Alfie, der kleine Werwolf (2011)

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Als kleines Baby wurde Alfie seinen Eltern einfach vor die Tür gelegt – die adoptierten das Kind, das ihnen da zur Pflege angedient wurde, und bereiten jetzt seinen Geburtstag vor, den Alfie wird sieben Jahre alt. Pünktlich um Mitternacht aber, draußen scheint der Vollmond, geschieht etwas Seltsames – dem hellblonden Jungen wächst ein weißes Fell, spitze Ohren und eine sehr sensible Nase. Alfie ist ein Werwolf, aber so werden seine Adoptiveltern ihn doch nie akzeptieren? Nur sein Bruder Timmie ist begeistert – endlich ein richtiges Monster in der Familie!

Alfie, der kleine Werwolf ist, wenn man so will, eine Art Kindervariation auf Teen Wolf, in dem seinerzeit Michael J. Fox sich eines Nachts wölfisch verwandelt fand – und wie in dem jüngst als Fernsehserie modernisierten Teenagerfilm damals, mehr Coming-of-Age-Komödie als Monsterfilm, so wird auch hier dem Werwolf das eigentlich Schreckliche seines Daseins genommen. Sogar mehr noch: Harmloser als dieses überdimensionierte Plüschtier (denn so sieht Alfie als Werwolf aus) kann man schier nicht sein, sieht man von ein paar Ausflügen in den Hühnerstall der Nachbarin ab. Aber das Blut, das dabei fließt, bleibt weitgehend offscreen. „Alfie, der kleine Werwolf (2011)“ weiterlesen

Das Haus der Krokodile (2012)

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Seltsam, diese ausgestopften Krokodile mit den leeren Augen. Und seltsam, dieses merkwürdige Haus, die Wohnung mit den ganzen alten Sachen, die Viktor (Kristo Ferkic) nicht anfassen soll… Alles ist im Übergang am Anfang von Das Haus der Krokodile, der Neuverfilmung einer Fernsehserie aus den 1970ern, die ihrerseits auf einer Erzählung von Helmut Ballott (amazon) beruht – und mittendrin sind die Kinder, Viktor und seine großen Schwestern Cora und Louise (Joanna und Vijessna Ferkic, auch im wirklichen Leben Geschwister des Hauptdarstellers) allein in diesem Haus, die Eltern müssen verreisen, man sieht sie nur für wenige Momente überhaupt im Film.

Stattdessen interessiert sich Viktor mehr und mehr für Cäcilie, die in der gleichen Wohnung lebte und als junges Mädchen im Haus ums Leben kam; er findet ihr gemaltes Tagebuch und hangelt sich an den von ihr dort gegebenen Hinweisen vor zu einem Geheimnis, von dem er glaubt, dass sie es gehütet habe — und dann sieht er auch noch einen Einbrecher in der Wohnung, der kommt und geht, ohne Türen zu öffnen, und natürlich glauben ihm die älteren Geschwister ebensowenig wie die im Haus wohnenden Erwachsenen, die sowieso recht seltsam sind: die grimmige Frau Debisch (Gudrun Ritter) mit ihrem etwas peinlichen erwachsenen Sohn Friedrich (Christoph Maria Herbst) sowie der Untermieter Strichninsky (Waldemar Kobus), der sich mehr als merkwürdig verhält… „Das Haus der Krokodile (2012)“ weiterlesen

Herr Heuschreck und seine anthropomorphen Freunde

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Der Mensch in Tiergestalt, das Tier mit menschlichem Antlitz, Geist und Willen, sprechend noch dazu – das mag es vorher schon ein wenig gegeben haben, in Zeichnungen und Cartoons, zur Konstante unseres kulturellen Outputs ist es aber doch erst so richtig durch den Film geworden, genauer: den Animationsfilm. Und dann war es, als es endlich mal den Tonfilm gab, immer noch ein weiter Weg von Steamboat Willie zu Rango, vom ersten Auftritt von Micky Maus bis hin zu den ironischen Westernabenteuern dieses seltsamen Chamäleons.

Nimmt man diese beiden Filme in den Blick, erscheint es vielleicht ein wenig ungewöhnlich, dass anthropomorphe Tiere erst einmal automatisch dem Kinderfilm zugeordnet werden. Dabei waren – einen dezidierten “Kinderfilm” gab es ja lange gar nicht – die Trickfilme auch und vor allem für Erwachsene gedacht. Ein schönes Beispiel dafür ist Hoppity kommt zurück (früher auch als Herr Heuschreck geht in die Stadt bekannt, im Original: Mr. Bug Goes to Town), ein ästhetisch einigermaßen possierlicher Film von 1941.

Weiterlesen: Meine ganze Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung hier bei kino-zeit.de.

Hoppity kommt zurück ist gerade frisch in der Cartoon Classics Edition neu erschienen (amazon). (Foto: Universum Film)

Tad Stones – Der verlorene Jäger des Schatzes! (2012)

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Tad Stone wäre nichts lieber als ein richtiger Archäologe. Schon von Kindesbeinen an träumt er davon, versunkene Schätze in Pyramiden zu entdecken und an exotischen Orten nur mit Mühe rachsüchtigen Wächtern zu entkommen. Man sieht: Es geht hier eher um die Indiana-Jones-Variante der Archäologie, aber Tad hat dennoch keine Chance. Sein großes Idol ist Max Mordon, der auf den Titelseiten der großen Zeitschriften erscheint und für seine Entdeckungen gepriesen wird. Tad hingegen, der sich als Bau- und Gelegenheitsarbeiter verdingt, findet gelegentlich eine richtig alte Colaflasche. Und dann ist es doch nur ein Exemplar der sehr jungen Nostalgie-Edition.

Durch eine Verkettung von Zufällen kommt Tad dann aber doch noch zu seinem Abenteuer: Man hält ihn für den Assistenten eines berühmten Archäologen, mit dem er befreundet ist, und im Handumdrehen ist er gemeinsam mit Sara Lavrof und dem angemieteten Gehilfen Freddy auf der Jagd nach großen Geheimnissen… „Tad Stones – Der verlorene Jäger des Schatzes! (2012)“ weiterlesen

Filmfest München: Ernest & Célestine (2012)

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Die Welt ist zweigeteilt: Oben, in einer Welt leben die Bären und gehen diversen Berufen nach. Unten wohnen die Mäuse, und sie haben große Angst vor den Bären: das gebräuchlichste Schreckgespenst in der Kindeserziehung ist der böse Bär, der die kleinen Mäuse holt. Célestine beeindruckt das nicht zu sehr. Sie gehört zu den unzähligen Tieren, die als Zahnmaus die ausgefallenen Zähne kleiner Bären einsammeln; und als sie nach einer ziemlich dramatischen Fluchtaktion in einer Mülltonne einschläft, wird sie am nächsten Morgen von dem sehr hungrigen und ziemlich einsamen Bären Ernest fast aufgefressen:

Ernest et Célestine – Extrait #1

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Die Tiergemeinschaften sind veritabel vermenschlichte Gesellschaften: bei den Mäusen dreht sich alles um die Beschaffung neuer Zähne, die die Mäuse brauchen, um die Schneidezähne älterer Mäuse zu erneuern. Bei den Bären hingegen ist’s noch etwas allzu menschlicher. Da ist zum Beispiel der Süßwarenhändler, der seine Waren gerne vor allem den Kindern andient; und direkt gegenüber betreibt seine Frau einen florierenden Handel mit Ersatzzähnen… „Filmfest München: Ernest & Célestine (2012)“ weiterlesen

Filmfest München: Mein kleiner Orangenbaum (2012)

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Die Kindheitsgeschichte eines Schriftstellers: Von allen Zezé genannt, wächst er im Brasilien der 1920er/1930er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf, seit sein Vater seine Arbeit verloren und zu trinken begonnen hat. Streit und Gewalt gehören zu täglichen Erfahrungen dieses Lebens. Er gilt als der Junge im Dorf, der den Teufel im Leib hat, dessen Streiche immer eine Spur zu weit gehen. Erst die zufällige Freundschaft zu Portugâ, einem älteren Herren mit auffälligem Auto, gibt ihm Halt und eröffnet ihm neue Wege.

Mehr als alles ist Mein kleiner Orangenbaum ein Portrait dieser Freundschaft, wie Zezé dieser Freund das Leben gerettet hat – aber er berichtet auch von der Hilflosigkeit der Welt außen um Zezé herum: Wie die Eltern verzweifeln und sich bemühen, der schlagende Vater, die leidende Mutter. Über weite Strecken wird der Film so zu einem intensiven Psychogramm – und dank toller Schauspieler, allen voran José de Abreu als Portugâ, transportieren manche Szenen ohne große Worte herzzerreißende Wahrheiten.

Der Film basiert auf der gleichnamigen (O Meu Pé de Laranja Lima) und teilweise fiktionalen Autobiographie von José Mauro de Vasconcelos; er leidet dann im Abgang allein darunter, dass sein Finale deutlich zu rasch und schmalzig geraten ist; da scheint sich vieles doch zu melodramatisch-einfach aufzulösen, und das hinterläßt auch einen unguten Nachgeschmack.

ตัวอย่างหนัง My Sweet Orange Tree ต้นส้มแสนรัก (ซับไทย Sub Thai)

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Mein kleiner Orangenbaum (Meu Pé de Laranja Lima), Brasilien 2012. Regie: Marcos Bernstein. 99 Minuten, FSK noch keine, Kinostart: noch keiner. (Vom Filmfest München empfohlen ab 10 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen.)