Kommissar Gordon & Buffy (2017)

Kommissar Gordon ist nicht mehr der Jüngste und vor allem sehr, sehr müde. Vor allem jetzt, im Winter, wo es draußen kalt ist und ihn innen eigentlich nur der Tee mehr schlecht als recht wachhält.

Aber Nüsse wurden geklaut, en gros und en détail, das Eichhörnchen ist sehr aufgeregt, und so muss der pflichtbewusste Polizist sich hinauswagen in den Schnee. Der Mann, pardon: die Kröte ermittelt mit ganzem Körpereinsatz, und so wird er unversehens, den Ort des Verbrechens beobachtend, bis über den Kopf eingeschneit. Nur eine junge Maus, die zufällig des Weges kommt, rettet ihn vor dem sicheren Kältetod. Weil sie weder Arbeit noch Namen hat, nimmt Gordon sie unter seine Fittiche und in sein warmes Heim auf. Einen Beruf und Namen bekommt sie von ihm auch noch: Polizei-Assistentin Buffy.

Seit fast schon sieben Jahren erfreuen Autor Ulf Nilsson und Illustratorin Gitte Spee mit ihren Krimis (amazon.de) über Kommissar Gordon und die Polizistin Buffy Kinder vor allem im Grundschulalter. Dass der Film nun ob der Herkunft des Autors (das Drehbuch stammt von Janne Vierth) als „Schwedenkrimi“ für Kinder angepriesen wird – orientiert etwa an den Geschichten um Kommissar Wallander –, greift natürlich einerseits daneben, weil es hier so wenig blutig wie fatalistisch zugeht; eine gewisse Ahnung von Schwermut, von Erschöpfung über den Lauf der Lebensdinge durchzieht aber auch Kommissar Gordon & Buffy.

Meine vollständige Kritik des Krimis für die sehr Kleinen ist auf kino-zeit.de erschienen.

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Kommissar Gordon & Buffy (Gordon & Paddy). Schweden 2017. Regie: Linda Hambäck, 65 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 28. Februar 2019. (Bestellen bei amazon.de)

Foto: eksystent Filmverleih

Berlinale 2016: Siv Over Vilse (Mia schläft woanders, 2016)

Die siebenjährige Siv (oder, in der deutschen Übersetzung, Mia) ist ein wenig fasziniert von der rothaarigen Cerisia, die neu in ihre Klasse gekommen ist. Gerne lässt sie sich auf eine Übernachtung einladen; aber in Cerisias Wohnung ist alles ein wenig anders als bei ihr zuhause. Siv lebt allein mit ihrem Vater, dort ist alles vertraut und klein. Bei Cerisia sind die Wände hoch, der Flur hat viele Türen, bei den trompe-l’œil-Tapeten weiß man nicht so recht, was wirklich ist und was nicht, und dann ist da noch der Hund mit dem seltsamen Geschwür auf dem Kopf.

berlinale_logo Sivs Aufenthalt gerät in Catti Edfeldts Film von einem kleinen Abenteuer mit vagem Unwohlsein zu einer nächtlichen Traumreise, in der die Realität ein wenig aus ihren Angeln gehoben wird. Es scheint Magie im Spiel zu sein, aber sie ist nie nur in eine Richtung gestrickt: Nicht nur der Hirsch aus dem einen Gemälde hat sich aus seinem Rahmen bewegt, auch der Tiger aus dem Bild daneben. Die Meerschweinchen der Familie sind zu sprechenden, reimenden Waschbären geworden, die dauernd lügen, sich gegenseitig und Siv Quatsch erzählen.

Das ist ein Traum mit den ambivalenten Qualitäten eines echten Traumes: manchmal ein wenig bedrohlich, manchmal sehr schön und poetisch. Die Erwachsenen sind seltsame Menschen, die ungesunde Sachen essen dürfen und deshalb nachts in ihren Betten Torte verspeisen. In jedem Zimmer scheint Siv eine andere Größe zu haben, der Staubsauger ist ihr Freund, Plastik-Quietscheentchen hingegen: na, man weiß es nicht so genau. Lewis Carroll lässt schön grüßen.

Natürlich will Siv Over Vilse kein Alice im Wunderland sein – aber Edfeldt drechselt um die Geschichte eine Welt voll Phantasie, Abenteuer und Uneindeutigkeiten, die aber dennoch ein Happy-End bekommt, wenn auch eines mit Augenzwinkern. Das ist alles Tausendmal besser als übereindeutiges Kinderfernsehen.

https://www.youtube.com/watch?v=FUcGJ5R96EE

Siv Over Vilse (Mia schläft woanders), Schweden/Niederlande 2016. Regie: Catti Edfeldt, Lena Hanno Clyne. 79 Minuten, empfohlen ab 7 Jahren. Bisher kein Kinostart.