Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess (2019)

„Bist du bereit für ein paar neue Erinnerungen?“ Es dauert eine ganze Weile, bis Sam diese Frage stellt, und bis dahin ist sehr viel passiert in der einen Woche seines Lebens, die er hier auf der Ferieninsel mit seinen Eltern und seinem großen Bruder verbringt. Und mit Tess, oder auch nicht, denn eigentlich will er sich ja im Alleinsein trainieren, jeden Tag ein wenig mehr und länger. Denn schließlich, das glaubt er verstanden zu haben, ist er der Jüngste in seiner Familie und wird also als letzter sterben, wenn kein anderer mehr da ist. Zeit also, sich jetzt schon darin zu üben – und wo wäre das besser möglich als hier, in den weiten Dünen direkt vor dem schmatzenden Watt?

Aus den Niederlanden kommen eh schon immer wieder ganz herausragende Kinderfilme, und Steven Wouterloods Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess schreibt sich sehr leichtfüßig in diese inoffizielle Tradition ein; und es lässt sich zumindest erahnen, warum das so ist. Der Film hält sich nämlich gar nicht damit auf, in den klaren Zuständen und Unterschieden des Lebens und Zusammenlebens ein Problem zu sehen. Sam ist mit Vater und Mutter unterwegs, die Mutter hat immer wieder Migräne, der Bruder nimmt den jüngeren nicht wirklich ernst; Tess‘ Mutter hingegen ist alleinerziehend, aber das ist zunächst einmal einfach ein Dasein wie andere auch.

Meine Festivalkritik zu diesem Berlinale-Film ist frisch auf kino-zeit.de erschienen. Alle weiteren Infos zum Film gibt es auf der Website des Festivals.

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess (Mijn bijzonder rare week met Tess). Niederlande/Deutschland 2019. Regie: Steven Wouterlood, 82 Minuten. Empfohlen ab 9 Jahren. Aktuell auf der Berlinale.

(Foto: Farbfilm Verleih)

Kurzfilm zum Wochenende: Die Vogelhochzeit (2017)

Heute mal ein buntes Bilderabenteuer zu fröhlichem Frühlingsgesang – aber auch dieser ist etwas ungewohnt und immer wieder anders. Jana Geisler hat das für ZDF tivi zusammengestellt und war damit im vergangenen Jahr auch auf dem mo&friese zu sehen.

Schönes Wochenende!

Die Winzlinge – Abenteuer in der Karibik (2019)

Schon alles gesehen im Kino? Womöglich fehlt dieser Anblick dann doch noch: Wie ein von Luftballons getragenes Modellschiff durch die Wolken eines Sturms über dem Atlantik fliegt, gesteuert von einer Spinne und einer Ameise, die sich während des Fluges stumm darüber streiten, ob der Flug durch Opernarien untermalt werden solle; dafür hat die Spinne schließlich extra ihren iPod mitgebracht, vor dem sie wie in Meditation sich niederzulassen pflegt.

Welch wunderbar bizarren Momente entstehen können, wenn man Insekten nicht nur genau zuschaut, sondern sie ein ganzes Stück vermenschlicht, das haben Hélène Giraud und Thomas Szabo mit ihren Minifilmen unter dem Titel Minuscule (hier Beispiele auf YouTube) schon seit Jahren unter Beweis gestellt – spontane Wettrennen zwischen Fliege und Käfer, die atemberaubende Spannung beim Kampf um eine kleine Beere, die auf dem Wasser eines Swimming-Pools treibt…

Die so entstandenen Figuren und Ideen wurden dann 2013 in einem Langfilm neu zusammengetragen: In Die Winzlinge – Operation Zuckerdose kämpfen (gute) schwarze Ameisen gegen (böse, räuberische) rote Ameisen, die ihnen die mühsam aus einer menschlichen Behausung entführte Zuckerdose samt Inhalt wieder entwenden wollen. Entscheidend ist bei dieser nachgerade militärisch anmutenden Auseinandersetzung schließlich ein kleiner Marienkäfer, der sich auf die Seite der schwarzen Ameisen schlägt.

Wie mir die Fortsetzung dieses Films gefallen hat, habe ich ausführlich auf kino-zeit.de beschrieben.

Die Winzlinge – Abenteuer in der Karibik | Trailer | Ab 21.02. im Kino

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Die Winzlinge – Abenteuer in der Karibik (Minuscule – Les mandibules du bout du monde). Frankreich 2019. Regie: Hélène Giraud und Thomas Szabo, 91 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 21. Februar 2019.

(Foto: Weltkino)

Kurzfilm zum Wochenende: Ein kleiner Schritt (2018)

Nein, meine Augen schwitzen nur… heute halt besonders stark. One Small Step von Andrew Chesworth und Bobby Pontillas erzählt die eigentlich sehr einfache Geschichte eines jungen Mädchens, das davon träumt, irgendwann ins All zu fliegen – und den Traum später wieder aufnimmt, als das Leben sie besonders durchgeschüttelt hat.

Der Film ist praktisch ohne Worte erzählt, drückt aber dennoch sehr erfolgreich auf jede Tränendrüse in Reichweite – vom 2017 gegründeten Taiko Studios wird man sicher bald noch mehr hören (via).

Schönes Wochenende!

Checker-Tobi und das Geheimnis unseres Planeten (2019)

Was ist eigentlich das Geheimnis unseres Planeten? Tobi, sehr jungen Menschen besser als Checker-Tobi bekannt, sammelt eine frei im Meer herumschwimmende Flaschenpost ein und sieht sich mit einem Pergament konfrontiert, das seine Gedanken lesen kann – und ihn zur Lösung dieses Rätsels auffordert.

Um herauszufinden, was dahintersteckt, muss Tobi (Tobias Krell) durch die Welt reisen: an den Rand eines Vulkans auf der Südseeinsel Vanuatu, unter die Meeresoberfläche vor der Küste Tasmaniens, zu einer Forschungsstation in der Arktis und schließlich nach Mumbai, eine der größten Städte Indiens. Für Checker-Tobi und sein Publikum sind allerdings Besuche
in fremden, auch fernen Ländern keine völlige Neuigkeit. In dem wöchentlich auf ARD und KIKA ausgestrahlten Format – seit Mitte 2013 gab es schon über 100 Folgen – spricht Krell primär Grundschüler_innen an und wendet sich immer einem ganz konkreten Thema oder einigen wenigen Fragestellungen zu.

Jetzt gibt es Checker-Tobi in Spielfilmlänge – und ob das Format trägt, was man so lernt, und was Eltern sicherheitshalber vor dem Kinobesuch nachlesen sollten, verrate ich meiner ausführlichen Kritik auf kino-zeit.de.

Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten | Offizieller Trailer | Kinofilm

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Checker-Tobi und das Geheimnis unseres Planeten. Deutschland 2019. Regie: Martin Tischner, 106 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 31. Januar 2019.

(Foto: MFA+)

Kurzfilm zum Wochenende: Musik für ein Apartement und sechs Trommler (2013)

Dieser Kurzfilm lagert schon eine Weile in meinen Entwürfen, Herr Buddenbohm hatte ihn vor fast einem Jahr ausgegraben, der Film selbst ist schon sechs Jahre alt, aber jetzt passt er ganz gut in die eher musikalisch ausgerichteten Shorts, die ich in den letzten Wochen hier vorgestellt hatte. Wer die “Six Drummers” aus Sound of Noise kennt, ahnt vielleicht, was jetzt kommen könnte. Auf jeden Fall ein für’s familiäre Geschirr und sämtliche Einrichtungsgegenstände gefährliche Lektion darin, wie großartig man eigentlich alles, alles für’s Musikmachen verwenden kann. Eine kurze Variation zu diesem Thema, kürzer, mit weniger Hilfsmitteln und größeren Konsequenzen, ist hier zu sehen.

Ansonsten: Frohes Tanzen!

Schönes Wochenende!