Verweise auf ihre Mutter regen Nina eher nicht so auf – „sie ist tot“, sagt sie dann, mag sich auch nicht auf weniger deutliche Formulierungen zurückziehen wie „von uns gegangen“, was ihre Tante Adél besser fände. Acht Jahre ist die Mutter schon tot, „ich habe mich schon daran gewöhnt“, und Erinnerungen an ihre Mutter habe sie eh keine.
Nina spricht das in den ersten Minuten des Films direkt in die Kamera, die Filmtitel sind kaum vorüber, die letzten Credits waren auf ihre Jacke geschrieben und auf ein Skateboard, und damit ist der Ton gesetzt für diesen Film: Direkt, offen, kein bisschen larmoyant, und die Vierte Wand ist hier kaum eine Glasscheibe, sondern die dünne Membran Leinwand, durch die die junge Protagonistin direkt mit ihren Zuschauer*innen, eigentlich ihren Leser*innen spricht.
Denn I Accidentally Wrote a Book (samt seines umständlichen deutschen Verleihzusatzes Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand) erzählt von Ninas Versuch, ein Buch zu schreiben; unversehens gerät ihr das zur Reise durch die eigene Lebensgeschichte. Die tote Mutter, so früh eingeführt, wird natürlich zum Thema dieser Erzählung.

I Accidentally Wrote a Book war einer meiner liebsten Festivalfilme im vergangenen Jahr und der international wohl erfolgreichste Kinder- und Jugendfilm, den es je aus Ungarn gab. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass ein Kinder- und Jugendfilm klare ästhetische Prinzipien haben und diese offensiv ausstellen und nutzen kann. Außerdem ein Film, der auf künstlich aufgeblähte Konflikte verzichtet und dennoch in einer als liebevoll erlebten und gut aufgehobenen Kindheit genug Stoff für eine vielschichtige Erzählung findet, in der es um Identität, Familie, Liebe, die Kunst des Erzählens und viel, viel Farbe geht. Meine ausführliche Kritik findet Ihr im Filmdienst.
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I Accidentally Wrote a Book – Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand (Véletlenül írtam egy könyvet/I Accidentally Wrote a Book). Ungarn/ Niederlande 2024. Regie: Nóra Lakos, 92 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren. Kinostart: 16. April 2026.
(Fotos: Barnsteiner Film/Beta Film/Veletlenuel Film)

