Filmkritiken Streaming

Nimona (2023)

Manche Filme machen mich hibbelig und kieksig, wenn ich nur an sie denke. Weil ich mich so über ihre Existenz freue, weil sie bei mir die richtigen Knöpfe drücken, kindliche Freude auslösen, Begeisterung auf einer ganz tiefen Ebene. Das sind dann Filme, die ich immer wieder ansehen kann und mag; Detention ist so ein Film, Die Muppets-Weihnachtsgeschichte, oder jetzt eben auch Nimona.

Warum? In diesem Fall vielleicht: Weil die Haupt- und Titelfigur ohne jedes Bedürfnis, das zu rechtfertigen, einfach nur sie selbst ist. In jeder Form, in jedem Moment, und das ist eine ganze Menge: “I’m a lot of things.” Weil Nimona frecht ist, rotzig und direkt im Ausdruck, ironisch, selbstbewusst und zugleich gebrochen, emotional keine einfache Nummer. A lot of things.

Weil der Film seine Geschichte so flott erzählt, voll mit graphischen und musikalischen Anspielungen, sein Tempo stets zielsicher anpassend; im Handumdrehen wechseln die Regisseure Nick Bruno und Troy Quane von hektischen Verfolgungsjagden zu ruhigem Verharren, sie erzählen visuell und nicht nur über Exposition, sie lassen ihre äußerst seltsame Welt, in der sich Fantasy und Science Fiction mischen, ganz natürlich erscheinen… reicht das als Gründe?

Ballister Boldheart ist gerade von der Königin zum Ritter geschlagen worden, da wird sein Schwert vor seinen Augen zu einer ganz anderen Waffe, mit der die Regentin niedergestreckt wird – und von einem Moment zum anderen ist der umstrittene Emporkömmling, der erste nicht-adelige Ritter seit Menschengedenken, die meistgesuchte Person des Königreichs.

Zu allem Überfluss verliert er auch noch seinen Arm, denn sein Geliebter, Ritter Ambrosius Goldenloin, trennt ihm denselbigen samt Schwert in einer Reflexhandlung von der Schulter ab. Und wer jetzt denkt: “Geliebter? Von wegen! Arm-chopping is not a love language!” – ist schon auf dem richtigen Pfad, was Ton und Irrwitz von Nimona angeht.

Ballister will einsam versuchen, die Welt und vor allem Ambrosius von seiner Unschuld zu überzeugen, aber da bietet sich ihm die forsche, etwas seltsame Nimona als Sidekick an – sie möchte so gerne einem richtigen Bösewicht zur Seite stehen, für die restliche Welt hat sie nicht so viel übrig.

Nimona und Ballister sind beide als Außenseiter markiert, Ballister wegen seiner Herkunft, Nimona mehr wegen – eigentlich allem. Nicht nur ist sie rotzfrech und an Autoritäten sehr desinteressiert, sie ist außerdem noch eine Gestaltwandlerin, und damit eigentlich genau das, wovor die Ritter das Königreich verteidigen sollen: Die Monster, die angeblich jenseits der Stadtmauern leben.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von ND Stevenson (Bestellen bei amazon.de, genialokal.de [Affiliatelink]), überträgt vieles aber entschlossen ins Filmische.

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Deshalb ist es vermutlich auch kein Zufall, dass Ambrosius Goldenloin (der Name allein schon! Goldene Lende!) in all seiner blond-weiß-stolzen Männlichkeit als Vertreter einer männlich dominierten, weißen Gesellschaft gelesen werden kann, der noch ein wenig länger braucht, um sich aus seinem eingeredeten Weltbild zu befreien.

Heteronormativ ist dies allerdings ganz und gar nicht, denn einer der feinen Züge von Nimona ist, dass die Homosexualität von Ambrosius und Ballister weder Thema des Films ist noch überhaupt je zum Thema gemacht wird. Außer natürlich, dass “Othering”, die Zuschreibung von Monströsem (jenseits der Mauer, um nicht zu sagen: in the closet), der Ausschluss bestimmter Wesen dann eben doch das Hauptthema ist, mit dem der Film sich auseinandersetzt.

Bis dahin mäht sich halt Nimona als Rhinoceros, nein Strauß, nein Wal(!), nein Pferd durch die Palastwachen, wenn es nötig ist, dabei erinnert sich nicht nur an die ebenfalls rothaarige Gestaltwandlerin Doric aus dem (übrigens recht fabulösen) Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben aus dem vergangenen Jahr, nein, es läuft auch noch im Hintergrund “Banana Splits” von The Dickies, zu dem in Kick-Ass (absolut nicht jugendfrei) seinerzeit Chloe Grave Moretz (die im englischen Original Nimona spricht) als Hit-Girl einen Bösewicht nach dem anderen abräumt – allerdings deutlich blutiger als hier.

Metal!

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Nimona. USA 2022. Regie: Nick Bruno und Troy Quane, 101 Min. Freigabe ab 6, empfohlen ab 11 Jahren. Streaming-Start (exklusiv auf Netflix): 30. Juni 2023.

(Für die Kinderfilmwelt habe ich auch noch ein paar Zeilen über Nimona aufgeschrieben.)

(Fotos: Netflix)

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