Die drei !!! (2019)

Die “drei !!!” sind als weibliches Pendant zu den “drei ???” auf dem Buchmarkt schon seit einiger Zeit sehr präsent; da eigentlich alle erfolgreichen Buchreihen von Conni bis Lotta-Leben, von TKKG bis Burg Schreckenstein derzeit verfilmt werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch die Detektivinnen treffen würde.

Ihre Existenz wird dann auch zu Filmbeginn vorausgesetzt, die Figuren werden gar nicht groß vorgestellt. Franzi (Alexandra Petzschmann), Marie (Paula Renzler) und Kim (Lilli Lacher) wollen in den Sommerferien bei einem Theaterstück mitmachen, einem Benefiz-Projekt, durch dessen Erlöse das seit 15 Jahren leerstehende (aber überraschenderweise innen perfekt in Schuss gebliebene) städtische Theater (mitten im Wald) wieder instand gesetzt werden soll. Praktischer- und gruseligerweise spielt man auch in ebendiesem Theater, Theaterpädagoge Robert Wilhelms (Jürgen Vogel) leitet das Projekt, aber irgendwas scheint nicht zu stimmen im Theater…

Die Story legt eine falsche Fährte nach der anderen, geheimnisvolle Personen tauchen auf, es wird gruselig und ein wenig aufregend und all das. Insgesamt ist aber der Fall leider sehr bemüht zusammenkonstruiert, das knirscht doch gewaltig bei zeitgleich grundsätzlicher Staubigkeit der Inszenierung. Regisseurin Viviane Andereggen traut sich leider nicht so recht, die Durchgeknalltheit der ersten Filmminuten – eine wilde Verfolgungsjagd durch die ganze Stadt mit Skateboard, technischen Gimmicks und leicht irrer Taxifahrt – über die ganze Laufzeit zu ziehen.

Dass Eltern in diesem Universum nur sporadisch und eigentlich nur als Alleinerziehend auftreten, passt schon, ebenso der etwas planlose, aber freundliche Polizist. Der letztlich bedeutungsloser Zickenkrieg mit einer lokalen Schönheit und ihren faden Sidekicks nervt nur minimal; schon etwas anstrengender ist allerdings, dass der Filme den sehr, sehr groben Typologien, die er den drei Protagonistinnen überstreift (die Sportliche, die Schöne, die Schlaue) nicht wirklich Komplexität hinzuzufügen weiß.

Sehr viel Aufmerksamkeit kreist dann auch um die ersten Verliebtheiten mit Jungs, die entweder tolpatschig oder verdächtig sind. Flache Figuren, die brav in heteronormativen Ordnungen verbleiben: Ein Krimi mit drei Heldinnen hätte doch deutlich mehr Bewegungsspielraum, sollte man meinen. Zumal die drei Darstellerinnen da wohl noch etwas Potential hätten, wenn man sie nur ließe.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die drei !!!. Deutschland 2019. Regie: Viviane Andereggen, 99 Min. FSK 0, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 25. Juli 2019.

Fotos: Constantin Film

Kommissar Gordon & Buffy (2017)

Kommissar Gordon ist nicht mehr der Jüngste und vor allem sehr, sehr müde. Vor allem jetzt, im Winter, wo es draußen kalt ist und ihn innen eigentlich nur der Tee mehr schlecht als recht wachhält.

Aber Nüsse wurden geklaut, en gros und en détail, das Eichhörnchen ist sehr aufgeregt, und so muss der pflichtbewusste Polizist sich hinauswagen in den Schnee. Der Mann, pardon: die Kröte ermittelt mit ganzem Körpereinsatz, und so wird er unversehens, den Ort des Verbrechens beobachtend, bis über den Kopf eingeschneit. Nur eine junge Maus, die zufällig des Weges kommt, rettet ihn vor dem sicheren Kältetod. Weil sie weder Arbeit noch Namen hat, nimmt Gordon sie unter seine Fittiche und in sein warmes Heim auf. Einen Beruf und Namen bekommt sie von ihm auch noch: Polizei-Assistentin Buffy.

Seit fast schon sieben Jahren erfreuen Autor Ulf Nilsson und Illustratorin Gitte Spee mit ihren Krimis (amazon.de) über Kommissar Gordon und die Polizistin Buffy Kinder vor allem im Grundschulalter. Dass der Film nun ob der Herkunft des Autors (das Drehbuch stammt von Janne Vierth) als „Schwedenkrimi“ für Kinder angepriesen wird – orientiert etwa an den Geschichten um Kommissar Wallander –, greift natürlich einerseits daneben, weil es hier so wenig blutig wie fatalistisch zugeht; eine gewisse Ahnung von Schwermut, von Erschöpfung über den Lauf der Lebensdinge durchzieht aber auch Kommissar Gordon & Buffy.

Meine vollständige Kritik des Krimis für die sehr Kleinen ist auf kino-zeit.de erschienen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommissar Gordon & Buffy (Gordon & Paddy). Schweden 2017. Regie: Linda Hambäck, 65 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 28. Februar 2019. (Bestellen bei amazon.de)

Foto: eksystent Filmverleih

Filmblog-Adventskalender: Türchen Numero Acht

Alexander Matzkeit hat in diesem Jahr wieder einen Filmblog-Adventskalender organisiert, eine wunderbare Sache: “24 Tage, 24 Blogger_innen, 24 Geschenkideen”. Eine Geschenkidee muss also her, und das setzt mich ein wenig unter Druck, denn ich mag zu diesem Anlass eigentlich nicht jene Filme empfehlen, die ich schon das ganze Jahr über preise. Vergangenes Jahr habe ich mich aus diesem Dilemma in die Literatur geflüchtet, aber diesmal empfehle ich (in Kürze) einen Film, den ich eigentlich schon länger einmal ausführlicher lobpreisen wollte: Die geheimnisvolle Minusch.

Gesehen habe ich den Film das erste Mal, wenn meine Erinnerung nicht trügt, auf der Berlinale (das müsste dann 2002 gewesen sein), Vincent Bal, der vor zwei Jahren auch noch den ziemlich großartigen Nono, het Zigzag Kind gemacht hat, hat das Kinderbuch von Annie M. G. Schmidt flott, ein wenig träumerisch und märchenhaft inszeniert.

minusch

Minusch schläft tagsüber, nachts unterhält sie sich auf den Dächern mit den Katzen – nicht unbedingt das, was eine junge, anscheinend etwas schreckhafte Dame sonst tun würde. So ist der äußerst schüchterne Kleinstadtreporter Tibbe auch fasziniert von ihr. Da sie ihn bald mit lauter interessanten Geschichten aus der Stadt versorgt, die sie von ihren felinen Freundinnen erfährt, mag er sie auch beruflich bald nicht mehr missen. Und dann kommt er dank Minusch einer wilden Story auf die Spur…

Carice van Houten (auch hierzulande viel zu unbekannt) spielt die junge Frau, die früher mal eine Katze war, mit Grazie und sehr kätzischer Gestik, immer einen hauch zu formal gekleidet, zugleich verbreitet ihr durch ihre Katzeninstinkte erratisches Verhalten gelegentlich höchst anarchisches Chaos. Die bezaubernde kleine Komödie bleibt so stets ein Abenteuer in kindlichen Dimensionen und ist zugleich ein spannender Krimi um Umweltzerstörung und Politik. Leider ist der Film lange nicht mehr neu aufgelegt worden, so dass es keine Blu-rays von Die geheimnisvolle Minusch gibt und auch die DVDs nicht mehr so leicht zu bekommen sind.

Aber das sollte niemanden abhalten: ein wunderbares kleines Weihnachtsgeschenk.

https://www.youtube.com/watch?v=yp2NmHbJ9A8

Die geheimnisvolle Minusch (Minoes), Niederlande 2001, Regie: Vincent Bal, 86 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Erhältlich auf DVD.

(Foto: Warner Bros.)

Rico, Oskar und die Tieferschatten (2014)

Rico ist ein tiefbegabtes Kind – so nennt er sich selbst, weil er sich nicht immer alles so gut merken kann und in seinem Kopf die Gedanken manchmal wie Bingokugeln hin- und herrollen. Aufgeweckt und selbstbewusst ist er glücklicherweise dennoch, trotzdem ist es ein wunderbarer Zufall, der ihn mit Oskar zusammenführt – denn Oskar ist weniger mutig als Rico, dafür aber hochbegabt und kann unter anderem die ersten hundertzehn Primzahlen auswendig aufsagen.

kifife_logo_2014_posEs sind also zwei klassisch gegensätzliche Kinder, die in Andreas Steinhöfels Kinderbuch Rico, Oskar und die Tieferschatten (amazon) aufeinander stoßen – und, wie sich später herausstellt, dies gar nicht so zufällig tun, wie Rico ursprünglich denkt. Aber da ist aus der Geschichte einer seltsamen Freundschaft, erzählt aus den Tagebuchaufzeichnungen Ricos, schon längst zu einer Art Berlinroman für Kinder und einer handfesten Kriminalgeschichte geworden.

Steinhöfel wurde für Rico, Oskar und die Tieferschatten zurecht mit Preisen überschüttet – das Buch ist witzig, einfühlsam, spannend und authentisch. Nicht zuletzt scheint immer wieder durch, dass der Autor selbst zwanzig Jahre lang in der Kreuzberger Dieffenbachstraße gelebt hat, in der auch Rico sein zuhause hat. Und natürlich bedeutet das, dass auch über eine Verfilmung nachgedacht wurde (andere Bücher von Steinhöfel wie Es ist ein Elch entsprungen hat dieses Schicksal bereits ereilt). Im Fall von Rico, Oskar und die Tieferschatten ist daraus ein seltener Glücksfall geworden, der bislang beste deutsche Kinderfilm des Jahres. „Rico, Oskar und die Tieferschatten (2014)“ weiterlesen

Das Haus der Krokodile (2012)

Das Haus der Krokodile (Blu-ray)_03_MP

Seltsam, diese ausgestopften Krokodile mit den leeren Augen. Und seltsam, dieses merkwürdige Haus, die Wohnung mit den ganzen alten Sachen, die Viktor (Kristo Ferkic) nicht anfassen soll… Alles ist im Übergang am Anfang von Das Haus der Krokodile, der Neuverfilmung einer Fernsehserie aus den 1970ern, die ihrerseits auf einer Erzählung von Helmut Ballott (amazon) beruht – und mittendrin sind die Kinder, Viktor und seine großen Schwestern Cora und Louise (Joanna und Vijessna Ferkic, auch im wirklichen Leben Geschwister des Hauptdarstellers) allein in diesem Haus, die Eltern müssen verreisen, man sieht sie nur für wenige Momente überhaupt im Film.

Stattdessen interessiert sich Viktor mehr und mehr für Cäcilie, die in der gleichen Wohnung lebte und als junges Mädchen im Haus ums Leben kam; er findet ihr gemaltes Tagebuch und hangelt sich an den von ihr dort gegebenen Hinweisen vor zu einem Geheimnis, von dem er glaubt, dass sie es gehütet habe — und dann sieht er auch noch einen Einbrecher in der Wohnung, der kommt und geht, ohne Türen zu öffnen, und natürlich glauben ihm die älteren Geschwister ebensowenig wie die im Haus wohnenden Erwachsenen, die sowieso recht seltsam sind: die grimmige Frau Debisch (Gudrun Ritter) mit ihrem etwas peinlichen erwachsenen Sohn Friedrich (Christoph Maria Herbst) sowie der Untermieter Strichninsky (Waldemar Kobus), der sich mehr als merkwürdig verhält… „Das Haus der Krokodile (2012)“ weiterlesen