Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! (1998)

Wie versprochen, bespreche es hier jetzt jeden Mittwoch bis Halloween einen Gruselfilm für Kinder aus meiner Liste – weitere Vorschläge werden gerne angenommen! #horrorctober

„Ne kleine Bootstour auf dem Styx, und danach schick essen?“

Marnie und ihre Geschwister dürfen an Halloween nie vor die Tür – es gebe so viel, sagt ihre Mutter Gwen, das sie über Halloween nicht wüssten. Aber wenigstens kommt die Großmutter Aggie zu Besuch und erzählt den Kindern wilde Geschichten über die Stadt „Halloweentown“, wo Elfen, Hexen und Monster friedlich miteinander leben. Und dann stellt sich natürlich rasch heraus, dass das keine wilden Geschichten sind, sondern blanke Wahrheit – die drei Kinder landen mit ihrer Oma in der Monsterstadt, die ansonsten ganz und gar einer amerikanischen Kleinstadt gleicht, und einer Verschwörung, die die ganze Stadt und ihre Bewohner_innen bedroht…

Die große Debbie Reynolds (wahrscheinlich am bekanntesten, je nach cineastischer Generation, entweder durch ihre wunderbare Rolle in Singin‘ In The Rain aka Du sollst mein Glücksstern sein oder durch ihre Tochter Carrie Fisher aka General Leia Morgana) spielt hier die Großmutter aus dem Titel; für diesen Fernsehfilm, ursprünglich für den Disney Channel entstanden, muss sie ihre Talente nicht einmal im Ansatz ausschöpfen.

Denn Regisseur Duwayne Dunham macht hier nicht gerade den großen inszenatorischen Wurf; der Mann hat zwar Film der Original-Star Wars-Trilogie mit geschnitten und auch für David Lynch gearbeitet, aber hier wirken Inszenierung und Schnitt doch manchmal etwas bemüht. Das liegt womöglich auch am Drehbuch von Paul Bernbaum, Jon Cooksey und Ali Matheson, das stellenweise deutlich knirscht in Glaubwürdigkeit, Logik und Eleganz des gesprochenen Wortes.

Aber Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! hat nicht nur, aber vor allem in den USA eine große Fangemeinde (es gab in den Jahren darauf noch drei(!) Fortsetzungen), und ganz unberechtigt ist das bei allen handwerklichen Schwächen keineswegs. Denn der Film bringt auf durchaus charmante Weise vom Werwolf bis zum Geist, von der Vampirin bis zur Hexe alle möglichen übernatürlichen Wesen als friedliche Gemeinschaft auf den Bildschirm. Da ist viel traditionelle Maskenkunst zu sehen, Latex hat hier noch das Primat über den gelegentlich eingesetzten Computereffekt.

Für Freund_innen der eher klassischen Horrorfilme sind zahlreiche kleine Anspielungen rechts und links versteckt, während das Thema der Familie – natürlich kommt Gwen den Kindern hinterher und ist selbst nicht minder Hexe als ihre Mutter – auf der einen, die völlig kindertauglich und fast durchgehend unbedrohlich inszenierten Gefahrmomente auf der anderen Seite dafür sorgen, dass dies eben so ein richtiger Disney-Familienfilm ist.

Erfahrene Kinogänger_innen seien gewarnt: Hier passiert nicht wirklich irgendetwas Überraschendes. Aber als Unterhaltung mit klar monströsem Halloween-Thema für eher sensible Kinder ist das ein schönes Vergnügen.

Halloween Town – Meine Oma ist ‘ne Hexe! (Halloweentown). USA 1998. Regie: Duwayne Dunham, 84 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren. (Der Film ist aktuell eigentlich nur als Stream, z.B. bei amazon Video (nur in deutscher Synchronisation) oder iTunes erhältlich.)

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(Fotos: Disney)

Casper (1995)

Wie versprochen, bespreche es hier jetzt jeden Mittwoch bis Halloween einen Gruselfilm für Kinder aus meiner Liste – weitere Vorschläge werden gerne angenommen! #horrorctober

Sucht man nach der niedlichstmögliche Form von Gruseligkeit, so landet man wahrscheinlich bei dieser Figur, die schon – noch lange vor Preußlers Das kleine Gespenst – in den 1930er Jahren als Casper the Friendly Ghost zunächst auf Papier entstand, später dann auch als Filmfigur in jeder Menge kleiner Cartoons. Insofern war Casper vor allem einem amerikanischen Publikum schon sehr geläufig, als er mit der Hilfe von reichlich Spezialeffekten in einen Realfilm implantiert wurde; George Lucas’ Spezialeffektschmiede Industrial Light & Magic hat hier die Integration von animierten Bildern mit realen Schauspielwelten, wie sie zuvor erstmals in Falsches Spiel mit Roger Rabbit so richtig gelungen war, neu mit reinen Computeranimationen ausprobiert; nicht zuletzt dank der semitransparenten Geister sieht das ganz gut aus.

Der Geister sind es (zunächst) vier: Casper, der niedliche Geist, der als Zwölfjähriger verstorben ist und sich nur vage an seine Familie erinnert, aber gerne mal ein richtiges Mädchen kennenlernen würde. Und seine drei nöligen Onkel, die alle Menschen aus dem gemeinsamen Haus vertreiben wollen und Casper als ihren Angestellten betrachten, der ihnen Frühstück machen muss hat und stets zu Diensten sein soll.

Das Haus hat Catherine “Carrigan” Crittenden (Cathy Moriarty) geerbt, die aber nur auf den Schatz aus ist, der angeblich im Haus versteckt sein soll; ihren etwas tumb hinterherlaufenden Assistenten Paul (Eric Idle) schickt sie immer dann los, wenn ihr irgendetwas unangenehm ist. Weil das Haus aber nun von Geistern bewohnt ist und sich auf die üblichen Weisen auch nicht von ihnen befreien lässt (für die Eltern gibt es u.a. ein kurzes Cameos von Dan Aykroyd als Ghostbuster Ray Stantz, der entsetzt aus dem Haus flieht), heuern sie einen abgehalfterten Psychologen an, der verspricht, Geister zu therapieren und so von ihrem „unfinished business“ zu befreien, so dass sie ins Totenreich überwechseln können.

Der Psychologe ist Dr James Harvey, von Bill Pullman in stetiger Überforderung von der Welt gespielt, der sich der Para-Psychologie (im doppelten Wortsinne) zugewandt hat – vor allem aber, weil er noch einmal Kontakt mit seiner verstorbenen Frau aufnehmen will. Vor allem ist er mit der Erziehung seiner so patenten wie ironisch-resignierten Tochter Kat überfordert – wieder Christina Ricci im zweiten #horrorctober-Film des Jahres und ihrer ersten eigenen Hauptrolle nach Die Addams Family.

Beim ersten Zusammentreffen der Geister mit den Harveys gibt es einige gruselige bis schreckliche Momente, bei denen die eigentliche Hauptfigur dieser ganzen Szenen schön ins Bild gesetzt wird: nämlich das prachtvolle, nur ziemlich verstaubte Haus, in dem sich das alles abspielt. (Wow. Kann das jemand für mich nachbauen?) In einer Szene verwandelt sich Bill Pullmans Gesicht, das ist der vielleicht gruseligste Moment des Films, in das Antlitz anderer Menschen (unter anderem sind kurz Clint Eastwood und Mel Gibson zu sehen – freundlicherweise hat Regisseur Brad Silberling ansonsten weitgehend darauf verzichtet, augenzwinkernde Spielereien für die Eltern einzubauen).

Die Geister sind so grotesk (im Falle von Stretch, Stinkie und Fatso) oder niedlich (Casper), dass man durchweg keine Angst haben muss; sie fügen sich fast organisch in die äußere Welt ein, obgleich ihre Physikalität keineswegs eindeutig ist: Mal können sie Menschen berühren, mal Gegenstände herumwerfen, mal fliegen sie durch Wände, mal müssen sie Türen öffnen, um sie passieren zu können…

Neben dem Plot um die gierigen Schatzsucher gibt es dann noch den Nebenplot um Kats neue Schulklasse, deren Halloween-Party nun auf einmal im Spukhaus stattfinden soll, und eine wichtigere Erzählung um die „Lazarus“-Maschine, die Casper wieder zum Leben erwecken soll und ihm die Zukunft geben, die er durch seinen frühen Tod nicht haben konnte. Natürlich kommt alles anders, und das letzte Drittel packt dann noch mal ein wenig Bedrohung, Tod, Tränen und schließlich sehr viel Herzschmalz und Happy End in einen großen Showdown, der alles zusammenführt und sogar einen Engel zur Stippvisite auf Erden veranlasst. Das ist eigentlich ein bisschen viel Gefühligkeit, aber da der Film sich vorher lange Zeit nicht allzu ernst nimmt (der Tischstaubsauger!), mag man ihm das verzeihen.

Casper. USA 1995. Regie: Brad Silberling, 100 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 20. Juli 1995. (Casper auf Netflix, bestellen bei amazon.de)

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(Foto: Universal Pictures)

Streaming-Tipps (22. Oktober 2019) – #horrorctober

In meinem wöchentlichen Newsletter schicke ich jeweils einen Streaming-Tipp für Kinder und Eltern mit – Neuerscheinungen oder Fundstücke auf Netflix oder Amazon Prime, gelegentlich auch Filme, die ganz ohne Abo kostenfrei erreichbar sind. Diese Streaming-Tipps (aber nicht immer die gleichen) gibt es auch hier im Blog, im Wechsel mit Hinweisen auf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-ray.

Im Gruselmonat Oktober gibt es hier nicht nur wöchentlich passende Filmbesprechungen – auch die Streaming-Tipps sind ganz und gar schreckensorientiert. Nunja, auf kindergerecht niedrigem Niveau.

Coco – Lebendiger als das Leben

Mit Pixar-Filmen liegt man ja selten daneben, und so auch nicht mit Coco – Lebendiger als das Leben, der eine Geschichte aus dem mexikanischen Día de los Muertos erzählt; und auch wenn Alex Matzkeit den Film ob seines konservativen Familienbildes sehr ärgerlich fand, schön, praktich nicht gruselig und musikalisch eingängig ist er natürlich doch.

(FSK 0, empfohlen ab 9 Jahren – Coco – Lebendiger als das Leben auf Netflix)

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Casper

Casper verkörpert in seiner Titelfigur womöglich die niedlichstmögliche Form von Gruseligkeit, wird aber dann zum Ende hin doch ein wenig gruseliger und auch ernster – bleibt aber immer sehr amerikanisch… eine ausführliche Kritik gibt es morgen findet sich hier.

(FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren – Casper auf Netflix)

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Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen

Im englischen Originaltitel kommt das “Were-Rabbit” vor, das etwas gruseliger klingt; dieser Wallace & Gromit-Film spielt ein wenig mit den Genre-Konventionen und macht auch sonst natürlich sehr viel Spaß.

(FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren – Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen auf Netflix)

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Die Addams Family

Das Glück, dass diese hochgradig nonkonformistische Familie im Film von 1991 mitbringt, habe ich vor zwei Wochen hier ausführlich aufgeschrieben.

(FSK 12, empfohlen ab 12 Jahren – Die Addams Family auf amazon Prime)

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„Streaming-Tipps (22. Oktober 2019) – #horrorctober“ weiterlesen

Dr. Pyckle und Mr. Pryde (1925)

Wie versprochen, bespreche es hier jetzt jeden Mittwoch bis Halloween einen Gruselfilm für Kinder aus meiner Liste – weitere Vorschläge werden gerne angenommen! #horrorctober

Was mich gerne mal aufregt, wenn ich gerade nichts anderes zum Echauffieren herumliegen habe, ist die meine Kindheit so prägende Benamsung von Stan Laurel und Oliver Hardy als “Dick & Doof”. Nicht nur, dass das herablassende, nachgerade diskriminierende Adjektive sind, sie reduzieren die beiden Ausnahmekomiker auch auf jeweils eine Eigenschaft, lassen alle Komplexität und Feinheiten verschwinden – und die beiden Personen dahinter sowieso.

Die Bezeichnung verdeckt auch, dass Laurel und Hardy beide, insbesondere vor Beginn ihrer Zusammenarbeit, natürlich auch jeweils allein als Komiker gearbeitet haben. (Ihre späten Jahre wurden gerade erst in dem Biopic Stan & Ollie zum Thema gemacht. [amazon])

Dr. Pyckle und Mr. Pryde von Scott Pembroke und Joe Rock ist nur wenig länger als 20 Minuten (was noch dadurch verschärft wird, dass das eigentliche Ende des Films wohl verschollen ist), und ist schon in dieser knackigen Kürze eine ziemlich vollständige Adaption von Robert Louis Stevensons Novelle Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus dem Jahr 1886 – einer der Klassiker der Schauerliteratur, wie meine Leser_innen vermutlich alle wissen. (Man sollte diese Erzählungen, wie auch Frankenstein und Dracula, unbedingt einmal gelesen haben, das liest sich ja rasch mal weg, aber das nur am Rande.) Dabei ist der Film eigentlich ja primär eine Parodie auf andere Verfilmungen, von denen es schon zu diesem Zeitpunkt mindestens sechs gab, eine auch von F.W. Murnau.

Stan Laurels Dr. Pyckle arbeitet sich, wie Fritzi Kramer herausarbeitet, wahrscheinlich am meisten an John Barrymore ab. Der spielte den Dr. Jekyll in John S. Robertsons Verfilmung aus dem Jahr 1920 mit vielen großen Gesten. Man muss den Film jedoch nicht kennen, um diesen kleinen, minimal gruseligen Edelstein genießen zu können. Durch die Bezüge zu anderen Filmen wird Dr. Pyckle und Mr. Pryde nur noch ein wenig lustiger.

Pyckle also, eingeführt als “the most respected man in town – Heaven knows why – -” hat die Idee, das Gute und Böse im Menschen zu trennen. Seine Bemühungen haben schließlich den Effekt, dass er zwischen seinem “guten” Ich Pyckle und einem “bösen” Alter Ego Pryde wechselt. Der Weg dorthin, unter Hilfe seiner ihn anhimmelnden Gehilfin (Julie Leonard) ist von allerlei Slapstick gezeichnet (Hosen und Säure vertragen sich schlecht), und als Pryde auf die Welt losgelassen wird, wird es natürlich nicht besser.

Es ist allerliebst, wie Pryde dann furchtbar böse Dinge tut: einem Jungen sein Eis klauen, Leute mit einem Erbsenblasrohr beschießen, Polizisten hinters Licht führen… Das sind lauter Kleinigkeiten, die die bürgerliche Bevölkerung direkt in große Aufregung bringen und zu zahlreichen Verfolgungsjagden quer durch die Stadt führen, als habe er mörderische Untaten vollbracht. Der Film spießt da den Spießbürger auf, der sich über jeden kleinsten Verstoß gegen die Konventionen aufregt. Dabei verkörpert Pryde eher spielerischen, kindlichen Anarchismus, der mit der albernen Ernsthaftigkeit von Pyckles Nachdenklichkeit kontrastiert.

Die Verwandlung ist für kleine, filmunerfahrene Kinder womöglich ein wenig gruselig. Ansonsten ist dieser Film aber eine sehr, sehr lustige Geschichte, die langfristig als Vorbereitung auf erhabenen Blödsinn wie Mel Brooks’ Frankenstein Junior dienen kann. Falls man auf die Fassungen mit englischsprachigen Texttafeln zurückgreift, muss man diese für den jüngeren Nachwuchs womöglich kurz übersetzen. Da die Zwischentitel zum Teil recht lang sind und mit Wortspielen hantieren, empfiehlt es sich, den Film einmal vorab anzusehen und das gute Dutzend Einblendungen rasch schriftlich ins Deutsche zu übertragen.

Dr. Pyckle und Mr. Pryde ist in Deutschland in der DVD-Box Laurel & Hardy – Auf dem Weg zum Ruhm (amazon) enthalten, die entsprechende DVD gibt es als Stan Laurel – Filmedition 1 (amazon) auch einzeln. Da der Film aber in den USA anscheinend in der Public Domain liegt, findet man ihn in der englischsprachigen Fassung auch ohne großen Suchaufwand (*hust*) auf vielen Videoplattform zur Ansicht.

Dr. Pyckle und Mr. Pryde (Dr. Pyckle and Mr. Pryde). USA 1925. Regie: Scott Pembroke/Joe Rock, 21 Min. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren.

(Foto: Elevate)

Die Addams Family (1991)

Wie vergangene Woche versprochen, bespreche es hier jetzt jeden Mittwoch bis Halloween einen Gruselfilm für Kinder aus meiner Liste – weitere Vorschläge werden gerne angenommen! #horrorctober

Ich muss freimütig gestehen, dass mir die Cartoons The Addams Family, die Charles Addams seit den 1930er Jahren veröffentlicht hatte, weitgehend unbekannt sind; auch die Fernsehserie, die daraus hervorging, kenne ich nicht (dafür die, wohl nicht von ungefähr sehr ähnlichen, The Munsters). Das Vorleben der Figuren dürfte allerdings nicht unwesentlich dazu beitragen, dass Barry Sonnenfelds Verfilmung sich zumeist anfühlt wie eine zusammengefügte Nummernrevue, der die (eher nebensächliche) Handlung nur übergestülpt wurde – als müsse man die Figuren und ihre Eigenheiten erst einmal vorstellen.

Namentlich: die Eltern Gomez und Morticia, die Kinder Pugsley und Wednesday, Großmutter, die abgetrennte Hand namens “eiskaltes Händchen” (im Orignial “Thing T. Thing”) sowie den Butler Lurch. Gomez’ Bruder Fester ist – nach einem Streit mit Gomez – seit vielen Jahren verschwunden. Eine Betrügerin macht sich dies zunutze, sie schleust ihren Sohn Gordon, der Fester bemerkenswert ähnlich sieht, in die Familie ein, um so herauszufinden, wo Gomez seine Reichtümer versteckt hält.

Anders als bei den Munsters sind die einzelnen Addams-Familienmitglieder nicht direkte Verkörperungen bestimmter Monster-Archetypen; Morticia wirkt vage vampirisch, Lurch erinnert nicht ganz entfernt an Frankensteins Monster. Ihre Gruseligkeit kommt eher daher, dass sie es lieben, wenn alles schwarz, grau oder verrottet ist, das Makabre erleuchtet ihr Leben, Gomez und Morticia sind glücklich, wenn sie auf dem Friedhof beieinander sitzen können. Pugsley und Wednesday machen aus einer Schulaufführung ein Badefest in Theaterblut, und als Wednesday mit einem großen Messer in der Hand zu ihrem Bruder gehen will, schüttelt Morticia den Kopf und reicht ihr – ein größeres Messer.

Die Gruseligkeit ist bei den Addams eher Nebeneffekt: Sie sind Außenseiter, weil sie sich nicht an Konventionen und Standards halten, sondern so authentisch wie eigenständig sind. Weil sie letztlich mit der Außenwelt nicht wirklich viel anfangen können, in der alle brav wie Schäfchen ihren Pflichten und Aufgaben nachgehen, aber Hass und Verachtung heimlich brodeln lassen. Im Hause Addams ist man einander so liebevoll zugewandt wie man sich am Morbiden erfreut, und wenn sich die Geschwister gegenseitig, ob für wissenschaftliche Experimente oder aus anderen Gründen, an den Kragen gehen wollen, dann machen sie das immer noch sehr liebe- und respektvoll.

Die Addams Family ist aber auch einfach wunderbar anzuschauen. Der Film war Barry Sonnenfelds Debüt als Regisseur, er hatte vorher als Kameramann für die Coen-Brüder gearbeitet. Hier tobt er sich mit Freude am Skurrilen aus, an den Wegen der eiskalten Hand durchs Haus (sie krabbelt auf ihren fünf Fingern rasend schnell die Gänge entlang), an der Einrichtung, die stellenweise zu Leben erwacht, vor allem aber an seinen Figuren. Christina Ricci als Wednesday sollte mit diesem Film als Gesicht erstmals richtig in Erscheinung treten – ein paar Jahre später trägt sie schon Casper weitgehend allein (dazu in ein paar Wochen mehr). Und während Raúl Juliás Gomez einfach nur Freude macht und Christopher Lloyd sich in seinen Fester/Gordon mit Begeisterung hineinwirft, ist es Anjelica Huston, die als Morticia die Show stiehlt.

In einer tiefen Verneigung vor dem Schwarz-Weiß-Kino (natürlich ist der ganze Film in seinen gedeckten Farben diese Verbeugung, in seinen Bildern alte Gruselfilme ebenso referenzierend wie den Film Noir) ist Huston fast in jeder Szene, die sie beglückt, mit einem Lichtstreifen von schräg unten beleuchtet, der ihre Augenpartie heller macht als den Rest – und in ihre fast regungslosen Züge, immer ganz erhabene Aristokratin, legt sie doch so mehr Gefühl, Liebe und Sehnsucht, als man dieser eigentlich eher albernen, leichtfüßigen Komödie zutrauen würde.

Für welches Alter? Für kleine Kinder taugt Die Addams Family freilich nicht; dafür sind die Bilder zu düster, die Schreckmomente zu gruselig, die Anspielungen gelegentlich auch zu derbe, ist die Todessehnsucht zu subtil ironisch unterfüttert. Gefestigte, idealerweise der Ironie und dem Grusel zugeneigte Kinder finden aber sicher ab 12 Jahren hier ein wohliges Zuhause.

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Die Addams Family (The Addams Family). USA 1991. Regie: Barry Sonnenfeld, 80 Min. FSK 12, empfohlen ab 12 Jahren. (Erhältlich bei amazon Prime)

(Foto: Paramount; ja, es ist mangels passenden Presse-Bildmaterials aus dem Nachfolgefilm Die Addams Family in verrückter Tradition)

Filmische Halloween-Zeit für Kinder

Dass sich der Oktober ein wenig zum Gruselmonat im Jahr entwickelt hat, ist vermutlich nicht von ungefähr dem Umstand zu verdanken, dass sich Halloween in seiner amerikanischen Form inzwischen in Deutschland und weltweit als wie auch immer geartetes und begangenes Fest ausgebreitet hat. Oder vielleicht ist es halt nur eine günstige Gelegenheit, eine Kostümparty mit klar umrissenen Thema zu feiern, selbst wenn man vom alljährlichen Karnevalstreiben vor der Fastenzeit eher abgestoßen ist.

13 Filme für mehr Gruseligkeit

Unabhängig von Halloween ist natürlich der Oktober, wenn es früher dunkel wird, sich Nebel zwischen Bäumen (oder Grabsteinen) verfängt und zumindest wir Erwachsenen uns durch fallende Blätter an unsere Sterblichkeit erinnert fühlen, der perfekte Moment für Grusel und Schrecken, auch im Kino.

Unter cinephilen und cinephagen Menschen der deutschen Online-Community hat sich jedenfalls vor einigen Jahren der sogenannte Horrorctober etabliert – wie auch in diesem Jahr versuchen die Connaisseuses und Connaisseurs gut (oder besonders schlecht) gemachter Horrorfilme, im Laufe des Oktobers ein jeweils selbstgewähltes Menü von 13 schröcklichen Streifen zu durchschreiten und idealerweise darüber auch noch zu bloggen oder zu twittern (der Hashtag dazu ist, das versteht sich von selbst, #horrorctober).

Wer sehen möchte, welche nicht jugendfreien Filme ich mir für diesen Oktober vorgenommen habe, kann das in dieser Liste nachvollziehen.

Kinder und Horrorfilme gehören nicht zusammen – oder?

Mich beschäftigt schon länger, ab wann und wie Horrorfilme wohl für Kinder, nicht nur meine, geeignet sein könnten. Und zwar keineswegs leichtfertig: Ich habe zwar als Filmkritiker viele Jahre vor allem über Splatter-, Slasher- und Zombiefilme geschrieben, aber mir ist bis heute nicht ganz klar, wie ich in diese spezifische Nische so tief hineinrutschen konnte; jedenfalls fehlte mir jene lebenslange glühende Begeisterung für das Genre und seine blutigen Subformen, die die meisten Fans in dieser Ecke mitbringen. Im Gegenteil, ich war als Kind schon beim Gedanken an Grusel in Schockstarre, was blutsaugende Monster, gäbe es sie, vermutlich sehr praktisch gefunden hätten. Aber ich schweife ab.

Was mir inzwischen jedoch klar geworden ist: Der Horrorfilm ist alles andere als uniform, und natürlich keineswegs per se verwerflich. Es gibt ihn, wie alle anderen Genres und Modi, in gräßlich-exploitativer Form, nachdenklich-verstörend, hochgradig amüsant oder oder oder. Vor allem gibt es ihn oft als sehr politischen Film (gerade im Zombiekino geschieht da zuweilen Erstaunliches).

Szenenbild ALFIE - Foto: Barnsteiner-Film/Schlingel Filmfestival

Die politischen, gesellschaftlich bedeutsamen Themen finden sich dann nicht selten auch in den Gruselfilmen, die gewissermaßen “Horror” tauglich für Kinder (und zarte Erwachsene) machen; vor einiger Zeit habe ich das so zusammengefasst:

Nicht nur im Kinderfilm, aber dort besonders ist das Monströse nicht immer automatisch auch das Böse. Es kann zu allererst das Andere sein, das Fremde vielleicht; und gerne zeigt sich dann, dass es vor allem die Erwachsenen sind, die diesem Fremden mit Argwohn und Angst gegenübertreten. Zu einer der Tropen des Monsterfilms gehört schließlich das unschuldige Kind, welches als einziges hinter die schröckliche Fassade blickt.

Angstfrei gruseln – Schrecken vorbereiten

Natürlich muss niemand mit seinen Kindern auch nur die harmlosesten Gruselfilme schauen; ich habe trotzdem eine Liste mit Kinderfilmen zusammengestellt, die die ganze Bandbreite abbilden: von freundlichsten Anspielungen auf Halloween über sehr kindertaugliche Monstren bis hin zu nicht blutigem, aber schon kribbeligem Horror für den anspruchsvollen Teenager. Sie ist (sehr!) grob nach möglicher Alterstauglichkeit sortiert.

Aber dennoch: Gruselkino für die Kinder will wohl überlegt und mit ihnen gemeinsam vorbereitet sein. Wissen sie, was sie erwartet? Fühlen Sie sich im Kontext (z.B. zuhause vor Fernseher oder Leinwand) sicher? Trauen Sie sich, im Zweifel Stop zu sagen? Sind sie überhaupt weit genug dafür? Nicht alle Elfjährigen sind bereit für Aliens, auch wenn der amerikanische Filmkritiker Matt Zoller Seitz damit einen tollen Abend organisiert hatte.

Kinderfilme für die kinematographische Geisterstunde

Viele Filme aus meiner Liste habe ich bereits hier im Blog oder anderswo ausführlich besprochen – die Links dazu folgen unten. Darüber hinaus werde ich hier im Blog bis Halloween jeden Mittwoch einen weiteren Horrorfilm der Liste besprechen.

#horrorctober2019 hier im Blog

Szenenbild MANOLO UND DAS BUCH DES LEBENS - Copyright: 20th Century Fox

Fällt Euch noch was ein?
Falls Euch noch kindertaugliche Horror- oder Gruselfilme einfallen sollten, die hier noch fehlen, lasst es mich in den Kommentaren wissen!

(Fotos: Bee Felten-Leidel auf Unsplash; Barnsteiner-Film/Schlingel Filmfestival; 20th Century Fox)