Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019)

In diesem Jahr möchte ich als eine mehr oder minder regelmäßige Einrichtung in jedem Monat (mindestens) einen Kinderfilm besprechen, bei dem eine Frau Regie geführt hat; den Hashtag dazu nenne ich #12FilmsByWomen, eine provisorische Filmliste gibt es hier, weitere Vorschläge sind stets willkommen.

Wir haben Als Hitler das rosa Kaninchen stahl im Kino gesehen, in einer ganz normalen Sonntagsvorstellung, es war für Fuldaer Verhältnisse bemerkenswert gut besucht, außer uns waren noch einige weitere Familien da, auch mit kleineren Kindern. In etwa gleicher Zahl wie die Familien waren aber auch und vielleicht sogar vor allem grauhaarige Menschen anwesend, vor allem Frauen.

Das muss nicht wundern, der Stoff ist ja nun etwas, mit dem vor allem unsere Generation und die vor uns aufgewachsen ist – Judith Kerrs Buch ist 1971 erstmals erschienen, 1973 auf Deutsch. Und der Name Caroline Link verspricht jedenfalls eine Verfilmung, die auch die ungeübten Kinogänger_innen nicht vor den Kopf stößt. Christel Strobel zitiert sie mit dieser Perspektive auf die Buchvorlage:

Man kann finden, dass dieser subjek­tive Blick auf Vertrei­bung harmlos erscheint, aber ich denke, gerade das zeichnet Judith Kerrs Buch aus. Kinder und Jugend­liche müssen sich vor dieser Geschichte nicht fürchten. Es ist keine Holocaust-Geschichte, die man jungen Menschen nicht zumuten mag.

Relativ dicht hinter saßen alte Damen, die sich gegenseitig befragten, ob die anwesenden Familien wohl womöglich im falschen Film gelandet seien oder ahnungslos seien ob des Inhalts. “Die haben vielleicht nur ‘Rosa Kaninchen’ gelesen, gleich merken sie womöglich, dass das kein Kinderfilm ist!”

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Die langen großen Ferien (2015)

Die Fragen beginnen spätestens mit der Einschulung: „Papa, wer war eigentlich Hitler?“ Es muss noch nicht einmal auf dem Lehrplan stehen, die Kinder reden ja auch untereinander, sie hören rechts und links zu, sehen Titelblätter von Zeitschriften und Werbung für seltsame Dokumentationen auf Netflix oder n-tv. Da türmt sich schnell ein Berg an schwierig zu behandelnden Themen auf. Was dabei am besten hilft: Geschichten! Die französische Animationsserie Die langen großen Ferien etwa erzählt in zehn halbstündigen Episoden von den Erlebnissen einer Gruppe französischer Kinder zwischen 1939 und 1945.

Fern von den politischen Zentren (und auf gewisse Weise doch mitten im Weltgeschehen) sollen die Geschwister Colette und Ernest in einem kleinen Dorf in der Normandie eigentlich nur die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen – aber die Mutter wird krank und so bleiben die zwei jungen Pariser eben auf dem Bauernhof: Colette (deren erwachsenes Ich die Geschichte rückblickend erzählt) wird im Dorf eingeschult. Schnell finden die Geschwister neue Freunde und ihre Bande, die „Robinsons“, richtet sich in einem verfallenen Haus im Wald einen geheimen Unterschlupf ein.

Warum Die langen großen Ferien eine so wunderbare Fernsehserie ist, lehrreich und nie belehrend, habe ich in meinem Familientipp für filmstarts.de genauer aufgeschrieben. (Bestellen bei amazon)

Nachtrag: Das ZDF hat schönes Begleitmaterial für Eltern und Lehrer zur Serie zusammengestellt. Ich persönlich würde die Serie für Kinder ab 8 Jahren empfehlen; es gibt keine direkten Szenen von Gewalt und Grausamkeiten, aber das Thema führt natürlich zwangsläufig zu Gesprächen, die für Kinder auch emotional schwierig sein können.

(Fotos: polyband)