Der kleine Nick macht Ferien (2014)

Eine Filmkritik, und ich verspüre das Bedürfnis, mich schon für sie zu entschuldigen, noch bevor der erste Satz überhaupt mit einem Punkt beendet wurde. Aber ich habe meine Gründe dafür, warum ich Der kleine Nick und die Ferien zwar ganz unterhaltsam fand, aber nicht wirklich lustig und vor allem nicht wirklich gut. Mein größtes Problem mit dem Film, vielleicht etwas plump zusammengefasst, lautet: Es geht nicht um den kleinen Nick.

Natürlich taucht er auf: Mit seiner Familie fährt er in den Sommerurlaub an den Strand; mit der Ernsthaftigkeit eines Grundschülers ist er in ein Mädchen verliebt, und es schmerzt ihn sehr, sie in Paris zurücklassen zu müssen. Im Städtchen am Strand findet sich dann schnell eine kleine Jungenclique zusammen, die den Urlaub irgendwie erträglich macht mit Streichen und Spielen; und dann ist da das Mädchen, das erst abschreckend ist und dann aber doch so verliebenswert, so dass Nick mit ihr gar durchbrennen will.

So weit, so nah auch an René Goscinnys Erzählungen; aber da hören die Ähnlichkeiten auch auf. Es fehlt die kindliche Erzählerstimme, die Der kleine Nick eigentlich ausmacht; der unschuldig-trockene Blick auf die seltsame Welt und die Freunde. Und damit fehlt dem Film aber – wie seinem Vorgänger schon – der Fokus auf die Kinder. Stattdessen nimmt der Film, im verzweifelten Versuch, ein Familienfilm zu sein, die Erwachsenen ins Visier. Mit einem italienischen Filmmogul, der Nicks Mutter als Schauspielerin engagieren will, der Eifersucht des Vaters undsoweiter. Aber das alles ist eben dezidiert nicht kindlich, zudem ein ironischer, gelegentlich herablassender Blick auf die französische Nachkriegsgesellschaft. „Der kleine Nick macht Ferien (2014)“ weiterlesen

„Korridor links, letzte Tür rechts“: Im Labyrinth der Asterix-Filme

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Eine ausführliche historische Würdigung von Alexander Matzkeit

Louis Clichy und Alexandre Astier gelingt in ihrem Film Asterix im Land der Götter etwas Besonderes: Dem gewöhnungsbedürftigen 3D-Look zum Trotz besitzen die unbeugsamen Gallier, ihre Gegenspieler und Alliierten, einen Charme, wie man ihn seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr in Asterix-Verfilmungen gesehen hat. Der Ursprung dieses Charmes mag darin liegen, dass Clichy seine Lehrjahre unter anderem bei Pixar absolviert hat. Dem US-Studio gelang es schließlich in der Vergangenheit, von alten Spielzeugen bis quadratischen Robotern so ziemlich jedem Wesen eine computeranimierte Seele abzutrotzen.

Vielleicht aber haben sich Clichy und Astier auch sehr bewusst auf den Geist von Asterix-Erfinder René Goscinny besonnen. Dessen Geschichten lag bis zu seinem Tod 1977 bei allem satirischen Biss immer eine besondere Güte inne. Ein Humor, der stets ins Schwarze traf, aber selten verletzte.

Vielleicht lag es daran, dass Goscinny selbst so ein großer Zweifler an seinen Fähigkeiten war und deswegen nie aus einer Haltung der Arroganz heraus schrieb. Albert Uderzo, seinem Freund und Co-Erfinder der Gallier, gelang es lange Zeit, diesen gütigen Geist auch nach Goscinnys Tod in die Comics zu retten. Und auch wenn diese spätestens ab den Neunzigern ebenfalls an Qualität verloren: Asterix blieb auch dreißig Jahre nach dem Tod seines geistigen Vaters, wer er immer gewesen war.

Die animierten Abenteuer des gallischen Kriegers erzählen allerdings eine ganz andere Geschichte – wenn auch eine, die erschreckend wenig dokumentiert und erforscht wurde. Fast immer muss man sich auf nicht direkt belegbare Aussagen verlassen, wenn man etwas über die Asterix-Zeichentrickfilme erfahren will. Außer Fernsehdokumentationen und Pressetexten gibt es eigentlich kein Material. Ich will mich trotzdem an einem Überblick versuchen.

Asterix der Gallier: zu ehrfürchtig gegenüber dem Comic

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Als Asterix der Gallier (Astérix le Gaulois) 1967 fertiggestellt wurde, war der kleinwüchsige Krieger längst ein Star. Sechs Jahre zuvor hatte er in der Jugendzeitschrift Pilote sein Comic-Debüt gefeiert, inzwischen war er das Zugpferd des Magazins, dessen Chefredakteur nun auch René Goscinny hieß. Auch Goscinny war so etwas wie ein Star in Frankreich, mindestens in intellektuellen Kreisen.

Vielleicht ist Asterix der Gallier deswegen so ehrfürchtig gegenüber dem Text, den er adaptiert. Verleger Georges Dargaud und das belgische Trickstudio Belvision produzierten ihn ohne jedes Mitspracherecht der Asterix-Erschaffer zunächst für’s Fernsehen, dann aber doch für’s Kino. „„Korridor links, letzte Tür rechts“: Im Labyrinth der Asterix-Filme“ weiterlesen