Gans im Glück (2016)

Arroganter Ganter hält nicht viel davon, sich am die Regeln seines Schwarmes zu halten. Er verletzt sich und wird zurückgelassen, muss sich um zwei kleine Entenküken kümmern und entdeckt auf diese Weise, dass Egozentrik nicht alles ist, sondern Gemeinschaft und Familie Erfüllung bringen. Erwähnte ich, dass er in die Tochter der Leitgans verliebt ist?

Der chinesische Animationsfilm ist inhaltlich so generisch und vorhersehbar, wie sich die Inhaltsangabe liest; und weil sich anscheinend auch niemand mehr Kinderfilme anders vorstellen kann, ist Gans im Glück ein lautes, gelegentlich hektisches Action-Abenteuer mit drangeklatschten Gefühlen und Beziehungen. Ein Bühnen als einäugige Riesenkatze muss natürlich auch noch sein. Insgesamt fad.

GANS IM GLÜCK | Offizieller deutscher Trailer | Ab 07.12.2018 als DVD, Blu-ray und VoD!

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Gans im Glück (Duck Duck Goose). China 2016. Regie: Christopher Jenkins, 91 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 9. August 2018. (Bestellen bei amazon.de)

(Foto: Wild Bunch)

Bo und der Weihnachtsstern (2017)

Die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht der Tiere erzählen, die im Stall von Bethlehem dabei waren? Nette Idee, nur gewinnt man damit keine Preise für Originalität, weil jedes zweite Krippenspiel an der Grundschule diese Perspektive wählt. Dass dabei die Tierwelt schon einmal erweitert wird (um Krabbe, Hummer, Hase und Maus), damit alle Kinder eine Rolle spielen können, gehört selbst schon zu den Topoi von Komödien zum Weihnachtsfest.

Bo und der Weihnachtsstern macht jedenfalls einem kleinen Esel zum veritablen Helden der Weihnachtsgeschichte: Er trägt Maria (die leicht grünlich schimmernde blaue Augen hat), als sie nicht mehr laufen kann, er vertreibt mit seinem Freunden die Häscher Herodes’ (und bekehrt die Spürhunde zu guten Taten). Und rennt, weil das wohl als Komik durchgeht, immer wieder gegen verschlossene Holztore.

Das Drehbuch macht um alle Komplexität oder auch nur Ambivalenz einen gewaltigen Bogen – hier gibt es nur Gut und Böse (Herodes, sein Häscher, Bos alter Besitzer), aber keine Zwischentöne. Wenn Weihnachten ein Fest ist, an dem wir Wunder feiern, so bleibt davon nach diesem Film nur das Wunder übrig, dass solcher Schrott dann doch immer wieder finanziert wird.

BO UND DER WEIHNACHTSSTERN – Trailer A – Ab 7.12. im Kino!

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Bo und der Weihnachtsstern (The Star). USA 2017. Regie: Timothy Reckart, 86 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren, ach Quatsch, gar nicht empfohlen. Kinostart: 7. Dezember 2017. (Bestellen bei amazon.de)

Foto: Sony Pictures

Weihnachtsgeschenke: Filmempfehlungen 2018

Ob Ihr gerne Filme verschenken wollt oder noch nach geeigneten Kinderfilmen sucht, die Ihr an den langen Abenden zwischen den Jahren mit den Kindern anschauen wollt – ich habe für Euch aus den Neuerscheinungen der vergangenen zwölf Monate meine Favoriten zusammengetragen, denn schlechte Filme muss man sich wahrlich nicht unbedingt ansehen. Die Filme sind nach meinen (ungefähren) Altersempfehlungen sortiert, nicht nach FSK-Freigaben; welcher Film sich für welches Kind eignet, dazu habe ich mich ja schon einmal ausführlich geäußert.

Und natürlich gelten meine Empfehlungen und Vorschläge aus den vergangenen Jahren (2013, 2014, 2015, 2016 und 2017) auch immer noch.

Die kleine Hexe (ab 6)

Die Verfilmung des Klassikers von Otfried Preußler ist wesentlich entspannter geraten als die meisten deutschen Literaturverfilmungen der letzten Jahre; das liegt vor allem an Karoline Herfurth in der Titelrolle, die offenbar einen Heidenspaß hat. Und auch wenn der Film nolens volens offenbart, an welchen Stellen Preußlers Welt inzwischen doch etwas altbacken wirkt, legt er zugleich den Kern der Geschichte offen: Lass dich nicht schikanieren. Ein großer Spass, auch tricktechnisch auf der Höhe der Zeit.

(DVD/Blu-ray: amazon.de; Stream: Amazon Prime)

Louis & Luca – das große Käserennen (ab 7)

Eine wilde Jagd von einem Dorf zum anderen, über Berg und Tal – es geht um die Ehre, um Käse und um Starrköpfigkeit. Ein ganz bezauberndes, viel zu wenig gesehenes Animationsabenteuer. Meine ausführliche Kritik gibt es hier.

(DVD/Blu-ray: amazon.de; Stream: Amazon Prime)

Paddington 2 (ab 8)

Neben Königin von Niendorf ist das mein Kinderfilm des Jahres: Eine zarte, spannende, aufregende, witzige, feinfühlige Geschichte über Einsamkeit, Gemeinschaft und die Kraft einer klaren Haltung. Ein völlig absurdes Abenteuer voller bizarrer Ideen und blitzender Nebenfiguren, mit Hugh Grant in der Rolle seines Lebens und einem kleinen zotteligen Bären, der mit nichts als friedlichem Gemüt und einem gelegentlich eingesetzten harten Blick die Welt in Ordnung bringen kann. Das große Kinoglück des vergangenen Jahres.

(DVD/Blu-ray: amazon.de; Stream: Amazon Prime)

Königin von Niendorf (ab 8)

Wesentlich stiller kommt Königin von Niendorf daher, ein Portrait, ein Sommerfilm mit ruhigem Blick auf das langsame Vergehen von Zeit in der Brandenburgischen Provinz. Getragen von einer fulminanten jungen Hauptdarstellerin Lisa Moell, ist das Debut von Joya Thome der beste deutsche Kinderfilm des Jahres. Das habe ich auch schon ausführlicher begründet.

(DVD/Blu-ray: amazon.de; Stream: Amazon Prime)

Captain Underpants (ab 8)

Ich habe das Gefühl, diesen Film schon so oft gepriesen zu haben, mir blubbert schon die Stimme. Deshalb nur mal in Kürze: Furzkonzert, Superheldenquatsch, Albernheit als Kunstform. Ganz, ganz großes Kino. Ganz ausführlich noch einmal hier.

(DVD/Blu-ray: amazon.de)

Coco – Lebendiger als das Leben (ab 9)

Pixar mal wieder in Hochform: Mit dem Día de los Muertos als Hintergrund schickt das Studio den kleinen Miguel auf eine Reise ins Reich der Toten, die natürlich auch Selbstfindung und Familiendrama ist. Wie sich das gehört. Einziger Schönheitsfehler: Das Familienbild ist eher recht altbacken. Ausführliche Kritik hier.

(DVD/Blu-ray: amazon.de)

Matilda (ab 9)

Der einzige Film in dieser Liste, der keine Neuerscheinung ist; aber Danny DeVitos Kinderfilm trägt noch im Jahr 1996 die besten Eigenheiten des Kinderkinos aus den 1980ern mit sich herum: Ein legeres Desinteresse an absoluter Stringenz, der Wille zum anarchischen Chaos und die Bereitschaft, mit völlig überzeichneten Figuren den Erwachsenen einen Zerrspiegel ihrer Existenz vorzuhalten. Dank der Vorlage von Roald Dahl wird daraus eine sehr, sehr komische Tour de Force, bei der entspannenderweise die Superkräfte der Titelfigur wirklich nur eine Nebenrolle spielen.

(DVD/Blu-ray: amazon.de)

(Fotos: Studiocanal, Kinostar, LUPA Film, Disney)

Luis und die Aliens (2018)

Luis hat’s nicht leicht. Er selbst ist eher schüchtern und klein, seine Mutter abwesend, der Vater hat sich ganz in die Idee verrannt, als Kind ein Alien gesehen zu haben – und hat nun sein ganzes Erwachsenenleben darauf aufgebaut, die Invasion der Außerirdischen rechtzeitig abzuwehren. Warum die ausgerechnet bei ihnen in der amerikanischen Provinz noch einmal landen sollten, ist freilich total unklar.

Tun sie aber dann. Allerdings keine Invasoren, sondern drei ziemlich ahnungslose, aber gutmütige Weltraumreisende von einem Kreuzfahrtraumschiff, die beim Vorbeiflug an der Erde (eigentlich nur zum Gucken aus dem All; Besuche auf der Erdoberfläche, gar Kontakt mit den dortigen primitiven Lebewesen sind strikt untersagt) einen Teleshopping-Fernsehkanal gesehen haben und jetzt unbedingt diese Noppen-Massage-Matratze haben wollen, von der es doch nur noch 13…12…10 Stück gibt!!! Natürlich landen sie neben Luis’ Haus, das Alienwarngerät seines Vaters piept, und unversehens versucht Luis, den dreien bei der Matratzenbeschaffung zu helfen – und die Aliens helfen, ihn gegen die böse Dame vom Kinderheim zu verteidigen, die ihn aus der Obhut seines Vaters nehmen will…

Vor 28 Jahren gelang Christoph und Wolfgang Lauenstein mit ihrem Animationsfilm Balance eine kleine Sensation, sie gewannen den Oscar für den besten Kurzfilm. Seitdem haben die Brüder vor allem Auftragsarbeiten gemacht, wollen jetzt aber auch Animations-Langfilme machen – Luis und die Aliens ist das erste Ergebnis, eine deutsch-luxemburgisch-dänische Koproduktion.

Der Animation sieht man an, dass hier Könner_innen am Werk sind – natürlich ist der Film wesentlich glatter und gefälliger als es Balance war, aber er möchte halt primär auch bonbonbunte Unterhaltung sein. Damit das rundum gelänge, wäre allerdings ein Drehbuch hilfreich, das mehr bringt als nur sehr, sehr generische Plotelemente und -twists. Es gibt ein paar hübsche Wendungen und Spielereien, die vor allem die körperliche Wandlungsfähigkeit der Außerirdischen betrifft, aber ansonsten ist da viel Standard-Slapstick und Geschrei; auch die emotionaleren Elemente fühlen sich nicht wirklich echt an.

Luis & Die Aliens | Offizieller Trailer | Deutsch HD German (2018)

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Luis und die Aliens. Deutschland/Luxemburg/Dänemark 2018. Regie: Christoph und Wolfgang Lauenstein, 85 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 24. Mai 2018. (Bestellen bei amazon.de)

(Foto: Majestic Filmverleih/Twentieth Century Fox)

Fridas Sommer (2017)

Kein Lächeln ist da auf Fridas Gesicht, während um sie herum das Feuerwerk abbrennt – ein Freudenfest in der Großstadt, der Sommer wird eingeläutet, aber Frida beobachtet und schaut und schweigt.

Die sechsjährige Frida zieht zu ihrer Tante und ihrem Onkel aufs Land, wird mit ihrer kleinen Cousine Anna spielen. Aus den Gesprächen um sie herum wird nach und nach klar: Fridas Mutter ist gestorben, der Vater schon länger tot. Die Geschwister der Mutter kümmern sich, Fridas Großmutter macht allen Vorwürfe, es seien falsche Entscheidungen getroffen worden, falsche Lebenswege beschritten.

Die Krankheit, an der die Mutter litt, wird nicht mit Namen genannt und ist doch präsent: Es ist, wie der Originaltitel von Fridas Sommer verrät, der Sommer des Jahres 1993. Als Frida sich ein Knie aufschlägt, gerät die Mutter eines anderen Mädchens in Aufregung: Sie habe Frida doch nicht angefasst? Weltweit war Anfang der 1990er Jahre die Angst vor AIDS, vor möglicher Ansteckung riesig. Aber man täusche sich nicht. Auch wenn Autorin und Regisseurin Carla Simón Pipó in ihrem Debütfilm einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte verarbeitet hat – den Tod ihrer HIV-kranken Mutter, der der Film auch gewidmet ist –, so ist der Film doch in diesen Ängsten hochaktuell und in seinem eigentlichen Sujet zeitlos.

Die vollständige Kritik steht drüben auf kino-zeit.de.

Fridas Sommer (Estiu 1993). Spanien 2017. Regie: Carla Simón, 97 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 26. Juli 2018.

(Foto: Grandfilm)

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

Ah, Paris! Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen fängt mich mit drei einfachen Zaubersprüchen ein: dem Blick auf die französische Hauptstadt à la 1927 (mehr oder minder präzise gezeichnet, aber mir reichen ja schon ein paar Boulevards, der Eiffelturm und andere bekannte Bauwerke für sehnsüchtiges Seufzen), die von Magie erfüllte Welt JK Rowlings und schließlich Newt Scamander, der so angenehm nicht den klassischen Normen von Männlichkeit und Heroismus entsprechende Held. (Dazu gibt es hier einen schönen Videoessay in englischer Sprache.)

Aber Grindelwalds Verbrechen setzt nicht einfach fort, was im ersten Film (auf amazon bestellbar, aktuell auf Netflix) begann; es verschieben sich die Schwerpunkte, und nicht immer zum Besten. Wer derlei Sachen verfolgt, weiß, dass da noch einige Filme folgen sollen; und dieser zweite Film wirkt leider viel zu sehr wie ein Dazwischenfilm, in dem Handlungsstücke und Figuren in Position gebracht werden – und dabei geht eben leider der Fokus auf die Figuren, ihre Motive und Gefühle etwas verloren, der Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind so stark machte.

So wirkt der Film gelegentlich überladen und unkonzentriert, manche Actionsequenzen sind zu hektisch und unübersichtlich geraten – das beginnt schon ganz am Anfang bei Grindelwalds Flucht und wiederholt sich bei Auseinandersetzungen mit manchen der eigentlich so phantastischen Tierwesen, die man auf diese Weise kaum richtig zu Gesicht bekommt. Das zeigt sich weiterhin darin, dass manche Schnitte und Überleitungen nicht richtig funktionieren, und auch die Tempiwechsel von Action zu Gespräch und zurück holpern gelegentlich recht arg. Man sieht nicht nur die vier Hauptfiguren aus dem ersten Film zu wenig in Interaktion (was schade ist, weil es Voraussetzung dafür wäre, dass die letzten, sehr dramatischen Szenen ihre Wucht wirklich entfalten könnten), auch die neuen, interessanten Figuren (wie Zoë Kravitz’ Leta Lestrange) lernt man nicht wirklich gut kennen.

Düster und bedrohlich geht es trotzdem zu – das ist kein Film für kleine Kinder. Johnny Depps Grindelwald (es wäre ein eigener, längerer Text, wollte man darüber sprechen, ob es klug war, ihn für diese Rolle zu wählen) ist ein skrupelloser Einflüsterer, der Frieden und Liebe predigt, aber Ausgrenzung und Vernichtung meint – eine Figur, deren Politik nicht nur in die Zeitgeschichte der Handlung verweist (sein Rückzugsschloss liegt, das ist fast schon too much, in den österreichischen Alpen), sondern zugleich sehr modern auf die Gegenwart verweist, auf (ja doch, ganz bestimmte) Einflüsterer und Rassisten. Das ist nicht besonders subtil, aber JK Rowling hält mit ihren politischen Überzeugungen ja auch nicht hinter dem Berg.

Ich kann das trotz aller Schwächen genießen, weil ich mich gerne in diese Welt hineinziehen lasse; man wünscht sich aber für den nächsten Film mehr Newt Scamander, mehr Porpentina Goldstein, mehr Phantastik und etwas weniger Hektik. Mehr Zauber und etwas weniger Intrige.

PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN – Final Trailer Deutsch HD German (2018)

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald). USA/Großbritannien 2018. Regie: David Yates, 135 Minuten. FSK 12, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 15. November 2018.

Foto: Warner Bros. Pictures Germany