Der Kinderfilm als neuer alter Heimatfilm?

“Karibik is‘ für Loser.” In der Welt von Conni & Co. 2 – Das Geheimnis des T-Rex sind die schönsten Sommerferien die, die auf der Kanincheninsel verbracht werden können, direkt vor den Toren von Neustadt, das auf den Luftaufnahmen allenfalls Kleinststadt ist und sicher nicht neu – alles schöne alte Häuser, feine Gassen und freundliche Menschen. […] Der Kitsch des friedlichen Neustadts und seiner glücklichen Bewohner ist nur einer der Gründe, warum der von Til Schweiger inszenierte Kinderfilm so grundlegend missraten ist. Zugleich aber ruft Conni & Co. 2 eine Konstellation auf, die der deutsche Kinderfilm sehr genau kennt: Das bedrohte Idyll. Genauer noch: Das Idyll von schönen, scheinbar unberührten Landschaften, das durch böse Geschäftemacher bedroht wird. […]

Viele der neuen Kinderfilme, auch deutlich über den Pferdefilm hinaus, wirken aber so, als wollten sie es sich in ihren Postkartenidyll-Landschaften so gemütlich einrichten wie einst der Kintopp zu Adenauers Zeiten mit Schwarzwaldmädel und Grün ist die Heide. Dass dabei die Schwerpunkte etwas verschoben werden, dem 21. Jahrhundert angepasst, muss nicht verwundern.

Vielleicht übertreibe ich ja, aber ich sehe in vielen Kinderfilmen des deutschen Kinos, von Ostwind bis natürlich Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers, von Conni & Co. bis Hanni & Nanni Elemente eines neuen, im Geiste sehr alten Heimatfilms aufleuchten. Genauer habe ich das für kino-zeit.de zu beschreiben und zu kritisieren versucht.

Was denkt Ihr dazu? Eure Meinung würde mich sehr interessieren!

(Foto: Concorde)

Der schwarze Hengst (1979)

Am 12. April erscheint eine Neuausgabe von Carroll Ballards Der schwarze Hengst (The Black Stallion, 1979) zusammen mit seiner Fortsetzung, Der schwarze Hengst kehrt zurück, bei Capelight als DVD- bzw. Blu-ray-Softbox im Schuber. Anlässlich dieser Neuveröffentlichung habe ich mir ausführlichere Gedanken zu Ballards Film gemacht.

Eigentlich, hat der Kritiker Carson Lund vor einigen Jahren über Der schwarze Hengst (The Black Stallion, 1979) geschrieben, könnte der Film von Carroll Ballard genauso gut ein Stummfilm sein. Das bedeutet keineswegs, dass der Ton in diesem Film keine Rolle spiele – aber es betont eben doch die spürbarsten, deutlichsten Stärken: Die großartigen Aufnahmen von Mensch und Tier, die Naturbilder von Sardinien, die Unterwassersequenzen – und schließlich, in den letzten 15 Minuten des Films, die meisterhaft rhythmischen Filmsequenzen, ständig alternierend, die Perspektive wechselnd und so die Spannung nur antreibend, im großen Rennen zwischen dem Protagonisten und seinem Pferd und den zwei schnellsten Pferden Amerikas.

Doch der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 1946, das Dampfschiff „Drake“ schippert an der Küste Nordafrikas entlang. Der junge Alec Ramsey (Kelly Reno) ist mit seinem Vater (Hoyt Axton) unterwegs, der sich die Tage auf dem Schiff anscheinend mit Kartenspielen vertreibt. Alec schaut sich derweil auf der „Drake“ um und sieht, wie ein wildes, schwarzes Pferd mehr schlecht als recht in einer Kabine untergebracht wird; später legt er dem immer noch unruhigen Tier einige Zuckerwürfel ins offene Fenster, bis dessen Besitzer ihn verjagt und vor dem Pferd warnt: „Shaitan“, „Teufel“, flüstert er ihm zu.

Alecs Vater hatte Glück im Spiel und überlässt seinem Sohn von dem Gewinn – ein buntes Durcheinander von Münzen und anderen Wertgegenständen – ein Taschenmesser sowie eine kleine Pferdefigur aus Metall. Dabei handele es sich, erzählt er ihm, um Bucephalus, den schwarzen Hengst Alexanders des Großen – ein wildes Pferd, das niemand bändigen konnte, bis Alexander, damals noch ein Junge wie Alec, kam und es zähmte.

Der schwarze Hengst nimmt dann eine jähe Wendung; in der Nacht gerät die „Drake“ in Seenot; inmitten großer Panik kann sein Vater ihn noch nach draußen bringen, aber dann kommt eins zum anderen, und plötzlich findet Alec sich allein neben dem sinkenden Schiff wieder, von seinem Vater keine Spur. Der schwarze Hengst, der sich gerade rechtzeitig noch losreißen konnte, ist das einzig sichtbare Lebewesen in seiner Nähe; Alec greift sich eines der Seile, mit denen das Tier festgebunden war, und wird hinter ihm hergezogen. „Der schwarze Hengst (1979)“ weiterlesen

Zafir – Der schwarze Hengst (2003)

Es wäre ein Irrtum zu glauben, in Pferdeabenteuern ginge es meist hauptsächlich um Tiere. Natürlich kann Tierliebe ein zentraler Punkt des Films sein – etwa wenn ein Pferd vor dem Verkauf an einen niederträchtigen Züchter oder sogar vor dem Abdecker bewahrt werden soll. Aber dahinter werden in aller Regel auch noch universellere Themen verhandelt: Probleme in der Familie, die erste Liebe, das Erwachsenwerden – was jugendliche Herzen eben bewegt. Bei Zafir – Der schwarze Hengst (amazon) ist das nicht anders: Die zwölfjährige Anna (Rose Marie Hermannsen) verbringt viel Zeit auf dem Reiterhof und nimmt sogar an Turnieren teil. Am liebsten würde sie auf dem Hengst Zafir reiten, aber das Tier gilt als aufbrausend und unberechenbar. Annas große Schwester ist sogar bei einem Unfall mit Zafir ums Leben gekommen – auch deshalb soll er nun verkauft werden. Doch dann taucht auf einmal das Flüchtlingskind Sharbat (Katrine Schnoor) auf, das immer wieder aus seinem Heim abhaut, um bei den Pferden sein zu können. Dabei scheint Sharbat ein ganz besonderes Gespür für die Tiere zu besitzen, denn von ihm lässt sich Zafir problemlos betreuen.

Warum der dänische Film aus dem Jahr 2003 auch heute noch als kindergerechte Betrachtung zum Thema Flüchtlinge taugt, habe ich in meinem Familientipp zum Wochenende auf filmstarts.de beschrieben.

(Fotos: MFA+)

Kinostart diese Woche (6. März 2014): Bibi & Tina

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Heute startet Bibi & Tina – Der Film in den deutschen Kinos, die Pferde-und-Teenies-Variation auf die kleine Hexe Bibi Blocksberg. Die Filmkritiker sind zurückhaltend gemischter Meinung; Michael Meyns etwa ist vom anarchischen Moment des Films gelegentlich überrascht: „Kinostart diese Woche (6. März 2014): Bibi & Tina“ weiterlesen