Festivals Filmkritiken

Young Hearts (2024)

Berlinale-Logo Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung von der Kinder- und Jugendfilmsektion Generation der Berlinale 2024. Alle Berichte von diesem Festival gibt es hier im Blog unter dem Tag #berlinale.

Eine kleine Andeutung vom Happy End gibt es schon ziemlich am Anfang, wenn der Lehrer in Elias’ Schulklasse von der höfischen Liebe spricht – und als Beispiel die Verehrung einer Klassenkameradin für Harry Styles anführt. Styles, der Männlichkeit zumindest nach Außen hin so sehr in Bewegung bringt, dazu verschiedene Liebesformen, sollte in einer solchen Welt nicht alles möglich sein?

Aber zunächst einmal ist es konventionell: Elias ist irgendwie mit Valerie „zusammen“, seine beste Freundin jedenfalls, sie sind entspannt vertraut miteinander und alle um sie herum nehmen an, sie seien ein Liebespaar. Aber dann zieht nebenan Alexander ein, frisch aus Brüssel zugezogen, und mit ihm ist für den 14-jährigen dann doch auf einmal vieles ganz anders. Die Gespräche, am See liegend mit frisch gekauften Kirschen, drehen sich schnell um Liebe und wie man sie erkennt, und ganz nebenbei erzählt der Großstadtjunge von seiner ersten, verflossenen Liebe Arthur.

So einfach ist es dann aber doch nicht, und Anthony Schatteman (Regie und Buch) erzählt in Young Hearts ganz eng aus Elias’ Perspektive: Wie er spürt, dass die Umwelt bestimmte, nur implizit immer gemeinte Erwartungen an ihn stellt – und diese vielleicht nicht mit seiner Liebe für Alexander zusammenpassen. Wie sich das mit persönlichen Enttäuschungen mischt, weil etwa Valerie sich getäuscht fühlt. Wie aber all diese Erwartungen vielleicht nicht so absolut sind, wie Elias denkt.

Das alles geschieht als langer, ruhiger Fluss, mit überzeugend verzweifelten Momenten (Lou Goossens als Elias ist eine Wucht mit seinem fragenden, suchenden Blick in die Welt) und viel ruhigem Hintergrund und Sommerwelt. Mit liebevollen Eltern und einem Großvater, der auch mal große Dinge mit kleiner Geste tut. Hier wird gezeigt und vorsichtig geführt und gelehrt, wie man Gefühle betrachtet, versteht und artikuliert. Nicht unbedingt nur wie Elias’ Vater, der als kleiner Popstar mit ersten Erfolgen auf Bühnen ständig von der Liebe singt.

Natürlich geht es ein wenig um den Kontrast zwischen der Kleinstadt auf dem Land (in der Elias sonst keine Jungs kennt, die andere Jungs lieben) und dem Leben in der Großstadt, aus der Alexander kommt. Young Hearts leistet sich auch ein paar Stereotype, wenn ausgerechnet diese zwei Jungs diejenigen sind, die gerne zeichnen oder Klavier spielen. Aber das dominiert nicht, es unterstreicht eher die Erzählung, dass die klassisch-heteronormative Männlichkeit nicht die einzige Form ist, die richtig ist, im Gegenteil.

Coming-Out-Geschichten können endlich so etwas sein: Einfache Liebesgeschichten, in der es um verwirrte Gefühle und Erwartungen geht – und sich am Ende, wenigstens für einige Zeit, eine einfache Wahrheit herausschält. Hoffnung für die Liebe. Freiheit für jene, die sie fühlen und ausdrücken. Das ist schon viel, das ist manchmal auch genug.

Young Hearts erzählt davon dicht an seinen Protagonisten, ohne falsche Aufregung und falsche Betulichkeit, mit Bildern aus einem ganz besonderen Sommer.

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Junge Herzen (Young Hearts). Belgien / Niederlande 2024. Regie: Anthony Schatteman, 97 Min. Noch ohne FSK, empfohlen ab 11 Jahren. Läuft auf der Berlinale.

(Fotos: Thomas Nolf, Polar Bear)

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