Playmobil – Der Film (2019)

Dass dieser Film sich in fast allen Kritiken an The Lego Movie als Referenzpunkt messen lassen würde, muss den Produzent_innen von Anfang an klar gewesen sein. Kann ein Film über Spielzeug mehr sein als nur ein 100-minütiger Werbespot für die Plastikmarke? Die Antwort ist ein sehr unenthusiastisches Jein, und es gälte noch zu ergänzen, dass halt außerdem noch gewaltig Werbung für Porsche gemacht wird.

Auch Playmobil – Der Film hat eine Rahmenhandlung in der realen Welt – ähnlich wie The Lego Movie, bei dem sie allerdings erst sehr spät zum Vorschein kommt.

Marla (Anya Taylor-Joy) und ihr kleiner Bruder Charlie (Gabriel Bateman) werden ziemlich brutal aus ihrem sehr sorgenfreien Leben geworfen, als kurz vor Marlas Highschool-Abschluss ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Ab dann übernimmt Marla die Elternrolle, der Tonfall zwischen den Kindern wird ernst und bedrückt, und für’s freie Spiel mit den Playmobil-Figuren ist kein Platz mehr.

Bis dann der genervte Charlie eines Abends ausbüxt und auf einer Spielzeug-Ausstellung (WTF?) in einem Diorama landet, das direkt den Phantasien der beiden Kinder entsprungen zu sein scheint. Als Marla ihn mithilfe seines Handys geortet hat (das Datenschutz-Thema lassen wir an dieser Stelle mal beiseite) und zur Rede stellt, erscheint ein helles Licht und transportiert die beiden direkt in die Playmobil-Welt.

Das ist dann für einen Moment lustig, wenn beide sich mit den Gesetzen dieser neuen Welt arrangieren müssen – die sind dann aber doch nicht so eng gesteckt, wie es in den ersten Szenen angedeutet wird und der Bauweise der Figuren nach eigentlich sein müsste. Die Animation (die ansonsten ordentlich ist, aber nicht zu Begeisterungsstürmen anregt) lässt da den Figuren mehr Bewegungsfreiheit, als der Kunststoff dies zulassen würde.

Stattdessen taumeln die beiden durch die unterschiedlichen Spielwelten (analog sowohl zu The Lego Movie wie zu den Erlebniswelten im Playmobil-Katalog – nur dass man hier halt nicht aus den Einzelteilen neue Sachen zusammenbauen kann), es gibt einen Geheimagenten, einen sympathischen Trottel, freundliche Wikinger und einen bösen Tyrannen. Es gibt durchaus kleinere nette Momente, aber die Dialoge und Konflikte, auch die ganze Handlung sind so generisch-oberflächlich, dass man wirklich nicht weiß, wofür man sich das jetzt ansehen sollte.

Dazwischen taucht immer wieder das benannte Automobil auf, das ganz am Schluss sein Logo nochmal dick auf die Leinwand schieben darf, und es gibt ein paar Gesangseinlagen, die weder wirklich mitreißend sind noch durch irgendetwas anderes motiviert. Stattdessen kopiert man aus dem besseren Film auch die Idee, die Vintage-Raumfahr-Figuren (hier samt Roboter) aus den 1980er Jahren auftreten zu lassen.

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Playmobil – Der Film. Deutschland/Frankreich 2019. Regie: Lino DiSalvo, 100 Min. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Kinostart: 29. August 2019.

Fotos: Concorde Filmverleih

2. Advent: Weitere Filmtipps

Vergangene Woche habe ich bereits jene Kinderfilme vorgestellt, die in diesem Jahr meine größten Geschenkempfehlungen je nach Altersgruppe sind – das waren mehr oder minder die besten aktuellen Filme, aber natürlich lange nicht alle. Den zweiten Adventssonntag will ich nutzen, um einige weitere Filme vorzustellen, die auch ganz wunderbare Geschenke sind – manche aus den letzten Monaten, einige schon deutlich älter.

Die drei Räuber (ab 5)

Die kleine Tiffany ist gerade zur Waise geworden und fährt nun mutterseelenallein in einer Kutsche ins Kinderheim. Plötzlich wird Tiffanys Kutsche überfallen – von drei grimmig dreinschauenden Räubern. Eine abenteuerliche Geschichte um eine sagenhafte Schatzkammer, Tortenschlachten und eine Kinderhausrevolte nimmt ihren Lauf.

Hayo Freitags Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Tomi Ungerer (mit dem Autor selbst als Erzählerstimme) bleibt erst nah am Text und nimmt sich dann einige Freiheiten; aber heraus kommt ein wirklich ganz und gar wunderbares Stück Kinderkino: frech, flott, bunt und ein bißchen böse, ganz Ungerer in seiner nur milde für Kinder gezähmten Form.

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Findet Dorie (ab 8)

Ein wenig leidet Findet Dorie natürlich darunter, dass es eine Fortsetzung ist und also hauptsächlich die aus Findet Nemo bekannten Figuren und Konstellationen wiederzukäuen droht. Der Film ist deshalb an einigen Stellen etwas zu viel: Zu viel Action, zu viel Schmalz, zu viel Gekreische. Ausgeglichen wird das allein schon durch die beste Disney-Figuren seit Jahren, den nöligen Septopus Hank. Der allein ist es schon wert, den Film anzusehen. (Meine ausführliche Kritik.)

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Störche – Abenteuer im Anflug (ab 8)

Störche bringen heute nicht mehr die Babys, sondern sind Paketzusteller eines weltweit operierenden Online-Versands. Storch Junior hofft bereits auf eine Beförderung, als er aus Versehen die Babymaschine in Gang setzt, was zur Produktion eines völlig unautorisierten, wenn auch entzückenden Mädchens führt. Und dann einiges Chaos in Gang setzt.

Man darf nicht zu detailliert in die Hintergründe von Störche – Abenteuer im Anflug einsteigen, sonst fragt man sich sehr schnell, warum und wie und wann das Kinderkriegen von den Störchen an die Menschen übergeben wurde und… äh. Und auch die moralischen Botschaften sind gelegentlich etwas rabiat in der Story verankert – aber insgesamt ist der Film nicht nur unterhaltsam und witzig, sondern auch gar nicht so dumm, wie man auf den ersten Blick glauben möchte.

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Sing (ab 9)

Buster Moon will vor allem sein Theater vor dem finanziellen Ruin retten; seine letzte Hoffnung: eine Casting-Show. Leider nimmt er es bei der Ausschreibung nicht so genau mit der Wahrheit, und so hat er bald viele hoffnungsfrohe Talente versammelt, aber eigentlich keinen Preis…

So sehr wie Casting-Shows eigentlich als Thema durch sind, so wenig würde man sich von dieser Story erwarten. Aber dann sind da nicht nur großartig geschmetterte Songs, sondern auch witzige Momente, berührende Figuren und ein Finale, das wirklich Gänsehaut macht. Hach!

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Der Geheimbund von Suppenstadt (ab 9)

Der Geheimbund von Suppenstadt ist eine Abenteurer-Gemeinschaft, die eigentlich nur als Spiel von vier Kindern existiert. Doch dann mischt ein Unbekannter während des jährlichen Sommerfests etwas in die Getränke mischt; plötzlich benehmen sich die Erwachsenen plötzlich wie verzogene Kinder. Es gibt zwar ein Gegenmittel – doch der einzige Hinweis darauf ist ein altes Notizbuch.

Ein Abenteuerfilm, der ganz und gar modern daherkommt, seine Schatzsuche (denn das ist es natürlich) aber eher traditionell inszeniert – spannend, aber kindertauglich und auf Blickhöhe seiner Protagonist_innen. Man ahnt sowas ja gar nicht, weil niemand das estnische Kinderkino kennt.

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Das Mädchen Wadjda (ab 10)

Die 11-jährige Wadjda lebt in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Sie träumt davon, das schöne grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag vor einem Laden auf ihrem Schulweg sieht. Ein Radrennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen, ist ihr größter Traum. Jedoch gilt es für Mädchen als unschicklich, Rad zu fahren, und Wadjdas Mutter verbietet es auch ihrer Tochter.

Es gibt viele gute Gründe, Das Mädchen Wadjda anzusehen – es ist eine spannende Geschichte, ein Blick in eine andere Kultur, ein Abenteuer. Vor allem ist es jedoch eine Geschichte, die Kinder selbst dann nachvollziehen und erleben können, wenn sie nichts über Saudi-Arabien wissen. (Und reichlich Hintergrund dazu habe ich von Miriam Seyffarth in unserem ausführlichen Podcast-Gespräch zum Film erfahren. Unbedingt anhören!)

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The Lego Batman Movie (ab 12, geht für viele Kinder aber auch schon ab 9)

Wieder einmal sieht sich Batman mit seinem Erzfeind Joker konfrontiert, der versucht, Gotham in seine Gewalt zu bringen – nicht ohne Batman darauf hinzuweisen, dass er ohne seinen Feind gar nicht leben könnte. Batman setzt alles daran, den Joker in die für große Bösewichte vorgesehene Phantomzone zu verbannen. Doch das ist komplizierter als gedacht…

Mit The Lego Batman Movie sollte das Erfolgsmodell von The Lego Movie wiederholt werden, was aus verschiedenen Gründen nicht ganz funktioniert; aber dieser Spin-Off ist dennoch (nicht nur, aber vor allem für Fans von Superheld_innen) ein Genuss. Eine so feine ironische Distanz zu den Topoi des Genres, eine so hohe Dichte an sprachlichen und visuellen Gags, eine so temporeiche Actiongeschichte – das findet man selten in einem Film versammelt. Fetzt einfach.

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(Fotos: Disney, Warner Bros., X-Verleih, Barnsteiner, Universal Pictures International Germany)

Kurzfilm zum Wochenende: Lego im echten Leben (2017)

Lebensmittel aus Lego: In dieser hübschen kleinen Kombination aus Stop-Motion-Trick und Realfilm gibt es dänische Delikatessen, frisch zubereitet. Sehr inspirierend auch für eigene Filmprojekte, übrigens. Nur dass Messer und Gabel falsch herum platziert werden, das macht mich innerlich leicht wahnsinnig (via).

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Schönes Wochenende (und guten Appetit)!