Der Mondmann (2012)

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Der Mondmann ist etwas einsam auf seinem Mond, und langweilig ist ihm womöglich auch. Er greift nach dem Schweif eines vorbeifliegenden Kometen und lässt sich zur Erde tragen, wo er Gerüche, Pflanzen und Tänze kennenlernt und schließlich den Erfinder Bunsen van der Dunkel. Allerdings erfährt auch der Präsident, der über die ganze Erde herrscht, von der Ankunft des Mondmannes, und eröffnet bald die Jagd auf ihn – denn da die Erde nun ganz erobert ist, bleibt als nächstes nur, wie eine Frau mit roten Haaren im einflüstert: “der Mond, der Mond”.

Es ist ein kleines Wunder und womöglich ein Wunder der Handlungsentwicklung, wie man aus einem schmalen, eher bescheidenen Bändchen wie Der Mondmann von Tomi Ungerer (amazon) einen Film von 95 Minuten machen kann; und weil die wenigen Seiten tatsächlich nicht genug Stoff hergeben, finden sich im Drehbuch von Stephan Schesch, der auch Regie führte, so allerhand andere Figuren, die zum Teil direkt (die Verführerin mit den roten Haaren), zum Teil weniger direkt aus anderen Werken des Ungerer-Kosmos entsprungen zu sein scheinen und sich hier mehr oder minder gut einfügen. (Dem Autor scheint’s gepaßt zu haben, Ungerer ist als Erzähler eingesprungen und immer wieder zu hören. Wie überhaupt illustre Namen zu den Sprecher_innen gehören: Katharina Thalbach (als Mondmann), Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch.)

Aber die Geschichte vom Mondmann, der unten die tanzenden Menschen sah und aus Sehnsucht nach diesem Treiben den Weg zur Erde fand, bekommt doch eine reichlich seltsame Schlagseite in diesem Film. Es gibt eine Rahmengeschichte, in der ein Vater und seine Tochter im Cabrio herumfahren, offenbar auf dem Weg aus dem Autokino. Dann gibt es da den Präsidenten mit seinen Eroberungsplänen, die Frau als böse Verführerin – all das fühlt sich zu jedem Zeitpunkt wie angeklatscht an, weil es keine organische Verbindung zu der im Buch angelegten, viel unschuldigeren Handlung gibt.

Dazwischen gibt es brillante Ideen wie einen Eiscreme-essenden Riesenkraken und eine Montagesequenz, die musikalisch an den großartigen Das große Rennen von Belleville erinnert; und natürlich den Erfinder, mit dem sich der Mondmann anfreundet und dessen Erfindergeist sein Haus so sehr durchdringt, dass dort selbst die Spinnen in ihren Netzen Molekularstrukturen abbilden.

Doch bleibt dennoch insgesamt ein unbefriedigtes Gefühl. Denn auch wenn es der Film, was durchaus positiv ist, nicht darauf anlegt, jede seiner Entwicklungen wortreich zu begleiten, sondern eher sprachlich zurückhaltend ist wie auch der Mondmann selbst, so fügt sie sich eben dennoch nie zu einem Ganzen zusammen. Womöglich wäre ein kürzerer, traumartigerer Film für kleinere Kinder da ein besseres Modell gewesen; so mag man den Film eigentlich frühestens Achtjährigen empfehlen, und auch die werden womöglich nicht allzu viel damit anfangen können.

(Kollegin Rieger fand den Film für kino-zeit.de wesentlich besser, und Birgit Roschy sah eine somnambule Atmosphäre, die ihr wohl gut gefallen hat. Mehr Kritiken bei film-zeit.de, ausführliches pädagogisches Material zum Film bei kinofenster.de.)

Der Mondmann, Deutschland/Frankreich/Irland 2012. Regie: Stephan Schesch. 95 Minuten, FSK 0, Kinostart: 14. März 2013.

Foto: Neue Visionen Filmverleih

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