Kurzfilm zum Wochenende: Ameise (2017)

Von Julia Ocker habe ich hier schon einmal einen Animationsfilm vorgezeigt, einige weitere habe ich gesehen; Ameise ist ein Film, der ihr besonders gut gelungen ist. Ohne ein gesprochenes Wort, dicht und graphisch sehr vereinfacht, dabei immer klar in Design wie Aussage: Ein tolles Ministück Minikino auch für sehr Kleine.

Ameise ist einer der vielen kurzen Höhepunkt auf dem diesjährigen KUKI-Festival, dem Internationalen Kurzfilmfestival für Kinder
und Jugendliche Berlin, das am kommenden Sonntag, den 18. November 2018, um 14 Uhr mit einer großen Eröffnungsfeier im Filmtheater am Friedrichshain startet und dann bis 25. November ein volles und abwechslungsreiches, für unterschiedliche Altersgruppen gestaffeltes Programm an Kurzfilmpreziosen anbietet. Wenn Ihr in Berlin seid und ein bisschen Zeit habt, geht da unbedingt hin.

(Offenlegung: Ich bin in diesem Jahr auf dem KUKI Mitglied der FBW Jury, und Ameise ist einer der Filme, die wir bewerten dürfen.)

Animanimals: Ant

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Schönes Wochenende!

Mary und die Blume der Hexen (2017)

Ihre Eltern haben viel zu tun, deshalb wurde Mary schon einmal zu ihrer Großtante Charlotte in das große Haus vorausgeschickt. Da hat sie nicht viel zu tun, und bei der Hilfe in Haus und Garten stellt sie sich leider recht ungeschickt an. Bei einem Spaziergang im benachbarten Wald führen sie zwei Katzen aus dem Dorf zu einer geheimnisvollen blauen Blume; der Gärtner ihrer Großtante erkennt in ihr die „Flieg-bei-Nacht“, die der Legende nach von Hexen wegen ihrer magischen Kräfte geschätzt und gesucht wird.

Bald darauf, dichter Nebel liegt über dem Wald, findet Mary im Wald, von einem Baum fast umwachsen, einen alten Besen; als sie versehentlich mit einer Blüte der „Flieg-bei-Nacht“ dagegen stößt, gibt diese eine blau leuchtende Substanz ab, die den Besenstiel mit magischer Kraft versieht – und eh sie sich’s versieht, fliegt sie auf dem Besen durch die Wolken und zu einer großen Gebäudeanlage im Himmel: der Endor-Universität für Magie.

An diesem Punkt könnte man meinen – Mary bekommt eine ausführliche Führung der Schule durch die Direktorin Madam Mumblechook, und erst einmal sieht alles schön und aufregend aus –, man habe es bei Mary und die Blume der Hexen mit einem Abklatsch von Harry Potter zu tun. Was natürlich schon allein deshalb nicht stimmt, weil Mary Stewart ihr Kinderbuch The Little Broomstick, auf dem der Film beruht, bereits 1971 veröffentlicht hat. Es stimmt aber auch deshalb nicht, weil die magische Universität und ihre Leiterin hier sehr schnell eine dunkle Seite zeigen: Mary braucht ihren Besen nicht für Quidditch, sondern um sich selbst und andere zu retten.

Der schöne Film von Hiromasa Yonebayashi kommt am 13. September 2018 in die deutschen Kinos; meine ausführliche Besprechung dazu findet sich drüben bei kino-zeit.de.

Mary und die Blume der Hexen Trailer Deutsch German (2018)

Dieses Video ansehen auf YouTube.

(Foto: Peppermint Anime)

Mein Freund, die Giraffe (2017)

Was von Annie M.G. Schmidt kommt, kann eigentlich nicht ganz schlecht sein. Die niederländische Schriftstellerin, die 1995 einen Tag nach ihrem 84. Geburtstag Selbstmord beging, gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen der Welt – in Deutschland ist sie leider weitgehend unbekannt. Nur wenige ihrer Bücher (z.B. Pluck mit dem Kranwagen) sind ins Deutsche übersetzt und auch noch lieferbar; auch die sehr sehenswerten Verfilmungen wie Der wunderbare Wiplala oder der noch wunderbarere Die geheimnisvolle Minusch schaffen es hier meist nicht einmal ins Kino.

Insofern darf man sich über Mein Freund, die Giraffe freuen, dessen Geschichte auf einem Gedicht von Schmidt beruht und jene traumgleiche Vermischung von Realität und magischen Elementen beinhaltet, die viele ihrer Texte so großartig macht.

Der niederländische Film hatte in diesem Jahr auf der Berlinale seine hiesige Premiere und läuft jetzt in den deutschen Kinos – meine Gedanken zu dem Film stehen auf kino-zeit.de.

MEIN FREUND, DIE GIRAFFE (Trailer)

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Mein Freund, die Giraffe (Dikkertje Dap). Niederlande 2017. Regie: Barbara Bredero, 74 Minuten. Kinostart: 1. März 2018. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren.

(Fotos: Little Dream Entertainment/24 Bilder)

Lichtspiele: Kinderfilme nicht für Kinder, sondern von Kindern!

Ein Gastbeitrag von Christian Steiner, Festivalleitung des Lichtspiele Festivals 2017/18

Mit dem Wort “Kinderfilme” verbinden wir alle wohl die gleiche Vorstellung: Filme für Kinder. Für mich hat der Begriff mittlerweile aber auch eine zweite Bedeutung bekommen: Filme von Kindern.

Alles begann mit dem Besuch eines Filmfestivals. Im Frühjahr 2016 reiste ich durch die Einladung eines befreundeten Podcasters (liebe Grüße an Christian von der Wiederaufführung!) nach Rostock. Ich solle mir doch mal das FiSH-Festival anschauen, es würde mir bestimmt gefallen und ich könnte auch gleich im Team mitarbeiten. Gesagt, getan – und wie es mir gefiel! Denn das FiSH-Festival richtet sich nicht nur den erfahrenen Filmnachwuchs, sondern auch auch an die ganz jungen Filmemacher*innen und ihre ersten Schritte. Das können kleine Knetgummi-Animationen, handgezeichnete Stop-Motion-Filme oder improvisierte Kurzfilme sein. Neben aufwendigen Produktionen der älteren Jahrgänge natürlich.

Diese Mischung macht den Reiz des Filmfestivals aus. Hier sitzen 6-jährige Filmemacher auf der Bühne und erzählen im Interview, sie würden für ihr nächstes künstlerisches Projekt lieber ein Buch schreiben. Hier kriegen alle Teilnehmenden ein wertvolles Feedback der Wettbewerbsjury mit nach Hause. Hier werden unkonventionelle Kurzfilme mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und beflügeln das Filmteam zu neuen Höhen. All das ist eine ganz wertvolle, ganz wunderbare Mischung mit einer klaren Mission: Die allerersten filmischen Schritte genauso ernst zu nehmen, zu diskutieren und somit zu fördern, wie die professionellen Kurzfilme höherer Semester.

Beflügelt von dieser Idee und ein kleines bisschen angesteckt, suchte ich direkt nach meiner Rückkehr in Berlin nach einem ähnlichen Projekt. Ich wurde schnell fündig: Lichtspiele – Das Berliner Jugendfilmfestival verpflichtet sich der gleichen Mission. Nur eben in meiner Wahlheimat Berlin. Also habe ich mich gleich im Herbst 2016 in die Organisation des Festivals gestürzt und wurde Teil des Teams.

Das Lichtspiele-Festival hat mittlerweile vier Ausgaben hinter sich. Einen Tag lang geht es auch hier um die allerersten filmischen Versuche von Kindern und Jugendlichen. Auf der großen Leinwand des City Kino Wedding strahlen die Kurzfilme der Kinder und Jugendlichen. Im Publikum sitzen Filmteams, Familien, Freunde. Im Rahmenprogramm gibt es Workshops für die Kleinen und Beratungsangebote zu Berufen in der Filmbranche für die Großen. Zum Abschluss entscheidet eine Fachjury und vergibt Preise an die Filmteams. Dabei stehen Inhalte vor Formen, Versuche vor Ergebnissen, Wollen vor Können. Im letzten Jahr war auch Rochus als Jurymitglied dabei und hat das Festival tatkräftig unterstützt. Am Abend kommen Filmteams, Gäste und Jury im Foyer des Kinos zusammen und können bei Saft und Sekt noch einmal ins Gespräch kommen. Der Austausch steht dabei immer im Vordergrund.

Lichtspiele 2017/18

Das Lichtspiele-Festival geht auch in diesem Jahr weiter. Am Samstag, den 26. Mai 2018, wollen wir die fünfte Festivalausgabe im City Kino Wedding veranstalten. Anders als in den Jahren zuvor, richten wir unseren Termin erstmals am Schuljahr aus. Der Grund: Wir arbeiten mit einem Oberstufenzentrum zusammen. Die Lichtspiele-AG holt die pädagogische Mission des Festivals in die Organisation. Zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher planen und gestalten wir unser Kurzfilmfestival. Das Lichtspiele-Festival bleibt seiner Berlinweiten Ausrichtung dabei aber treu. Filme aller Berliner Schüler*innen und Schulen sind willkommen!

Die Jugendlichen erarbeiten in kleinen Teams die konkreten Festival-Inhalte: Wir gestalten zum Beispiel unsere eigenen Festival-Flyer, wir kümmern uns um die Pressearbeit und laden wir eine kompetente Fachjury ein.

Und wir brauchen Hilfe.

Natürlich erzähle ich das alles nicht nur einfach so. Denn wir brauchen tatkräftige Unterstützung bei unserem Festival. Zuallererst sind wir auf der Suche nach spannenden, schönen, aufregenden, tollen und ungewöhnlichen Filmen! Falls ihr junge Filmemacher*innen aus Berlin kennt, in der Familie habt oder selbst seid: Dann her mit euren Filmen! Am besten reicht ihr diese über die Plattform filmfestivals4.net – direkt über diesen Link – bei uns ein.

Die Einreichung ist kostenlos. Unsere Teilnahmebedingungen findet ihr in unserem Festival-Blog.

Darüber hinaus freuen wir uns ganz besonders über Spenden. Wir wollen einen Kinosaal mieten, Flyer und Poster drucken und natürlich auch ein paar Preise für unsere Gewinner*innen vergeben. Das alles kostet Geld. Darüber hinaus träume ich davon, die ein oder andere ins Festival gesteckte Arbeitsstunde auch bezahlt zu bekommen.

Deshalb haben wir eine Spenden-Kampagne über Betterplace eingerichtet. Wir freuen uns über jede Hilfe und jeden Euro. Die Spenden sind außerdem steuerlich absetzbar.

Falls ihr nun also Interesse an unserem Festival bekommen habt, dann schaut doch gleich mal in unsere Kanäle rein, unsere Festival-Homepage etwa; auf Facebook, Instagram oder Twitter gibt es ebenfalls Updates.

Ich persönlich bin von der Mission des Lichtspiele-Festivals felsenfest überzeugt. Als Filmjournalist und -wissenschaftler liegt es mir ganz besonders am Herzen, eine neue Generation mit dem filmischen Fieber anzustecken. Nicht nur als passives Publikum, sondern als aktiv Gestaltende! Die technischen Hürden sind so niedrig wie nie, die kindliche Phantasie kennt ohnehin keine Grenzen, und das Medium bietet eine enormes Potenzial für uns Erwachsene, um einen Zugang zu den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen zu erhalten. Das alles will das Lichtspiele-Festival möglich machen. Das alles will ich erleben. Deshalb freue ich mich über jede Hilfe!

Christian Steiner redet viel über Filme. Wöchentlich im Podcast Second Unit, monatlich über Superheldenfilme in der Superhero Unit. Seine Leidenschaft für Kurzfilme ganz junger Filmemacher*innen hat er auf dem FiSH-Festival in Rostock 2016 entdeckt. Im selben Jahr stieß er zum Team des Lichtspiele-Festivals in Berlin.

Kurzfilm zum Wochenende: Herbst (2016)

Selten habe ich mich so gefreut, einen Kurzfilm hier zeigen zu können. Denn Automne von Yann Austin, Marie Briand, Cécile Fauchie, Louise Flatz, Helene Letourneur und Marina Saunier vom Institut Supérieur des Arts Appliqués ist nicht nur ein wunderbarer und ruhiger Blick auf die aktuelle Jahreszeit aus der Perspektive einer Künstlerin.

Der Film ist außerdem im Wettbewerbsprogramm des diesjährigen KUKI zu sehen, des 10. Internationalen Kurzfilmfestivals für Kinder und Jugendliche Berlin. Das KUKI, das ich im vergangenen Jahr als Partner begleiten durfte (diesmal hat das aus vielerlei zeitlichen und geographischen Gründen nicht geklappt), ist eines der schönsten Berliner Publikumsfestivals – es zeigt ausschließlich Kurzfilme für Kinder und Jugendliche, mit klarem ästhetischem und politischem Anspruch an die Filme, die gezeigt werden. Vor einem Jahr hatte ich mich darüber auch ausführlich mit der künstlerischen Leiterin des Festivals, Monica Koshka-Stein, unterhalten: Das Gespräch lässt sich hier anhören.

Automne ist nur eines der vielen Wunder, die beim KUKI ab 19. November 2017 auf großer Leinwand zu sehen sind. Perfekte Kinderunterhaltung. (Hier mein Lieblingsfilm vom letzten Festival.)

Schönes Wochenende!

Schlingel 2017: Im huckligen buckligen Wald (2016)

Die Waldmaus Claus verbringt ihre Tage singend und schnorrend im Wald; wenn sie Hunger ein, lädt sie sich bei anderen Mäusen oder bei Familie Bär selbst zum Essen ein, und dafür gibt es immerzu ein fröhliches Lied auf der Gitarre. Das könnte sich zu einer Fabel à la Grille und Ameise über Arbeitsmoral, Vorratshaltung und böses Schnorrertum wenden, aber weil wir im wunderbaren Tieruniversum von Rasmus A. Sivertsen sind, wird aus Im huckligen buckligen Wald etwas ganz anderes. Auch etwas recht Seltsames, zugegeben, aber jedenfalls unterhaltsamer. Und sehr, sehr musikalisch.

schlingel_logo_schraeg_219 Maus Morten hat sich beim Bäckerhasen eine Torte gekauft, weil am nächsten Tag seine Großmutter zu Besuch kommen will. Marvin der Fuchs aber mag für Gebäck nicht zahlen, ist aber durchaus nicht der listigste Spieler im Wald… und weil sein Hunger aber den kleineren Tieren gefährlich zu werden droht, setzt Morten einen Gesetzestext auf: Alle Tiere im Wald sollen Freunde sein – und keines soll das andere essen. Der Bär (“So eine Schande, dass die Tiere einander essen”) ruft eine Versammlung ein…

Keine Angst, Im huckligen buckligen Wald ist eine absolut auch für kleine Kinder taugliche Geschichte. Hier wird niemand gefressen, sondern eine im Kern vegetarische Gesellschaftsordnung angelegt, der der Fuchs nur durch einen Ausflug auf den benachbarten Bauernhof zu begegnen weiß; aber auch dort muss „nur“ der bereits geräucherte Schinken drang glauben.

Dass das irgendwie doch in Ordnung ist, ist eine der Inkonsistenzen und Merkwürdigkeiten dieses sonst bis in die letzte Haarspitze seiner Figuren charmanten Films. Die zweite wichtige sind die seltsamen Menschenfiguren, der sehr tolpatschige Bauer und die sehr skrupellose, keifende Bäuerin. Sie sind (auch Geschlechter-)Stereotype der derben Sorte, die aber nach Chicken Run – Hennen Rennen schon recht verbraucht wirken. Vor allem fallen sie aus dem grundlegend unzynischen Figurenreigen der Waldtiere sehr auffällig heraus – als Menschen haben sie die Rolle der absoluten Bösewichter andererseits vielleicht auch einfach verdient.

Es gibt ein paar aufregende, auch spannende Momente, aber nichts wirklich Dramatisches passiert; Sivertsen will sein Publikum vor allem durch die zahlreichen Lieder und Slapstickmomente bei Laune halten, und das gelingt ihm aufs Allerfeinste. Die elegante Animation tut ihr übriges dazu – aus Norwegen kommt, das hat der Regisseur auch mit seinen Louis & Luca-Filmen (Louis & Luca – Das große Käserennen kommt im Oktober 2017 endlich in die deutschen Kinos) bewiesen, Stop-Motion-Produktionen, die sich weder technisch noch in der Qualität ihrer Geschichten hinter den großen wie Aardman oder Laika verstecken muss.

IN THE FOREST OF HUCKYBUCKY – OFFICIAL TRAILER

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Im huckligen buckligen Wald (Dyrene i Hakkebakkeskogen), Norwegen 2016. Regie: Rasmus A. Sivertsen, 75 Minuten. Empfohlen ab 5 Jahren (Auf dem Schlingel-Festival).