Fritzi – Eine Wendewundergeschichte (2019)

Endlich Sommerferien! Fritzi wäre über die freie Zeit noch deutlich glücklicher, wenn ihre beste Freundin Sophie mit ihr zusammen in Leipzig bliebe. Aber Sophie und ihre Mutter fahren in den Urlaub nach Ungarn, dafür wird Fritzi auf Sputnik aufpassen, Sophies kleinen Hund.

Es ist, erfahren wir am Anfang des Films durch eine Einblendung, der Sommer des Jahres 1989, und mit dem Blick aus der Gegenwart ahnen wir natürlich schon, was die Reise nach Ungarn bedeutet: Sophie kommt aus dem Urlaub nicht mehr zurück, am Abend des ersten Schultags kann sie Fritzi noch ein letztes Mal aus einer Telefonzelle anrufen, irgendwo in der Nähe der bundesdeutschen Botschaft in Budapest.

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte ist in erster Linie ein Kinderfilm; seine Figuren sind, im Bild wie in den Charakteren, mit klaren Linien gezeichnet, im Bild auch etwas flächig, vor gemalten, fast getuschten Hintergründen, die von der Wandzeitung im Klassenraum über die Altbauten der Stadt bis zu den Postern im Kinderzimmer konzentriert das Leben in den letzten Monaten vor der Maueröffnung präsentieren. Es ist eine konsequente Perspektive aus der Innensicht dieser Welt, auf Augenhöhe mit Fritzi.

Und ein wunderbar unpädagogischer, genauer Blick auf das Leben in der DDR, kurz bevor die Mauer fiel. Ein Film, der in seiner Hauptfigur die emotionale Bedeutung dieses Mauerfalls in ganz einfacher Form kondensiert, ohne das Politische auszuschließen. Meine beglückte, begeisterte Kritk ist auf kino-zeit.de erschienen.

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Fritzi – Eine Wendewundergeschichte. Deutschland/Luxemburg/Belgien/Tschechien 2019. Regie: Ralf Kukula/Matthias Bruhn, 80 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 9. Oktober 2019.

(Foto: Weltkino)

Das tapfere Schneiderlein (1956)

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„Genug geflennt!“ Da weist nicht etwa die böse Stiefmutter ein trauriges Kind zurecht, in diesem Märchen macht die aufbrausende Prinzessin ihrem Vater klar, dass ihr sein Gejammer zu viel wird. Und so ganz genau weiß man auch gar nicht, was es denn zu beklagen gibt – keine der Gefahren für‘s Königreich, denen er das tapfere Schneiderlein aussetzt, scheint wirklich soo akut gefährlich zu sein.

Aber der Reihe nach. Die wenig harmonische Königsfamilie ist ja nicht die einzige Besonderheit von Helmut Spieß‘ Märchenverfilmung aus dem Jahr 1956. Zunächst und vor allem ist Das tapfere Schneiderlein der erste große Märchenfilm der DEFA, der sich primär an Kinder richtete: Die Geschichte vom kleinen Muck (1953) und vor allem Paul Verhoevens Das kalte Herz (1950), die womöglich noch etwas erfolgreicher waren und bekannter sind, hatten noch keine so klare Zielgruppe, waren eher Märchen für Erwachsene, die sich auch für Kinder eigneten. „Das tapfere Schneiderlein (1956)“ weiterlesen