Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

Ah, Paris! Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen fängt mich mit drei einfachen Zaubersprüchen ein: dem Blick auf die französische Hauptstadt à la 1927 (mehr oder minder präzise gezeichnet, aber mir reichen ja schon ein paar Boulevards, der Eiffelturm und andere bekannte Bauwerke für sehnsüchtiges Seufzen), die von Magie erfüllte Welt JK Rowlings und schließlich Newt Scamander, der so angenehm nicht den klassischen Normen von Männlichkeit und Heroismus entsprechende Held. (Dazu gibt es hier einen schönen Videoessay in englischer Sprache.)

Aber Grindelwalds Verbrechen setzt nicht einfach fort, was im ersten Film (auf amazon bestellbar, aktuell auf Netflix) begann; es verschieben sich die Schwerpunkte, und nicht immer zum Besten. Wer derlei Sachen verfolgt, weiß, dass da noch einige Filme folgen sollen; und dieser zweite Film wirkt leider viel zu sehr wie ein Dazwischenfilm, in dem Handlungsstücke und Figuren in Position gebracht werden – und dabei geht eben leider der Fokus auf die Figuren, ihre Motive und Gefühle etwas verloren, der Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind so stark machte.

So wirkt der Film gelegentlich überladen und unkonzentriert, manche Actionsequenzen sind zu hektisch und unübersichtlich geraten – das beginnt schon ganz am Anfang bei Grindelwalds Flucht und wiederholt sich bei Auseinandersetzungen mit manchen der eigentlich so phantastischen Tierwesen, die man auf diese Weise kaum richtig zu Gesicht bekommt. Das zeigt sich weiterhin darin, dass manche Schnitte und Überleitungen nicht richtig funktionieren, und auch die Tempiwechsel von Action zu Gespräch und zurück holpern gelegentlich recht arg. Man sieht nicht nur die vier Hauptfiguren aus dem ersten Film zu wenig in Interaktion (was schade ist, weil es Voraussetzung dafür wäre, dass die letzten, sehr dramatischen Szenen ihre Wucht wirklich entfalten könnten), auch die neuen, interessanten Figuren (wie Zoë Kravitz’ Leta Lestrange) lernt man nicht wirklich gut kennen.

Düster und bedrohlich geht es trotzdem zu – das ist kein Film für kleine Kinder. Johnny Depps Grindelwald (es wäre ein eigener, längerer Text, wollte man darüber sprechen, ob es klug war, ihn für diese Rolle zu wählen) ist ein skrupelloser Einflüsterer, der Frieden und Liebe predigt, aber Ausgrenzung und Vernichtung meint – eine Figur, deren Politik nicht nur in die Zeitgeschichte der Handlung verweist (sein Rückzugsschloss liegt, das ist fast schon too much, in den österreichischen Alpen), sondern zugleich sehr modern auf die Gegenwart verweist, auf (ja doch, ganz bestimmte) Einflüsterer und Rassisten. Das ist nicht besonders subtil, aber JK Rowling hält mit ihren politischen Überzeugungen ja auch nicht hinter dem Berg.

Ich kann das trotz aller Schwächen genießen, weil ich mich gerne in diese Welt hineinziehen lasse; man wünscht sich aber für den nächsten Film mehr Newt Scamander, mehr Porpentina Goldstein, mehr Phantastik und etwas weniger Hektik. Mehr Zauber und etwas weniger Intrige.

PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN – Final Trailer Deutsch HD German (2018)

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald). USA/Großbritannien 2018. Regie: David Yates, 135 Minuten. FSK 12, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 15. November 2018.

Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Wildhexe (2018)

Clara möchte gern so sein wie alle anderen und auf jeden Fall nicht auffallen – das ist für eine 12-Jährige nicht ungewöhnlich, aber das Leben hat anderes mit ihr vor. Denn nachdem sie von einer Katze angegriffen wurde, von einer geheimnisvollen Gestalt in Nebel angesprochen wurde und schließlich der Chinchilla ihrer Klassenkameradin sie sehr eindeutig bittet, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien, muss ihre Mutter ihr gestehen, dass sie aus einer Familie von Wildhexen stammt. Wildhexen können mit Tieren sprechen und haben die Aufgabe, die Wilde Welt zu bewahren – und das gilt besonders für sie.

Kaspar Munks Kinderfilm nimmt sich neben den wesentlichen Elementen aus Lene Kaaberbøls Bestseller Wildhexe – Feuerprobe (dem 2010 erschienenen, ersten Band der aktuell sechs Romane) auch einige Freiheiten mit dem Quellmaterial. So erzählt Wildhexe zwar von den ersten Berührungen Claras mit der Hexenwelt, wird aber doch zu einer abgeschlossenen Geschichte – Fortsetzung optional. Aber natürlich legt der Film diese Möglichkeit schon an, es gibt ja noch viel zu lernen. Damit reiht sich Wildhexe, und das ist das größte Problem des Films, nahtlos in die Reihe der Harry Potter-Epigonen ein, die seit mittlerweile 20 Jahren in Literatur und Film immer wieder auftauchen (Eltern werden zum Beispiel auch die Buchreihe Die Schule der magischen Tiere kennen).

Ob Wildhexe aber auch für sich stehen kann, steht in meiner vollständigen Kritik drüben bei kino-zeit.de.

WILDHEXE l deutscher Trailer

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(Foto: MFA+)

Schlingel 2017: Niki und die Feuerblume (2016)

Nikis Vater Kyrill hatte einst – wenn man ihm zuhört, eher versehentlich und sicher nicht besonders gerne – einen mächtigen Drachen erschlagen, der sein Land unsicher machte. Die Drachenhaut hängt heute noch im Schuppen, über den Drachen redet aber eigentlich niemand mehr, außer vielleicht Niki, der mit der aufgespannten Haut schon mal tagträumend kleine Gefechte absolviert. Doch dann taucht ein Komet am Himmel auf – Kyrill wird zum Zauberer gerufen, denn das verheißt nichts Gutes. Niki ist seinem Vater nachgeschlichen, und durch ein paar Ungeschicklichkeiten transportiert er sich mit der Fledermaus Eddie – seinerseits Gehilfe und Lehrling des Zauberers – in eine magische Parallelwelt, in der der Geist des Drachens nur darauf wartet, wieder aus seiner Körperlosigkeit erlöst zu werden. Gemeinsam mit dem Waisenkind Rocky und dessen Eichhörnchen geraten die beiden so immer tiefer in ein gefährliches Abenteuer mit Rennschnecken, riesigen Pilzgewächsen und mehr.

schlingel_logo_schraeg_219 Anfangs lässt sich dieser ukrainische Animationsfilm von Manuk Depoyan noch recht gut an; die Vorgeschichte (die wohl auf ein altes Volksmärchen zurückgeht) wird in einer Papier-Animation erzählt, deren runde Formen an die Filme von Tomm Moore erinnern (Brendan und das Geheimnis von Kells sowie Die Melodie des Meeres), aber diese Bilderwelt wird dann schnell gegen ungelenke Computeranimationen eingetauscht, wie man sie viel zu oft zu sehen bekommt. Da stimmen Bewegungsabläufe nicht, Gestik und Mimik wirken plastikhaft-unheimlich. Die Qualität der Grafik erinnert insgesamt an schlechte 3D-Achterbahn-Simulationen, und wenn viel in Bewegung gerät, sind es oft actionlastige Situationen, die wirkliche Handlung nur simulieren sollen.

Überhaupt, die Handlung: Was Depoyan hier zusammenschraubt, wirkt haarsträubend unorganisiert und bis in seine letzten Fetzen chaotisch. Hier noch ein Strang, dort noch ein Thema, zusammengekramst aus allen möglichen Versatzstücken, die man schon tausendmal gesehen hat – von allem wird Bedeutung und Tiefe aber immer nur behauptet, nie erzählt oder gezeigt. Zwar hängt natürlich der große Erzählstrang um den Drachen schon nachvollziehbar zusammen und zieht sich erfolgreich vom Prolog bis zum Finale hin – aber er ist eben so stringent, dass man ihn auch aus der Entfernung von 75 Minuten schon kommen sieht. Und das meine ich wörtlich: Nur wer überhaupt nicht aufpasst, weiß nicht schon nach wenigen Minuten, an welcher Naht sich der Kampf am Schluss entscheiden wird.

Auch die anderen großen zwei „Überraschungen“ des Films – dass Rocky ein Mädchen und wer ihre Mutter ist – sind schon Meilen gegen den Wind zu riechen. Schlimmer noch, sobald Rocky als Mädchen „geoutet“ ist, spricht sie (zumindest in der englischen Synchronisation) auf einmal zarter, ihre Gestik und ihre Bewegungen werden weniger entschlossen, zaudernder, schamvoller. Und spätestens da hatte mich der Film dann endgültig verloren.

Das stört dann aber auch nicht mehr, denn auch mit den Figuren fiebert man nicht wirklich mit; sie sind letztlich alle nur Abziehbilder ihrer Funktion in der Handlung, ohne eigene Tiefe, ohne Leben und echte Charakterzüge. Mit anderen Worten: so platikartig-starr wie ihre Oberflächen. Schade drum.

Niki und die Feuerblume – Trailer

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Niki und die Feuerblume / The Dragon Spell (Nikita Koshemjaka), Ukraine 2016. Regie: Manuk Depoyan, 85 Minuten. Empfohlen ab 7 Jahren. (Auf dem Schlingel-Filmfestival.)

Zum 8. März: Kinderfilme mit starken Mädchen

merida-bogenschiessen

Obwohl ich es natürlich besser weiß, war ich kürzlich wieder einmal überrascht, wie wenige Kinderfilme – auch der wirklich guten Filme – starke weibliche Figuren in ihr Zentrum stellen. “Stark” nicht unbedingt im Sinne von physischer oder psychischer Stärke, sondern allein daher, dass sie starke, wichtige Figuren in ihrer eigenen Geschichte sind – fehlerhaft, menschlich, mutig, zaudernd, all das.

Aufgefallen ist mir das erst wieder neulich, als ich nach eben solchen Filmen gefragt wurde und mir spontan nur wenige einfielen; der heutige Internationale Frauentag ist mir aber ein hinreichend guter Anlass dafür, einmal eine subjektive, unvollständige und sicher fehlerbehaftete Liste solcher Filme zusammenzustellen.

Ich habe nur Filme ausgewählt, die ich auch als wirklich gute Filme weiterempfehlen würde; sie sind grob in Alterstauglichkeiten zusammengefasst, die man aber nicht zu ernst nehmen sollte. Die schwierige Frage, welche Filme für welches Kindsalter passen, habe ich hier schon einmal zu beantworten versucht. Jeder Film hat eine kurze Anmerkung dabei; falls es hier im Blog eine ausführlichere Kritik gibt, habe ich sie im Filmtitel verlinkt. Ein Klick auf die werblichen amazon-Links spült ein wenig Geld in meine Kasse. ;-)

Und wenn Ihr noch Ergänzungen habt, bitte immer her damit in die Kommentare – ich freue mich über Eure Hinweise!

Ab 4 Jahren

  • Lotte und das Geheimnis der Mondsteine (amazon)
    Lotte weiß genau, dass sie diesem Geheimnis auf die Spur kommen will: mehr neugierig als abenteuerlustig.
  • Luzie der Schrecken der Straße (TV-Serie; amazon)
    Eigentlich ist es eine Mutprobe, weil Luzie in die Bande aufgenommen werden will; aber die geklaute Knetmasse entwickelt doch ein starkes Eigenleben… (Ein Klassiker.)
  • Pippi Langstrumpf (amazon)
    Die muss ich nicht näher vorstellen, oder?
  • Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (amazon)
    Der wahrscheinlich für kleine Kinder am besten geeignete Film von Hayao Miyazaki, dessen Filme allerdings fast alle mit wunderbaren, komplexen Mädchen- und Frauenfiguren aufwarten können.

Ab 6 Jahren

  • Die geheimnisvolle Minusch (amazon)
    Aus der Katze wird eine kätzische junge Dame, die zunächst etwas unterwürfig und zurückhaltend wirft, aber so ist es nicht, das Wesen der Katzen. Eine bezaubernde, phantastische Abenteuergeschichte aus den Niederlanden.
  • Lola auf der Erbse (amazon)
    Eine kindgerechte Geschichte über Illegalität und Flüchtlinge, mit nur minimal erhobenem Zeigefinger.

Ab 8 Jahren

  • Alles steht Kopf (amazon)
    Wie es zugeht im Kopf eines elfjährigen Mädchens, wunderbar von den Pixar-Studios zu visuellem Leben erweckt.
  • Ronja Räubertochter (amazon)
    Die Figur von Astrid Lindgren ist vielleicht das archetypische wilde, freie Mädchen der Kinderliteratur, und die Verfilmung wird dem mehr als gerecht.

Ab 10 Jahren

  • Chihiros Reise ins Zauberland (amazon)
    Miyazaki at his best; eine magische Reise durch eine Welt voll fremdartiger Kreaturen, in der niemand so ist, wie er oder vor allem sie zunächst erscheint.
  • Clara und das Geheimnis der Bären (amazon)
    Ein Abenteuer zwischen verschiedenen Zeiten.
  • Kletter-Ida (amazon)
    Ein Kinder-Heistmovie, extrem großartig, sehr spannend, und mit einer tollen Hauptdarstellerin.
  • Merida – Legende der Highlands (amazon)
    Merida, schottische Prinzessin, will jedenfalls nicht an irgend jemanden verheiratet werden, sondern will ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das geht allerdings zeitweise sehr, sehr schief.

Ab 12 Jahren

  • Coraline (amazon)
    Ein wunderbarer Stop-Motion-Anmiationsfilm nach einem Buch von Neil Gaiman. Sehr gruselig, sehr beeindruckend, nichts für zarte Gemüter.
  • Die Reise ins Labyrinth (amazon)
    Toller Jim-Hensen-Fantasyfilm mit einem grandios ambivalenten David Bowie als König der Goblins und Jennifer Connelly in der Hauptrolle.
  • Maleficent – Die dunkle Fee (amazon)
    Eine Umerzählung von Dornröschen aus Sicht der bösen Fee, der Angelina Jolie beeindruckende Präsenz verleiht. Liebevoll-ambivalent.
  • Prinzessin Mononoke (amazon)
    Ebenfalls ein Miyazaki-Film aus dem Studio Ghibli, aber diesmal eine Legende, in der es schon auch mal recht blutig zugeht.

So, welche habe ich vergessen?

(Foto: Disney)