Streaming-Dienste: Disney+ und die Folgen

Ab morgen wird der neue Streaming-Service von Disney unter dem Namen Disney+ auch in Deutschland verfügbar sein. Ähnlich wie Netflix bietet das Unternehmen seinen Dienst als reines Flatrate-Modell an, d.h. für eine monatliche (oder pauschal jährliche) Gebühr lassen sich die Filme und Serien beliebig oft streamen.

Das Angebot an Filmen und Serien wird ziemlich groß sein und sich perspektivisch auch nicht auf die klassische Disney-Familien-Ware beschränken, nachdem der Konzern im vergangenen Jahr 20th Century Fox übernommen hat.

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Vier zauberhafte Schwestern (2019)

Vier zauberhafte Schwestern könnte im Grunde ein mit Hingabe sich auswalzender Ausstattungsfilm sein, alles ist bunt, alles ist kleinteilig zugestellt und dekoriert und hübsch gemacht. Die Haarpracht von Katja Riemanns Glenda knallt so richtig rein, die Hauptfiguren wechseln dauernd Klamöttchen und Sing/Tanz-Outfits, dass es nur eine Freude ist. Und gleichzeitig ist alles pittoresk, das Herrenhaus herrschaftlich, fast schloßartig, die Familie mit Geldproblemen wohnt dort nicht nur, sondern fährt auch Bayerische Wagen von nicht geringem Preis usw. usf.

Kurzum, es ist in vielem ein typisches Deutsches Kinderfilm-Idyll, kleinstädtisch und niedlich, “lieb, aber wenig hilfreich”, wie auch von den vier Mädchen ihre Eltern bezeichnet werden. Sie übrigens Cellistin, er “Kleinstadtdirigent”, und irgendwie ist mir das dafür alles zu unmusikalisch, auch wenn das Haus natürlich charmant-kreativ bemalt ist, von innen und so, die Kinder selbstorganisiert, die Eltern eben eher tüddelig und ahnungslos.

Es ist aber eben ein Film, der vier mit Magie hantierende Mädchen zeigt, dabei am femininen Weiblichkeitsbild aber auch gar keine Abstriche machen mag, auch wenn Flame und Sky (die Namen!) nicht immer im Kleid herumlaufen und Sky gerne Karate macht: Es wird getanzt und gesungen, Jungs werden angehimmelt, und deren irgendwie anschmachtenswert inszenierte Exemplare haben allesamt Fön- oder Gelfrisuren, dass man vor Langeweile dekompostieren könnte. „Vier zauberhafte Schwestern (2019)“ weiterlesen

Meine besten 10 Kinderfilme der 2010er Jahre

Auch wenn, streng genommen, unsere laufende Dekade noch ein Jahr dauert, ist es doch an den Listen und Rückblicken allüberall offensichtlich: Die 2010er-Jahre gehen dem Ende zu. Und weil das ein lustiges Spiel ist, kommen hier auch meine ganz persönlichen TOP 10+1 besten Kinderfilme aus den vergangenen zehn Jahren. Die Auswahl ist weitgehend willkürlich, sicherlich bestreitbar, garantiert unvollständig, aber trotzdem nicht doof, und jedenfalls meine. Kritik und andere Meinungen, Hinweise auf fehlende Superstars und böswillige Auslassungen bitte unbedingt in die Kommentare!

Die Filme jetzt und hier in alphabetischer Reihenfolge, denn – ganz ehrlich – die sind alle so sehr und auf so unterschiedliche Weise wunderbar, dass eine Sortierung von eins bis zehn nicht wirklich aussagekräftig wäre. Ich will die Zuspitzung jedenfalls nicht machen (müssen). Links zu amazon sind wie immer Affiliate-Links, eine Bestellung darüber unterstützt mich ein wenig – und damit die Arbeit am Kinderfilmblog.

Die Top 10(+1) der besten Kinderfilme der 2010er

Ernest & Célestine (2012)

Mit einfachsten Mitteln des Animationsfilms einen hochgradig politischen Film über eine schlichte, herzliche, ehrliche Freundschaft zu drehen: Das muss man auch erst einmal schaffen. Ernest & Célestine nimmt ganz nebenbei auch noch die Zucker- und Zahnarztindustrie auf die Schippe. (amazon, amazon Prime) „Meine besten 10 Kinderfilme der 2010er Jahre“ weiterlesen

Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Ein Film am goldenen Schnittpunkt: Ein wunderbarer Muppets-Film, der beste, schönste und tiefgründigste vielleicht, mit wunderschönen Liedern, Emotion und reichlich Gonzo; und zugleich eine ganz bezaubernde Verfilmung von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte, A Christmas Carol von 1843 – ernsthaft und echt nah am Text, zugleich frei flirrend davon abweichend – nicht nur, weil es um Muppets geht, sondern auch weil der Film ganz modern eine Meta-Perspektive einnimmt und das Thema zwar ernst nehmen will, sich selbst dann aber doch nicht zu sehr.

Das verhindert allzu große Kitschigkeit, auch den ganz großen Topf Schmalz; ein wenig Gefühlsglitter gibt es natürlich doch, aber Miss Piggy sorgt schon dafür, dass das nicht überhand nimmt. Und weil sich das wunderbar zusammenfügt – mit einem wunderbaren Michael Caine in der Hauptrolle als kaltherziger Geldverleiher Ebenezer Scrooge –, ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte mein allerliebster Weihnachtsfilm. „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)“ weiterlesen

“Outdated cultural depictions”

„This program is presented as originally created. It may contain outdated cultural depictions.“ Schon bald nachdem kürzlich der Streaming-Service Disney+ in den USA verfügbar wurde, fiel den ersten Nutzer_innen auf, dass die Inhaltsbeschreibungen zu einigen wenigen Filmen um diese kurzen zwei Sätze erweitert waren.

Die User fanden die Formulierungen unter anderem bei Peter Pan und Geliebter Haustyrann, aber auch in den Inhaltsangaben zu den Klassikern Das Dschungelbuch, Susi & Strolch, Aristocats sowie Dumbo, der fliegende Elefant. Da alle diese Filme Szenen enthalten, die schon seit längerer Zeit als rassistisch diskutiert und kritisiert werden, liegt die Vermutung nahe, dass die Sätze präventiv auf diese rassistischen Darstellungen hinweisen sollen. Sie sind jedoch so vage gehalten, dass sich dies eben nur indirekt ableiten lässt. Bei anderen Filmen, die wie z.B. Aladdin in ihren rassistischen Stereotypen ebenso umstritten sind, fehlt die Formulierung; ein offizielles Statement von Disney gibt es bis heute nicht dazu.

Für kino-zeit.de habe ich vergangene Woche darüber nachgedacht, warum Disney hier im Vergleich zu anderen Filmstudios so halbherzig herumdruckst und was das mit dem Film Onkel Remus’ Wunderland (Song of the South) zu tun hat.

Und bei der Gelegenheit konnte ich gleich auch noch darüber nachdenken, wie wir unsere Kinder dabei begleiten, wenn wir ältere Filme ansehen, die “outdated cultural depictions” zeigen – sprechen wir es an? Diskutieren wir darüber? Es geht ja schließlich nicht nur um Rassismus, sondern zum Beispiel auch um Rollenbilder und Geschlechterstereotype in Filmen wie Arielle, die Meerjungfrau. Oder nicht?

(Foto: Disney)

Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989)

Es war sehr, sehr lange her, dass ich diesen Film gesehen habe, und in der Erinnerung war er eher etwas zu schlicht; aber ein Wiedersehen mit den Kindern zusammen machte aus Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft ein ziemlich erfreuliches Erlebnis.

Wayne Szalinski (Rick Moranis) ist der Prototyp des zerstreuten Erfinders; in seinem Haus stehen alle möglichen Kleingeräte herum, die das Leben leichter machen sollen, aber nicht alles funktioniert so, wie es soll. Seine große Hoffnung ist die Schrumpfungskanone, die er auf dem Dachboden zusammenbaut, aber auf einer Konferenz wird er für seine Idee nur ausgelacht. Seine Frau Diane (Marcia Strassman) liebt ihn dennoch und bringt derweil, wie es scheint, als Maklerin das Geld nachhause.

Durch einen dummen Zufall werden allerdings Amy und Nick, die beiden Kinder der Szalinskis (Amy O’Neill und Robert Oliveri) zusammen mit den Kindern der sehr anders tickenden Nachbarn, durch den Strahl der Kanone auf Stecknadelkopfgröße geschrumpft – und landen unversehens und versehentlich erst in einem Müllsack und dann im eigentlich kleinen Garten der Familie. Aus ihrer Sicht ist der Garten allerdings ein riesiger Urwald, in dem lauter Gefahren lauern: Ameisen, Regentropfen und schließlich sogar ein Rasenmäher… wie sollen sie nur den Eltern mitteilen, was geschehen ist, damit diese sie hoffentlich wieder in die richtige Größe bringen? „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989)“ weiterlesen