Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989)

Es war sehr, sehr lange her, dass ich diesen Film gesehen habe, und in der Erinnerung war er eher etwas zu schlicht; aber ein Wiedersehen mit den Kindern zusammen machte aus Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft ein ziemlich erfreuliches Erlebnis.

Wayne Szalinski (Rick Moranis) ist der Prototyp des zerstreuten Erfinders; in seinem Haus stehen alle möglichen Kleingeräte herum, die das Leben leichter machen sollen, aber nicht alles funktioniert so, wie es soll. Seine große Hoffnung ist die Schrumpfungskanone, die er auf dem Dachboden zusammenbaut, aber auf einer Konferenz wird er für seine Idee nur ausgelacht. Seine Frau Diane (Marcia Strassman) liebt ihn dennoch und bringt derweil, wie es scheint, als Maklerin das Geld nachhause.

Durch einen dummen Zufall werden allerdings Amy und Nick, die beiden Kinder der Szalinskis (Amy O’Neill und Robert Oliveri) zusammen mit den Kindern der sehr anders tickenden Nachbarn, durch den Strahl der Kanone auf Stecknadelkopfgröße geschrumpft – und landen unversehens und versehentlich erst in einem Müllsack und dann im eigentlich kleinen Garten der Familie. Aus ihrer Sicht ist der Garten allerdings ein riesiger Urwald, in dem lauter Gefahren lauern: Ameisen, Regentropfen und schließlich sogar ein Rasenmäher… wie sollen sie nur den Eltern mitteilen, was geschehen ist, damit diese sie hoffentlich wieder in die richtige Größe bringen?

Wie eingängig die Idee hinter diesem leichtfüßigen Disney-Abenteuer ist, sieht man im Nachhinein natürlich auch daran, dass es nicht nur Fortsetzungen gab, sondern auch zuletzt ein paar deutsche Variationen wie den gar nicht so üblen Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft. Joe Johnstons Film lief hierzulande 1989 zur Weihnachtszeit, auch das passt innerhalb des sehr amerikanischen Familienfilm-Konzepts: Da ist für jede Altersstufe. was dabei.

Für die kleineren Kinder etwas Aufregung, Geschwisterrivalitäten und (eigentlich vertraute, aber halt riesige) Monster von freundlich bis gefährlich. Für die Heranwachsenden ein wenig Romanze zwischen Tochter Amy und dem Nachbarjungen. Für die Erwachsenen Amüsement ob des Durcheinanders und der Elternfiguren.

Die entsprechen natürlich bei den Szalinskis wie bei den Nachbarn erwartbaren Geschlechterklischees, wenn auch gegeneinander verdreht: Im Erfinder-/Maklerinnen-Haushalt hat die Frau alles im Griff, während der Mann ein kleiner, liebevoller, kreativer Chaot ist; bei Thompsons ist er der maskuline Macker, der nicht weiß, wie er mit seinem heranwachsenden Sohn umgehen soll, sie die eher Zurückhaltende – die aber eigentlich eben doch die Klügere ist.

Dass das dennoch nie unerträglich wird, liegt vor allem daran, dass der Film diese Verhältnisse selbst nicht allzu ernst nimmt; das ist alles ein großer, beglückender Quatsch und Unsinn, auch wenn sich alle Darsteller_innen mit Hingabe und Ernsthaftigkeit in ihre Rollen vertiefen. Allen voran der große kleine Rick Moranis, den das Kino schmerzlich vermisst, seit er das für ihn Richtige getan und sich nach dem Tod seiner Frau Anfang der 1990er Jahre ganz auf seine Kinder konzentriert hat.

Die Spezialeffekte, und das sind viele, sind natürlich aus heutiger Sicht nicht mehr ganz taufrisch, aber dafür sympathisch handgemacht. Die riesenhaft erscheinende Ameise wird dadurch etwas weniger bedrohlich, und es ist durchweg eine große Freude, mit den Figuren mitzufiebern, zumal gewisse Gefahren (der Rasenmäher…) so früh eingeführt werden, dass man sich über lange, lange Zeit davor gruseln kann, was sie wohl mit sich bringen werden.

Und wenn die Szalinskis an einer Drahtkonstruktion über ihrem Garten schweben, mit Lampen und Lupen ihre Kinder suchend, ist das gleich noch eine hübsche Idee für ein Mobile, das man sich eigentlich ins Zimmer hängen sollte. Man kann nicht zu viel Rick Moranis in seinem Leben haben.

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Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (Honey, I Shrunk the Kids). USA 1989. Regie: Joe Johnston, 101 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 14. Dezember 1989. (Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft auf Netflix; bestellen bei amazon.de)

(Fotos: Disney)