Das stört doch keinen großen Geist!“ Als Karlsson vom Dach das zum ersten Mal sagt, hat er gerade die Dampfmaschine in Flammen gesetzt, die Lillebror eigentlich nur unter Aufsicht anfassen, geschweige denn benutzen darf. Lillebrors Bitten, sein Flehen, die Regeln doch zu beachten, ignoriert der weltbeste Nachbar (und eh weltbeste Alles) beharrlich und konsequent. Und wird Lillebror so in allerlei Schwierigkeiten bringen.
Der Titelheld von Karlsson auf dem Dach (Olle Hellbom, 1974) ist, mit einem Wort, eine ziemlich unangenehme Person. Er ist unmäßig von sich selbst überzeugt, ignoriert die Bedürfnisse anderer, von ihrem Willen zu schweigen, und sieht nur sich als Maßstab seines Handelns und der Welt. Und damit ist er nicht allein. Denn während ein oberflächlicher Blick auf Kinderfilme vielleicht den Eindruck erwecken mag, es gebe hier doch eine überwältigend große Zahl reizender und netter Figuren zu verzeichnen, zeigt sich doch schon recht bald, wie wenig das stimmt.
Für das Kinder- und Jugendfilm-Portal habe ich mir einmal angeschaut, was für Typen von unangenehmen Figuren (Protagonist*innen und Antagonist*innen) es im Kinderfilm so gibt und welche Funktion sie in den jeweiligen Erzählungen einnehmen.
Im Text kommen unter anderem vor: Karlsson auf dem Dach, Der kleine Rabe Socke, Louis & Luca – Das große Käserennen, Mission Ulja Funk und natürlich Victoria muss weg. Hinweise auf weitere, von mir übersehene Musterbeispiele sind enorm gern gesehen!
(Foto: Barnsteiner)

