LUCAS Kinderfilmfestival 2014

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Wie peinlich, da ist mir doch glatt der Start des diesjährigen Kinder- und Jugendfilmfestivals LUCAS durchgerutscht, dass bereits seit gestern kleine Menschen in Frankfurt a.M. und Offenbach beglückt. Ach weh, und das bei diesem illustren Programm! Zwei der dort laufenden Filme habe ich bereits zur Berlinale sehen und besprechen können, nämlich den niedlichen Johan und der Federkönig, der das schwere Thema Tod recht kindertauglich aufgreift, und Die geheime Mission, ein dänisches Coming-of-Age-Abenteuer.

Neben einem ausführlichen Kurzfilmprogramm gibt es aber im Programm dieses Jahr noch einige weitere Langfilme zu sehen, die ich hier kurz mit ihrer Inhaltsangabe (von der Festivalseite) und, soweit auffindbar, Trailer bzw. Filmclip vorstellen möchte – wer es einrichten kann, sollte das Festival unbedingt besuchen, es endet am kommenden Sonntag, den 28. September 2014.

Die restlichen Langfilme (in alphabetischer Reihenfolge, aber zunächst die Kinder-, dann die Jugendfilme):

Die Abenteuer des kleinen Schuhmachers (Kroatien 2013, empfohlen ab 8 Jahren)

Der Waisenjunge Lapitch geht bei dem griesgrämigen Schuhmacher Scowler in die Lehre. Eines Tages erhalten sie einen großen Auftrag: Für den Sohn eines reichen Kunden soll ein Paar rote Stiefel angefertigt werden. Doch, oh Schreck, es gerät Scowler viel zu klein! Seine Wut darüber lässt er an dem unschuldigen Lapitch aus. Dieser schnappt sich die roten Schuhe und wie von Zauberhand gemacht, passen sie ihm wie angegossen. Gemeinsam mit dem treuen Hund Bundaš zieht er in die große, weite Welt hinaus. Als sie das Zirkusmädchen Gita treffen, jagt bald ein Abenteuer das nächste …

Baumhauskönige (Niederlande 2013, empfohlen ab 9 Jahren)

Jeden Sommer nehmen die besten Freunde Ziggy und Bas am Abenteuercamp „Bouwdorp“ teil. Die Mannschaft, die aus Altholz den höchsten Turm baut, gewinnt den Wettbewerb. Die zwei Jungs sind in den letzten Jahren immer die Sieger gewesen, dementsprechend ist die Vorfreude bei ihnen groß. Aber diesmal ist alles anders: Nach den Sommerferien werden die beiden auf unterschiedliche Schulen gehen, noch dazu sind sie im Camp zum ersten Mal nicht im gleichen Team. Ziggy hat coole neue Kumpel und distanziert sich immer mehr von dem sensiblen Bas. Doch als der Wettbewerb beginnt, entwickelt Bas eine für ihn selbst ungeahnte Durchsetzungskraft. Es geht schließlich nicht nur um den Sieg, sondern auch darum, die Freundschaft zu retten.

Deine Schönheit ist nichts wert (Österreich 2012, ab 12 Jahren)

Veysel ist zwölf Jahre alt und lebt mit seiner aus der Türkei geflüchteten Familie seit wenigen Monaten in Wien. Der Alltag zu Hause ist von dem erbitterten Streit seines älteren Bruders mit dem Vater geprägt. In der Schule kommt Veysel wegen seiner schlechten Deutschkenntnisse nicht mit. Dann soll er als Hausaufgabe auch noch ein Gedicht auswendig lernen und vor der Klasse aufsagen. Allein seine heimliche Schwärmereri für Mitschülerin Ana motiviert ihn: Er bittet seinen Nachbarn Cem um Hilfe bei der Übersetzung seines türkischen Lieblingsgedichts ins Deutsche. Doch dann erfährt er unverhofft von der möglichen Abschiebung seiner Familie …

Giraffada (Palästina, Italien, Deutschland, Frankreich 2013, ab 12 Jahren)

Der Vater des zehnjährigen Ziad arbeitet als Tierarzt im einzig erhaltenen Zoo im Westjordanland. Der Junge hilft ihm leidenschaftlich gern und verbringt seine ganze Freizeit mit den Tieren – auch wenn er dafür den Spott seiner Altersgenossen erntet. Besonders das Giraffenpärchen liebt Ziad über alles. Doch als bei einem Bombardement auf die Stadt das Männchen stirbt, verweigert das überlebende Weibchen Rita fortan jegliche Nahrung. Da auch Ziad nichts mehr essen will, steht für seinen Vater fest, dass ein neuer Gefährte für Rita hermuss. Doch in den palästinensischen Gebieten gibt es keine anderen Giraffen. Das Tier kann daher nur aus dem Tierpark in Tel Aviv kommen. Also schmieden Ziad und sein Vater einen abenteuerlichen Plan, wie sie trotz aller Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze einen Giraffenbullen in ihre Stadt schmuggeln können.

Goopi und Baghas Welt (Indien 2013, empfohlen ab 8 Jahren)

Jeden Morgen weckt Goopi die Bewohner eines indischen Dorfs mit seinem ohrenbetäubenden Gesang. Das ist nicht auszuhalten! Also wird er vom dicken König höchstpersönlich verbannt. In einem dunklen Wald trifft Goopi auf den Trommler Bagha, den das gleiche Schicksal ereilt hat. Die beiden Pechvögel beschließen, von nun an gemeinsam zu musizieren. Mit ihren schrägen Tönen locken sie den Geisterkönig an, der ihnen vier Wünsche gewährt: Die Welt wird ihre Musik lieben, sie werden immer reichlich zu speisen haben und an jeden Ort der Welt reisen können. Zum Glück heben sich die zwei ihren vierten Wunsch für den Notfall auf …

Havana Curveball (USA 2014, ab 12 Jahren)

Dokumentarfilm: Der 13-jährige Mica steht kurz vor seiner Bar-Mizwa, mit der man nach dem jüdischen Glauben in die Welt der Erwachsenen aufgenommen wird. Sein Rabbi lehrt ihn, dass man von da an in der Verantwortung ist, Gutes zu tun. Seinem Großvater wurde während des Zweiten Weltkriegs in Kuba das Leben gerettet. Als er herausfindet, wie baseballverrückt die Kubaner sind und wie arm zugleich, beschließt Mica zu helfen. Der Teenager schickt Bälle und Spielgeräte in das Land und reist mit seinem Vater hinterher. Dabei stößt er auf den Widerstand der US-Behörden und lernt, dass es häufig viel Kraft kostet, Träume zu verwirklichen.

Das kalte Herz (Deutschland 2014, empfohlen ab 10 Jahren)

Schon gesichtet, ausführliche Kritik folgt noch – konventionelle, fast schon traditionalistische Märchenverfilmung.

Der Film, der auf dem gleichnamigen Märchen von Wilhelm Hauff beruht, erzählt die Geschichte des Köhlerjungen Peter Munk aus dem Schwarzwald. Dieser möchte seinem traurigen Leben eine gute Wendung geben und das Herz der schönen Lisbeth erobern. Als geborenes Sonntagskind werden ihm von dem sagenumwobenen Glasmännlein auch drei Wünsche erfüllt. Die ersten beiden bringen ihm allerdings nur kurzzeitig Glück. In seiner Verzweiflung wendet Peter sich an den bösen Waldgeist Holländer-Michel: Im Tausch für ewigen Wohlstand verkauft der junge Mann diesem sein Herz. Doch mit einem Stein in der Brust hat Peter keine Freude mehr. Schafft er es, den bösen Holländer-Michel zu überlisten und sein Herz wiederzubekommen?

Mister Twister geht zelten (Niederlande 2013, empfohlen ab 7 Jahren)

Die Fortsetzung der vergnüglichen niederländischen Komödie Mister Twister.

Eine Woche Zeltlager! Der junge Referendar Herr Kees und seine Sechstklässler freuen sich auf eine lustige Klassenfahrt. Die Sache hat nur einen Haken: Die strenge Schulleiterin Frau Dreus ist mit von der Partie und hat einen exakten Zeitplan ausgeklügelt, um die Kinder von morgens bis abends auf Trab zu halten. Als sie jedoch einen Hexenschuss erleidet, ist Herr Kees auf sich allein gestellt. Ob er an dem Plan festhalten und die Meute in Schach halten kann?

Seite an Seite (Großbritannien 2013, empfohlen ab 9 Jahren)

Lauren ist die beste Läuferin an ihrer Schule. Sie hat sogar so viel Talent, dass sie auf ein Sportinternat gehen könnte. Doch dann müsste sie die beiden einzigen Menschen zurücklassen, die ihr nach dem Tod der Eltern geblieben sind: ihren zerstreut-verträumten Bruder Harvey und die verwirrte Großmutter. Als sich Lauren für den Sport entscheidet, bringt sie damit einen Stein ins Rollen: Harvey ist über den Weggang seiner Schwester verzweifelt und haut von zu Hause ab. Nun hat Lauren keine Wahl mehr – sie muss ihrem Bruder folgen …

Shana – The Wolf’s Music (Schweiz, Kanada 2014, ab 12 Jahren)

in Indianerreservat in British Columbia: Seit dem Tod ihrer Mutter hat Shana ihre geliebte Geige nicht mehr angerührt und sich in ihre eigene Welt zurückgezogen. Jeden Tag schreibt sie ihrer Mama einen Brief und heftet ihn an ihren Ahnenbaum, unter dem sie oft Zuflucht sucht. Erst der neuen Lehrerin Frau Woodland gelingt es, das talentierte Mädchen aus der Reserve zu locken. Als Shana zur Aufnahmeprüfung an der Musikschule eingeladen wird, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch dann verkauft Shanas stets betrunkener Vater die uralte Wolfskopf-Geige ihrer Mutter …

Unser Baseballsommer (Kanada 2014, empfohlen ab 8 Jahren)

Der zwölfjährige Nicolas lebt in einem Fischerdorf an der kanadischen Küste. Er vermisst seinen Vater, der während eines Sturms ertrunken ist. Sein Großvater war früher ein angesehener Baseballspieler, doch seit dem Unfall ertränkt er seinen Kummer in Alkohol. Die Leidenschaft für den Sport hat er dem Enkel mit in die Wiege gelegt: Für Nicolas gibt es nichts Schöneres, als mit seinen Freunden den alten Baseballplatz zu stürmen. Eines Tages finden sie diesen jedoch abgesperrt vor – die Bürgermeisterin hat andere Pläne damit. Und wegen ein paar Kindern daran rütteln? Kommt gar nicht infrage! Es sei denn, Nicolas und seine Freunde füllen die Tribünen wieder mit Zuschauern …

Zone 7 (Phillipinen 2013, empfohlen ab 10 Jahren)

In einem kleinen philippinischen Provinzdorf leben Diana und ihr jüngerer Bruder Julian ohne ihre Eltern. Ihr Vater wohnt mit einer anderen Frau aus dem Ort zusammen. Die Mutter ist nach China gereist, um dort Geld für ihre Kinder zu verdienen, denn in ihrer Heimat ist das nicht möglich. So müssen sich Diana und Julian allein durchschlagen. Unerwartet erfahren sie, dass ihre Mutter in China wegen Drogenschmuggels verhaftet wurde. Zugleich verliebt sich Diana in einen Jungen …

Jugendfilmprogramm:

Achtzehn – Wagnis Leben (Deutschland 2014, ab 14 Jahren)

Lisa, Laura, Steffi und Fabienne sind gerade 18 geworden. Doch etwas unterscheidet sie von anderen Teenagern: Sie sind Mütter. Im Alter von 14 Jahren haben sie sich gegen eine Abtreibung und für ihr Kind entschieden. Wie hat sich ihr Leben seitdem verändert? Dieser Frage ist die Regisseurin Cornelia Grünberg im zweiten Teil ihrer dokumentarischen Langzeitbeobachtung „14 | 18 | 28“ auf den Grund gegangen, für die sie ihre Protagonistinnen über vier Jahre lang mit der Kamera begleitete.

Booster (Belgien 2014, ab 14 Jahren)

Brent ist mit seinen Eltern von der Provinz nach Brüssel gezogen. Als er auf seinem BMX-Rad die Straßen erkundet, wird er fast von Jimmy über den Haufen gefahren. Der Motocross-Fan möchte mit seinem Herumgeheize der hübschen Ilse imponieren. Doch die mag den „Neuen“ mit seiner zurückhaltenden Art viel lieber. Klar, dass Jimmy mit allen Mitteln versucht, den Rivalen auszustechen. Seinen Eltern kann sich Brent nicht anvertrauen, sie sind viel zu sehr mit einem dunklen Kapitel ihrer Familiengeschichte beschäftigt. Erst der folgenschwere Showdown lässt alle Beteiligten aufwachen…

Boys (Niederlande 2013, ab 14 Jahren)

Die Sommerferien beginnen, doch für den 15-jährigen Sieger gibt es nur das Leichtathletik-Training. Er ist Sprinter und will bei der Landesmeisterschaft im Staffellauf antreten. Während der Wettkampfvorbereitungen lernt er den gleichaltrigen Marc kennen. Dessen geheimnisvolle Aura fasziniert Sieger und die beiden Teenager freunden sich schnell an. Bei einem Ausflug an einen See kommen sich die zwei Jungen auch körperlich näher. Sieger ist von seinen eigenen Gefühlen überrumpelt und weiß langsam nicht mehr, wie er mit ihnen umgehen soll. Als ein Mädchen in sein Leben tritt, leidet das Verhältnis zu Marc. Werden die Jungs es dennoch schaffen, die Landesmeisterschaft zu gewinnen?

Here And Now (Großbritannien 2014, ab 14 Jahren)

Grace lebt in East London, wo man stark und vor allem cool sein muss, um sich zu behaupten. Die Ehe ihrer Eltern steht kurz vor dem Aus und sie beschließen, zusammen mit ihrer Tochter für eine Woche aufs Land zu fahren, um das Schlimmste zu verhindern. Wie öde, denkt sich Grace, dort hat man nicht einmal Handyempfang. Vor Ort begegnet sie Say, einem merkwürdig verschlossenen jungen Mann. Doch Grace lässt sich auf lange Spaziergänge und sonderbare Gespräche mit ihm ein. Allmählich lernt sie seine stille Art zu schätzen. Ihre Eltern aber streiten noch mehr als früher und bald bekommt auch die Freundschaft mit Say erste Risse.

Der Junge Siyar (Norwegen, Deutschland, Irak 2013, ab 16 Jahren)

Seit dem Tod des Vaters ist der 16-Jährige Siyar das Oberhaupt seiner im Irak lebenden kurdischen Familie. Um das Ansehen seiner Familie zu steigern, stimmt er der Zwangsheirat seiner Schwester Nermin zu. Doch die liebt einen anderen Mann und flüchtet Hals über Kopf mit diesem. Ihr plötzliches Verschwinden hat die Familienehre verletzt, deshalb wird Siyar losgeschickt: Er soll sie finden und töten. Ihre Spur führt ihn zunächst nach Istanbul, wo das Paar ihm jedoch erneut entwischt. Dafür trifft er das Straßenmädchen Evin, das nichts von seinen Mordabsichten ahnt und sich seiner illegalen Reise quer durch Europa anschließt. Nach und nach beginnt Siyar seine Lebenssituation zu reflektieren und dank Evin lernt er eine ganz neue Sicht auf die Welt kennen.

Leave to Remain (Großbritannien 2014, ab 14 Jahren)

Omar, Abdul und Zizidi verbindet ein ähnliches Schicksal: Gewalt und Krieg haben sie aus ihren Heimatländern vertrieben. Nun warten die Jugendlichen in Großbritannien darauf, dass ihre Asylanträge genehmigt werden. Von ihrem Englischlehrer, „Onkel“ Nigel, gefördert und moralisch unterstützt leben sie in einem Asylantenheim und hoffen auf eine Zukunft in Europa. Für den aus Afghanistan geflohenen Omar entscheidet sich in den nächsten Tagen, ob er bleiben darf. Als er erfährt, dass auch sein alter Bekannter Abdul in England ist, sieht er sich in großer Gefahr, denn er weiß etwas über ihn, das niemand erfahren darf.

Sitting Next to Zoe (Schweiz 2013, ab 14 Jahren)

Die türkischstämmige Asal erfährt, dass sie die Aufnahmeprüfung für die Oberschule bestanden hat. Ihre beste Freundin Zoe ist dagegen durchgefallen. Nach den Sommerferien werden sie also unterschiedliche Wege einschlagen. Deshalb nehmen sich die zwei vor, die nächsten Wochen zusammen umso mehr zu genießen. Asal möchte endlich etwas an ihrer völligen Unerfahrenheit mit Jungs ändern. Der Schwede Kai, der den Sommer bei seinem Onkel in der Schweiz verbringt, gefällt ihr auf Anhieb und beim Campen am See kommen sich die beiden näher. Doch Kai scheint auch Zoe zu mögen … So wird die Freundschaft der Mädchen auf eine harte Probe gestellt.

Systemfehler – Wenn Inge tanzt (Deutschland 2014, ab 14 Jahren)

Max ist Sänger und Kopf der Schülerband „Systemfehler“, die mit ihrem Punkrock schon das Interesse eines Musikmanagers auf sich gezogen hat. Die Ideen zu seinen Texten nimmt Max aus dem Schulalltag. Besonders seine Mitschülerin Inge mit ihrem Öko-Aktivismus und extravaganten Tanzstil gibt eine gute Zielscheibe ab. Das Spottlied „Wenn Inge tanzt“ wird zum größten Hit der Band. Dann verletzt sich ausgerechnet vor einem wichtigen Auftritt der Leadgitarrist. Als einziger Ersatz für ihn kommt nur Inge infrage, die hervorragend Gitarre spielt. Die stellt allerdings eine Bedingung: „Wenn Inge tanzt“ darf nicht performt werden. Lässt sich Max auf diesen Deal ein?

(Foto: Lucas Kinder- und Jugendfilmfestival)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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  • Vorschau: Michel-Kinderfilmfest 2014 | Kinderfilmblog

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