Dora und die goldene Stadt (2019)

Ich muss gestehen, dass ich die TV-Serie Dora (Dora the Explorer) nur vage durch ein paar Blicke in einzelne Folgen kenne. Im Kern geht es um die siebenjährige Dora, die gemeinsam mit ihrem Affen Boots, ihrem sprechenden Rucksack und gelegentlich ihrem Cousin Diego kleine Abenteuer erlebt – dabei wird immer wieder das Publikum angesprochen und „einbezogen“, es gilt, kleine Rätsel zu lösen, die sich um Zahlen, Rätsel oder englische Wörter (im Original spanische) drehen. Eine hochpädagogische Angelegenheit also, die allerdings in den USA wesentlich bekannter ist als hierzulande.

Es gibt ein paar Szenen am Anfang von Dora und die goldene Stadt, die wirken, wenn man noch keine einzige Folge der Serie gesehen hat, etwas seltsam, bizarr und frei von Zusammenhang. Anfangs ist die noch kleine Dora zu sehen, die dann am Eßtisch tatsächlich in die Kamera fragt: „Kannst du delicioso sagen?“ Und ihre Eltern (Eva Longoria und Michael Peña) drehen sich suchend um, weil sie sich fragen, mit wem ihre Tochter denn eigentlich spricht… naja, „das verwächst sich.“

Szenenbild: Dora und die goldene Stadt

Nur dass Dora (Isabela Moner) solche Fragen zehn Jahre später immer noch stellt – aber nur in den ersten fünfzehn Minuten des Films, als kleiner Gag, der diese Realverfilmung (mit, es geht ja nicht mehr ohne, so einigen digitalen Kreaturen) an die Zeichentrickserie bindet und das jüngere Publikum mit abholen soll. Denn obgleich Dora, Cousin Diego (Jeff Wahlberg) und ihre Freund_innen alle sechzehn, siebzehn Jahre alt sind, richtet sich dieses extrem kinderfreundliche Dschungelabenteuer doch eher an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Doras Eltern sind auf der Suche nach Parapata, einer sagenumwobenen Stadt aus Gold. Als sie eine besonders heiße Spur haben, wollen sie ihre Tochter, die noch nie aus dem Dschungel herausgekommen ist, nicht mitnehmen – und schicken sie stattdessen zur Familie ihres Cousins, die seit zehn Jahren in Los Angeles lebt. Dort geht Dora mit Diego auf die Highschool – und kennt sich natürlich überhaupt nicht mit den Konventionen und ungeschriebenen Geboten des amerikanischen Schullebens aus. (Eine Fish-out-of-Water-Situation, die ja gerade für Highschool-Komödien immer wieder thematisiert wird; zum Beispiel sind es umgedreht in Secret Agency – Barely Lethal die witzigsten Momente der sonst eher mittelmäßigen Actionkomödie, als die Titelheldin versucht, ihr Highschool-Wissen aus Filmen auf die doch etwas komplexere Realität anzuwenden. Aber ich schweife ab.)

Szenenbild: Dora und die goldene Stadt

Bei einem Museumsausflug passiert dann etwas Unerwartetes: Dora wird gekidnappt, eher versehentlich sind auch drei ihrer etwas nerdigeren Mitschüler_innen (u.a. Diego) mit dabei, und findet sich flugs im Dschungel wieder, wo ein Trupp Bösewichte sie dazu zwingen will, ihre Eltern aufzuspüren – natürlich sind sie hinter dem Gold her.

Dora und die goldene Stadt ist, das darf man sehr gutgelaunt sagen, ein großer Quatsch. Das ist aber sehr gut auszuhalten, weil nicht nur der Film sich selbst nicht besonders ernst nimmt, sondern auch die Figuren in ihm so aussehen, als hätten sie gerade sehr viel Spaß. Zwischendurch wechselt das Bild sogar in den Zeichentrick, als die Protagonist_innen versehentlich natürliche Rauschmittel eingeatmet haben, und ansonsten gibt es viele Jagden und Actionszenen à la Indiana Jones, nur ohne Blut und ganz allgemein mit wenig Bedrohlichkeit. Da fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, dass die Handlung und vor allem ihre Wendungen doch gelegentlich etwas holprig erzählt sind. Im Zweifel sprint Boots ein wenig durchs Bild, das hebt die Stimmung.

Mittendrin die stets nicht nur bestens gelaunte, sondern auch durchgehend optimisitische Dora, die am Ende sogar ihre abwehrenden Großstadt-Mitschüler_innen zu lebensfroh-entspannten Freund_innen macht: Rocca lässt da ebenso schön grüßen wie Prinzessin Poppy aus Trolls, warum sind es eigentlich immer die jungen Frauen, die mit ansteckenden guten Taten und unzerstörbarem Gemüt die Welt um sich herum zu einem besseren Ort machen?

Dora und die goldene Stadt (Dora and the Lost City of Gold). USA 2019. Regie: James Bobin, 102 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 10. Oktober 2019.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Fotos: Paramount Pictures)

War dieser Beitrag hilfreich für Dich?

E-Mail-IconIch freue mich über ein wenig Unterstützung! Spendier mir einen Kaffee oder fördere das Kinderfilmblog mit einem kleinen monatlichen Beitrag.

E-Mail-IconMöchtest Du solche Beiträge öfter lesen? Melde Dich doch für den kostenlosen Newsletter an!

Oder du wirfst einmal einen Blick auf mein Buch: 33 beste Kinderfilme.

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später.

3 Gedanken zu „Dora und die goldene Stadt (2019)“

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.