Kinderfilmfest München 2015

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Heute beginnt das Filmfest München, eines der schönsten Filmfestivals in Deutschland; und ab morgen (Freitag, den 25. Juni) ist bis Samstag, den 4. Juli, dann auch auf dem jedes Jahr recht großartig kuratierten Kinderfilmfest Tolles aus aller Welt zu sehen. Die Filme werden durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm (Workshops etc.) ergänzt; eine einfache Übersicht über das Programm gibt auf einer Seite das Festivalplakat (PDF).

kffmuc-2015-schwarz Bis auf zwei Stück habe ich alle Langfilme des Festivals bereits sehen können; Ooops! Die Arche ist weg… habe ich hier bereits besprochen, die anderen Kritiken erscheinen nach und nach drüben bei kino-zeit.de (wo Kolleg_innen natürlich vor allem ausführlich über die anderen Sektionen berichten werden) und werden hier aber, wie üblich, auch noch einmal angekündigt.

Schon jetzt darf ich aber zwei klare Empfehlungen aussprechen: Zum einen X + Y, ein nur leicht schmalziges Drama über einen autistischen, mathematisch hochbegabten Jungen, sowie vor allem Tomm Moores wunderbaren, beglückenden Animationsfilm Song of the Sea bzw. Das Lied des Meeres. Es wird nur wenige Filme in München zu sehen geben, die den Kinobesuch mehr wert sind.

(Foto: Filmfest München)

Filmfest München: Ooops! Die Arche ist weg… (2014)

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Es gehört eine gewisse Chuzpe dazu, die Geschichte von Noahs Arche nicht nur ohne jeden Verweis auf religiösen Kontext zu erzählen, sondern die Menschen darin – bis auf eine kurze Erwähnung – ebenfalls völlig verschwinden zu lassen. In Ooops! Die Arche ist weg… steuert der „König der Tiere“ nicht nur höchstselbst das Schiff, sondern sitzt auch dem Gremium vor, das darüber entscheidet, welches Tier an Bord gehen darf. Ein Nashorn sitzt auch dabei, und irgendwie wird, wenn man die vielen Arten hier in der Schlange stehen sieht, natürlich auch deutlich, wie absurd die Erzählung eigentlich ist, wenn man sie mal auf reale Biodiversität runterbricht, auf also die de-facto Vielfalt tierischen Lebens auf der Erde, die sich natürlich in der Arche überhaupt nicht wiederfindet.

kffmuc-2015-schwarz Aber egal, dies ist ja kein Dokumentarfilm, sondern animierte Familienunterhaltung. Protagonisten sind die Nestrier Finny und sein Vater Dave – Spezialisten im Nestbau, aber ansonsten haben sie ihren Platz in der Welt noch nicht so recht gefunden. Dave ist ein recht nervöser Phobiker, der eigentlich vor allem und insbesondere um seinen Sohn Angst hat – Finny wiederum sucht vor allem Freunde. An Bord der Arche dürfen sie nicht (erst am Ende wird klar, warum eigentlich), also verkleiden sie sich und schließen sich zwei Grympkatzen (Mutter Kate und Tochter Leah) an, eine Art, die gleichwohl nicht für ihre Gastfreundschaft bekannt ist.

Dann kommt eins zum anderen, Pech zur Neugier, so dass Leah und Finny beim Start der Arche zurückbleiben und nun auf einem immer kleiner werdenden Stückchen Land nach Wegen zur Arche suchen – während gleichzeitig Kate und Dave versuchen, den eitlen Löwen dazu zu bewegen, die Arche zu wenden, um ihre Kinder einzusammeln.

Das ist, für einen (auch) in Deutschland produzierten Kinderfilm, alles gar nicht so dumm und langweilig gemacht – aber eben auch nicht wirklich interessant. Die Entwicklungen der Figuren sind recht vorhersehbar (Finny und Dave werden mutiger, die Grympkatzen erkennen den Wert von Freundschaft an), die Kämpfe und Auseinandersetzungen immer cartoonish-jugendfreundlich. Ästhetisch orientiert sich das stark an Figuren, wie man sie aus dem Hause Dreamworks kennt – auch daran ist ja zunächst nichts verkehrt.

Allerdings geht Ooops! Die Arche ist weg… halt niemals darüber hinaus, sondern bleibt streng im Durchschnitt ähnlicher Animationsabenteuer: Nicht gänzlich herz- und seelenlos, aber mit einem klar absehbaren Ablauf, Standardstrukturen und Figuren, deren Eigenheiten man schon in unzähligen anderen Filmen genau so gesehen hat.

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Ooops! Die Arche ist weg… (Ooops! Noah is gone…), Belgien, Deutschland, Irland, Luxemburg 2014. Regie: Toby Genkel und Sean McCormack, 87 Min. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 30. Juli 2015. Am 1. und 3. Juli vorab auf dem Filmfest München zu sehen.

(Fotos: Filmfest München)