Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Ein Film am goldenen Schnittpunkt: Ein wunderbarer Muppets-Film, der beste, schönste und tiefgründigste vielleicht, mit wunderschönen Liedern, Emotion und reichlich Gonzo; und zugleich eine ganz bezaubernde Verfilmung von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte, A Christmas Carol von 1843 – ernsthaft und echt nah am Text, zugleich frei flirrend davon abweichend – nicht nur, weil es um Muppets geht, sondern auch weil der Film ganz modern eine Meta-Perspektive einnimmt und das Thema zwar ernst nehmen will, sich selbst dann aber doch nicht zu sehr.

Das verhindert allzu große Kitschigkeit, auch den ganz großen Topf Schmalz; ein wenig Gefühlsglitter gibt es natürlich doch, aber Miss Piggy sorgt schon dafür, dass das nicht überhand nimmt. Und weil sich das wunderbar zusammenfügt – mit einem wunderbaren Michael Caine in der Hauptrolle als kaltherziger Geldverleiher Ebenezer Scrooge –, ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte mein allerliebster Weihnachtsfilm. „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)“ weiterlesen

Rotschühchen und die sieben Zwerge (2019)

Schneewittchen sucht ihren Vater. Denn ihre neue Stiefmutter Regina hat sich als Hexe entpuppt, die ihren Vater alsbald in ein Verließ warf und nun einen magischen Baum züchtet, dessen Äpfel sich in Schuhe verwandeln. Hochhackige rote Pumps. Ja, wirklich. Und die Frau, die sie anzieht, wird jung, schön und schlank.

Zu sagen, dass Rotschühchen und die sieben Zwerge eher freestyle mit Motiven aus klassischen Märchen umgeht, ist vermutlich keine Übertreibung. Die sieben Zwerge aus dem Titel sind eigentlich keine Zwerge, sondern sieben Helden, die von einer Fee zu kleinen grünen Zwergen verwandelt wurden – jedenfalls sind sie das immer dann, was das Martyrium natürlich vergrößert, wenn sie jemand anderes ansieht. Ihre Eigenheiten haben sie behalten: Der eine kocht gut (und kämpft mit einer Bratpfanne), der nächste sieht gut aus (und verschwindet beim Kampf unter einer Tarnkappe) und so weiter.

Auf kino-zeit.de habe ich den Film genauer vorgestellt – und erklärt, warum ich finde, dass er seine eigentlich positive Botschaft doch sehr mit dem Holzhammer transportiert.

Rotschühchen und die sieben Zwerge (Red Shoes & the 7 Dwarfs). Südkorea 2019. Regie: Sung Ho Hong, 92 Min. FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 5. Dezember 2019.

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(Foto: Splendid Film)

Der kleine Rabe Socke – Suche nach dem verlorenen Schatz (2019)

Königlicher Honigtörtchenbeauftragter, das ist auf jeden Fall ein Titel, für den man sich auch einmal auf eine Reise begeben kann. Kein Wunder also, dass Eddie Bär für diese Aussicht den kleinen Raben Socke auf seine Suche nach dem Schatz begleitet. Was soll schon schief gehen, selbst wenn Opa Dachs vor vielen Jahren auf der Suche nach genau diesem Geschmeide verschwunden ist?

Der kleine Rabe Socke ist für Kinder schon immer vor allem deshalb eine so starke Identifikationsfigur gewesen, weil er sich so wenig darum schert, was er tun soll und was nicht. Er ist ein rechter Egozentriker, dem im Zweifelsfall das eigene Wohl und Wollen wichtiger ist als die Freunde; und zwingend gehört es zum Repertoire der Geschichten, dass er natürlich doch zumindest teilweise lernt, nicht nur auf sich selbst zu achten. Im Kern steht sich der kleine Rabe nämlich immer vor allem selbst im Weg; und gerade im ersten Kinofilm, Der kleine Rabe Socke, hatte das den Vorzug, dass der Film nicht einmal einen Gegenspieler brauchte.

Nach einem eher mittelmäßigen zweiten Film fand ich den dritten nun wieder ziemlich gelungen; meine ausführliche Kritik ist bei kino-zeit.de erschienen. „Der kleine Rabe Socke – Suche nach dem verlorenen Schatz (2019)“ weiterlesen

Petterson und Findus: Das schönste Weihnachten überhaupt (2016)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Draußen hört es gar nicht auf zu schneien, und so schön weiß das alles macht, Findus wird langsam nervös: Sie müssen doch noch einkaufen für das Weihnachtsessen, noch einen Weihnachtsbaum aus dem Wald holen und überhaupt! Der alte Petterson macht sich eigentlich keine Sorgen. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, die beiden räumen erst einmal den traumhaft schönen Pulverschnee aus dem Eingang und ziehen dann mit dem Schlitten los.

Nur leider geht etwas schief: Beim Sammeln von Tannenzweige fällt Petterson unglücklich und rutscht dann auch noch mit dem Schlitten den Berg hinab – und am Ende kann er mit dem einen Fuß nicht mehr richtig laufen. Es wird später, es wird Abend und Nacht, und sie haben immer noch keinen Baum und kein Weihnachtsessen. Von den Nachbarn (insbesondere Max Herbrechter als Gustavsson und Marianne Sägebrecht als Beda Andersson) will Petterson sich aber nicht helfen lassen, während Findus immer enttäuschter wird: Er hatte sich doch schließlich das schönste Weihnachten überhaupt gewünscht! „Keinen Weihnachtsbaum,“ zählt er auf, „keine Milch, keine Pfefferkuchen, keine Sülze, keine Fleischbällchen…“ „Petterson und Findus: Das schönste Weihnachten überhaupt (2016)“ weiterlesen

Dora und die goldene Stadt (2019)

Ich muss gestehen, dass ich die TV-Serie Dora (Dora the Explorer) nur vage durch ein paar Blicke in einzelne Folgen kenne. Im Kern geht es um die siebenjährige Dora, die gemeinsam mit ihrem Affen Boots, ihrem sprechenden Rucksack und gelegentlich ihrem Cousin Diego kleine Abenteuer erlebt – dabei wird immer wieder das Publikum angesprochen und „einbezogen“, es gilt, kleine Rätsel zu lösen, die sich um Zahlen, Rätsel oder englische Wörter (im Original spanische) drehen. Eine hochpädagogische Angelegenheit also, die allerdings in den USA wesentlich bekannter ist als hierzulande.

Es gibt ein paar Szenen am Anfang von Dora und die goldene Stadt, die wirken, wenn man noch keine einzige Folge der Serie gesehen hat, etwas seltsam, bizarr und frei von Zusammenhang. Anfangs ist die noch kleine Dora zu sehen, die dann am Eßtisch tatsächlich in die Kamera fragt: „Kannst du delicioso sagen?“ Und ihre Eltern (Eva Longoria und Michael Peña) drehen sich suchend um, weil sie sich fragen, mit wem ihre Tochter denn eigentlich spricht… naja, „das verwächst sich.“ „Dora und die goldene Stadt (2019)“ weiterlesen

Klaus (2019)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Jesper ist ein verwöhnter junger Mann, eigentlich von Hauptberuf Sohn seines Vaters, der hoher, ach was höchster Beamter im Postdienst ist. Dem alten Herrn zuliebe hat er sich zur Postakademie überreden lassen, faulenzt dort aber den ganzen Tag nur herum. Bis ihn sein genervter Vater und oberster Vorgesetzter kurzerhand zum Postboten ernennt – auf einer einsamen Insel weit im Norden. Dort schreibt man sich schon lange keine Briefe mehr, weil die zwei Klans der Insel seit Menschengedanken im Streit miteinander liegen. Statt Worte fliegen Speere, oder wenigstens Schneebälle.

Auf der Insel trifft der zunehmend verzweifelte Jesper nur die junge Lehrerin Alva, die es schon lange aufgegeben hat, die Kinder zu unterrichten, und stattdessen mit Fischhandel versucht, genug Geld anzusparen für die Reise zurück in den Süden; und den einsamen Zimmermann Klaus, der allein in einer Hütte mitten im Wald oben in den Bergen lebt. „Klaus (2019)“ weiterlesen