Filmkritiken

Der Wolf und der Löwe (2021)

Auch wenn ich wirklich ein großer Fan der filmischen Fiktion bin, die auch mal die eine oder andere Grenze überschreiten darf, nay, muss – bei manchen Kinderfilmen erhebt sich in mir gelegentlich ein Vater, der mit den zuschauendem Nachwuchs sprechen möchte: Mach’ das bitte auf gar keinen Fall nach!

So ein Fall sind die Mutproben im (absolut brillanten) Königin von Niendorf ebenso wie natürlich in Die Vorstadtkrokodile, und so gibt es nun auch in Der Wolf und der Löwe so einige Momente, in denen ich zusammenzuckte. Also, Kinder: Niemals, unter keinen Umständen und auch bei allergrößter Niedlichkeit, dürft Ihr Eure Finger, Hände oder sonstigen Körperteile und Extremitäten in einen Käfig oder Raum halten, in dem sich ein Löwe oder ein Wolf befinden. No, no, no, not ever.

Regisseur Gilles de Maistre hat viel Zeit und Mühe in das Ziel gesteckt, den Umgang mit Wolf Paddington und Löwe Walter (im Film heißen sie “Mozart” und “Träumer”) völlig natürlich erscheinen zu lassen. Was man nicht sieht, ist die Vorarbeit mit Tiertrainer Andrew Simpson, sind 15 Monate Zeit (man sieht sie im Film daran, wie die Tiere in dieser Zeit von Babies zu Jugendlichen wachsen) zur Gewöhnung und Beobachtung, sind die Käfige, aus denen die Crew filmte. (Hier gibt es ein wenig Hintergrund zu den Dreharbeiten.)

Wunderschöne Tierbilder, eher flache Handlungskurve

Das Ergebnis sind wunderschöne Aufnahmen der Tiere zusammen vor allem mit der Hauptdarstellerin Molly Kunz, deren Alma mit 20 Jahren wieder in die Hütte einzieht, in der sie mit ihrem jüngst verstorbenen Großvater gelebt hatte. Nun lässt sie eine mögliche Karriere als Pianistin hinter sich, um sich ganz um die zwei Tiere zu kümmern: ein Wolfsjunges, das ihr quasi zugelaufen ist, und ein Löwenbaby, das nach einem Flugzeugabsturz der jungen Frau wortwörtlich auf den Kopf fällt.

Es geht dann natürlich um die Frage, ob das denn sein darf, diese wilden Tiere auf ihrer Privatinsel, und es gibt im zweiten Teil des Films dann noch eine etwas bemühte Verfolgungsjagd mit den zwei Tieren, die sowohl von Alma als auch von den Wildhütern verfolgt werden, bis am Schluss ein ziemlich schmalziges Happy-End am See stattfindet. Friede, Freude, Eierkuchen, Klavierkonzert.

Die Story, von Prune de Maistre und ihrem Mann Gilles geschrieben, ist leider eine ziemliche Schwachstelle des Films, und das kann nicht allein daran liegen, dass sie während der Dreharbeiten kontinuierlich an das Verhalten der Tiere angepasst wurde. Die Konflikte sind etwas bemüht, die Figurenzeichnungen und Charakterentwicklungen knirschen dann doch etwas, nur der stets verlässliche Graham Greene gibt Almas Patenonkel Joe eine stoische Gelassenheit, die man auch dem Rest des Films wünschen würde.

Hübsch anzusehen also die Natur, die Tiere sowieso, aber alles andere ist leider zu bemüht und stereotyp, als dass man sich dafür wirklich begeistern könnte. Immerhin fehlt der schräge, unterschwellige Rassismus, der Gilles de Maistres vorherigen Film, Mia und der weiße Löwe, so unerträglich machte.

Der Wolf und der Löwe (Le loup et le lion/The Wolf and the Lion). Frankreich, Kanada 2021. Regie: Gilles de Maistre, 99 Minuten. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 17.03.2022.

(Eine weitere Kritik von mir zum Film, die sich eher an Kinder richtet, ist drüben in der Kinderfilmwelt erschienen.)

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(Fotos: Studiocanal)

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