Die geheimnisvolle Minusch (2001)

Eine spannende Kriminalgeschichte so zu erzählen, dass sie Kindern keine Angst macht, aber trotzdem noch spannend bleibt, ist gar nicht so einfach. Astrid Lindgren hat das zum Beispiel mit Kalle Blomquist vorgeführt, immer dicht an der kindlichen Perspektive und mit Straftaten wie Übeltätern, die nie zu bedrohlich werden.

Die geheimnisvolle Minusch geht einen etwas anderen Weg: Die Geschichte strahlt vor kleinen magischen Momenten und dampft zugleich die Welt ein auf die Größe eines sympathischen kleinen Städtchens in den Niederlanden. In Killendoorn kennt man sich, es ist eigentlich alles ganz unaufgeregt – aber hinter der Fassade brodelt es natürlich dennoch. Der Nachwuchsjournalist Tibbe freilich ist eigentlich viel zu schüchtern, um jemals hinter solche Dinge zu kommen. Schreiben kann er zwar, aber traut sich kaum, Fragen zu stellen – oder lässt sich von kaltschnäuzigeren Kollegen zur Seite drängen. Dann taucht auf einmal Minusch auf, eine junge Dame, die gerne Fisch ist, sich vorzugsweise über Hausdächer bewegt und nach jedem Zusammentreffen mit Hunden meist ein wenig verzweifelt auf einem Baum sitzt. Im Tausch gegen Kost und Logis in seiner kleinen Wohnung berichtet sie ihm die neuesten Geheimnisse der Stadt. Denn Minusch (Carice van Houten) ist eigentlich eine Katze, die durch einen Unfall menschliche Gestalt angenommen hat – und von ihren Mitkatzen erfährt sie dann auch ein durchaus bedrohliches Geheimnis…

Ich habe Die geheimnisvolle Minusch hier bereits vor einem Jahr einmal sehr gepriesen. Nun ist der Film endlich auf DVD erschienen (dringende Kaufempfehlung!), und zu diesem Anlass habe ich ihn noch einmal ausführlich auf filmstarts.de vorgestellt.

Die geheimnisvolle Minusch (Trailer, deutsch)

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Die geheimnisvolle Minusch (Minoes), Niederlande 2001, Regie: Vincent Bal, 86 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Erhältlich auf DVD und Blu-ray.

(Fotos: Lighthouse Entertainment)

Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest (2014)

Ich muss gleich zu Beginn gestehen: Bisher sind die Tinkerbell-Abenteuer an mir vorübergegangen, weil ich aus der Ferne immer den Eindruck hatte, sie bewegten sich qualitativ und inhaltlich auf einem ähnlichen Niveau wie die grauenhaften Filme, mit denen sich Disney unter dem „Barbie“-Label an eine ähnliche Zielgruppe richtet. Und natürlich gibt es da auch ein paar auffällige Gemeinsamkeiten: So erinnert die Körperform der Disney-Elfen stark an die ikonischen Mattel-Puppen mit ihren unnatürlich schmalen Taillen. Aber wo die Protagonistinnen in den Barbie-Filmen Konflikte auf dem Niveau schlechter amerikanischer Highschool-Streifen verhandeln, sind die Tinkerbell-Elfen ungleich erwachsener.

Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt, stehen in den Tinkerbell-Filmen auch andere Feen im Zentrum. Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest (gerade auf DVD und Blu-ray erschienen) handelt vor allem von der Tierfee Emily, deren Aufgabe es ist, sich um das Wohl von Tieren zu kümmern und auch neue Arten zu erforschen. Ihr Interesse selbst an möglicherweise gefährlichen Kreaturen sorgt dabei geradezu zwangsläufig für Konflikte mit der Wächterin Nyx, die für die Sicherheit im Tal der Elfen verantwortlich ist. Als Emily in einer Höhle das geheimnisvolle Nimmerbiest findet, von dem auch eine alte Prophezeiung vage handelt, stellt sich deshalb sofort die Frage: Ist das Nimmerbiest ein freundliches Wesen – oder droht hier womöglich das Ende aller Elfen?

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest findet Ihr auf filmstarts.de.

(Fotos: Disney)

Gespensterjäger – Auf eisiger Spur (2015)

Von Gespensterjäger hätte man sich durchaus einiges versprechen können. Allein schon wegen der Vorlage: Auch wenn Cornelia Funkes Erzählungen jetzt nicht unbedingt hohe Kinderliteratur sind, lesen sie sich amüsant und spannend weg – und mit ihren Einteilungen von Gespenstern in Kategorien und dem leicht kriminalistischen Einschlag sprechen sie den Nerd im Kinde ziemlich erfolgreich an.

Eine Verfilmung war also nur eine Frage der Zeit. Worum es geht, ist grundsätzlich rasch zusammengefasst und basiert auf dem ersten Band, Die Gespensterjäger auf eisiger Spur: Die altgediente Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft wird vom kleinen Tom Tomsky aus ihrer Reserve gelockt. Dem eigentlich sehr ängstlichen Jungen ist nämlich im heimischen Keller ein MUG (Mittelmäßig Unheimliches Gespenst) namens Hugo über den Weg gelaufen. Eigentlich wollte Tom Hugo loswerden, aber dann stellt sich raus, dass dieser von einem wirklich bedrohlichen Geisterwesen, einem UEG (Unglaublich Ekelhaftes Gespenst) aus seinem eigenen Spukhaus vertrieben wurde – und wenn das nicht gestoppt wird, dann wird es finster!

Die Filmproduktion hat mit Anke Engelke eine vielschichtige Protagonistin, die ihrer Hedwig Kümmelsaft einige Tiefe verleiht – und Milo Parker als Tom macht seine Sache nicht minder gut. (Christian Ulmen, Bastian Pastewka als Hugos Stimme, Karoline Herfurth und Christian Tramitz vervollständigen das deutsche Comedy-Allstar-Ensemble.) Leider nutzt der Film das Potential seiner Darsteller_innen praktisch überhaupt nicht. Das Drehbuch rotzt die Handlung eher als Schleimspur denn als konsistente Erzählung hin, und irgendwann geht es dann mehr um Action, Klamauk und Effekte als um irgendwas anderes.

Das ist spätestens dann ein Problem, als „Freundschaft“ am Schluss das entscheidende Mittel gegen das böse, kalte Gespenst ist, das dann Schluff-Peng einfach weggeschossen werden kann. Diese Beziehung nimmt man den Figuren leider niemals ab.

Stattdessen bedient sich der Film reichlich bei den großen Vorbildern, bei Ghostbusters natürlich, aber auch bei Men in Black; in einer Szene sieht man sogar den Geist von Elvis kurz durchs Bild laufen. Ein hübscher kleiner Scherz ist das; es ist leider einer der wenigen, die zünden. Und zugleich macht er deutlich, wie sehr der ganze Film, in Abweichung von der Vorlage, sich schon an den internationalen Markt ranwamst: gedreht in London, mit vielen englischen Abkürzungen. (Dass die zentrale Organisation zur Gespenster-Bekämpfung hier „CGI“ heißt – das im Filmbereich meist für „Computer-Generated Imagery“ steht – ist natürlich ein netter In-Joke. Und in der Tat sind die CGI-Effekte durchaus sehenswert.)

Das muss nichts Schlechtes sein, aber die Schwächen des Films beginnen fast immer dann, wenn er sich zu weit von der erfolgreichen Vorlage entfernt. Das kann ein Erfolgsrezept sein, in diesem Fall ist es leider eine eher bemühte und fade Angelegenheit.

Gespensterjäger – Der Film | Offizieller Trailer | Ab 02. April im Kino

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Gespensterjäger – Auf eisiger Spur, Deutschland 2015. Regie: Tobi Baumann, 99 Min., FSK 6. Kinostart: 2. April 2015, erschienen auf DVD.

(Fotos: Warner)

Michel-Kinderfilmfest: Die Krone von Arkus (2015)

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Der deutsche Märchenfilm der Gegenwart hat ja üblicherweise vor allem das Problem einer allzu großen Betulichkeit. Da werden brav klassische Texte abgefilmt und ästhetisch in ein übermäßig sauberes, weitgehend keimfreies Mittelalter versetzt, das in dieser Form selbst auf Re-Enactment-Veranstaltungen kaum als realistisch durchginge. Aber man bedient natürlich damit auch ein spezielles Publikum, nämlich meist sehr junge Fernsehzuschauer am Sonntagmorgen, irgendwann rund um die Sendung mit der Maus – und ein Gutteil der Bravheit ist sicher auch dem Umstand zu verdanken, dass die Fernsehanstalten die Projekte mit Geld und Meinungen begleiten.

michel-logo Eine solche Finanzierungskonstruktion hat der Erstlingsfilm von Franziska Pohlmann wahrlich nicht. Die Krone von Arkus entstand als Liebhaberprojekt aus ihrem eigenen gleichnamigen Theaterstück, das Geld wurde vor allem mithilfe von Gönnern und Fans zusammengekratzt und schließlich wurde der Film mit einem Minimalbudget irgendwie zu Ende gebracht, aus dem – so berichtete sie ausführlich auf dem Filmfest Hamburg – offenbar viel zu viele Beteiligte nicht wirklich viel Geld haben konnten und wollten. Billiger als im Anspruch vergleichbare Produktionen sieht der Film deshalb allerdings nicht aus.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Die Krone von Arkus ist auf kino-zeit.de erschienen.

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(Foto: Filmfest Hamburg/pohlmann creatives)

Eine Frage der Geschwindigkeit

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Manchmal sind es ja so kleine Bemerkungen, die mich nicht mehr richtig loslassen. In meiner Besprechung des neuen Films Rettet Raffi! von Arend Agthe hatte ich auf ein Interview verwiesen, das der Autor und Regisseur anlässlich der Premiere der Süddeutschen Zeitung gegeben hatte. Agthe erklärt darin, warum er vor zwei Jahren eine um zwanzig Minuten gekürzte Fassung seines Klassikers Flussfahrt mit Huhn herausgebracht hat: “Der Film war ursprünglich viel elegischer. Wir haben mehr Tempo hineingebracht. Denn die Kinder heute haben eine andere Wahrnehmung als früher, sie sind schnellere Schnitte gewöhnt.”

Ich bin immer skeptisch, wenn irgendetwas generell anders sein soll als früher – aber in gewisser Hinsicht hat Agthe selbstverständlich Recht: Schon Kinder sind durch die Erzählweise des zeitgenössischen Kinos und vor allem Fernsehens Handlungssprünge gewohnt, die sie (aber auch Erwachsene) früher womöglich nicht verstanden hätten, und der Regisseur hat natürlich auch Recht, wenn er konstatiert: “da muss ich gar nicht erzählen, was zwischendurch passiert ist”.

Weiterlesen: Warum ich selbst nicht völlig frei von konservativ-kulturkritischen Impulsen bin und trotzdem nicht glaube, dass heute alle Filme schnell geschnitten sein müssen, habe ich in meiner neuen Kinderfilm-Kolumne “Sitzplatzerhöhung” auf kino-zeit.de aufgeschrieben.

(Foto: MFA+)

Michel-Kinderfilmfest: Kleine Gangster (2015)

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Es ist manchmal schön, alte Bekannte wiederzutreffen. Arne Toonen hatte vor einigen Jahren die kleine Kinderkomödie Trommelbauch inszeniert, die mir sehr gefallen hatte, und so habe ich seinem Kleine Gangster auf dem Filmfest Hamburg doch mit einigen Erwartungen entgegengesehen.

michel-logo Und die wurden nicht enttäuscht: Sein neuer Film ist wieder eine recht leichtfüßige, stellenweise alberne Komödie, in einer etwas realistischeren Welt angesiedelt als der doch sehr stilisierte Trommelbauch und mit viel Verwirrung: eine kleine Geschichte darüber, wie eine Lüge sich verselbständigt und – als Erziehungsmaßstab womöglich nicht ganz einwandfrei – dann wirklich alles zum Besseren wendet.

Rik Boskamp fühlt sich als Loser der Stadt. Sein alleinerziehender Vater ist ein Schussel und Schwächling, der sich von seinen Kollegen mit albernen Streichen – „Tritt mich“-Zettel auf dem Rücken, zusammengebundene Schnürsenkel – schikanieren lässt und selbst den Angriffen der Kinder aus der Nachbarschaft nichts entgegenzusetzen hat. Und Rik selbst geht es in der Schule nicht besser. Er wünscht sich eigentlich endlich, endlich einen starken, lässigen, coolen Vater – dann wird das Leben bestimmt besser sein!

Als sein Vater etwas widerwillig eine Beförderung bekommt – inklusive Umzug und neuem Haus an neuem Ort – beschließt Rik, sein Schicksal umzukrempeln. Inspiriert durch „Son of Don“, einen Mafiafilm, den sein Vater als Student sehr mochte, stilisiert er sich mit Lederjacke und Sonnenbrille an der neuen Schule zu Rikkie Boskampi, Sohn eines Mafiabosses. Das klappt zunächst blendend, aber natürlich tauchen bald ernsthafte Probleme auf.

Eine erste Unwahrheit flutscht, die zweite Notlüge kommt hinterher: Kleine Gangster zeichnet den Weg einer solchen Entwicklung sehr schön und sehr lustig nach; der unehrenhaft entlassene Polizist als Nachbar droht dann alles auffliegen zu lassen… Aber unterschwellig geht es Toonen dann doch eher darum, sich mit Bullying und Machtausübung zu beschäftigen, die hier in vielen unterschiedlichen Formen verhandelt, verkehrt und dargestellt wird. Das ist nicht besonders tiefschürfend, aber durchaus erhellend und vor allem sehr, sehr lustig.

De Boskampi's trailer

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Kleine Gangster (De Boskampi’s), Niederlande 2015. Regie: Arne Toonen, 105 Min. FSK o.A., empfohlen ab 9 Jahren. (Jetzt auf Netflix.)

(Fotos: Michel-Kinderfilmfest)