ihn in den Himalaya zu bringen, zu den Schneemenschen, in denen er Artsverwandte vermutet.

Susan wird auf diese Weise als schüchterne, recht verlegene, vor allem aber auch belesene Kreatur vorgestellt; dass aus seiner Beschäftigung mit vielen Büchern nicht mehr gemacht wird, ist meiner Wahrnehmung nach die größte Nachlässigkeit des Drehbuchs. Denn ansonsten geht es doch recht komplex her: Frost erklärt sich zwar gerne bereit, Susan zu helfen, denkt dabei aber zuallererst an sich selbst und seine Reputation – er will endlich in den berühmten Londoner Entdecker-Club aufgenommen werden. Susan ist im dabei ebenso Mittel zum Zweck wie Adelina Fortnight, die Witwe eines Freundes. Und dass ihnen ein Auftragsmörder auf den Fersen ist, verringert Frosts Entschlossenheit nicht unbedingt.

Die Laika-Studios sind für ihre komplexen, inhaltlich so anspruchsvollen wie technisch großartigen Animationsfilme bekannt, von Coraline bis hin zu Kubo: Der tapfere Samurai, bei dem die Stop-Motion-Animationen erstmals auch behutsam mit Computertricks ergänzt wurden. Diese Technik nutzt Regisseur Chris Butler für seinen zweiten Film nach dem wunderbaren, gruseligen ParaNorman nun auch, und die Ergebnisse sind stellenweise atemberaubend schön, erwecken auf jeden Fall eine Ästhetik, die sich – darin Die Piraten! aus dem Haus Aardman nicht unähnlich – an zeitgenössische Bilderwelten des späten 19., frühen 20. Jahrhunderts erfolgreich anschmiegt.

Dass der mit dieser Zeit und dem britischen Empire verbundene Kolonialismus (und Imperialismus) kaum einmal in Andeutungen thematisiert und zerlegt wird, bedaure ich als Auslassung; Butler hat sich stattdessen als Hauptgegner eine patriarchale Vorstellung von Wissenschaft und Wahrheit ausgesucht, die im von Frost so verehrten Club gepflegt wird – da will man sich sogar noch den Gedanken der Evolution verweigern, weil damit ja die Ordnung der Dinge und vor allem der Menschen in Frage gestellt wird.

Unter den Laika-Filmen, die natürlich eine sehr hohe Messlatte vorlegen, ist Mister Link dennoch der womöglich schwächste; die Figuren wirken weniger lebendig, weniger ausdrucksstark, als man es vom Studio kennt, es fehlt auch die Doppelbödigkeit, Abgründigkeit der Handlung, die Ambivalenz aller Figuren.

Und trotzdem ist das ein äußerst unterhaltsamer Film geworden, ein Abenteuerstreifen, der ganz ohne das Dauergekreische und die Daueraction auskommt, die zu viele Kinderfilme für nötig erachten, der sich auch einmal Zeit lässt für einen Blick auf seine zauberhafte Welt oder seine Figuren, die sich so wichtig nehmen, dass sie eigentlich nur lächerlich wirken können – zumindest so lange, bis sie den Stock aus dem Arsch nehmen und ihr Herz öffnen für die Welt. Und dagegen lässt sich nun wahrlich nichts einwenden.

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer| Offizieller HD Trailer | Deutsch German | (2019)

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Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (Missing Link). USA 2019. Regie: Chris Butler, 94 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 30. Mai 2019.

(Fotos: Entertainment One)

Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt (2017)

Ruslan träumt davon, endlich wie ein edler Ritter Abenteuer zu erleben und schöne Prinzessinnen zu retten – leider ist er aber nur ein armer Schauspieler in einem Straßentheater. Dann wird vor seinen Augen die schöne Mila von einem Zauberer entführt – nun scheint seine Stunde gekommen zu sein, nun kann er ein Held sein!

Dass Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt auf einem Gedicht von Alexander Puschkin basiert (‘Ruslan und Ljudmila’, das seinerseits vor allem als Basis für die gleichnamige Oper bekannt ist), das wiederum von russischen Volksmärchen inspiriert wurde, macht nicht unbedingt einen guten Film daraus – und in der Tat ist der Animationsfilm von Oleg Malamuzh vor allem überraschungsarm und etwas wenig feingliedrig in seinen emotionalen Wendungen. Für die Kinderfilmwelt habe ich den Film für die kindliche Zielgruppe etwas ausführlicher besprochen.

MILA UND RUSLAN Trailer German Deutsch (2019) Exklusiv

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Mila und Ruslan – Mutiger als erlaubt (The Stolen Princess). Ukraine 2017. Regie: Oleg Malamuzh, 91 Min. FSK 0, empfohlen ab 9 Jahren. Auf DVD erschienen.

(Foto: EuroVideo)

Das tapfere Schneiderlein (1956)

Dies ist eine Wunschkritik – ausgewählt von den Fördermitgliedern des Kinderfilmblogs bei Steady und zwei Wochen exklusiv für diese verfügbar. Du willst auch mitentscheiden? Werde jetzt Mitglied!

„Genug geflennt!“ Da weist nicht etwa die böse Stiefmutter ein trauriges Kind zurecht, in diesem Märchen macht die aufbrausende Prinzessin ihrem Vater klar, dass ihr sein Gejammer zu viel wird. Und so ganz genau weiß man auch gar nicht, was es denn zu beklagen gibt – keine der Gefahren für‘s Königreich, denen er das tapfere Schneiderlein aussetzt, scheint wirklich soo akut gefährlich zu sein.

Aber der Reihe nach. Die wenig harmonische Königsfamilie ist ja nicht die einzige Besonderheit von Helmut Spieß‘ Märchenverfilmung aus dem Jahr 1956. Zunächst und vor allem ist Das tapfere Schneiderlein der erste große Märchenfilm der DEFA, der sich primär an Kinder richtete: Die Geschichte vom kleinen Muck (1953) und vor allem Paul Verhoevens Das kalte Herz (1950), die womöglich noch etwas erfolgreicher waren und bekannter sind, hatten noch keine so klare Zielgruppe, waren eher Märchen für Erwachsene, die sich auch für Kinder eigneten. „Das tapfere Schneiderlein (1956)“ weiterlesen