Annie (2014)

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Ein Gastbeitrag von Kristin Lein

Die Geschichte von Annie ist keine neue (auch wenn ich zugeben muss dass ich sie bisher nicht kannte) – wenn man ehrlich ist, ist es eine der tausend Varianten des Mythos vom amerikanischen Traum – und schnell erzählt: Pflegekind Annie (Quvenzhané Wallis) wird eher zufällig vom scheinbar misanthropischen, reichen Unternehmer und Bürgermeisterkandidat Will Stacks (Jamie Foxx) vor einem Auto gerettet und erwärmt sein Herz mit ihrer Art, doch eh beide für immer als Familie glücklich sein können, gilt es natürlich noch ein paar Schwierigkeiten zu überwinden. Dazwischen wird viel gesungen und getanzt. Es ist eine fröhliche Geschichte, die das Herz wärmt, gute Laune macht und sogar Platz hat für ein wenig Systemkritik.

Was die Neuverfilmung jedoch für meine Tochter und mich so ganz besonders macht, ist die Tatsache, dass da auf der Leinwand zwei Schwarze Menschen in den Hauptrollen sind: positive Identifikationsfiguren, die sich selbst helfen und keine weißen Retter_innen brauchen sind rar in der Medienlandschaft. Dabei sind besonders Figuren wie Annie – schlau, frech, liebenswürdig, unabhängig – wichtig für Schwarze Kinder, welche gerade hier in den deutschen Medien nur allzu oft mit einer weißen Welt konfrontiert werden, die in der Realität so gar nicht existiert – spontan fällt mir da die Musicalverfilmung zu Bibi und Tina als Beispiel ein.

Quvenzhané Wallis, die schon für ihre Rolle in Beasts of the Southern Wild einen Oskar verdient hätte, spielt eine wunderbare Annie, weil sie ganz ungekünstelt, einfach Kind ist und sein darf und stiehlt damit locker allen Erwachsenen im Film die Show.

Ich wünsche mir mehr solcher Filme, in denen Schwarze Kinder, Kinder und (Alltags)held_innen sein dürfen, in denen ihre Hautfarbe vielleicht sogar unkommentiert bleibt, weil es für die Geschichte völlig irrelevant ist oder zumindest ihre Lebensrealität so widergespiegelt wird, dass die weiße Norm und nicht Schwarze Kinder als Problem dargestellt werden.

Um es kurz zu machen ist Annie genau aus diesen Gründen etwas für die ganze Familie, egal ob Schwarz, weiß oder of color und auf jeden Fall einen Kinobesuch wert. Denn wenn wir ehrlich sind, wird es auch weißen Kindern gut tun, Schwarze Rollen einmal positiv besetzt zu sehen.

(Einziges Manko übrigens die deutsche Synchronisation der Liedtexte, über die sowohl ich wie auch das Kind eher unglücklich waren. Da sie allerdings wichtig zum Verständnis der Story sind, nahmen wir sie zähneknirschend hin und die Tochter sagt, dass sie so immer noch besser sind als die Musik bei Bibi und Tina 2.)

Annie, USA 2014. Regie: Will Gluck, 117 Min. FSK 0, Kinostart: 15. Januar 2015.

Kristin Lein ist Kauffrau für audiovisuelle Medien und schließt momentan ihren B.A. in Medien- und Kulturwissenschaften ab. Ihre große Leidenschaft ist Musik, ihr besonderes Interesse gilt nicht-normativen Medien für Kindern und der Kritik an gesellschaftlichen Strukturen. Sie ist double parent einer 9-jährigen Tochter.

(Fotos: Sony Pictures)

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Kristin Lein ist Kauffrau für audiovisuelle Medien und schließt momentan ihren B.A. in Medien- und Kulturwissenschaften ab. Ihre große Leidenschaft ist Musik, ihr besonderes Interesse gilt nicht-normativen Medien für Kindern und der Kritik an gesellschaftlichen Strukturen. Sie ist double parent einer 9-jährigen Tochter.

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