Dora und die goldene Stadt (2019)

Ich muss gestehen, dass ich die TV-Serie Dora (Dora the Explorer) nur vage durch ein paar Blicke in einzelne Folgen kenne. Im Kern geht es um die siebenjährige Dora, die gemeinsam mit ihrem Affen Boots, ihrem sprechenden Rucksack und gelegentlich ihrem Cousin Diego kleine Abenteuer erlebt – dabei wird immer wieder das Publikum angesprochen und „einbezogen“, es gilt, kleine Rätsel zu lösen, die sich um Zahlen, Rätsel oder englische Wörter (im Original spanische) drehen. Eine hochpädagogische Angelegenheit also, die allerdings in den USA wesentlich bekannter ist als hierzulande.

Es gibt ein paar Szenen am Anfang von Dora und die goldene Stadt, die wirken, wenn man noch keine einzige Folge der Serie gesehen hat, etwas seltsam, bizarr und frei von Zusammenhang. Anfangs ist die noch kleine Dora zu sehen, die dann am Eßtisch tatsächlich in die Kamera fragt: „Kannst du delicioso sagen?“ Und ihre Eltern (Eva Longoria und Michael Peña) drehen sich suchend um, weil sie sich fragen, mit wem ihre Tochter denn eigentlich spricht… naja, „das verwächst sich.“ „Dora und die goldene Stadt (2019)“ weiterlesen

Filmfest München: Der lange Weg nach Norden (2015)

Sie ist ein wenig fremd, ein wenig altertümlich, jedenfalls von ihren eigenen Gesetzen bestimmt, die Welt, in der die 15-jährige Sacha lebt. Man schreibt das späte 19. Jahrhundert in St. Petersburg, ihr Vater macht sich Hoffnungen auf die Position als russischer Botschafter in Rom. Aber auf Sachas Debütantinnenball kommt es zum Eklat, denn das Mädchen bedrängt den Prinzen Tomsky, man möge doch noch einmal nach ihrem verschollenen Großvater und seinem Schiff suchen; die “Dawai” (“Vorwärts”) gilt als im Eis verschollen, seit sich Sachas Opa dort auf die Suche nach der Nordost-Passage gemacht hatte.

kifife_logo_2016_600px Rémi Chayé macht schon früh klar, dass die Heldin seines Animationsfilms Der lange Weg nach Norden sich nicht gerne fügt, nicht gerne schweigt; nur das Durchhalten muss sie noch lernen. Aber das findet sich, nachdem sie heimlich ihr Elternhaus verlassen hat, um auf eigene Faust nach der “Dawai” zu suchen, nur mit Notizen ihres Großvaters bewaffnet – schließlich muss man etwas hartnäckig sein, um ein Schiff zu finden, das eine junge Frau mit auf die Reise ins ewige Eis nimmt.

Der lange Weg nach Norden lief gestern auf dem Kinderfilmfest München; meine detaillierte Kritik ist im Festivalblog von kino-zeit.de erschienen.

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Der lange Weg nach Norden (Tout en haut du monde), Dänemark/Frankreich 2015. Regie: Rémi Chayé, 81 Min. FSK k.A., empfohlen ab 8 Jahren. (Auf dem Filmfest München.)

(Fotos: Filmfest München)

Das Geheimnis der Murmel-Gang (2013)

Auch die Sommerferien in der Schule verbringen zu müssen, noch dazu einem Internet voller Spaßfeindlichkeit und Disziplin, ist ja nicht eben die Idealvorstellung von Ferienzeit – das spanische Modell, dass im Zentrum von Das Geheimnis der Murmel-Gang steht (der Film lief 2014 als Zip, Zap und die Murmelbande auf dem Schlingel-Festival), ist noch dazu eins, das Nachhilfe mit Umerziehung verbindet. Die Kinder, die sich hier versammeln, sind aber nicht unbedingt kleine Bösewichte, sondern – so ist das wohl in privaten Internaten – stammen eher aus bürgerlichem Hause und haben sich kleinere Vergehen zuschulden kommen lassen.

schlingel_ff_logoSo bilden dann die aufmüpfigen Brüder Zip und Zap zusammen mit dem molligen Filo und dem schüchternen Mikro die „Murmelbande“, nachdem sie im Arrestsaal der „Esperanza“ („Hoffnung“) getauften Schule einen Beutel mit Murmeln gefunden haben – da keine Spielsachen in der Schule erlaubt sind, dafür sorgen der Schulleiter und seine Schergen, hüten sie diese wie einen Schatz. Und weil sie das Regime und die Duckmäuser nicht ertragen, beginnen sie alsbald mit nächtlichen Streichen. „Das Geheimnis der Murmel-Gang (2013)“ weiterlesen

Kinostart diese Woche (30. Oktober 2014): Der kleine Medicus – Geheimnisvolle Mission im Körper

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Heute startet Der kleine Medicus – Geheimnisvolle Mission im Körper in den Kinos, ein deutsches Animationsabenteuer über zwei Kinder, die gemeinsam mit einem menschengroßen rosa Kaninchen geschrumpft werden, um im Körper ihres Großvaters auf die Suche nach einem Miniroboter zu gehen und das Leben des Großvaters zu retten. Hier eine kleine Übersicht über ein paar Pressereaktionen zum Film: „Kinostart diese Woche (30. Oktober 2014): Der kleine Medicus – Geheimnisvolle Mission im Körper“ weiterlesen

Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman (2013)

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Wenn man (wie ich) die Cartoon-Vorlage des Films nicht kennt, muss man für Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman erst einmal seine Prämisse abnehmen: Da ist dieser kleine Hund, der sich aus seinem Dasein als verwaiste Welpe durch Fleiß, Selbstmotivation und harte Studien (the American dream, baby!) zum Nobelpreisträger, mehrfachen Olympiasieger und generell Universalgenie hochgearbeitet hat, und dann adoptiert er eben auch noch einen kleinen Jungen, den er eines Tages verlassen in einem Pappkarton findet.

Um seinen Sohn historisch zu bilden, entwickelt er schnell mal eine Zeitmaschine und reist (wo unsereins in Museen für Technik und Geschichte eilt) zu George Washington, Marie Antoinette und Leonardo da Vinci. (Um Details der Raum-Zeit-Krümmung kümmert sich der Film nicht, da wollen wir sie auch einmal außer acht lassen.) Dann prügelt sich Sherman an seinem ersten Schultag mit seiner Mitschülerin Penny, sein Vater lädt die eher wenig konzilianten Eltern zum Abendessen ein (Der Gott des Gemetzels lässt grüßen), aber Sherman will Penny beweisen, dass er kein Lügner ist, und zeigt ihr das alte Ägypten. „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman (2013)“ weiterlesen

Ab durch den Dschungel (2014)

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Niedliche Tiere in der Wildnis gehen immer. Das scheint das Credo zu sein, dass man sich in Animationsfilmschmieden rund um die Welt zuraunt: von Zambezia bis Rio 2, von Madagascar bis Outback – besser gehen, so wird da wohl gedacht, allenfalls noch belebte Automobile und Flugzeuge. Dass vieles, was dann da entsteht, sich entweder ähnelt oder verteufelt nah an anderen Erfolgsfilmen ist, wen kümmert’s?

Der Splendid-Filmverleih hat mit seinem neuen Label „Splendid Animation“ im vergangenen Jahr einen solchen Film ins Kino gebracht, der sich in allem sehr nah an einen anderen Film schmiegte – Jets – Helden der Lüfte wollte möglichst viel von dem Kuchen abgreifen, den Disneys Planes an Geld einfahren sollte. Das Ergebnis war ein grausam peinliches Stück Animationsschrott ohne Herz und Seele; und eigentlich könnte man das gerne vergessen, wäre nicht der neue Animationsfilm des Verleihs ganz ähnlich gelagert. (Man darf also gespannt sein auf die Filme, die da noch folgen sollen.) „Ab durch den Dschungel (2014)“ weiterlesen