Festivals Filmkritiken

Berlinale 2021: Beans (2020)

Berlinale-Logo Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung von der Kinder- und Jugendfilmsektion Generation der Berlinale 2021. Alle Berichte von diesem Festival gibt es hier im Blog unter dem Tag #berlinale.

Mit ihren zwölf Jahren ist Tekahentahkhwa noch keineswegs ganz sicher, was sie eigentlich möchte. Ihre Mutter will, dass sie an der renommierten Queen Heights Highschool aufgenommen wird, ihr Vater ist gar nicht unbedingt so glücklich darüber, dass seine Tochter außerhalb der Kanehsatà:ke-Siedlung zur Schule gehen wird. Die Tochter, die alle nur Beans nennen, ist hin- und hergerissen.

Solche Entscheidungen werden aber bald unwichtig. Im Juni 1990 kommt es zu Konflikten mit der benachbarten Stadt Oka, nachdem deren Bürgermeister den Bau eines Golfplatzes auf einem von früheren Mohawk genutzten Friedhof genehmigt hat. Die Mohawk errichten Straßensperren, in der Stadt sind sie rassistischen Ressentiments und Übergriffen ausgesetzt, es droht Gewalt.

Derweil freundet sich Beans mit der etwas älteren April an, die sie für ihre Toughness bewundert, und lässt sich von ihr anleiten und verleiten – Konflikte mit ihren Eltern entstehen, und dann muss Beans auf einmal mit ihrer hochschwangeren, resoluten Mutter und ihrer kleinen Schwester aus der Siedlung abreisen, weil statt der örtlichen Polizei nun auf einmal das Militär aufgefahren ist…

Regisseurin und (zusammen mit Meredith Vuchnich) auch Autorin Tracey Deer mischt unter ihre Spielfilmaufnahmen immer wieder dokumentarische Schnipsel, zeitgenössische Fernsehausschnitte aus Nachrichten und Interviews, die den authentischen, historischen Kontext ihres Films evozieren. Ergänzt wird das durch Bilder und kleine Handlungsmomente in Beans, die sich wiederum auf bekannte Bildmotive und Ereignisse der „Oka Crisis“ beziehen.

Getragen aber wird der Film vor allem von seinen drei Hauptdarstellerinnen, von Kiawentiio als Tekahentahkhwa, Rainbow Dickerson als ihre Mutter Lily und Paulina Alexis als die toughe April, die Beans erst verletzen lehrt und verletzt, und schließlich, nicht nur da schließt der Film Kreise und öffnet Türen, sich als verletzlich zeigt.

Beans ließe sich, wenn ich ihn sehr reduktiv beschreiben wollte, ins allzeit beliebte Genre des „Coming-of-Age“ einschreiben, aber das hieße, seine Vielschichtigkeit ebenso zu ignorieren wie seine historische Positionierung. Denn hier geht es um mehr, um Selbstbehauptung und Selbstbewusstsein, nicht nur eines jungen Mädchens, einer jungen Frau in einer sexistisch strukturierten Gesellschaft, sondern eben auch einer Mohawk in einer rassistischen Welt. Da fliegen Steine und drohen Zungen, und Tekahentahkhwa ist auf der Suche nach dem richtigen, jeweils der Situation angemessenen Mittel um Widerstand zu leisten, sich selbst zu behaupten.

Daraus zieht der Film nicht nur wahnsinnige Sogkraft, sondern auch präzise fokussierte politische Wucht, die sich in den allerletzten Sekunden des Films, im letzten Satz und einer mächtigen Weglassung niederschlägt. Was für ein großartiger, feministischer Film von stolzer Aufrichtigkeit.

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Beans. Kanada 2020. Regie: Tracey Deer, 91 Min. Vom Festival empfohlen ab 12 Jahren. Läuft am 15.06.2021 in der Sektion Generation Kplus der Berlinale. Alle Infos dazu hier.

(Fotos: Berlinale/Sébastien Raymond)

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