Early Man – Steinzeit bereit (2018)

Ich mag Filme aus dem Hause Aardman auf eine vermutlich irrationale Art und Weise immer schon im Voraus sehr; eine Zuneigung, die hart erarbeitet ist über viele Jahre hinweg. Durch die Freuden britischen Understatements, die Wallace and Gromit in all ihren Auftritten bieten; durch die sehr subtilen Scherze der Creature Comforts; durch den wundervollen Slapstick von Shaun das Schaf und schließlich auch durch den anspielungsreichen, wahrhaft brillanten Chicken Run – Hennen rennen. Mit Early Man hat das Studio wieder zum Knetplastik gegriffen und eine Geschichte zusammengestöpselt, die, nun ja, ziemlich eklektisch wirkt.

Der junge Dug gehört zu einem Stamm von Steinzeitmenschen, die eigentlich zu ängstlich sind, ihr paradiesisch grünes Tal zu verlassen – oder auf größere Tiere als Kaninchen Jagd zu machen. Sie staunen nicht schlecht, als plötzlich die ersten Menschen der Bronzezeit bei ihnen einfallen. Unter dem grünen Tal lauern Erzvorkommen, die sie abzubauen wünschen, also müssen Dug und seine Freunde in die triste, unwirtliche Einöde ausweichen. Um sein Tal zurückzugewinnen, fordert Dug die Eindringlinge und ihren Herrscher Lord Nooth zu einem Duell im der Bronzezeitler liebsten Spiel auf – das nicht von ungefähr dem heutigen Fußball verblüffend ähnlich sieht.

Early Man ist einerseits beglückend desinteressiert an historischer Akkuratesse. Die Menschen der Bronzezeit scheinen mit der Verwendung von Metall auch in kulturellen und technischen Dingen gleich einen Zeitsprung ins frühe Mittelalter gemacht zu haben, während außerhalb der menschlichen Siedlungen noch Dinosaurier rumtrapsen und reichlich Vulkane ihr feuriges Unwesen tun.

Das wäre in einem Animationsfilm aber alles wurscht und sorgt für reichlich Situationskomik wie Slapstickmomente. Und auch ansonsten gibt es reichlich witzige Momente, die es vielleicht so eben auch nur in Claymation geben kann. All das könnte den Film womöglich weit tragen, wären andererseits dem Film seine Figuren nicht so strunzegal. Es sind sehr viele Nebenfiguren – von Dugs Stamm bis zu den sehr modernen Fußballstars der Bronzestädter –, während die Hauptfiguren dann doch sehr stereotyp bleiben.

Das konnte Aardman schon viel besser, in Chicken Run sowieso, aber auch noch in Die Piraten! Und so kriegt man hier sehr aufwändig und wie stets sehr schön gemachte Animation zu sehen, weiß aber am Ende nicht so recht, warum man sich das denn jetzt angesehen hat. Zumal es am Ausgang der Sache natürlich nie wirkliche Zweifel geben konnte.

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EARLY MAN – STEINZEIT BEREIT Trailer Deutsch | Jetzt im Kino!

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Early Man – Steinzeit bereit (Early Man), Großbritannien/Frankreich/USA 2018. Regie: Nick Park, 89 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren.

(Foto: Studiocanal)

Lieblingsfilme (8): Gerold Marks

wallacegromit

Welches ist Dein liebster Kinderfilm?

Ich glaube, wir hatten in meiner Kindheit zu Hause gar keinen Fernseher, zumindest erinnere ich den nicht. Aber meine Großeltern hatten einen, mitsamt Videorekorder. Da ich eh viel Zeit bei meinen Großeltern verbrachte, lief auch viel Glotze, aka Kinder-Nachmittagsprogramm: Biene Maja, Wickie, Captain Future. Und beim Übernachten auf der Couch hab ich dann über die Oma hinweg nach Dallas gelinst. Spannend wurde es mit der Einführung der VHS-Videos in der örtlichen Leihbibliothek: da warteten solche Schätze wie Der dunkle Kristall, Mary Poppins, Lotte Reiniger-Scherenschnitt-Filme, die Fantasyabenteuer von Ray Harryhausen oder die Bud Spencer/Terence Hill-Werke in mitunter mies abgenudelter Qualität auf Zuschauer. Meine Großmutter musste sich schon bald an diesen Ruf gewöhnen: “Oma, kann ich bei Dir ein Video gucken?”. Irgendwann erbte ich von meiner Uroma einen sehr kleinen Schwarz/Weiss-Fernseher, der meine Filmrezeption doch irgendwie in ein ständiges Film Noir-Erlebnis verfälschte. „Lieblingsfilme (8): Gerold Marks“ weiterlesen

Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen (2011)

Die_Piraten

Wir schreiben das Jahr 1837, die Weltmeere sind noch nicht in allen Ecken erforscht und befriedet, Charles Darwin muss seine Theorien über die Vererbungslehre noch ein wenig mit Material unterfüttern, und Königin Victoria, die gerade frisch den Thron des Vereinigten Königreichs bestiegen hat, hasst Piraten. Ausdrücklich und nachdrücklich sagt sie das und handelt entsprechend.

Aus dem bequemen London gesehen mag es also nicht als die leichteste Zeit für Freibeuter erscheinen, aber der Piratenkapitän Pirate Captain und seine hochgradig generisch benamste Crew (vom “Piraten mit dem Schal” bis hin zum “erstaunlich kurvigen Piraten” ist alles dabei, und der Papagei heißt Polly) lassen sich dadurch nicht stören.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen erschien im März 2012 hier auf kino-zeit.de.

Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen (The Pirates! Band of Misfits), USA, Großbritannien 2012. Regie: Peter Lord, Jeff Newitt. 88 Minuten, FSK: 0. (amazon: DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D)

(Foto: Sony Pictures)

Shaun das Schaf (2007-)

Fragt man nach aktuellen Animationskinderserien, so wird wahrscheinlich Shaun das Schaf – gern gesehener Gast auch in der Sendung mit der Maus – derjenige Nenner sein, auf den sich alle einigen können. Und ausnahmsweise ist das eine richtig gute Sache. „Shaun das Schaf (2007-)“ weiterlesen