Kinder (2019)

Was machen die Kinder eigentlich so den ganzen Tag, wenn niemand zuschaut? Doch, wirklich, Eltern kennen das, diesen tiefsitzenden Wunsch, zuschauen zu können, „Mäuschen zu spielen“, wie man so sagt – also einen Blick darauf zu bekommen, was ihr langsam selbständiger werdender Nachwuchs so treibt, wenn sie nicht zuschauen, wenn sie sich frei bewegen.

Mit Kinder kann Nina Wesemann diesen Wunsch erfüllen – natürlich nur scheinbar, denn wenn in ihrem Dokumentarfilm Kinder allein durch die Straßen Berlins streifen, dann streifen sie natürlich eben nicht allein, sondern wenigstens mit einer Kameraperson. Wobei sich auch darüber hinaus zeigt, wie wenig die Kinder unbedingt das Alleinsein suchen (manche schon, manchmal), sondern immer und immer wieder sich mit Freundinnen und Freunden treffen und herumtreiben, von Geschwistern zu schweigen.

Die Kinder- und Jugendsektion der Berlinale zeigt dieses Jahr auch einige Dokumentarfilme – meine Festivalkritik zu Kinder ist auf kino-zeit.de erschienen. Alle weiteren Infos zum Film gibt es auf der Website des Festivals.

Kinder. Deutschland 2019. Regie: Nina Wesemann, 77 Minuten. Empfohlen ab 8 Jahren. Aktuell auf der Berlinale.

(Foto: Leykauf Film)

Cleo (2019)

Hat wirklich jede Stadt eine Seele, ihre ganz eigene – nein, nicht nur Stimmung, sondern – Persönlichkeit? Das Kino sucht jedenfalls immer wieder danach, nach dem genius loci der Städte, und vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass amerikanische Filme diesen Geist ihrer doch noch recht jungen Städte, alle blutige Vorgeschichte ignorierend, eher in der Gegenwart suchen, während Europa schneller den Blick in die Vergangenheit wendet.

Erik Schmitt sucht nun in Cleo die Seele von Berlin, und, so suggeriert es die Art und Weise, wie das Mädchen von einem Erzähler eingeführt wird, eigentlich hat man sie schon gefunden: Denn Cleo, die Titelfigur, ist geboren quasi auf der Mauer, in der Nacht des Mauerfalls; ein Kind der Maueröffnung, Halbwaise zugleich – die werdenden Eltern wollen aus Ostberlin raus als Blutungen einsetzen. Da sind sie in ihrem Auto eingepfercht zwischen lauter johlenden Grenzgängern und kommen zu spät zum Rettungswagen: Es kann nur eine gerettet werden, Kind oder Frau.

Meine Festivalkritik zum diesjährigen Eröffnungsfilm der Kinder- und Jugendsektion der Berlinale ist am vergangenen Freitag auf kino-zeit.de erschienen. Alle weiteren Infos zum Film gibt es auf der Website des Festivals.

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Cleo. Deutschland 2019. Regie: Erik Schmitt, 99 Minuten. Empfohlen ab 9 Jahren. Aktuell auf der Berlinale.

(Foto: Detailfilm)

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess (2019)

„Bist du bereit für ein paar neue Erinnerungen?“ Es dauert eine ganze Weile, bis Sam diese Frage stellt, und bis dahin ist sehr viel passiert in der einen Woche seines Lebens, die er hier auf der Ferieninsel mit seinen Eltern und seinem großen Bruder verbringt. Und mit Tess, oder auch nicht, denn eigentlich will er sich ja im Alleinsein trainieren, jeden Tag ein wenig mehr und länger. Denn schließlich, das glaubt er verstanden zu haben, ist er der Jüngste in seiner Familie und wird also als letzter sterben, wenn kein anderer mehr da ist. Zeit also, sich jetzt schon darin zu üben – und wo wäre das besser möglich als hier, in den weiten Dünen direkt vor dem schmatzenden Watt?

Aus den Niederlanden kommen eh schon immer wieder ganz herausragende Kinderfilme, und Steven Wouterloods Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess schreibt sich sehr leichtfüßig in diese inoffizielle Tradition ein; und es lässt sich zumindest erahnen, warum das so ist. Der Film hält sich nämlich gar nicht damit auf, in den klaren Zuständen und Unterschieden des Lebens und Zusammenlebens ein Problem zu sehen. Sam ist mit Vater und Mutter unterwegs, die Mutter hat immer wieder Migräne, der Bruder nimmt den jüngeren nicht wirklich ernst; Tess‘ Mutter hingegen ist alleinerziehend, aber das ist zunächst einmal einfach ein Dasein wie andere auch.

Meine Festivalkritik zu diesem Berlinale-Film ist frisch auf kino-zeit.de erschienen. Alle weiteren Infos zum Film gibt es auf der Website des Festivals.

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess (Mijn bijzonder rare week met Tess). Niederlande/Deutschland 2019. Regie: Steven Wouterlood, 82 Minuten. Empfohlen ab 9 Jahren. Aktuell auf der Berlinale.

(Foto: Farbfilm Verleih)

Berlinale Generation 2019 – alle Filme

Am Freitag war es soweit: Das Programm der Berlinale Generation 2019 ist jetzt komplett. Die ersten Filme waren ja bereits im Dezember bekannt gegeben worden, nun sind auch die fehlenden hier zu finden:

Generation Kplus (Kinderfilme)

2040 von Damon Gameau (Australien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Der preisgekrönte australische Regisseur Damon Gameau ist nach seinem dokumentarischen Langfilmdebüt That Sugar Film (Generation 2015) zum zweiten Mal bei der Berlinale zu Gast. In seinem neuesten Werk begibt er sich auf eine weltumspannende Reise und geht angesichts der menschengemachten ökologischen Verwerfungen der Frage nach, wie eine lebenswerte Zukunft im Jahr 2040 aussehen könnte. Gestaltet in Form eines visuellen Briefs an seine vierjährige Tochter, verbindet Gameaus 2040 Elemente des klassischen Dokumentarfilms mit ausgefallenen Bildeffekten und nähert sich einem sonst vornehmlich in dystopischer Manier behandelten Thema auf optimistische, geradezu heitere Weise.

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Cleo von Erik Schmitt (Deutschland)
Weltpremiere – Debütfilm

An der Zeit drehen und alles vergangene Unglück rückgängig machen: Cleos größter Wunsch rückt plötzlich in greifbare Nähe, als sie von einer Schatzkarte erfährt, die das Versteck einer magischen Uhr verrät. Gemeinsam mit Zufallsbekanntschaft Paul und zwei schrulligen Hobby-Schatzsuchern macht sie sich auf eine turbulente Reise durch die Zeiten und quer durch Berlin. Nach seinen Kurzfilmen Nashorn im Galopp und Berlin Metanoia (14plus 2013 und 2016) kehrt der Berliner Regisseur Erik Schmitt in gewohnt markantem Stil mit seinem Langfilmdebüt zurück ins Programm von Generation.

Driveways von Andrew Ahn (USA)
Weltpremiere

In dem unter anderem von Trudie Styler (Regie und Produktion Freak Show, Generation 14plus 2017), Celine Rattray (ebenfalls Produktion Freak Show) und James Schamus (Indignation, Panorama 2016) produzierten Film fährt der fast neunjährige Cody zusammen mit seiner Mutter zum Haus seiner verstorbenen Tante. Während sie das Haus der Schwester räumt, muss er sich die Zeit selbst vertreiben. Mit den Nachbarskindern kann der introvertierte Junge nicht viel anfangen. Doch mit dem mürrischen, 83-jährigen Ex-Militär Del von nebenan verbindet ihn bald eine ungewöhnliche Freundschaft, die in ihrer zwanglosen Leichtigkeit alle Aspekte des Lebens berührt. Am Ende steht eine neue Reise bevor.

Kokdu: A Story of Guardian Angels von Kim Tae Yong (Republik Korea)
Europäische Premiere

Nach Man chu (Forum 2011) ist Regisseur Kim Tae Yong in diesem Jahr erstmals bei Generation vertreten. Sein jüngstes Werk, die filmische Adaption eines koreanischen Theaterstücks, entfaltet ein turbulentes Märchen der ganz anderen Art: Bei dem Versuch, die arglos gegen einen Welpen eingetauschten Schuhe ihrer sterbenden Großmutter zurückzubekommen, geraten die Geschwister Su-min und Dong-min unversehens selbst in das Reich des Todes. Begleitet werden sie von vier Kokdus – mythischen Wesen, die den Toten auf ihrem Weg ins Jenseits beistehen.

Månelyst i Flåklypa (Louis & Luca – Mission to the Moon) von Rasmus A. Sivertsen (Norwegen)
Internationale Premiere

Nach Solan og Ludvig – Herfra til Flåklypa (Louis & Nolan – The Big Cheese Race, Generation Kplus 2016) sind die Elster Solan und der Igel Ludvig zurück bei Generation. Im jüngsten Werk des Animationsfilmers Rasmus A. Sivertsen wird eine norwegische Mission unter Leitung des genialen Erfinders Reodor zum Mond geschickt. Und was kann schon schiefgehen, wenn Solan als mutiger Astronaut mit von der Partie ist? Anscheinend ziemlich viel. Auf der turbulenten Reise werden blinde Passagiere entdeckt, geheime Pläne enthüllt – und nichts scheint zu funktionieren wie geplant.

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Sune vs Sune von Jon Holmberg (Schweden/Dänemark)
Internationale Premiere – Debütfilm

Mit gezogenen Schwertern und mächtigen Laser-Kanonen zieht der zehnjährige Sune mit seinem jüngeren Bruder und seiner besten Freundin Sophie in epische Phantasieschlachten. Doch nach den Sommerferien erwarten ihn veränderte Realitäten: Ein neuer Mitschüler fordert ihn heraus, sein Name ist ebenfalls Sune. Mit viel Humor und schier unerschöpflichem Einfallsreichtum erzählt Regisseur Jon Holmberg in seinem Langfilmdebüt von Versagensängsten und allzu menschlichen Verhaltensweisen, sich diesen zu stellen.

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Where We Belong von Jacqueline Zünd (Schweiz)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Für Alyssia und Ilaria ist jeder Abschied auch ein Wiedersehen. Eben noch an der italienischen Mittelmeerküste, stehen sie nun auf dem Parkplatz einer Esso-Tankstelle und warten, dass das Auto ihres Vaters um die Ecke biegt. Liebevoll sagen sie ihrer Mutter „Bis bald“. Denn die Eltern der Schwestern leben getrennt. So wie auch Carleton, Sherazade und Thomas haben die beiden einen Weg gefunden, damit umzugehen. Die Schweizer Dokumentarfilmerin Jacqueline Zünd nimmt sich viel Zeit für die Portraits fünf sehr unterschiedlicher Protagonist*innen, die vielleicht eher als die Erwachsenen verstanden haben, dass man, um Vater und Mutter zu sein, nicht zusammenleben muss.

Generation 14plus (Jugendfilme)

By the Name of Tania von Bénédicte Liénard und Mary Jiménez (Belgien/Niederlande)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Träge fließt der Amazonas durch die von Goldminen zerklüftete Landschaft im Norden Perus. Anhand realer Zeugenberichte schildern die Regisseurinnen Bénédicte Liénard und Mary Jiménez die Geschichte einer jungen Frau, die bei dem zunächst hoffnungsfrohen Versuch, der Enge ihres Heimatdorfs zu entkommen, in die Fänge der Zwangsprostitution gerät. Schritt für Schritt wird sie ihrer moralischen und physischen Integrität beraubt. Dagegen setzt der Film einen Raum der Würde und gibt einem namenlos gewordenen Schicksal Stimme und Identität zurück. Bildgewaltig versinnbildlicht die traumatische Odyssee des Mädchens in Verbindung mit den verheerenden Naturverwüstungen die Zerstörung des Lebens in einer kapitalistischen Welt.

Espero tua (re)volta (Your Turn) von Eliza Capai (Brasilien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Als im Jahr 2015 aufgrund der sich zuspitzenden Sozialkrise zahlreiche Schulen in São Paulo geschlossen werden sollen, besetzen Schüler*innen in einem beispiellosen Akt der Selbstermächtigung mehr als tausend öffentliche Gebäude. In ihrem dritten Langfilm zeigt die brasilianische Dokumentarfilmerin Eliza Capai anhand von Nachrichtenausschnitten, selbstgeführten Interviews und Aufnahmen von Handykameras der Demonstrant*innen die Entwicklung der vielstimmigen Proteste. Beginnend mit den ersten Demonstrationen 2013 bis hin zur Wahl des rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro 2018, gewinnt Capais hochpolitisches Werk täglich an Relevanz.

The Magic Life of V von Tonislav Hristov (Finnland/Dänemark/Bulgarien)
Europäische Premiere – Dokumentarische Form

Die junge Finnin Veera versucht, sich ihrer gewalttätigen Kindheit durch Live-Rollenspiele zu stellen. Ob als Zauberin oder Kriegerin – mutig konfrontiert sie ihre Widersacher und schöpft dadurch die Kraft, ihrem wahren Peiniger zu begegnen. Behutsam und in langsamen Schritten zeigt Tonislav Hristov in seinem intimen und persönlichen Portrait, wo die Ursachen für Veeras Bedürfnis nach ständiger Transformation liegen.

The Red Phallus von Tashi Gyeltshen (Bhutan/Deutschland/Nepal)
Europäische Premiere – Debütfilm

In den Weiten des Himalayas, in einem abgelegenen Dorf, fühlt sich die 16-jährige Sangay von Dämonen hinter blutroten Masken verfolgt. Ihr Vater hält fest an uralten repressiven Traditionen ihrer Kultur: Als angesehener Kunsthandwerker schnitzt er Phallusse aus Holz, die böse Geister vertreiben sollen. In archaischem Rhythmus erzählt der radikale Debütfilm des bhutanischen Autodidakten Tashi Gyeltshen vor gewaltiger Kulisse vom tragischen Kampf des Mädchens für Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit.

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Rekonstruktion Utøya (Reconstructing Utøya) von Carl Javér (Schweden/Norwegen/Dänemark)
Internationale Premiere – Dokumentarische Form

In geschütztem Raum und unter Betreuung von Psychologen vertrauen vier Überlebende des Amoklaufs, der im Sommer 2011 auf der norwegischen Insel Utøya verübt wurde, einer Gruppe von Jugendlichen ihre ganz persönlichen Erfahrungen an. Um das Erlebte zu bewältigen, werden Szenen aus dem Grenzbereich zwischen Leben und Tod eindringlich und minimalistisch rekonstruiert: Die Flucht vor den Schüssen, das Verstecken, die Angst. Mit großer Sensibilität schildert der renommierte Dokumentarfilmer Carl Javér die gemeinsame Aufarbeitung eines Traumas und das Erwachen neuer Hoffnung.

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Ringside von André Hörmann (Deutschland/USA)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Das jüngste Werk des renommierten Regisseurs, Autors und Produzenten André Hörmann zeichnet in einer ebenso geduldigen wie einfühlsamen Beobachtung den Weg der US-amerikanischen Boxtalente Kenny Jr. und Destyne Jr. nach. Aufgewachsen in der berüchtigten Chicagoer South Side, starten die beiden Freunde und Konkurrenten etwa zeitgleich eine vielversprechende Karriere. Bald jedoch trennen sich ihre Wege. Während Kenny beginnt, in der Welt des Profisports Fuß zu fassen, muss Destyne zunächst ins Gefängnis. Entstanden ist eine berührende Geschichte über Unterdrückung, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und die unbändige Kraft der Hoffnung, seinem Schicksal zu entkommen.

Shao nian de ni (Better Days) von Derek Kwok-Cheung Tsang (Hongkong/Volksrepublik China)
Weltpremiere

Nian versucht für die staatliche Gaokao-Prüfung zu büffeln, von der ihre Chancen auf einen Studienplatz abhängen. Dass sie unentwegt von ihren Mitschülerinnen schikaniert wird, ist dabei nicht gerade hilfreich. Eine nächtliche Begegnung führt die schüchterne Schülerin mit dem ausgebufften Trickser Bei zusammen. Als Nians Schul-Nemesis tot aufgefunden wird, geraten beide unter Verdacht. Derek Tsangs jüngster Spielfilm ist ein wilder Ritt zwischen kühlem Polizeithriller und überschwänglicher Romantik. Ein Melodrama, das viel von den sozialen und privaten Kräften erzählt, die in der chinesischen Gegenwart an zwei jungen Leuten zerren.

Alle anderen Filme der Generation finden sich hier.

(Foto: Maipo Film)

Erste Filme der Berlinale Generation 2019 bekanntgegeben

Die Berlinale hat gestern die ersten Filme bekanntgegeben, die auf der Berlinale 2019 in der Sektion Generation – also in der Rubrik für Kinder- und Jugendfilme – vorgestellt werden.

Generation Kplus (Kinderfilme)

Anbessa von Mo Scarpelli (USA/Italien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Asalif und seine Mutter trotzen den in Äthiopien allerorts erbauten modernen Wohnanlagen, indem sie ihr von der Natur und der Gemeinschaft geprägtes Leben fortführen. Die Einschnitte in seine gewohnte Lebenswelt und die Bedrohung durch die vor der Siedlung umherstreifende Hyäne kontert der Junge mit der Selbsterfindung als Held: als Anbessa, Löwe. In einer fantasievollen dokumentarischen Beobachtung lenkt Mo Scarpelli (Berlinale Talents Alumna 2018) ihren Blick auf soziale Realitäten und die Träume ihres zehnjährigen Helden.

Baracoa von Pablo Briones und The Moving Picture Boys (Schweiz/USA/Spanien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Der Sommer ist lang und heiß in dem kleinen kubanischen Dorf. Der neunjährige Leonel und sein 13-jähriger Freund Antuán sträuben sich gegen die Langeweile: Kaulquappen fangen, über Frisuren streiten, das Meer lockt, ein Umzug nach Havanna steht bevor. Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft im Wandel führt Baracoa in lyrisch-flirrenden Bildern mitten in den privaten Kosmos einer kindlichen Freundschaft. Am Ende wird Leonel selbst das Wort ergreifen und fügt sein eigenes Bild hinzu: vom Leben und der Welt, von Freundschaft und vom Filmemachen.

Daniel fait face (Daniel) von Marine Atlan (Frankreich)
Internationale Premiere – Debütfilm

In einer französischen Schule geschieht Unheimliches. Der zehnjährige Daniel ist auf einmal allein mit Marthe, die Begegnung ist so zart wie aufwühlend und findet in einer Art Vakuum statt. In Marine Atlans traumhaft anmutendem Langfilmdebüt tanzen Kinder in Zeitlosigkeit Tango, rezitieren Gedichte und üben für den Fall eines Anschlags.

Di yi ci de li bie (A First Farewell) von Wang Lina (Volksrepublik China)
Europäische Premiere – Debütfilm

In der Weite des Nordwestens Chinas, zwischen Baumwollfeldern und Wüste, lebt Isa mit seiner Familie in einer uigurischen Dorfgemeinschaft. Seine kranke Mutter und die schlechten Noten seiner besten Freundin machen dem Jungen das Leben schwer. In ihrem einfühlsamen Langfilmdebüt schildert Wang Lina eine Geschichte voller Abschiede vor der eindrucksvollen Kulisse ihrer eigenen Heimat.

Kinder von Nina Wesemann (Deutschland)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Die S-Bahn rauscht durch Berlin und durch das Leben von Emine, Marie, Christian und Arthur. Ihre Wege werden sich wahrscheinlich niemals kreuzen, doch es gibt eine Gemeinsamkeit: Sie sind Großstadtkinder. Ein Jahr lang hat Nina Wesemann den Alltag ihrer jungen Protagonist*innen dokumentiert. Der intime Einblick offenbart die sensible Seelenwelt von Heranwachsenden und fängt die unterschiedlichen Stimmungen der Jugendlichen und ihrer urbanen Umgebung ein.

Lotte ja kadunud lohed (Lotte and the Lost Dragons) von Janno Põldma, Heiki Ernits (Estland/Lettland)
Internationale Premiere

Im dritten Abenteuer ihrer Lotte-Reihe (Generation Kplus 2007 und 2012) schicken Janno Põldma und Heiki Ernits das neugierige Hundemädchen Lotte zusammen mit ihrer kleinen Schwester Roosi auf die Suche nach den feuerspeienden Drachen. Entstanden ist ein farbenfroher Animationsfilm, der nicht nur jede Menge skurriler Überraschungen bereithält, sondern auch die Begegnung mit vielen liebenswürdigen, schrulligen Figuren.

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Mijn bijzonder rare week met Tess (My Extraordinary Summer with Tess) von Steven Wouterlood (Niederlande/Deutschland)
Weltpremiere – Debütfilm

Als Jüngster der Familie ist Sam von dem Gedanken getrieben, eines Tages als einzig Überlebender allein zurückbleiben. Auf einem Familienurlaub am Strand begegnet er der unkonventionellen Tess, die ihre eigenen Geheimnisse mit sich herumträgt und ihm zeigt, dass die Gegenwart über Erinnerungen und Zukunftsängste triumphieren kann. Nach dem gleichnamigen Jugendbuch der preisgekrönten Schriftstellerin Anna Woltz erzählt Regisseur Steven Wouterlood in seinem Debütfilm mit leichter Hand von düsteren Themen.

Une colonie (A Colony) von Geneviève Dulude-De Celles (Kanada)
Internationale Premiere – Debütfilm

Im verfänglichen Klima zwischen Schulleben und den ersten Hauspartys tut sich die zwölfjährige Mylia schwer, ihren Platz zu finden. Dann lernt sie ihren eigenwilligen Mitschüler Jimmy kennen. Der Junge aus dem umliegenden Abenaki Reservat bestärkt sie darin, vorgegebene Linien zu überschreiten. Mit feinem Gespür für die Zwischentöne sozialer Beziehungen verfolgt Geneviève Dulude-De Celles‘ Spielfilmdebüt das Heranblühen ihrer Freundschaft und den Weg zu einer eigenen Identität.

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Generation 14plus (Jugendfilme)

Beol-sae (House of Hummingbird) von Bora Kim (Republik Korea)
Europäische Premiere – Debütfilm

Sie streift mit ihrer besten Freundin durch die Nachbarschaft, versucht sich zu verlieben, muss mit einer unklaren Diagnose ins Krankenhaus. Losgelöst von der Welt schwebt die 14-jährige Eunhee durch Seoul. Das Langspielfilmdebüt der Regisseurin Bora Kim findet in niemals langweilig werdenden Bildern Zeit und Raum für die großen Themen, um feinfühlig und intim von den unmittelbaren Wendungen eines jungen Lebens zu erzählen.

The Body Remembers When the World Broke Open von Elle-Máijá Tailfeathers, Kathleen Hepburn (Kanada/Norwegen)
Weltpremiere

Einen Nachmittag und Abend währt die intensive Begegnung zweier indigener Frauen in den Straßen von Vancouver. Mit großer Empathie für ihre Protagonistinnen entwickeln die Regisseurinnen Elle-Máijá Tailfeathers und Kathleen Hepburn eine nahezu in Echtzeit stattfindende Studie über Gewalt gegen Frauen, Rassismus und Schwesternschaft.

Bulbul Can Sing von Rima Das (Indien)
Europäische Premiere

Wie schon in Village Rockstars (2017) begibt sich die indische Filmemacherin Rima Das in ihrem neuesten, ebenfalls unabhängig produzierten Werk in ihre Heimatregion im Nordosten Indiens. In poetischen Momentaufnahmen zwischen Schule und Landleben porträtiert sie die drei Freund*innen Bulbul, Bonny und Sumu, deren jugendliche Unbeschwertheit, bedroht von den Traditionen der patriarchalen Dorfgemeinschaft, auf eine harte Probe gestellt wird.

Goldie von Sam de Jong (USA)
Weltpremiere

Für ihre kleinen Schwestern ist Goldie, gespielt vom polarisierenden US-Model und Nachwuchstalent Slick Woods, schon jetzt ein Star. Doch als ihre Mutter verhaftet wird, muss Goldie zunächst dafür sorgen, dass das Jugendamt die Geschwister nicht auseinanderreißt. In dem unter anderem von VICE produzierten Film erzählt Sam de Jong (Prins, Eröffnungsfilm Generation 14plus 2015) mit viel Herz eine Geschichte über Ehrgeiz und unverwüstlichen jugendlichen Glauben an die eigenen Ideale und Ideen.

Guo Chun Tian (The Crossing) von Bai Xue (Volksrepublik China)
Europäische Premiere – Debütfilm

Bai Xues erster Langfilm führt in die Transitzone der Grenzmetropolen Hongkong und Shenzhen. Peipei gehört zu den vielen, die auf keiner der beiden Seiten wirklich zu Hause sind. Mit den Versprechen der Moderne vor Augen und der Schmugglerware im Rucksack betritt sie den riskanten Übergang, der für die 16-Jährige nicht nur eine politische Grenze, sondern den Schritt zu einer ungewohnten Eigenständigkeit markiert.

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Hölmö nuori sydän (Stupid Young Heart) von Selma Vilhunen (Finnland/Niederlande/Schweden)
Europäische Premiere

Im kompromisslosen Umfeld einer Gruppe Rechtsextremer glaubt der schmächtige Lenni jene Angst in Stärke verwandelt, die ihn selbst umtreibt: die vor einer unsicheren und damit bedrohlichen Zukunft. Denn Lenni wird bald Vater – seine Freundin Kiira erwartet ein Kind. Gefilmt in naturalistischen Bildern, die eine eindrückliche Nähe zu den Protagonist*innen schaffen, nimmt eine sich immer weiter zuspitzende Verkettung ihren Lauf.

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Knives and Skin von Jennifer Reeder (USA)
Weltpremiere

Nach ihren Kurzfilmbeiträgen Blood Below the Skin (Berlinale Shorts 2015) und Crystal Lake (Generation 14plus 2016) ist die Autorin und Regisseurin Jennifer Reeder erstmals mit einem Langfilm bei der Berlinale vertreten. In surrealen Bildern, durchsetzt von bitter-ironischen Brüchen offenbart sie in Knives and Skin die Abgründe, die sich nach dem Verschwinden einer Schülerin für die Bewohner*innen einer US-Kleinstadt auftun. Entstanden ist eine mysteriöse, unkonventionelle Erzählung, die deutlich macht: Ein Nein ist ein Nein.

We Are Little Zombies von Makoto Nagahisa (Japan)
Europäische Premiere – Debütfilm

Ihre Eltern sind gestorben, nun sollen sie wohl Trauer empfinden, aber sie fühlen sich leer. Geblieben ist ihnen nicht mehr als eine Handheld-Konsole, ein alter E-Bass und ein verkohlter Wok. Genug, um damit eine legendäre Band zu gründen. In einem Kaleidoskop aus popkulturellen Einfällen begleitet Makoto Nagahisas Langfilmdebüt vier durchschnittlich 13½-jährige Japaner*innen auf der Reise durch ihr aufgewühltes Innenleben.

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(Foto: HeaFilm)