Festivals Filmkritiken

Elise und das vergessene Weihnachtsfest (2019)

Logo des Schlingel-Filmfestivals Diese Filmkritik gehört zu meiner Berichterstattung vom Schlingel-Filmfestival 2021 in Chemnitz. Alle Filmbesprechungen und sonstigen Berichte von diesem Festival gibt es hier im Blog unter dem Tag #schlingel.

Die meisten Leute, die in seinen Laden kommen, haben schon in der Tür vergessen, was sie eigentlich kaufen wollten. Insofern ist Elises Vater ziemlich erstaunt, als am 24. Dezember, einem Tag wie jeder andere, da plötzlich ein Mann hereinspaziert, der sehr genau weiß, was er will: Nämlich genug Teller und Geschirr, um seine ganze Familie damit zu versorgen. (Beim Tischler Andersen zuhause gab es nämlich ein kleines Unglück mit einem etwas zu groß ausgewählten Weihnachtsbaum.)

Als der Mann ihm im Herausgehen auch noch “Frohe Weihnachten” wünscht, ist Elises Vater aber vollends irritiert: Wer oder was ist denn bitte dieses Weihnachten? Davon hat man in seinem Dorf ja noch nie gehört! Oder man hat es vergessen. Denn in der Tat: Das verschlafene Örtchen irgendwo in Norwegen, schön zugeschneit und malerisch, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass hier alle immerzu alles Mögliche vergessen. An Weihnachten erinnert sich niemand, nur Elise, deren Vater trotz der Kälte sogar vergisst, sich eine Hose anzuziehen (und abends vergisst, dass man im Bett besser schläft als im Vorratsschrank) hat das komische Gefühl, der Tag müsse doch eigentlich etwas besonderes sein.

Als sie auf dem Dachboden ein seltsames Häuschen mit 24 Türen findet, beginnt sie dem ganzen nachzugehen – und stößt erst auf den Weihnachtsmann und dann auf ungeahnte Schwierigkeiten, als sie den Menschen in ihrem Dorf erklären will, was es damit auf sich hat…

Elise und das vergessene Weihnachtsfest setzt sehr lose eine Geschichte fort, die in Plötzlich Santa! begonnen wurde; verbindendes Element sind der Tischler und der Weihnachtsmann, die eine sehr eigene Freundschaft verbindet. In Norwegen sind die Kinderbücher von Alf Proysen (auf Deutsch gibt es nur Weihnachten beim Weihnachtsmann zu kaufen (amazon.de) wohl bekannt und beliebt; der neue Film basiert auf der Geschichte Den vesle bygda som glømte at det var jul.

Andrea Eckerborn hält die ganze Geschichte in einer angemessen unwirklichen, märchenhaften Atmosphäre: Der Schnee liegt dick, die Farben leuchten, das Vergessen der Dorfbewohner_innen (das ja auch ganz gruselige Aspekte haben könnte) bleibt immer im Bereich des Amüsanten und sorgt für Slapstick und Situationskomik. Allenfalls könnte man dem Film übelnehmen, dass er zu sehr im Harmlosen bleibt und der Geschichte nicht genug Abgrund gibt, der die (natürlich gute) Auflösung am Ende noch befreiender machen könnte.

Aber nun gut: Es ist ein Weihnachtsmärchen, das ganz bewusst und klar auch die jüngeren Kinder abholen und mitnehmen will. Dafür flitzen der Tischler und der Weihnachtsmann auf ihrem Schlitten etwas unkontrolliert durch den Winterwald, dafür lernt Elise schnell einmal das Autofahren.

So oberflächlich der Film dabei bleibt, er tippt aber doch entscheidende Fragen an: Was bedeutet Erinnerung eigentlich für unser Zusammenleben? Was hat das mit Traditionen und Festen wie dem Weihnachtsfest zu tun? Was hieße es, solche Festtage ganz aus unserem Leben zu verbannen, wenn jeder Tag wirklich wie der andere ist?

Gerade diese Verbindung zwischen Erinnerung, Fest und Gemeinschaft denkt der Film vielleicht nicht weiter – aber dies ist genau das Thema, das am Ende übrig bleibt, das im Nachdenken über den Film nachhallt und fortschwingt. Und das sind nicht die schlechtesten Überlegungen, mit denen man als Familie in die Weihnachtszeit starten kann.

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Elise und das vergessene Weihnachtsfest (Snekker Andersen og Julenissen og den vesle bygda som glømte at det var jul/Forgotten Christmas). Norwegen 2019. Regie: Andrea Eckerborn, 71 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 11. November 2021.

(Fotos: Capelight)

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