Der kleine Fuchs und seine Freunde – Das große Kinoabenteuer (2017)

Der Fuchs wäre so gern groß und böse; und eigentlich hat er auch wirklich Appetit auf Fleisch. Aber immer, wenn er auf den Bauernhof kommt, wird er von allen mehr oder minder freundlich gegrüßt – nur die Henne ist genervt: Jetzt kommt er schon zum dritten Mal diese Woche. Als er sie zu beißen versucht, hat sie die Nase voll und schmeißt ihn hochkant vom Hof – immerhin hat der Bauershund ihm schon ein paar Rüben zum Mitnehmen eingepackt.

Aber so kann’s nicht eingehen, findet der noch gefräßigere Wolf, und schlägt ihm einen Plan vor. Wenn niemand vor dem Fuchs Angst hat, dann muss er sich halt die Schwächsten vom Bauernhof mitnehmen und sie das Fürchten lehren: frisch gelegte Eier. Gesagt, getan: In der nächsten Nacht stiehlt der Fuchs die drei Eier unterm Hintern der Henne weg. Dummerweise identifizieren die drei Küken direkt nach dem Schlüpfen den Fuchs als ihre Mama – und lassen sich auch nicht mehr vom Gegenteil überzeugen. Als er ihnen eine wirklich furchtbare Geschichte vom großen, bösen Fuchs erzählt, kriechen sie nur noch dichter an ihre Mama heran.

Le Grand Méchant Renard heißt diese Geschichte im Original und der Titel ist natürlich ironisch gemeint: Ein weicheres Herz als dieser Fuchs kann man kaum haben, aber was will man auch machen, wenn man von drei niedlichen Küken adoptiert wird? Das Lehrstück über den freiwillig-unfreiwilligen Adoptivvater ist ein Teil von Der kleine Fuchs und seine Freunde, einem beglückend komischen Animationsfilm aus Frankreich, dessen drei Episoden jeweils als eigenständige Stücke in einer von Tieren präsentierten Theateraufführung gezeigt werden.

Die ausführliche Kritik gibt es drüben bei kino-zeit.de! (Den Film gibt es, obwohl ein deutscher Kinostart geplant war, nach wie vor leider nur auf französischsprachiger DVD.)

LE GRAND MECHANT RENARD ET AUTRES CONTES – Bande-annonce officielle (2017)

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Der kleine Spirou (2017)

Wozu sollte man Abenteurer werden, fragt der Großvater, wenn man auch Hotelpage sein kann? Die Hotelgäste erzählen dir ihre Abenteuer und Geschichten – und schon hast du alle Vorteile ohne die lästigen Nachteile.

Das funktioniert natürlich nicht so richtig bei einem präpubertierenden Jungen, den es in die Welt zieht und der schon beim Betreten eines Aufzuges klaustrophobische Beklemmungen bekommt. Und das sind auch nicht gerade perfekte Voraussetzungen für die von der Familie vorausbestimmte Karriere als Hotelpage, der die Familie Spirou allerdings seit Generationen treu ist. Vater, Mutter, Großvater, alles Pagen – nur einen Onkel gibt es, der war irgendwie ein schwarzes Schaf und zog in die Welt hinaus …

Wer die Abenteuer von Spirou und Fantasio kennt, die berühmte belgische Comicreihe, die André Franquin groß gemacht hat, weiß natürlich schon, worauf es hinauslaufen wird: Spirou wird Abenteurer und Held wilder Geschichten, die Uniform des Hotelpagen aber wird er niemals so richtig los. Von Spirous Kindheit hatten zuerst Franquins Nachfolger, Tome und Janry (eigentlich Philippe Vandevelde und Jean-Richard Geurts), erzählt – und nun hat Nicolas Bary einen Film daraus gemacht, mit einem Gutteil des bekannten Personals, aber nur einem Bruchteil der Komik.

Was mich besonders an Der kleine Spirou genervt hat, und was ihn dann fast noch gerettet hätte, habe ich ausführlich für kino-zeit.de aufgeschrieben.

DER KLEINE SPIROU Trailer Deutsch German (2018)

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Der kleine Spirou (Le petit Spirou), Frankreich/Belgien 2017. Regie: Nicolas Bary, 86 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 15. November 2018.

Santa & Co. (2017)

Die Film-Weihnachtsmänner der Gegenwart stehen, so scheint es, unter dem Druck, zeigen zu müssen, wie das denn bitte gehen soll mit den ganzen Geschenken. Immerhin machen Kinder ja etwa ein Viertel der Weltbevölkerung aus – 2 Milliarden Wunschzettel, ob geschrieben oder im Herzen getragen, wären also zu beantworten. Arthur Weihnachtsmann hatte deshalb vor einigen Jahren die Elfen am Nordpol in militärisch strukturierte Ordnung gebracht; das erscheint den friedlichen Gedanken des Festes zwar doch sehr entgegengesetzt, aber dafür müsste ein Film seine eigenen ideologischen Voraussetzungen hinterfragen – während er völlig unironisch von einem durch Coca-Cola rot eingefärbten Weihnachtsmann erzählt.

Santa & Co. gibt sich etwas mehr ironische Distanz – Santa läuft ganz in grün herum und weiß überhaupt nicht, was dieses „Coca-Cola“ sein soll, und sein Schlitten schiebt später, knapp über die Champs-Elysées fliegend, unfreundlich einen roten Lieferwagen der Marke zur Seite. Da mag sich ein französischer Film von so einem komisch-amerikanischen Getränkeladen nichts vorschreiben lassen.

Auch wenn ich gerade eben gesehen habe, dass zumindest der deutsche Trailer (unten zu sehen) aus dem roten Lieferwagen mit Markenlogo einen weißen Lieferwagen ohne jede Kennzeichnung machtSanta & Co. ist in der Tat ein erstaunlich witziger und emotional ehrlicher Weihnachtsfilm geworden. Was man bei Alain Chabat nicht unbedingt erwartet hätte. Meine ausführliche Kritik bei kino-zeit.de findet Ihr hier.

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Santa & Co. – Wer rettet Weihnachten? – Trailer Deutsch HD – Ab 26.10.18 im Handel!

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Santa & Co. – Wer rettet Weihnachten? (Santa & Cie.), Frankreich 2017. Regie: Alain Chabat, 96 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren.

Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer (2017)

Eine konsequente Folge der Superheld_innen im Kino wäre ja eigentlich: Jede Region braucht ihre eigenen. Schließlich ist es keineswegs logisch, dass die Supers und ihre Antagonist_innen immer nur amerikanische Städte in Schutt und Asche legen. Nein, jeder Kontinent, jedes Habitat, jedes Ökosystem braucht mindestens ein eigenes Superteam!

Und deshalb also auch der Dschungel. Bevor sich die Avengers und ihre fußlahmen DC-Kollegen (Wonder Woman bewusst ausgenommen) totgelaufen haben, kommt nun rechtzeitig noch Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer ins Kino, im Grunde die, wenn ich richtig gezählt habe, dritte Langfilmadaption (aber die erste in deutschen Kinos) einer französischen Fernsehserie, die 2014/2015 auch hierzulande zu sehen war.

Vollständige Kritik auf kino-zeit.de lesen!

Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer – Trailer Deutsch HD – Am 06. & 07.01.2018 im Kino!

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Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer (Les As de la Jungle), Frankreich 2017. Regie: David Alaux, 74 Minuten. Kinostart: 4. Januar 2018. Empfohlen ab 8 Jahren.

Foto: Splendid/24 Bilder

Michel-Kinderfilmfest: Adama (2015)

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Helles Licht, Brauntöne, Grün, blaues Wasser: Adamas Welt ist voller Farbe. Der 12jährige lebt mit seinen Eltern und seinem großen Bruder Samba ein anscheinend weitgehend sorgenfreies Leben in einem Dorf irgendwo in Westafrika. Geschützt liegt der Ort auf einer Tiefebene, rundherum steile Felswände, dahinter die Welt der Winde: Die Außenwelt, vor der die Älteren im Dorf warnen. Von dort kommt Unglück und Versuchung.

michel-logo Samba will sich damit nicht zufriedengeben. Er sucht die Weite, ist ihrem Ruf längst erlegen, als die Feier zu seiner Initiation unterbrochen wird, weil der Dorfälteste eine Möwe als schlechtes Omen versteht. Noch in der gleichen Nacht bricht er auf, zu einem fremden Volk als Krieger will er dazustoßen – seinen Sold in Goldstücken, den er vorab bekommen hat, lässt er für seine Familie da.

Das Dorf ist am nächsten Morgen in Aufruhr und gibt den aufsässigen jungen Mann verloren. Adama erträgt das nicht: Er greift sich Sambas Gold und läuft ihm hinterher – durch die Wüste zu einer Küstenstadt, in ein riesiges Schiff hinein (dem seinen hinterherfahrend), nach Paris, an die Front…

Wir schreiben das Jahr 1916, die Geschichte von Adama und Samba ist eine fiktionale Variation auf die gern vergessenen Schicksale der „Force noire“ bzw. „Tirailleurs sénégalais“. Frankreich rekrutierte – mehr oder minder freiwillig – in seinen schwarzafrikanischen Kolonien Kämpfer für seine Armeen, die im ersten (und später auch zweiten) Weltkrieg an der Seite französischer Soldaten kämpften.

Adamas Reise führt vom Licht und den offenen, sonnigen Himmeln Afrikas hin zu den wolkenverhangenen Tagen und Nächten in Frankreich, hin zu den zunehmend düsteren, dunklen Schützengräben von Verdun. Regisseur Simon Rouby nimmt sich in seinem ersten Langfilm dabei so einige historische Freiheiten (bis hin zur insgesamt völlig unwahrscheinlichen Erzählung über Adama selbst, die eine Coming-of-Age-Geschichte als Mysteriendrama und Abenteuerfilm erzählt), aber neben seiner eigentlichen Erzählung fungiert der Film erfolgreich als historisches Denkmal.

Die Filmbilder haben stellenweise die Qualität von Ölgemälden – das bewirkt die Produktionsweise der Animationsbilder. Die Figuren wurden zuerst von Hand modelliert und dann als 3D-Modelle per Computer animiert, während die Hintergrundbilder in 2D gemalt wurden. So stechen die Figuren deutlich heraus, wirken aber, als seien sie mit ständig wechselnden Pinselstrichen gemalt, manchmal gar, als seien sie immer neu aus changierendem Lehm geformt. Immer sind sie dicht an der Erde, nie ganz scharf bis ins letzte Detail konturiert: Unvollständig, werdend.

Es gibt viel Ungerechtigkeiten und auch einige Gewalt in diesem Film; am Ende steht eine Auflösung, die wunderbare Rettung sein könnte oder Tod, unendliches Glück oder Wahnvorstellung der Todgeweihten. Man weiß es nicht. Abdu, der Narr, geleitet Adama und Samba, endlich wieder vereint, dorthin; und dieser Narr, von Anfang an unschuldig und wirr, klar und wahnsinnig, erdet alles, was in Adama geschieht. Er warnt vor den falschen Götzen, vor Gier und Irrtum: „Ihr werdet alle ins Feuer geworfen. Rettet diejenigen, die nicht vergessen haben, woher sie kommen.“

Retten, und: gegen das Vergessen anrennen.

Teaser ADAMA de Simon Rouby

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Adama. Frankreich 2015. Regie: Simon Rouby. 82 Minuten, empfohlen ab 12 Jahren.

(Fotos: Ocean Films)

Michel-Kinderfilmfest: Phantom Boy (2015)

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Superheld zu sein, das ist eigentlich eine klare Angelegenheit: Muskulöser Held (oder Heldin) im meist hautengen Anzug, selbstbewusst trotz gelegentlicher Selbstzweifel, stark, aktiv, gerne mal fliegend und jedenfalls den Bösewichtern aufs Maul gebend. Natürlich ist eigentlich Heldentum, falls das überhaupt ein sinnvolles Konzept sein sollte, meist ganz anders: Stiller, mit langem Atem und oft genug gar nicht besonders sichtbar.

michel-logo Phantom Boy ist ein solcher Superheldenfilm, eine Geschichte voller Ambivalenzen und dunkler Ecken, da ist nichts so ganz geradeaus. Als der kleine Held der Geschichte, Léo, seine Superkraft entdeckt, glaubt man zunächst, man sehe ihm beim Sterben zu: Ein Phantom seiner selbst verlässt seinen anscheinend schlafenden Körper, Léo muss ins Krankenhaus, offenbar für länger. Die Gespräche der Eltern und Ärztin lassen erahnen: Das Kind hat Krebs, es wird nicht leicht, und Léos kleine Schwester Titi leidet darunter besonders.

Keine falschen Konflikte also: einfach eine liebevolle kleine Familie in New York. Draußen auf der Straße jagt der etwas übereifrige Polizist Alex Verbrecher, aber weil dabei wiederholt sehr viele Gegenstände und Gebäude zu Bruch gingen, muss er nun als Strafe am Hafen Wache stehen, sein Chef hält ihn für einen Wichtigtuer – und glaubt ihm dann auch nicht, als er auf seinem Posten von einem Bösewicht fast umgebracht wird, der die ganze Stadt erpressen will.

Im Krankenhaus treffen die beiden unwahrscheinlichen Helden dann aufeinander: der schwache Junge mit dem kahl gewordenen Schädel und der Polizist mit Gipsbein im Rollstuhl – Léo holt Alex’ Geist zurück, als der seinen Körper verlassen will, so finden sie zueinander. Léo lässt sein Phantom dann schwerelos durch die Stadt, durch Wände und Türen gleiten auf der Suche nach Alex’ Übeltäter, schließlich hilft er auch der Journalistin Mary, die sich auf die Jagd nach dem Erpresser begibt.

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Ein missachteter Polizist, ein geheimnisvoll entstellter Erpresser – sein Gesicht gleicht einem Portrait von Picasso – und ein fliegender Held: In Phantom Boy stecken all die Versatzstücke drin, die man aus den „großen“ Heldenfilmen kennt, aber das französische Duo Jean-Loup Felicioli und Alain Gagnol macht daraus in Ton und Haltung etwas ganz anderes. Eine subtile Geschichte ohne große moralische Botschaft, ein kleines Zauberfest des Animationskinos, das, ohne einen falschen Schritt zu machen, ohne Vertun im Rhythmus, von Polizeifilm zu Komödie zur Tragödie wechselt und wieder zurück.

Die beiden haben schon den seinerzeit für den Oscar nominierten Une vie de chat zusammen gemacht (einen wunderbaren animierten Krimi) und Das Geheimnis der Frösche, sie bleiben hier ihrem Animationsstil treu – klassisch anmutende, flächige Animationen, reduziert aufs Notwendige und doch lebendig und lebensnah. Vor allem aber füllen sie ihre Figuren mit Leben – bei aller Phantastik in der Geschichte sind es dann eben die menschlichen Momente, die berühren. Man hat wirklich Angst um Leos Leben – mehr als um das Gelingen von Marys Mission – und vielleicht vor allem um Titi willen. (Und genau wegen dieser Ängste ist der Film für sehr empfindsame Kinder womöglich etwas zu viel, bleibt doch gelegentlich die Ungewissheit – dem Happy End zum Trotz – stellenweise etwas lange im Raum stehen.)

Das ist großes kleines Animationskino, spannend und feinfühlig, und ich kann nur wieder kopfschüttelnd danebenstehen und mich wundern, dass der Film des französischen Studios folimage (die im übrigen mit großer Regelmäßigkeit gute bis großartige Filme in die Welt setzen) hierzulande noch keinen Verleih gefunden hat. Frankreich, du hast es halt doch stellenweise wesentlich besser.

Phantom Boy [Bande annonce ] Au cinéma le 14 octobre 2015

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Phantom Boy. Frankreich/Belgien 2015. Regie: Jean-Loup Felicioli und Alain Gagnol. 84 Minuten, empfohlen ab 9 Jahren.

Phantom Boy wird am Donnerstag, den 6. Oktober 2016, um 14:30 Uhr auf dem Michel Kinderfilmfest in Hamburg im Abaton-Kino gezeigt.

(Fotos: folimage/Diaphana)