Festivals Filmkritiken

Fuchs und Hase retten den Wald (2024)

Berlinale-Logo Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung von der Kinder- und Jugendfilmsektion Generation der Berlinale 2024. Alle Berichte von diesem Festival gibt es hier im Blog unter dem Tag #berlinale.

So einen richtig großen Damm, den allergrößten womöglich, hat der Biber gebaut, zwei Ratten haben ihm dabei geholfen. Die letzten Baumstämme – rundum ist alles abgeholzt – werden vor den kleinen Bach gelegt, dann beginnt sich das Wasser zu stauen. Und der Biber setzt seinen Cowboyhut auf und macht es sich in seinem Luxushaus bequem, der Zugang liegt artgerecht unter der Wasseroberfläche.

Eine seltsame Figur ist dieser Biber, den Regisseurin Mascha Halberstad uns da präsentiert, ganz und gar großkotzig, er will unbedingt Leute herhaben, die sein Lebenswerk bewundern und ihn gleich dazu. Der Hut, der Gestus, der Größenwahn, das weckt natürlich Assoziationen an einen bestimmten Typus Mensch, einen narzisstischen Angeber. Die große Weite voller Baumstümpfe, eine einzige Umweltkatastrophe.

Der Biber und seine Ratten – auf dem großen Stausee wollen sie jetzt Pi-ratten sein! – stören vor allem das Leben der anderen Tiere im Wald. Hase und Fuchs, Wildschwein und Waschbär Jack, Eule und Pinguin Ping Wing feiern am Abend, an dem das Wasser aufgestaut wird, gerade ein Fest, ihre Freund_innen Seehund und Nixe wollen wegziehen ans Meer. Hase hat eine ihrer tollen Torten gebacken, und Fuchs macht sie im Übermut eines Spiels kaputt.

Die Figuren wirken aufeinander eingespielt, und in der Tat gab es sie schon in der Serie Fuchs und Hase (hier und hier gibt es Trailer als Einblicke), basierend wiederum auf einer Buchreihe. Das hat einen ambivalenten Effekt auf die Dynamik zwischen den Figuren: So richtig verändern werden sie sich nicht, sie sind halt, wie sie sind: Das Schwein ist immer der Größte (aber nur in wenigen Dingen wirklich), der Fuchs ist ein wenig simpel gestrickt, Hase ist die Erwachsene, emotional wie intellektuell vernünftig. Und Bäckerin großartiger Torten. Eule hat Angst vor Wasser und deshalb (glücklicherweise) immer einen Rettungsring dabei, auch wenn der sie am Fliegen etwas hindert.

Zugleich haben in der Handlung dieses Films nicht alle wirklich viel zu tun – Seehund und Nixe, Wing und Jack, der ewige Dieb sind halt auch noch da, bereichern den Hintergrund und machen gelegentlich Quatsch.

Die Tiere des Waldes jedenfalls erwachen nach der Feier zu reichlich Wasser im Wald, und es wird immer mehr. Am See stoßen sie zunächst auf die zwei Piratten in ihrem Schnellboot, Fuchs, Hase und Eule landen schnell im Luxusquartier des Bibers, der freut sich über das Publikum in seinem Goldenen Käfig. Die Biberburg hat alle Schikanen: Indoor-Wasserrutsche, alle möglichen Wasserfeatures, ein eigenes Theater und Eismaschinen, schließlich sogar eine ausfahrbare Aussichtsplattform mit weiter Sicht über den Damm, den See und weit in alle Richtungen darüber hinaus.

Fuchs findet das auch ganz toll, aber Hase will ihr gemeinsames Haus zurück. Es gibt also ein wenig Streit und dann ein wenig Chaos, das Wasser steigt unaufhaltsam, und schließlich kommt es zum Showdown am Damm. Die Auflösung des Konflikts – es geht um Freunschaft! – ist dann recht abrupt, beim Biber war vorher kein Lernprozess erkennbar.

Fuchs und Hase retten den Wald ist mit all der Action und einigen sehr, sehr lustigen Momenten wirklich unterhaltsam, aber am Ende eben doch ziemlich belanglos, mit statischen Charakteren und wenig emotionalem oder gedanklichem Tiefgang. Das ist überraschend, weil Halberstads letzter Film Oink vor allem von seinen schrägen und widersprüchlichen Figuren lebte (und natürlich vom Fäkalhumor).

Und es ist schade, weil zugleich die Animation so überaus gelungen ist: Die Figuren sind zwar auf den ersten Blick einfach gestaltet, aber ausdrucksstark, da ist Witz und Dynamik; das Wasser sieht toll aus. Man möchte den Figuren unbedingt länger und mehr zusehen, und irgendwo unter der Oberfläche ahnt man mehr Tiefe und mehr Witz – da wäre auch für das ganz junge Zielpublikum noch mehr drin.

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Fuchs und Hase retten den Wald (Fox and Hare Save the Forest). Niederlande/Belgien/Luxemburg 2024. Regie: Mascha Halberstad, 71 Min. Noch ohne FSK, empfohlen ab 5 Jahren. Lief auf der Berlinale, deutscher Kinostart: 17. Oktober 2024.

(Fotos: Submarine / Walking the Dog / Doghouse)

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