Elias – Das kleine Rettungsboot (2017)

So ein kleiner norwegischer Hafen ist natürlich ein feines Zuhause und Elias ist wohl ganz gerne dort Rettungsboot. Da kennen ihn alle, da ist er zuhause. Dann ist aber einmal wirklich schlechtes Wetter und gegen alle Ratschläge bricht Elias aus der „Behaglichen Bucht“ auf, ein größeres Schiff aus seiner Not zu befreien – und es gelingt ihm trotz aller Widrigkeiten. Aus solchen Taten werden Heldengeschichten geschrieben, und Küstenfähre Christina lädt ihn nicht nur zu einer Ehrenfeier nach Großhafen ein, sondern macht ihm dort auch noch ein Angebot: Ob er sich vorstellen könnte, zukünftig Rettungsboot im Großstadt-Hafen zu sein, wo mehr Arbeit, aber auch mehr Abenteuer auf ihn warten?

Mit etwas schlechtem Gewissen gegenüber seinen Freunden in der kleinen Stadt lässt Elias sich überreden – und ein sehr nettes Schiff namens Stella spielt für diese Entscheidung durchaus auch eine Rolle. In der großen Stadt geht es aber rauer zu als in der Provinz. Elias legt sich nicht nur mit ein paar kleinen frechen Schiffen an, sondern enttäuscht auch „ihre tiefschwimmende Hoheit“ Christina schließlich so sehr, dass er seinen Job wieder verliert. Aber dann kommt ein Moment, in dem er sich doch bewähren muss.

Wieder mal also ein Film mit belebten Maschinen, Pixar lässt grüßen – und ich frage mich doch: Wer wohnt eigentlich in den Häusern, für wen werden da Fische transportiert, wenn nicht für die Möwen? Ach, egal: Meine ausführliche Kritik von Elias – Das kleine Rettungsboot findet sich drüben bei kino-zeit.de.

Elias – Das kleine Rettungsboot – Trailer [HD] Deutsch / German (FSK 0)

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Foto: Polyband

Zwei Freunde und ihr Dachs (2015)

Man könnte so tun, als habe dieser Film eine stringente, klar umrissene Handlung: Die zwei Freunde Knutsen und Ludwigson machen die Bekanntschaft von Amanda. Amanda ist in Not, und deshalb machen sich die beiden gemeinsam mit ihrem ungewöhnlichen Haustier auf, um ihr zu helfen – vor allem aber ihrem Vater, der von dem wahnsinnigen Rasputin festgehalten wird. Er will den Wissenschaftler zwingen, ihm ein Serum zu produzieren, mit dem er die Gedanken und Bewegungen von Menschen kontrollieren kann.

So erzählt, klingt Zwei Freunde und ihr Dachs geradezu geradlinig und dabei aber auch wie für Kinder eher ungeeignete Genrekost. Rasmus A. Sivertsens Film allerdings hat zwei Titelfiguren, die ihre gute Laune eigentlich nur kurz ablegen, um ausgiebig zu schreien (zum Beispiel weil sie gerade in einen Abgrund stürzen) oder sich zu streiten sowie einen Titeldachs, der beträchtliche Teile des Films schweigend verbringt, um dann in wohlgesetzten Worten von zwei Ratten die Krönung zum König anzunehmen und seine neuen Untertanen, ebenfalls von Rasputin unterjocht, in die Freiheit zu führen.

Zwei Freunde und ihr Dachs ist ab 17. Mai 2018 im Kino – hier meine ausführliche Kritik auf kino-zeit.de.

(Foto: Kinostar Filmverleih)

Plötzlich Santa! (2016)

Mitten im Wohnzimmer haben die beiden älteren Kinder von Tischler Andersen eine Schlinge ausgelegt. Sie wollen den angeblichen Weihnachtsmann – hinter dem sie sicher ihren Vater wissen – beim vorweihnachtlichen Ablegen von Süßigkeiten erwischen, und weil Andersen eher tollpatschig ist, löst er nicht nur die Falle aus, sondern schmeißt dabei auch noch den Weihnachtsbaum um.

Für seine Frau heißt das: Es ist Schluss mit den Weihnachtsmannspielchen! Seit seiner Kindheit ist Andersen geradezu besessen vom Fest, immer muss er sich gründlich als Weihnachtsmann verkleiden und im Jahr zuvor ist er deshalb während seinem großen Entree im Kamin des Hauses hängengeblieben. Dieses Jahr aber, verfügt sie streng, gibt es keinerlei Sperenzchen dieser Art, kein Verkleiden, nichts!

Das klingt eigentlich alles noch ganz nett, beschau- und weihnachtlich; warum ich den norwegischen Kinderfilm Plötzlich Santa! trotzdem überhaupt nicht leiden konnte, habe ich auf kino-zeit.de ausführlich begründet.

(Foto: Capelight/Central)

Louis & Luca – Das große Käserennen (2015)

Der durchschnittlichen Kinobesucherin, zumal der minderjährigen, ist es vermutlich eher wurscht, wie lang der Weg ist, den ein konkreter Film von seinem ersten Auftauchen in der Welt bis zu den Leinwänden deutscher Kinos benötigt; aber als Filmkritiker, der gelegentlich das Privileg hat, Filme schon etwas früher zu sehen als viele andere Menschen, frage ich mich doch bei vielen Produktionen: Warum, bitte, hat das jetzt wieder so lange gedauert?

Louis & Luca – Das große Käserennen ist nämlich schon nicht mehr der neue Film von Regisseur Rasmus A. Sivertsen und seinem bemerkenswerten norwegischen Animationsstudio Qvisten Animation. Dieser Titel gebührt Im huckligen buckligen Wald, der gerade auf dem Schlingel-Filmfestival in Chemnitz seine deutsche Erstaufführung feierte. In seinem Herkunftsland startete Das große Käserennen schon zum Weihnachtsfest 2015 – aber, zugegeben, selbst ins gelobte Land der Cinephilie – Frankreich – brauchte der Film ein ganzes Jahr.

Warum das warten sich einerseits gelohnt hat und andererseits auch womöglich ziemlich egal ist, habe ich in meiner Kritik auf kino-zeit.de ausführlich erklärt (Spoiler: Ein toller Film!).

LOUIS & LUCA – DAS GROSSE KÄSERENNEN – Trailer (deutsch | german)

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(Fotos: Kinostar)

Schlingel 2017: Im huckligen buckligen Wald (2016)

Die Waldmaus Claus verbringt ihre Tage singend und schnorrend im Wald; wenn sie Hunger ein, lädt sie sich bei anderen Mäusen oder bei Familie Bär selbst zum Essen ein, und dafür gibt es immerzu ein fröhliches Lied auf der Gitarre. Das könnte sich zu einer Fabel à la Grille und Ameise über Arbeitsmoral, Vorratshaltung und böses Schnorrertum wenden, aber weil wir im wunderbaren Tieruniversum von Rasmus A. Sivertsen sind, wird aus Im huckligen buckligen Wald etwas ganz anderes. Auch etwas recht Seltsames, zugegeben, aber jedenfalls unterhaltsamer. Und sehr, sehr musikalisch.

schlingel_logo_schraeg_219 Maus Morten hat sich beim Bäckerhasen eine Torte gekauft, weil am nächsten Tag seine Großmutter zu Besuch kommen will. Marvin der Fuchs aber mag für Gebäck nicht zahlen, ist aber durchaus nicht der listigste Spieler im Wald… und weil sein Hunger aber den kleineren Tieren gefährlich zu werden droht, setzt Morten einen Gesetzestext auf: Alle Tiere im Wald sollen Freunde sein – und keines soll das andere essen. Der Bär (“So eine Schande, dass die Tiere einander essen”) ruft eine Versammlung ein…

Keine Angst, Im huckligen buckligen Wald ist eine absolut auch für kleine Kinder taugliche Geschichte. Hier wird niemand gefressen, sondern eine im Kern vegetarische Gesellschaftsordnung angelegt, der der Fuchs nur durch einen Ausflug auf den benachbarten Bauernhof zu begegnen weiß; aber auch dort muss „nur“ der bereits geräucherte Schinken drang glauben.

Dass das irgendwie doch in Ordnung ist, ist eine der Inkonsistenzen und Merkwürdigkeiten dieses sonst bis in die letzte Haarspitze seiner Figuren charmanten Films. Die zweite wichtige sind die seltsamen Menschenfiguren, der sehr tolpatschige Bauer und die sehr skrupellose, keifende Bäuerin. Sie sind (auch Geschlechter-)Stereotype der derben Sorte, die aber nach Chicken Run – Hennen Rennen schon recht verbraucht wirken. Vor allem fallen sie aus dem grundlegend unzynischen Figurenreigen der Waldtiere sehr auffällig heraus – als Menschen haben sie die Rolle der absoluten Bösewichter andererseits vielleicht auch einfach verdient.

Es gibt ein paar aufregende, auch spannende Momente, aber nichts wirklich Dramatisches passiert; Sivertsen will sein Publikum vor allem durch die zahlreichen Lieder und Slapstickmomente bei Laune halten, und das gelingt ihm aufs Allerfeinste. Die elegante Animation tut ihr übriges dazu – aus Norwegen kommt, das hat der Regisseur auch mit seinen Louis & Luca-Filmen (Louis & Luca – Das große Käserennen kommt im Oktober 2017 endlich in die deutschen Kinos) bewiesen, Stop-Motion-Produktionen, die sich weder technisch noch in der Qualität ihrer Geschichten hinter den großen wie Aardman oder Laika verstecken muss.

IN THE FOREST OF HUCKYBUCKY – OFFICIAL TRAILER

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Im huckligen buckligen Wald (Dyrene i Hakkebakkeskogen), Norwegen 2016. Regie: Rasmus A. Sivertsen, 75 Minuten. Empfohlen ab 5 Jahren (Auf dem Schlingel-Festival).