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Das Geheimnis von Green Lake (Holes, 2003)

Historische Romane, in denen Vergangenheit und Gegenwart verflochten werden oder sich ineinander verschränken; ich erinnere mich, als Jugendlicher irgendwann während eines Krankenhausaufenthalts James Micheners Chesapeake gelesen zu haben, und dass ich fasziniert war von diesem Zugriff über mehrere Generationen und Jahrhunderte hinweg.

Holes, in der deutschen Übersetzung Das Geheimnis von Green Lake macht auch so eine Bewegung auf, verschränkt persönliche Geschichten und dabei Historie: migrantische Bewegungen, Rassismus, Besitz und Armut, Ausbeutung und Gefängnis. Das ist freilich keine präzise Analyse, dafür lässt der Film zu vieles im Ungefähren.

Die Handlung, nach dem Roman Löcher: Die Geheimnisse von Green Lake (amazon.de) von Louis Sachar, der mittlerweile wohl allüberall gerne als Schullektüre genutzt wird, spielt in einer als dystopisch markierten Version unserer Gegenwart. Sie ist zugleich eine Young-Adult-Dystopie wie Maze Runner, aber ohne die Distanz einer Katastrophe dazwischen – das alles könnte jetzt schon sein, genauer: das Jetzt von vor zwanzig Jahren, vielleicht ist es das auch.

Stanley Yelnats der Vierte (ein sehr junger Shia LaBoeuf in seiner ersten Rolle) wird beschuldigt, ein paar Luxussportschuhe gestohlen zu haben, die eigentlich zum Wohle von Waisenkindern versteigert werden sollten. Er wird vor die Wahl gestellt, ins Gefängnis zu gehen oder achtzehn Monate im Umerziehungslager “Camp Green Lake” zu bleiben. Letzteres klingt attraktiver.

Welch ein Irrtum, denn hier ist gar nichts Green, vom See auch keine Spur; es hat seit den Zeiten von Stanleys Ururgroßvater hier nicht mehr geregnet, ziemlich genau seitdem sogar. Im Camp müssen die Kinder in der trockenen Wüste jeden Tag ein Loch graben, fünf Fuß tief und fünf Fuß im Durchmesser. Das bilde Charakter, mache sie zu besseren Menschen, so dass verlogene Credo der Aufseher.

Natürlich ist das Camp ein Con, eine riesengroße Lücke im staatlichen System, in dem die Camp-Leiterin (eine herrlich herrische Sigourney Weaver) die Kinder, für die sich niemand wirklich interessiert, nach Herzenslust ausbeutet, um nicht selbst graben zu müssen auf der Suche nach einem Schatz, den schon ihr Großvater zu finden versuchte.

Der Schatz aber, ebenso wie die Wüste und die Berge rund um das Camp, verflicht die Geschichte von Stanleys Vorfahren, die seines Leidensgenossen Zero und der Camp-Leiterin – in einem dramatischen Finale wird ein Fluch gehoben, werden Gerüche gemildert und arme Kinder wohlhabend.

Das Happy-End ist eigentlich einen ganzen Tacken zu dick aufgetragen, aber der Film bis dahin ist seltsam, schräg in seiner Dynamik, erzählerisch mäandernd und großzügig. Eartha Kitt hat einen beeindruckenden kleinen Auftritt, Jon Voight ist unfassbar schmierig und unangenehm: Da sind reichlich Talente mit im Spiel.

Der Film steckt auch in Sachen Dystopie keineswegs zurück: Er beginnt damit, dass ein Kind sich freiwillig von einem giftigen Tier beißen lässt, um der Qual des Alltags im Camp zu entgehen. Da kann man durchaus zurecht in der Handlung eine nur wenig versteckte Kritik am “Prison-Industrial Complex” in den USA sehen:

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(Video gefunden bei Noujoum auf letterboxd.)

Das Geheimnis von Green Lake (Holes). USA 2003. Regie: Andrew Davis, 117 Minuten. FSK 6, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 30.10.2003. Bei Disney+ in der Flatrate enthalten, auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar. (amazon.de)

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(Fotos: Disney)

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