Filmfest München: Mein kleiner Orangenbaum (2012)

My-Sweet-Orange-Tree

Die Kindheitsgeschichte eines Schriftstellers: Von allen Zezé genannt, wächst er im Brasilien der 1920er/1930er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf, seit sein Vater seine Arbeit verloren und zu trinken begonnen hat. Streit und Gewalt gehören zu täglichen Erfahrungen dieses Lebens. Er gilt als der Junge im Dorf, der den Teufel im Leib hat, dessen Streiche immer eine Spur zu weit gehen. Erst die zufällige Freundschaft zu Portugâ, einem älteren Herren mit auffälligem Auto, gibt ihm Halt und eröffnet ihm neue Wege.

Mehr als alles ist Mein kleiner Orangenbaum ein Portrait dieser Freundschaft, wie Zezé dieser Freund das Leben gerettet hat – aber er berichtet auch von der Hilflosigkeit der Welt außen um Zezé herum: Wie die Eltern verzweifeln und sich bemühen, der schlagende Vater, die leidende Mutter. Über weite Strecken wird der Film so zu einem intensiven Psychogramm – und dank toller Schauspieler, allen voran José de Abreu als Portugâ, transportieren manche Szenen ohne große Worte herzzerreißende Wahrheiten.

Der Film basiert auf der gleichnamigen (O Meu Pé de Laranja Lima) und teilweise fiktionalen Autobiographie von José Mauro de Vasconcelos; er leidet dann im Abgang allein darunter, dass sein Finale deutlich zu rasch und schmalzig geraten ist; da scheint sich vieles doch zu melodramatisch-einfach aufzulösen, und das hinterläßt auch einen unguten Nachgeschmack.

Mein kleiner Orangenbaum (Meu Pé de Laranja Lima), Brasilien 2012. Regie: Marcos Bernstein. 99 Minuten, FSK noch keine, Kinostart: noch keiner. (Vom Filmfest München empfohlen ab 10 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen.)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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