Filmkritiken

Buddy – Der Weihnachtself (2003)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Buddy ist wirklich eher aus Versehen am Nordpol gelandet: Als der Weihnachtsmann seine Runde machte, ist er im Waisenhaus in den Sack mit den Geschenken hineingekrabbelt. Da die Elfen ihn schlecht zurückschicken konnten, hat Papa Elf (Bob Newhart) ihn stattdessen adoptiert und großgezogen. 30 Jahre später bemüht sich Buddy redlich, so fleißig zu sein wie die anderen Elfen, aber es fehlt ihm doch an Geschicklichkeit, wenn auch wirklich nicht an Fröhlichkeit.

Obwohl er allerdings doppelt so groß ist wie alle Elfen um ihn herum, hat Buddy (Will Ferrell) noch nicht begriffen, dass er eigentlich ein Mensch ist – die Offenbarung kommt als Schock. Da seine Mutter kurz nach der Geburt gestorben ist, macht er sich dann auf nach New York, um seinen Vater zu suchen, der allerdings nichts von seiner Existenz weiß. Walter Hobbes (James Caan) ist in einem großen Verlag zuständig für Kinderbücher, er interessiert sich aber weder für seine Familie noch für Fröhlichkeit, sondern für Geld und Arbeit – Santa Claus führt ihn auf der „Schwarzen Liste“ für jene, die jedenfalls keine Geschenke bekommen.

Buddy – Der Weihnachtself erzählt eine klassische fish-out-of-water-Geschichte: Der von der Welt der Menschen völlig unbeleckte Buddy bewegt sich durch die als unfreundlich bekannte Großstadt mit der großäugigen Begeisterung eines unschuldigen Kindes, fährt mit Begeisterung minutenlang mit einer Drehtür, isst Kaugummis, die andere an den Metallgittern der U-Bahn-Eingänge hinterlassen haben, und freut sich grundsätzlich über alles, was funkelt und leuchtet.

In einem Kaufhaus dekoriert er die Kinderabteilung neu und sorgt anschließend für Chaos, weil er den angemieteten Weihnachtsmann als Hochstapler „enttarnt“. Mit freundlicher Beharrlichkeit gelingt es ihm schließlich sogar, bei Walter zuhause zu landen, wo seine Frau und Buddys jüngerer Halbbruder ihn skeptisch, aber freundlich aufnehmen – und Buddy zum Frühstück für alle Spaghetti mit Ahornsirup macht. (Sirup ist eine der vier wichtigen Nährstoffgruppen, an denen sich die Ernährung von Elfen orientiert. Spoiler: Auch die anderen drei bestehen im Wesentlichen aus Zucker.)

Jon Favreau, der inzwischen Regisseur (zuletzt vom Remake von Der König der Löwen) und vor allem Produzent bei Disney ist, hat hier einen seiner ersten Filme gedreht, eine wilde Chaoskomödie, die ihren Humor weniger aus dem viel und immer wieder beschworenen „Christmas Cheer“ bezieht, sondern mehr aus Fremdscham und der knallesüßen Konfrontation von Gegensätzen. Denn natürlich verträgt sich die Buddy-sche Begeisterung schwer mit dem auf Gewinn und Verkaufen hinorganisierten Weihnachtskapitalismus, auf den Buddy hier in Walters Verlag und im Kaufhaus stößt.

Einen richtigen Gegenentwurf allerdings bietet der Film dann doch auch nicht. Das Weihnachtsfest ist hier freilich ein ganz und gar von seiner religiösen Bedeutung befreites Fest, irgendwie dreht sich dann doch alles um eine sehr vage gehaltene Freundlichkeit mit- und zueinander – und um Geschenke, die halt der Weihnachtsmann bringt. (Wozu dann das ganze Gewese in der Spielwarenabteilung im Kaufhaus nötig ist, diese Frage umschifft der Film noch nicht einmal, er ignoriert sie einfach und ertränkt sie in Zuckerwatte.) Der „Christmas Cheer“ ist allgemeine Wohlfühligkeit, die am besten durch gemeinsames, lautes Absingen von Weihnachtsliedern hergestellt werde – und damit wird auch hier am Ende das Weihnachtsfest gerettet. Nunja.

Aber es bringt ja auch nichts, jenseits totaler Verdammung einem so ganz und gar amerikanischen Film mit Ideologiekritik beikommen zu wollen. Buddy – Der Weihnachtself endet damit, dass auch Buddys Geschichte in die Logik der kapitalistischen Verwertung eingeordnet – und damit der Film eigentlich zu seiner eigenen Entstehungsgeschichte wird. Und in seinem eigenen, damit völlig abgeschlossenen Kosmos ist das alles halt auch zum Brüllen komisch; Ferrell gibt sich hemmungslos in seine Rolle hinein und hat offenbar genauso viel Spaß wie seine Mitspieler_innen.

Aus Elternsicht am tollsten ist aber vielleicht Peter Dinklages kurzer Auftritt als genialischer Kinderbuchautor Miles Finch, der kurzfristig eingeflogen wird, um Walters Verlag zu retten. Allein diese wenigen Minuten machen den Film schon sehenswert.

Buddy – Der Weihnachtself (Elf). USA 2003. Regie: Jon Favreau, 95 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren. Streamen bei amazon; Streamen bei Netflix.

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(Fotos: Warner Bros.)

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4 Kommentare zu “Buddy – Der Weihnachtself (2003)

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