Erste Filme der Berlinale Generation 2019 bekanntgegeben

Die Berlinale hat gestern die ersten Filme bekanntgegeben, die auf der Berlinale 2019 in der Sektion Generation – also in der Rubrik für Kinder- und Jugendfilme – vorgestellt werden.

Generation Kplus (Kinderfilme)

Anbessa von Mo Scarpelli (USA/Italien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Asalif und seine Mutter trotzen den in Äthiopien allerorts erbauten modernen Wohnanlagen, indem sie ihr von der Natur und der Gemeinschaft geprägtes Leben fortführen. Die Einschnitte in seine gewohnte Lebenswelt und die Bedrohung durch die vor der Siedlung umherstreifende Hyäne kontert der Junge mit der Selbsterfindung als Held: als Anbessa, Löwe. In einer fantasievollen dokumentarischen Beobachtung lenkt Mo Scarpelli (Berlinale Talents Alumna 2018) ihren Blick auf soziale Realitäten und die Träume ihres zehnjährigen Helden.

Baracoa von Pablo Briones und The Moving Picture Boys (Schweiz/USA/Spanien)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Der Sommer ist lang und heiß in dem kleinen kubanischen Dorf. Der neunjährige Leonel und sein 13-jähriger Freund Antuán sträuben sich gegen die Langeweile: Kaulquappen fangen, über Frisuren streiten, das Meer lockt, ein Umzug nach Havanna steht bevor. Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft im Wandel führt Baracoa in lyrisch-flirrenden Bildern mitten in den privaten Kosmos einer kindlichen Freundschaft. Am Ende wird Leonel selbst das Wort ergreifen und fügt sein eigenes Bild hinzu: vom Leben und der Welt, von Freundschaft und vom Filmemachen.

Daniel fait face (Daniel) von Marine Atlan (Frankreich)
Internationale Premiere – Debütfilm

In einer französischen Schule geschieht Unheimliches. Der zehnjährige Daniel ist auf einmal allein mit Marthe, die Begegnung ist so zart wie aufwühlend und findet in einer Art Vakuum statt. In Marine Atlans traumhaft anmutendem Langfilmdebüt tanzen Kinder in Zeitlosigkeit Tango, rezitieren Gedichte und üben für den Fall eines Anschlags.

Di yi ci de li bie (A First Farewell) von Wang Lina (Volksrepublik China)
Europäische Premiere – Debütfilm

In der Weite des Nordwestens Chinas, zwischen Baumwollfeldern und Wüste, lebt Isa mit seiner Familie in einer uigurischen Dorfgemeinschaft. Seine kranke Mutter und die schlechten Noten seiner besten Freundin machen dem Jungen das Leben schwer. In ihrem einfühlsamen Langfilmdebüt schildert Wang Lina eine Geschichte voller Abschiede vor der eindrucksvollen Kulisse ihrer eigenen Heimat.

Kinder von Nina Wesemann (Deutschland)
Weltpremiere – Dokumentarische Form

Die S-Bahn rauscht durch Berlin und durch das Leben von Emine, Marie, Christian und Arthur. Ihre Wege werden sich wahrscheinlich niemals kreuzen, doch es gibt eine Gemeinsamkeit: Sie sind Großstadtkinder. Ein Jahr lang hat Nina Wesemann den Alltag ihrer jungen Protagonist*innen dokumentiert. Der intime Einblick offenbart die sensible Seelenwelt von Heranwachsenden und fängt die unterschiedlichen Stimmungen der Jugendlichen und ihrer urbanen Umgebung ein.

Lotte ja kadunud lohed (Lotte and the Lost Dragons) von Janno Põldma, Heiki Ernits (Estland/Lettland)
Internationale Premiere

Im dritten Abenteuer ihrer Lotte-Reihe (Generation Kplus 2007 und 2012) schicken Janno Põldma und Heiki Ernits das neugierige Hundemädchen Lotte zusammen mit ihrer kleinen Schwester Roosi auf die Suche nach den feuerspeienden Drachen. Entstanden ist ein farbenfroher Animationsfilm, der nicht nur jede Menge skurriler Überraschungen bereithält, sondern auch die Begegnung mit vielen liebenswürdigen, schrulligen Figuren.

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Mijn bijzonder rare week met Tess (My Extraordinary Summer with Tess) von Steven Wouterlood (Niederlande/Deutschland)
Weltpremiere – Debütfilm

Als Jüngster der Familie ist Sam von dem Gedanken getrieben, eines Tages als einzig Überlebender allein zurückbleiben. Auf einem Familienurlaub am Strand begegnet er der unkonventionellen Tess, die ihre eigenen Geheimnisse mit sich herumträgt und ihm zeigt, dass die Gegenwart über Erinnerungen und Zukunftsängste triumphieren kann. Nach dem gleichnamigen Jugendbuch der preisgekrönten Schriftstellerin Anna Woltz erzählt Regisseur Steven Wouterlood in seinem Debütfilm mit leichter Hand von düsteren Themen.

Une colonie (A Colony) von Geneviève Dulude-De Celles (Kanada)
Internationale Premiere – Debütfilm

Im verfänglichen Klima zwischen Schulleben und den ersten Hauspartys tut sich die zwölfjährige Mylia schwer, ihren Platz zu finden. Dann lernt sie ihren eigenwilligen Mitschüler Jimmy kennen. Der Junge aus dem umliegenden Abenaki Reservat bestärkt sie darin, vorgegebene Linien zu überschreiten. Mit feinem Gespür für die Zwischentöne sozialer Beziehungen verfolgt Geneviève Dulude-De Celles‘ Spielfilmdebüt das Heranblühen ihrer Freundschaft und den Weg zu einer eigenen Identität.

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Generation 14plus (Jugendfilme)

Beol-sae (House of Hummingbird) von Bora Kim (Republik Korea)
Europäische Premiere – Debütfilm

Sie streift mit ihrer besten Freundin durch die Nachbarschaft, versucht sich zu verlieben, muss mit einer unklaren Diagnose ins Krankenhaus. Losgelöst von der Welt schwebt die 14-jährige Eunhee durch Seoul. Das Langspielfilmdebüt der Regisseurin Bora Kim findet in niemals langweilig werdenden Bildern Zeit und Raum für die großen Themen, um feinfühlig und intim von den unmittelbaren Wendungen eines jungen Lebens zu erzählen.

The Body Remembers When the World Broke Open von Elle-Máijá Tailfeathers, Kathleen Hepburn (Kanada/Norwegen)
Weltpremiere

Einen Nachmittag und Abend währt die intensive Begegnung zweier indigener Frauen in den Straßen von Vancouver. Mit großer Empathie für ihre Protagonistinnen entwickeln die Regisseurinnen Elle-Máijá Tailfeathers und Kathleen Hepburn eine nahezu in Echtzeit stattfindende Studie über Gewalt gegen Frauen, Rassismus und Schwesternschaft.

Bulbul Can Sing von Rima Das (Indien)
Europäische Premiere

Wie schon in Village Rockstars (2017) begibt sich die indische Filmemacherin Rima Das in ihrem neuesten, ebenfalls unabhängig produzierten Werk in ihre Heimatregion im Nordosten Indiens. In poetischen Momentaufnahmen zwischen Schule und Landleben porträtiert sie die drei Freund*innen Bulbul, Bonny und Sumu, deren jugendliche Unbeschwertheit, bedroht von den Traditionen der patriarchalen Dorfgemeinschaft, auf eine harte Probe gestellt wird.

Goldie von Sam de Jong (USA)
Weltpremiere

Für ihre kleinen Schwestern ist Goldie, gespielt vom polarisierenden US-Model und Nachwuchstalent Slick Woods, schon jetzt ein Star. Doch als ihre Mutter verhaftet wird, muss Goldie zunächst dafür sorgen, dass das Jugendamt die Geschwister nicht auseinanderreißt. In dem unter anderem von VICE produzierten Film erzählt Sam de Jong (Prins, Eröffnungsfilm Generation 14plus 2015) mit viel Herz eine Geschichte über Ehrgeiz und unverwüstlichen jugendlichen Glauben an die eigenen Ideale und Ideen.

Guo Chun Tian (The Crossing) von Bai Xue (Volksrepublik China)
Europäische Premiere – Debütfilm

Bai Xues erster Langfilm führt in die Transitzone der Grenzmetropolen Hongkong und Shenzhen. Peipei gehört zu den vielen, die auf keiner der beiden Seiten wirklich zu Hause sind. Mit den Versprechen der Moderne vor Augen und der Schmugglerware im Rucksack betritt sie den riskanten Übergang, der für die 16-Jährige nicht nur eine politische Grenze, sondern den Schritt zu einer ungewohnten Eigenständigkeit markiert.

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Hölmö nuori sydän (Stupid Young Heart) von Selma Vilhunen (Finnland/Niederlande/Schweden)
Europäische Premiere

Im kompromisslosen Umfeld einer Gruppe Rechtsextremer glaubt der schmächtige Lenni jene Angst in Stärke verwandelt, die ihn selbst umtreibt: die vor einer unsicheren und damit bedrohlichen Zukunft. Denn Lenni wird bald Vater – seine Freundin Kiira erwartet ein Kind. Gefilmt in naturalistischen Bildern, die eine eindrückliche Nähe zu den Protagonist*innen schaffen, nimmt eine sich immer weiter zuspitzende Verkettung ihren Lauf.

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Knives and Skin von Jennifer Reeder (USA)
Weltpremiere

Nach ihren Kurzfilmbeiträgen Blood Below the Skin (Berlinale Shorts 2015) und Crystal Lake (Generation 14plus 2016) ist die Autorin und Regisseurin Jennifer Reeder erstmals mit einem Langfilm bei der Berlinale vertreten. In surrealen Bildern, durchsetzt von bitter-ironischen Brüchen offenbart sie in Knives and Skin die Abgründe, die sich nach dem Verschwinden einer Schülerin für die Bewohner*innen einer US-Kleinstadt auftun. Entstanden ist eine mysteriöse, unkonventionelle Erzählung, die deutlich macht: Ein Nein ist ein Nein.

We Are Little Zombies von Makoto Nagahisa (Japan)
Europäische Premiere – Debütfilm

Ihre Eltern sind gestorben, nun sollen sie wohl Trauer empfinden, aber sie fühlen sich leer. Geblieben ist ihnen nicht mehr als eine Handheld-Konsole, ein alter E-Bass und ein verkohlter Wok. Genug, um damit eine legendäre Band zu gründen. In einem Kaleidoskop aus popkulturellen Einfällen begleitet Makoto Nagahisas Langfilmdebüt vier durchschnittlich 13½-jährige Japaner*innen auf der Reise durch ihr aufgewühltes Innenleben.

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(Foto: HeaFilm)

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Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später.

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