Michel-Kinderfilmfest: Kleine Gangster (2015)

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Es ist manchmal schön, alte Bekannte wiederzutreffen. Arne Toonen hatte vor einigen Jahren die kleine Kinderkomödie Trommelbauch inszeniert, die mir sehr gefallen hatte, und so habe ich seinem Kleine Gangster auf dem Filmfest Hamburg doch mit einigen Erwartungen entgegengesehen.

michel-logo Und die wurden nicht enttäuscht: Sein neuer Film ist wieder eine recht leichtfüßige, stellenweise alberne Komödie, in einer etwas realistischeren Welt angesiedelt als der doch sehr stilisierte Trommelbauch und mit viel Verwirrung: eine kleine Geschichte darüber, wie eine Lüge sich verselbständigt und – als Erziehungsmaßstab womöglich nicht ganz einwandfrei – dann wirklich alles zum Besseren wendet.

Rik Boskamp fühlt sich als Loser der Stadt. Sein alleinerziehender Vater ist ein Schussel und Schwächling, der sich von seinen Kollegen mit albernen Streichen – „Tritt mich“-Zettel auf dem Rücken, zusammengebundene Schnürsenkel – schikanieren lässt und selbst den Angriffen der Kinder aus der Nachbarschaft nichts entgegenzusetzen hat. Und Rik selbst geht es in der Schule nicht besser. Er wünscht sich eigentlich endlich, endlich einen starken, lässigen, coolen Vater – dann wird das Leben bestimmt besser sein!

Als sein Vater etwas widerwillig eine Beförderung bekommt – inklusive Umzug und neuem Haus an neuem Ort – beschließt Rik, sein Schicksal umzukrempeln. Inspiriert durch „Son of Don“, einen Mafiafilm, den sein Vater als Student sehr mochte, stilisiert er sich mit Lederjacke und Sonnenbrille an der neuen Schule zu Rikkie Boskampi, Sohn eines Mafiabosses. Das klappt zunächst blendend, aber natürlich tauchen bald ernsthafte Probleme auf.

Eine erste Unwahrheit flutscht, die zweite Notlüge kommt hinterher: Kleine Gangster zeichnet den Weg einer solchen Entwicklung sehr schön und sehr lustig nach; der unehrenhaft entlassene Polizist als Nachbar droht dann alles auffliegen zu lassen… Aber unterschwellig geht es Toonen dann doch eher darum, sich mit Bullying und Machtausübung zu beschäftigen, die hier in vielen unterschiedlichen Formen verhandelt, verkehrt und dargestellt wird. Das ist nicht besonders tiefschürfend, aber durchaus erhellend und vor allem sehr, sehr lustig.

Kleine Gangster (De Boskampi’s), Niederlande 2015. Regie: Arne Toonen, 105 Min. FSK o.A., empfohlen ab 9 Jahren. (Jetzt auf Netflix.)

(Fotos: Michel-Kinderfilmfest)

Zusammenfassung
Datum
Film
Kleine Gangster (2015)
Bewertung
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Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

2 Gedanken zu „Michel-Kinderfilmfest: Kleine Gangster (2015)“

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