Kurzfilm zum Wochenende: Leitmotif (2009)

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Kein dezidierter Kinderfilm, aber eine kleine musikalisch erzählte Geschichte von einem einsamen Jazzmusiker, der nur eine weiße Katze zur Gesellschaft hat, sich aber nach seiner Jazzband zurücksehnt. Der Film entstand 2009 als Abschlußarbeit von Jeanett Nørgaard, Marie M. T. Tørslev, Marie Jørgensen und Mette Ilene Holmriis am dänischen Animation Workshop (hier mehr Infos zum Film; gefunden via). Leitmotif lief anschließend auf zahlreichen Festivals und gewann auch ein paar Preise. Für Kinder ab vier, fünf Jahren sollte das ein unproblematischer Genuss sein.

Schönes Wochenende!

Der kleine Rabe Socke (2012)

Der kleine Rabe Socke ist, wie soll man das sagen: Kein Kind von Traurigkeit? Nicht eben der nachdenkliche Typ? Ach, machen wir kein großes Federlesen drum: er ist frech, vorlaut, von sich selbst eingenommen und gelegentlich schlicht und ergreifend rücksichtslos. Er lügt und schummelt und nutzt auch schon mal seine Freunde schamlos aus, wenn er das brauchen kann. Nur richtig bösartig, das ist er eben eigentlich nicht, er hat auch Angst, vor allem vor dem Alleinsein, nur eingestehen kann er das weder sich selbst noch seinen Freunden so richtig. Und damit ist er: eine ganz und gar großartig ambivalente Figur, sicher in höchstem Maße zur Identifikation geeignet, denn wie sollte ein Rabe mit gestreifter Socke noch näher an unseren eigenen Schwächen sein?

Für den bezaubernden Animationsfilm Der kleine Rabe Socke durchlebt Socke nun ein besonderes Abenteuer: Weil er ein wenig zu forsch dabei vorgeht, sich aus dem Staudamm oberhalb der Siedlung im Wald Holz für seine eigenen Zwecke zu rupfen, bringt Socke alle in Gefahr. Der Staudamm droht zu bersten, und da können nur die Biber noch helfen. Die aber wohnen außerhalb des Waldes, wo noch keiner von Sockes Freunden war; mit Tricks und Mühen überredet er Wolle und Eddi, mit ihm zu kommen – aber auch dann ist es noch nicht ganz einfach, die Biber auch nur zu finden. Zumal Socke sich mit seinen Lügengeschichten irgendwann furchtbar selbst im Wege steht. Derweil sind daheim ihre Freunde sehr damit beschäftigt, die Schäden am Staudamm vor Mutter Dachs geheimzuhalten… „Der kleine Rabe Socke (2012)“ weiterlesen

Der Mondmann (2012)

Der Mondmann ist etwas einsam auf seinem Mond, und langweilig ist ihm womöglich auch. Er greift nach dem Schweif eines vorbeifliegenden Kometen und lässt sich zur Erde tragen, wo er Gerüche, Pflanzen und Tänze kennenlernt und schließlich den Erfinder Bunsen van der Dunkel. Allerdings erfährt auch der Präsident, der über die ganze Erde herrscht, von der Ankunft des Mondmannes, und eröffnet bald die Jagd auf ihn – denn da die Erde nun ganz erobert ist, bleibt als nächstes nur, wie eine Frau mit roten Haaren im einflüstert: “der Mond, der Mond”.

Es ist ein kleines Wunder und womöglich ein Wunder der Handlungsentwicklung, wie man aus einem schmalen, eher bescheidenen Bändchen wie Der Mondmann von Tomi Ungerer (amazon) einen Film von 95 Minuten machen kann; und weil die wenigen Seiten tatsächlich nicht genug Stoff hergeben, finden sich im Drehbuch von Stephan Schesch, der auch Regie führte, so allerhand andere Figuren, die zum Teil direkt (die Verführerin mit den roten Haaren), zum Teil weniger direkt aus anderen Werken des Ungerer-Kosmos entsprungen zu sein scheinen und sich hier mehr oder minder gut einfügen. (Dem Autor scheint’s gepaßt zu haben, Ungerer ist als Erzähler eingesprungen und immer wieder zu hören. Wie überhaupt illustre Namen zu den Sprecher_innen gehören: Katharina Thalbach (als Mondmann), Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch.) „Der Mondmann (2012)“ weiterlesen

Kurzfilm zum Wochenende: Monster and Dumpling (2011)

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Der Film sieht ganz anders aus, als es das obige, aus dem Abspann stammende Bild erahnen lässt, und die computergenerierten Bilder aus dem Kurzfilm des jungen amerikanischen Filmemachers Jihwan Jung scheinen auf den ersten Blick aus den Tiefen des Uncanny Valley zu stammen… aber dann sind die Augen vor allem deshalb so leblos, weil der eine Protagonist blind ist. Hier also: wie ein Monster und ein blindes Kind zueinander finden. Sicher nichts für die ganz Kleinen, und insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig, aber doch zurecht mehrfach preisgekrönt:

Schönes Wochenende!

Madagascar 3: Flucht durch Europa (2012)

Ich muss gestehen, dass ich nicht eben ein großer Fan der Madagascar-Filme bin; vor allem der erste Streifen war mir zu schlicht in seiner Grundanlage und dann zu chaotisch und zu laut, um sich, trotz einzelner wunderbarer Ideen (bezeichnenderweise vor allem in den Nebenfiguren sichtbar), wirklich in mein Herz zu zaubern. Hinzu kommt, dass ich Franchise-Unternehmungen vor allem im Kinderfilm immer sehr skeptisch gegenüberstehe – gerade im Trickfilm folgten oft auf mediokre, aber halbwegs erfolgreiche Erstlinge ein Schwung billiger Direct-to-Video-Produktionen, die man keinem Kind ernsthaft mehr zumuten möchte.

Madagascar 3 nun überraschte mich insofern, dass es auf der einen Seite gar nicht erst ernsthaft versuchte (was viele Franchises machen), mehr des Gleichen zu bieten, sondern sich an der konsequenten Austreibung von Handlungselementen versuchte. Auf der anderen Seite verlangt es (auch deshalb) aber genaues Wissen darüber, mit wem man es hier eigentlich zu tun hat und was diese Figuren antreibt. Mit anderen Worten: der Löwe Alex, das Zebra Marty, die Giraffe Melman und die Nilpferddame Gloria werden überhaupt nicht mehr vorgestellt (ebensowenig wie die Pinguine, die Affen und alle anderen Figuren, die aus den ersten beiden Filmen bekannt sind), und es wird auch nicht erklärt, nur ein wenig gezeigt, warum die Tiere unbedingt nach New York (zurück) wollen. „Madagascar 3: Flucht durch Europa (2012)“ weiterlesen

Traumatische Momente im Kinderfilm

Die wenigsten Kinderfilme sind ganz frei von erhöhten Spannungsmomenten – es macht ja oft den Genuß entscheidend aus, dass Konflikte aufgebaut und wieder gelöst werden (oder eben nicht). Aber manche Momente sind auch in Filmen für Kindern schon sehr hart am Existentiellen. Fünfzig solcher Augenblicke hat die amerikanische Seite collegehumor.com zusammengetragen und in einem kleinen Video hintereinandergeschnitten. Nicht alle Filme sind dezidierte Kinderfilme und würden hier herpassen, manche sind in Deutschland praktisch unbekannt – aber der eine oder andere Moment wird wahrscheinlich allen meinen Leser_innen bekannt vorkommen.

(Direktlink zu den Traumata; danke, Daniel!)