Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)

In diesem Jahr stelle ich von jetzt bis in die Adventszeit hinein jeden Sonntag einen Weihnachtsfilm für Kinder vor.

Ein Film am goldenen Schnittpunkt: Ein wunderbarer Muppets-Film, der beste, schönste und tiefgründigste vielleicht, mit wunderschönen Liedern, Emotion und reichlich Gonzo; und zugleich eine ganz bezaubernde Verfilmung von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte, A Christmas Carol von 1843 – ernsthaft und echt nah am Text, zugleich frei flirrend davon abweichend – nicht nur, weil es um Muppets geht, sondern auch weil der Film ganz modern eine Meta-Perspektive einnimmt und das Thema zwar ernst nehmen will, sich selbst dann aber doch nicht zu sehr.

Das verhindert allzu große Kitschigkeit, auch den ganz großen Topf Schmalz; ein wenig Gefühlsglitter gibt es natürlich doch, aber Miss Piggy sorgt schon dafür, dass das nicht überhand nimmt. Und weil sich das wunderbar zusammenfügt – mit einem wunderbaren Michael Caine in der Hauptrolle als kaltherziger Geldverleiher Ebenezer Scrooge –, ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte mein allerliebster Weihnachtsfilm. „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992)“ weiterlesen

“Outdated cultural depictions”

„This program is presented as originally created. It may contain outdated cultural depictions.“ Schon bald nachdem kürzlich der Streaming-Service Disney+ in den USA verfügbar wurde, fiel den ersten Nutzer_innen auf, dass die Inhaltsbeschreibungen zu einigen wenigen Filmen um diese kurzen zwei Sätze erweitert waren.

Die User fanden die Formulierungen unter anderem bei Peter Pan und Geliebter Haustyrann, aber auch in den Inhaltsangaben zu den Klassikern Das Dschungelbuch, Susi & Strolch, Aristocats sowie Dumbo, der fliegende Elefant. Da alle diese Filme Szenen enthalten, die schon seit längerer Zeit als rassistisch diskutiert und kritisiert werden, liegt die Vermutung nahe, dass die Sätze präventiv auf diese rassistischen Darstellungen hinweisen sollen. Sie sind jedoch so vage gehalten, dass sich dies eben nur indirekt ableiten lässt. Bei anderen Filmen, die wie z.B. Aladdin in ihren rassistischen Stereotypen ebenso umstritten sind, fehlt die Formulierung; ein offizielles Statement von Disney gibt es bis heute nicht dazu.

Für kino-zeit.de habe ich vergangene Woche darüber nachgedacht, warum Disney hier im Vergleich zu anderen Filmstudios so halbherzig herumdruckst und was das mit dem Film Onkel Remus’ Wunderland (Song of the South) zu tun hat.

Und bei der Gelegenheit konnte ich gleich auch noch darüber nachdenken, wie wir unsere Kinder dabei begleiten, wenn wir ältere Filme ansehen, die “outdated cultural depictions” zeigen – sprechen wir es an? Diskutieren wir darüber? Es geht ja schließlich nicht nur um Rassismus, sondern zum Beispiel auch um Rollenbilder und Geschlechterstereotype in Filmen wie Arielle, die Meerjungfrau. Oder nicht?

(Foto: Disney)

Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989)

Es war sehr, sehr lange her, dass ich diesen Film gesehen habe, und in der Erinnerung war er eher etwas zu schlicht; aber ein Wiedersehen mit den Kindern zusammen machte aus Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft ein ziemlich erfreuliches Erlebnis.

Wayne Szalinski (Rick Moranis) ist der Prototyp des zerstreuten Erfinders; in seinem Haus stehen alle möglichen Kleingeräte herum, die das Leben leichter machen sollen, aber nicht alles funktioniert so, wie es soll. Seine große Hoffnung ist die Schrumpfungskanone, die er auf dem Dachboden zusammenbaut, aber auf einer Konferenz wird er für seine Idee nur ausgelacht. Seine Frau Diane (Marcia Strassman) liebt ihn dennoch und bringt derweil, wie es scheint, als Maklerin das Geld nachhause.

Durch einen dummen Zufall werden allerdings Amy und Nick, die beiden Kinder der Szalinskis (Amy O’Neill und Robert Oliveri) zusammen mit den Kindern der sehr anders tickenden Nachbarn, durch den Strahl der Kanone auf Stecknadelkopfgröße geschrumpft – und landen unversehens und versehentlich erst in einem Müllsack und dann im eigentlich kleinen Garten der Familie. Aus ihrer Sicht ist der Garten allerdings ein riesiger Urwald, in dem lauter Gefahren lauern: Ameisen, Regentropfen und schließlich sogar ein Rasenmäher… wie sollen sie nur den Eltern mitteilen, was geschehen ist, damit diese sie hoffentlich wieder in die richtige Größe bringen? „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989)“ weiterlesen

Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! (1998)

Wie versprochen, bespreche es hier jetzt jeden Mittwoch bis Halloween einen Gruselfilm für Kinder aus meiner Liste – weitere Vorschläge werden gerne angenommen! #horrorctober

„Ne kleine Bootstour auf dem Styx, und danach schick essen?“

Marnie und ihre Geschwister dürfen an Halloween nie vor die Tür – es gebe so viel, sagt ihre Mutter Gwen, das sie über Halloween nicht wüssten. Aber wenigstens kommt die Großmutter Aggie zu Besuch und erzählt den Kindern wilde Geschichten über die Stadt „Halloweentown“, wo Elfen, Hexen und Monster friedlich miteinander leben. Und dann stellt sich natürlich rasch heraus, dass das keine wilden Geschichten sind, sondern blanke Wahrheit – die drei Kinder landen mit ihrer Oma in der Monsterstadt, die ansonsten ganz und gar einer amerikanischen Kleinstadt gleicht, und einer Verschwörung, die die ganze Stadt und ihre Bewohner_innen bedroht…

Die große Debbie Reynolds (wahrscheinlich am bekanntesten, je nach cineastischer Generation, entweder durch ihre wunderbare Rolle in Singin‘ In The Rain aka Du sollst mein Glücksstern sein oder durch ihre Tochter Carrie Fisher aka General Leia Morgana) spielt hier die Großmutter aus dem Titel; für diesen Fernsehfilm, ursprünglich für den Disney Channel entstanden, muss sie ihre Talente nicht einmal im Ansatz ausschöpfen.

Denn Regisseur Duwayne Dunham macht hier nicht gerade den großen inszenatorischen Wurf; der Mann hat zwar Film der Original-Star Wars-Trilogie mit geschnitten und auch für David Lynch gearbeitet, aber hier wirken Inszenierung und Schnitt doch manchmal etwas bemüht. Das liegt womöglich auch am Drehbuch von Paul Bernbaum, Jon Cooksey und Ali Matheson, das stellenweise deutlich knirscht in Glaubwürdigkeit, Logik und Eleganz des gesprochenen Wortes.

Aber Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! hat nicht nur, aber vor allem in den USA eine große Fangemeinde (es gab in den Jahren darauf noch drei(!) Fortsetzungen), und ganz unberechtigt ist das bei allen handwerklichen Schwächen keineswegs. Denn der Film bringt auf durchaus charmante Weise vom Werwolf bis zum Geist, von der Vampirin bis zur Hexe alle möglichen übernatürlichen Wesen als friedliche Gemeinschaft auf den Bildschirm. Da ist viel traditionelle Maskenkunst zu sehen, Latex hat hier noch das Primat über den gelegentlich eingesetzten Computereffekt.

Für Freund_innen der eher klassischen Horrorfilme sind zahlreiche kleine Anspielungen rechts und links versteckt, während das Thema der Familie – natürlich kommt Gwen den Kindern hinterher und ist selbst nicht minder Hexe als ihre Mutter – auf der einen, die völlig kindertauglich und fast durchgehend unbedrohlich inszenierten Gefahrmomente auf der anderen Seite dafür sorgen, dass dies eben so ein richtiger Disney-Familienfilm ist.

Erfahrene Kinogänger_innen seien gewarnt: Hier passiert nicht wirklich irgendetwas Überraschendes. Aber als Unterhaltung mit klar monströsem Halloween-Thema für eher sensible Kinder ist das ein schönes Vergnügen.

Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! (Halloweentown). USA 1998. Regie: Duwayne Dunham, 84 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren. (Der Film ist aktuell eigentlich nur als Stream, z.B. bei amazon Video (nur in deutscher Synchronisation) oder iTunes erhältlich.)

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Fotos: Disney)

Neue Trailer zu Kinderfilmen: 28. Oktober 2019

Hier ein paar neue Kinderfilm-Trailer, die in den vergangenen zwei Wochen erschienen sind. Mehr davon gibt es in meiner entsprechenden YouTube-Playlist.

Die Heinzels

Wie war zu Köln es doch vordem / Mit Heinzelmännchen so bequem! Die Neuverfilmung der Kölner Heinzelmännchen sieht an der Traileroberfläche vor allem laut, hektisch und nicht sehr kölsch aus. Ich schaue mir das demnächst mal näher an. Kinostart: 30. Januar 2020.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Peter Hase 2: Ein Hase macht sich vom Acker

Ich fand Peter Hase (amazon) eher nicht so überzeugend, im zweiten Film bewegen sich die Kaninchen (er heißt ja eigentlich Peter Rabbit) dann wohl in die Stadt… Kinostart: 26. März 2020.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Lady and the Tramp

Disney hat sich mit Susi und Strolch (amazon) nun den nächsten Zeichentrickklassiker für eine photorealistische Neuverfilmung aus dem Computer vorgenommen; der Film wird allerdings, anders als zuletzt Der König der Löwen, nicht in die Kinos kommen, sondern exklusiv beim neuen Streaming-Service des Konzerns, Disney+, erscheinen. Der Service startet in Deutschland voraussichtlich Anfang 2020.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Eiskönigin 2

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (amazon) war vor sechs Jahren Disneys riesiger Hit und dürfte inzwischen als Klassiker etabliert sein – die Fortsetzung wird vermutlich wieder massenweise Kinder in die Kinos spülen. Über den ersten Film habe ich vor einiger Zeit mit Spinatmädchen ein längeres Podcast-Gespräch geführt. Kinostart: 20. November 2019.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die Figur des Doktor Dolittle geht auf die 1920er Jahre zurück, aber die Verfilmungen sind natürlich zahlreich – die bekannteste war vermutlich die Filmreihe mit Eddie Murphy ab 1998. Nun redet Robert Downey Jr mit zahlreichen am Computer entstandenen Tieren. Kinostart: 30. Januar 2020.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Foto: Disney)

Maleficent: Mächte der Finsternis (2019)

Seit Donnerstag ist Maleficent: Mächte der Finsternis im Kino, die Fortsetzung des seltsamen, unvollkommenen und düsteren, aber dennoch sehr interessanten Maleficent – Die dunkle Fee aus dem Jahr 2014, mit dem Disney seine eigene Dornröschen-Variation komplett neu erzählt hat.

Der neue Film, wieder mit Angelina Jolie in der Titelrolle, wird derweil fröhlich rechts und links verrissen, auch wenn eine einzelne Stimme darin so etwas wie eine Hoffnung auf die Zukunft der Disney-Filme sehen möchte. Und während ich den meisten Kolleg_innen zustimmen muss, dass Maleficent 2 kein wirklich herausragender Film ist und vor allem daran leidet, dass die meisten Figuren viel zu eindimensional und stellenweise leblos sind und speziell Elle Fannings Aurora von einer viel zu naiven Lieblichkeit.

Elle Fanning is Aurora, Angelina Jolie is Maleficent and Sam Riley is Diaval in Disney’s live-action MALEFICENT:  MISTRESS OF EVIL

Und natürlich ist es in diesem Film nicht mehr so originell, dass Maleficent nicht die gefährliche Böse ist, als die sie dargestellt wurde, sondern eben unter dieser Oberfläche ein Wesen von komplexer Emotionalität. Jolie verkörpert sie durch und durch und mit jeder Faser auch ihrer Star Persona verkörpert, majestätisch und so kühl-distanziert wie herrisch, die scharf konturierten künstlichen Wagenknochen machen ihr weiß geschminktes Gesicht mit vollen, grellrot geschminkten Lippen noch kantiger, noch kontrastreicher – ein bewusst gesetzter, harscher Kontrast zu Fannings rundem, weichem, rosigem Antlitz.

Das beschreibt im Detail, wie gekonnt der Film mit seinen Bildern umgeht, vor allem mit Farben: Hier die magische Welt der Moore, mit leuchtenden Blüten und bunten Fabelwesen, dort die graue Welt der Menschen, dicht gepackte, krumme Häuser, mitten drin der Schlosspark und vor allem das Schloss, wo alles sauber ist und aus geraden, meist aufstrebenden Linien besteht.

Angelina Jolie is Maleficent, Sam Riley is Diaval, Jenn Murray is Gerda, Harris Dickinson is Prince Phillip, Elle Fanning is Aurora, Robert Lindsay is King John and Michelle Pfeiffer is Queen Ingrith in Disney’s live-action MALEFICENT:  MISTRESS OF EVIL.

Die Kontraste sind immer da, und natürlich sind sie relativ plump – aber in den beiden Figuren von Maleficent und Königin Ingrith dann auch zu einem stacheldrahtbewehrten Dialog aufgefahren, der ganz am Anfang des Films steht, aber eigentlich Höhepunkt des Films ist. Ohne Michelle Pfeiffer und Jolie in diesen beiden Rollen wäre der Film ganz und gar aufgeschmissen, aber Pfeiffer holt selbst aus ihrer doch recht eindimensionalen Figur als böse Schwiegermutter in spe das meistmögliche heraus.

Maleficent: Mächte der Finsternis ist reich an visuellen wie erzählerischen Anspielungen auf das Original-Disney-Dornröschen, vor allem eine Spielerei mit den Farben des Hochzeitskleides ganz am Schluss hat mir sehr gut gefallen; die eigentliche Qualität des Films ist aber, dass er noch einmal thematisiert, wie eigentlich das Narrativ der Bösen Fee in die Welt kam: von Ingrith als Geschichte platziert, eine von langer Hand vorbereitete politische PR-Initiative, wenn man so will. In ihr wird die starke Frau zur bösen Figur umstilisiert, wird der Weg vom Meta-Märchen, das Maleficent – Die dunkle Fee war, zurück zur regressiven Form in Dornröschen vollzogen.

Elle Fanning is Aurora in Disney’s live-action MALEFICENT:  MISTRESS OF EVIL

Die Märchen mit ihren bösen Hexen, Feen und Schwiegermüttern als politisch aufgeladene Erzählungen zur Unterdrückung der Frau – das ist am Anfang des 21. Jahrhunderts zwar beileibe keine besonders aufregend neue Perspektive (und in dieser Schlichtheit natürlich auch zu platt), aber für einen Film aus dem Konzern, der einen wesentlichen Teil seiner Marktmacht normierten Prinzessinnen verdankt, ist das ja fast schon revolutionär. Dass Jolie passend dazu in der Modezeitschrift Elle einen Essay veröffentlicht hat, der im Kern ruft: We need more wicked women!, das ist dann schon auch wieder gute PR.

Denn – so viel Ehrlichkeit muss sein – die interessante politische Botschaft, die durch das sehr versöhnliche Ende auch schon wieder teilweise ausgehebelt wird, kann eben nicht verstecken, dass Maleficent: Mächte der Finsternis letztlich halt doch nur ein mittelmäßiger Film ist. (Für das Kinder- und Jugend-Filmportal habe ich eine ausführliche Kritik geschrieben, die auch noch auf einige weitere Motive im Film eingeht. Bitte hier entlang.)

Maleficent: Mächte der Finsternis (Maleficent: Mistress of Evil). USA 2019. Regie: Joachim Rønning, 118 Min. FSK 12, empfohlen ab 13 Jahren. Kinostart: 17. Oktober 2019.

***

Meine an Kinder und Jugendliche gerichtete Besprechung des Films ist auf kinderfilmwelt.de erschienen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Fotos: Disney)