Mascha und der Bär (2017)

Ich hatte bisher keine wirkliche Meinung zu Mascha und der Bär; meine kurzen Blicke in die Sendung ließen den Eindruck zurück, es mit einer hyperaktiven, leicht kieksigen und unterambitioniert animierten Variation auf Shaun das Schaf zu tun zu haben: Lauter kurze Episoden, in denen die beiden Hauptfiguren kleine, manchmal ziemlich aus den Fugen geratende Abenteuer erleben, die nie wirklich ernsthafte Folgen haben – denn schließlich, und das ist im Grunde schon sehr in Ordnung so, spricht man hier ein sehr junges Publikum an.

Der „Film“ Mascha und der Bär, der jetzt in einigen Kinos zu sehen ist, ändert an meinem Urteil wenig – und hat auch wirklich überhaupt kein Interesse daran. Er ist auch weniger ein Film im klassischen Sinne als mehr eine Aneinanderreihung von wohl neu entstandenen Episoden („Brandneue Abenteuer“ kündigt das Plakat an, sie sind aber halt schon zwei Jahre alt), die sehr, sehr lose dadurch zusammengehalten werden, dass Mascha ihren Kuscheltieren – und in Verlängerung und schließlich in direkter Ansprache auch dem Publikum – ein paar Geschichten erzählen will.

Mascha lebt im Wald, da war wohl früher mal ein Bahnhof mit Gleisen, ein paar Waggons sind übrig (Moskau-Alaska zum Beispiel, eine geographisch gewagte Bahnverbindung), und besucht den Bären gerne, der aber keineswegs immer nur begeistert ist von ihren Ideen. Manche Episoden verschläft er fast ganz (er hält ja Winterschlaf, und es weckt ihn auch nicht auf, wenn das Haus wackelt), in anderen steht er im Mittelpunkt.

Das ist gelegentlich hübsch bizarr: Der Bär organisiert ein Billardturnier, aber Mascha tauscht die Kugeln mit nummerierten Würfeln aus, das passt besser zu dem Spiel, das sie mit dem Hasen spielt. Die Turnierteilnehmer schauen kurz irritiert, zucken mit den Schultern und spielen dann halt Würfelbillard – in dieser animierten Welt geht das auch. In einer Episode transportiert sich Masha in eine Phantasiewelt und holt die Ritter zweier verfeindeter Burgen heraus, damit endlich jemand mit ihr Eishockey spielt – auch wenn es etwas mühsam ist, den Rittern diesen Sport dann auch beizubringen.

Es gibt noch eine Reise zum Mond, ein Weihnachtsfest à la Charles Dickens und einige Episoden mehr – was sich halt in 68 Minuten so an Mehrminütern unterbringen lässt. Das ist stellenweise originell und witzig, stellenweise ein wenig egal; die Länge der Episoden richtet sich zwar weiterhin an der Aufmerksamkeitsspanne eines sehr jungen Publikums aus, aber ob dieses nicht nach drei oder vier Geschichten die Nase bzw. das Gehirn voll hat, sollte man sich schon fragen.

Zumal das durchaus recht hektische Gewerke auf der Leinwand auch nicht besonders elegant oder interessant animiert ist; das wirkt – wenn man es z.B. neben die neuen Filme der Gebrüder Lauenstein, Luis und die Aliens oder Die sagenhaften Vier mit ihrer durchweg gekonnten Animation hält – doch sehr hemdsärmelig, flächig und arm an Komplexität in Gestik und Mimik. Will sagen: Besonders interessantes Innenleben gibt es nicht zu beobachten, und säßen da nicht stellenweise schön absurde Ideen in den Geschichten, es wäre gar nicht auszuhalten.

Mascha und der Bär (Masha i Medved/Маша и Медведь). Russland 2017. Regie: Oleg Kozoyukoh/Kevin Hamon, 65 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Kinostart: 4. April 2019.

(Foto: AF Media)

Filmfest München: Der lange Weg nach Norden (2015)

Sie ist ein wenig fremd, ein wenig altertümlich, jedenfalls von ihren eigenen Gesetzen bestimmt, die Welt, in der die 15-jährige Sacha lebt. Man schreibt das späte 19. Jahrhundert in St. Petersburg, ihr Vater macht sich Hoffnungen auf die Position als russischer Botschafter in Rom. Aber auf Sachas Debütantinnenball kommt es zum Eklat, denn das Mädchen bedrängt den Prinzen Tomsky, man möge doch noch einmal nach ihrem verschollenen Großvater und seinem Schiff suchen; die “Dawai” (“Vorwärts”) gilt als im Eis verschollen, seit sich Sachas Opa dort auf die Suche nach der Nordost-Passage gemacht hatte.

kifife_logo_2016_600px Rémi Chayé macht schon früh klar, dass die Heldin seines Animationsfilms Der lange Weg nach Norden sich nicht gerne fügt, nicht gerne schweigt; nur das Durchhalten muss sie noch lernen. Aber das findet sich, nachdem sie heimlich ihr Elternhaus verlassen hat, um auf eigene Faust nach der “Dawai” zu suchen, nur mit Notizen ihres Großvaters bewaffnet – schließlich muss man etwas hartnäckig sein, um ein Schiff zu finden, das eine junge Frau mit auf die Reise ins ewige Eis nimmt.

Der lange Weg nach Norden lief gestern auf dem Kinderfilmfest München; meine detaillierte Kritik ist im Festivalblog von kino-zeit.de erschienen.

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Der lange Weg nach Norden (Tout en haut du monde), Dänemark/Frankreich 2015. Regie: Rémi Chayé, 81 Min. FSK k.A., empfohlen ab 8 Jahren. (Auf dem Filmfest München.)

(Fotos: Filmfest München)

Kurzfilm zum Wochenende: Schneeflocke (2012)

Bildschirmfoto 2013-12-13 um 08.32.09

Wenn eine Schneeflocke per Post kommt… dann wirft das schnell eine ganze Welt durcheinander. Bezaubernder russischer Animationsfilm von Natalia Chernysheva, mein persönlicher Favorit vom KUKI-Festival in diesem Jahr.

Schönes Wochenende!

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(via @Interfilm_Bln)