[Werbung] Die Ambivalenz von Merchandise: Von Star Wars bis Lion King

Ich liebe meine Filmposter, meine Star Wars-Figuren und meinen Rucksack von, ja doch, Hansel & Gretel: Witch Hunters. Und wenn ich Platz und Geld genug hätte, stünde mein Büro voll mit kleinen Lego-Figürchen, lauter kleine Szenerien aus Harry Potter und The Lego Movie. Mit anderen Worten: Die Filme, die mir viel bedeuten, möchte ich am liebsten um mich haben.

Wahrscheinlich hätte ich auch noch mehr Merchandise von den letzten beiden Star Wars-Filmen, wenn ich mich nicht so geärgert hatte, dass deren Hauptfigur Rey kaum auf T-Shirts und bei Spielzeugen auftauchte. Eine absurde Situation, zumal bei Disney ja sonst seine Heldinnen durchaus zu vermarkten weiß. Meine Friseurin erzählte mir erst vorletzte Woche, dass sie immer wieder und immer noch um „Elsa-Frisuren“ gebeten wird – und gemeinsam seufzten wir ein wenig in Erwartung dessen, was mit Die Eiskönigin II wohl auf uns zukommen wird.

Star Wars war der Anfang

Mit Krieg der Sterne hat es ja so richtig angefangen. Für mich persönlich – ich habe als Kind in den USA Return of the Jedi gesehen und mich dann auf Flohmärkten und „Garage Sales“ mit Figuren und Raumschiffen eingedeckt, so gut es mein Taschengeld zuließ – als auch im großen Business der Filmwirtschaft. George Lucas verzichtete seinerzeit dem Vernehmen nach auf 500.000 Dollar seiner Gage und erhielt dafür die Rechte an Lizenzen und Merchandise – eine Entscheidung, durch die der Verleihfirma Fox viel Geld entging und Lucas sich keine finanziellen Sorgen mehr machen musste.

Denn im Science Fiction-Genre, das eigentlich als abgehalftert galt, war auf einmal wieder Geld zu holen – vor allem mit dieser Space Opera, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprach. Die Hersteller des Spielzeugs wurden von der Nachfrage völlig überrascht und kamen mit der Produktion nicht hinterher. So wurden zum Teil sogar leere Packungen verkauft, mit dem (später natürlich eingelösten) Versprechen, diese nach erfolgter Produktion nachträglich zu füllen.

Die Star Wars-Filme gehören heute ebenso zum Hause Disney wie alle Pixar-Produktionen und das Marvel-Filmuniversum (Marvel Cinematic Universe, MCU) – aber die meisten Einnahmen generiert das Unternehmen immer noch anderswo. Die vier Einnahmequellen für Disney sind:

Disney hat es deshalb inzwischen zur Meisterschaft gebracht, seine Inhalte über die verschiedenen Kanäle zu verteilen – aus Filmen werden Fernsehserien, und bei manchen Filmen hat man, wie mein Kollege Batz bei Cars, das Gefühl, dass sie nur wegen des Merchandisings so entstanden seien.

Etwas ironisch wird das Ganze dann schon bei Wall-E, bei dem der sehr im Vordergrund stehende Subtext ja war, dass die Erde durch ein Übermaß an Abfällen unbewohnbar geworden ist – und dann gab es aber natürlich trotzdem reichlich Plastikmerchandise rechts und links zu kaufen.

„Nachhaltiges“ Merchandise?

Ich würde im Moment wenig Hoffnung darauf verwenden, dass Merchandise-Produkte (von den kostenlosen Werbegeschenken zu Filmen ganz abgesehen) in absehbarer Zeit nachhaltig produziert werden könnten. Wer da Bezugsquellen kennt oder weiß, bei welchen Filmen das anders gemacht wurde: Ich freue mich über Hinweise in den Kommentaren!

Meistens kauft man sich ja Merch, weil man – so geht es, siehe oben, jedenfalls mir – von einem Film begeistert ist, überall daran erinnert werden möchte, die Figuren selbst in seinem Leben haben möchte. Um zu vermeiden, dass ich aber nur Plastikmüll produziere, stelle ich mir zumindest drei Fragen, bevor ich etwas kaufe:

  • Will ich das wirklich wirklich? Ist mir das so wichtig, dass ich auch drei Tage später noch einmal in den Laden gehen, drei Tage später auf der Website noch die Bestellung tätigen würde?
  • Macht mich das, frei nach Marie Kondō, wirklich glücklich? Does it spark joy?
  • Ist der Gegenstand idealerweise auch noch nützlich, wird er über‘s reine Anschauen hinaus verwendet? (Diese Frage taugt natürlich für Poster nicht, aber Tassen, Schmuck und echtes, benutzbares Spielzeug haben damit natürlich einen anderen Stellenwert als billige Plastikbecher oder – so niedlich sie sind – Funko Pop!s im Regal.)

Und wie haltet Ihr es mit Merch? Wo werdet Ihr schwach? Welche Strategien habt Ihr, um Euren Kinder diese richtig fiese Bettwäsche auszureden?

Fotos: Zakaria Ahada, Daniel Cheung und Omar Albeik von Unsplash, eigene.

Alles so schön bunt und Plastik hier

Wall-E

Erinnern Sie sich noch daran, worum es in Wall-E ging? Im ersten Drittel ist das einer der vielleicht poetischsten Pixar-Filme, es wird praktisch kein Wort gesprochen, weil sich die Handlung sehr liebreizend aus den Figuren ergibt, und die sind nicht einmal menschlich. Eine Romanze zwischen dem einsamen, sehnsuchtsvollen, titelgebenden Aufräumroboter und einer (klar weiblich konnotierten) bewaffneten Suchdrohne mit Auftrag.

Das alles spielte vor dem Hintergrund einer im Müll erstickten Erde – und so dreht es sich dann im Rest des Films, der als Kritik an passiven Couch Potatoes eine ganz eigene Form der Publikumsbeschimpfung betreibt, darum, dass die Menschen wieder zur Erde zurückkehren sollen – und dort soll es dann Pflanzen geben statt Müll, Leben statt Konsum.

Weiterlesen: Mit einem gerüttelt Maß Selbstkritik habe ich mir in meiner Kolumne “Sitzplatzerhöhung” auf kino-zeit.de über das Ausmaß an Merchandise-Produkten Gedanken gemacht, mit denen wir so überschwemmt werden.

(Foto: Disney)